So geht's: 8 Dehnübungen für Ihr Pferd

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Foto: Rädlein So geht's: 8 Dehnübungen für Ihr Pferd

Übung 1: Dehnung des Arm-Kopf-Muskels

Der Arm-Kopf-Muskel entspringt am Oberarm und läuft am Unterhals entlang bis zum Kopf. Er beeinflusst, wie leicht sich das Pferd biegen lässt und mit den Vorderbeinen vorschwingen kann.

Für die Dehnung gibt es zwei Möglichkeiten. Die einfachste Variante: Ein Helfer hält Ihr Pferd am Kopf, Sie bleiben an der Schulter (hier rechts). Greifen Sie mit der rechten Hand zum Karpalgelenk, mit der linken zur Fessel. Ziehen Sie das Bein langsam im 90°-Winkel nach hinten.

Die Dehnung ist erfolgreich, wenn Sie keinen Gegendruck spüren.

Übung 1: Dehnung des Arm-Kopf-Muskels

Sie können den Arm-Kopf-Muskel auch alleine dehnen, indem Sie den gesenkten Pferdekopf zur Seite führen.

Übung 1: Dehnung des Arm-Kopf-Muskels

Fassen Sie dazu mit der einen Hand ins Halfter, mit der anderen vor der Schulter in die Halsfaszie. Ziehen Sie den Kopf so weit zur Seite, wie es das Pferd zulässt.

Wichtig: Der Kopf bleibt unten, sonst bekommen die Halswirbel zu viel Druck. Üben Sie jeden Dehnungsansatz auf beiden Seiten.

Übung 2: Dehnung des Rumpfträgers

Dieser Muskel befestigt den Rumpf des Pferds an den Schulterblättern. Ist er zu schwach oder steif, fällt es dem Pferd schwer, sich vorwärts-abwärts zu dehnen. Betroffene Tiere laufen auf der Vorhand und stemmen sich gegen den Zügel.

So wird der Rumpfträger geschmeidig: Greifen Sie mit der einen Hand ins Halfter, mit der anderen vor der Schulter in die Halsfaszie (siehe Übung 1). Strecken Sie den Pferdekopf mit sanftem Zug am Halfter gerade nach vorne unten. Wiederholen Sie die Übung auf der anderen Seite.

Wichtig: Achten Sie darauf, dass Sie selbst im Rücken gerade bleiben, sonst winkt ein Hexenschuss! Positionieren Sie sich im Ausfallschritt, das vordere Bein locker anwinkeln. So bleiben Sie stabil und können Ihr Pferd prima halten.

Übung 3: Dehnung des Sitzbeinmuskels

Ihr Pferd schlurft mit der Hinterhand? Das könnte am Sitzbeinmuskel liegen. Er verbindet Knie- und Sprunggelenk mit der Kruppe.

Ein verspannter Sitzbeinmuskel verhindert, dass das Pferd mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt treten kann. Optisch tritt der Sitzbeinmuskel dann bretthart hervor – als hätte das Pferd einen Spalt in der Pobacke.

So wird er weich: Sie stehen auf Höhe der Hinterhand, fassen mit beiden Händen unter das Fesselgelenk.

Übung 3: Dehnung des Sitzbeinmuskels

Nun bewegen Sie sich langsam rückwärts bis zur Schulter. Führen Sie das Bein sanft nach vorne unten Richtung Fessel des gleichseitigen Vorderbeins.

Die Fessel des Hinterbeins muss dabei deutlich unter die Bauchmitte wandern. Klappt das, haben Sie einen ausreichenden Dehnungsreflex ausgelöst. Wiederholen Sie das Ganze auf der anderen Seite.

Übung 4: Dehnung der Beugesehnen

Beugesehnen gehen aus Muskeln hervor, die oberhalb des Vorderfußwurzel- bzw. des Sprunggelenks liegen. Steife Muskelfasern übertragen einwirkende Kräfte ungedämpft auf die Sehne, was insbesondere nach einer Verletzung oder bei Fehlstellungen zu Lahmheiten und dauerhaft zu Verschleiß führt. Das Dehnen der Beugesehnen bewirkt, dass die Kraftübertragung reibungslos flutscht.

Und so geht’s: Stellen Sie sich frontal vors Pferd. Ergreifen Sie mit beiden Händen ein Vorderbein am Fesselgelenk und führen es vorsichtig nach vorne unten, damit das Pferd nicht in der Brustwirbelsäule blockiert. Dehnen Sie zuerst das Karpalgelenk, dann folgt das Fesselgelenk. Streckt das Pferd willig sein ganzes Vorderbein, dann ist die Dehnung erfolgreich. Wiederholen Sie die Übung mit dem zweiten Vorderbein.

Übung 5: Dehnung der Brustmuskulatur

Die Brustmuskeln verbinden die Vorderbeine mit dem unteren Teil des Rumpfs. Sind sie verspannt, bewegt sich das Pferd mit kurzen, klammen Schritten. Besonders auffällig wird das in Seitengängen, da sich hierbei die Brustmuskeln besonders stark dehnen müssen. Betroffen sind vor allem Pferde mit Gurtzwang oder Tiere, die vorne bodeneng stehen.

So werden sie locker: Beispiel rechte Seite: Positionieren Sie sich neben der Pferdeschulter, fassen Sie mit der rechten Hand um das Vorderbein herum. Mit der linken Hand stabilisieren Sie die Fessel zum Anheben. Denn hängt die Zehe dabei nach unten, kommt zu viel Zug auf die Beugesehne, was dem Pferd weh tun würde.

Heben Sie das Bein nun an, gehen Sie leicht und mit geradem Rücken in die Hocke und legen das Pferdebein auf Ihre Oberschenkel. Ziehen Sie es sanft mit dem rechten Arm zur Seite. Den Dehnungseffekt erkennen Sie daran, dass das Bein gefühlt immer schwerer wird. Wiederholen Sie die Übung auf der anderen Seite.

Übung 6: Dehnung des Hüftbeugers

Der Hüftbeuger verbindet den Oberschenkel mit dem Becken und der unteren Wirbelsäule. Starre Hüftbeuger blockieren die Hinterhand und sorgen für Rückenschmerzen – speziell im Lendenbereich.

Das fällt auch beim Hufeauskratzen auf: Das Pferd wehrt sich, möchte seine Hinterbeine nicht nach hinten herausziehen lassen.

So lockern Sie den Hüftbeuger: Stellen Sie sich neben die Hinterhand. Fassen Sie wie beim Hufeauskratzen mit der einen Hand unter den Huf, die andere bleibt an der Röhre. Ziehen Sie das Bein nun vorsichtig nach hinten unten – nur nicht nach oben, so wie das viele Reiter aus Bequemlichkeit beim Hufesäubern machen. Damit arbeiten Sie gegen die Biomechanik des Hufgelenks und bringen zu viel Zug auf die Lendenwirbelsäule.

Richtig gemacht: Sobald Sie keinen Widerstand mehr spüren, war die Dehnung erfolgreich. Wiederholen Sie die Übung mit dem anderen Hinterbein.

Übung 7: Dehnung der Ganaschen

Damit ein Pferd leicht am Zügel gehen und sich stellen kann, braucht es genug Platz zwischen Kopf und Hals – und entspannte Ganaschen. So bezeichnet man den hinteren Bereich des Unterkiefers. Am Kopf grenzt die Ganasche an die Unterkieferknochen mit den Kaumuskeln, am Hals an die Querfortsätze des ersten Halswirbels und dessen Muskeln.

So lockern Sie diese Partie, Beispiel linke Seite: Greifen Sie mit der rechten Hand hinter den Unterkieferast und fixieren Sie so die Ganasche.

Übung 7: Dehnung der Ganaschen

Mit der linken Hand umfassen Sie den Nasenrücken und schieben die Pferdenase behutsam nach links. Auf diese Weise dehnen Sie die Ganasche und die rechte Nackenmuskulatur.

Wichtig: Üben Sie keinen Druck mit der rechten Hand an der Ganasche aus, Sie könnten die Ohrspeicheldrüse quetschen. Die Stellung ist perfekt, wenn Sie das äußere Ohr ganz leicht vor dem inneren Ohr erkennen. Wiederholen Sie die Dehnung auf der anderen Seite.

Übung 8: Dehnung der seitlichen Lendenmuskeln

Bei vielen Pferden ist der Übergang vom Rücken- in den Kruppenmuskel, sprich die Lendenpartie, verspannt. Dies erkennt man oft an brötchenförmigen Aufwölbungen hinter der Sattellage. Das Pferd bewegt sich klamm, meist schleifen die Zehen über den Boden.

Dehnen Sie die Lendenmuskeln, indem Sie Ihr Pferd den Rücken wölben lassen. Dazu geben Sie einen Impuls an Bauch sowie seitlich an der Kruppe, Beispiel linke Seite: Führen Sie Ihre linke Hand unter den Bauch und drücken mit den Fingerspitzen in den Bauchmuskel hinter der Gurtlage. Parallel streichen Sie mit den rechten Fingerspitzen vom Hüft- zum Sitzbeinhöcker quer über die Kruppe. Gut gemacht: Das Pferd wölbt den Rücken, senkt den Kopf und drückt die Kruppe gegen Ihre Hand. Wiederholen Sie die Übung auf der anderen Seite.

Tipp: Bei manchen Pferden reicht es, nur die Kruppenmuskulatur zu kraulen. Legen Sie beide Hände ca. eine Handbreit neben dem Kreuzbein am höchsten Punkt der Kruppe. Machen Sie mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger synchron kleine Kreise im Uhrzeigersinn.
Mehr zu dieser Fotostrecke: Schritt für Schritt: So dehnen Sie Ihr Pferd