Übungen fürs Pferd mit Elastikbändern

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Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Training mit Elastikbändern

Training mit Elastikbändern: Das sollten Sie wissen

Bevor Sie Ihr Pferd in Bänder wickeln, sollten Sie ihm die Chance geben, sich daran zu gewöhnen. Helle Kleven rät, es zunächst mit einem Band einige Runden im Schritt zu führen und dann leicht an der Longe zu bewegen.

Erst wenn das Pferd die Bänder am Körper nicht mehr stören, kann damit auch unter dem Sattel trainiert werden. Wichtig: Am Anfang nie länger als zehn Minuten mit den Körperbändern arbeiten! „Sonst hat Ihr Pferd am nächsten Tag einen schlimmen Muskelkater“, erklärt Kleven.

Denn: „Die Pferde bewegen sich mit den Bänden ganz anders als ohne. Das ist für sie enorm anstrengend“. Sie dürfen jedoch – in Maßen und langsam steigernd – mehrmals in der Woche mit den Bändern trainieren. „Dass ein Gewöhnungseffekt eintritt, erlebe ich nur selten“, so Kleven.

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Für Handarbeit und Longe: Die gewickelte Acht

Wie wir gewickelt haben: Wer für die Handarbeit oder zum Longieren kein weiteres Zubehör wie einen Sattel oder einen Longiergurt verwenden möchte, kann zwei Bandagen miteinander verknoten. Wir knoten zunächst eine Bandage um den Hals und befestigen die Hinterhandbandage am gleichen Knoten oben auf dem Widerrist.

Die Bandagen wurden in Form einer Acht um Vor- und Hinterhand gewickelt.

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Für Handarbeit und Longe: Die gewickelte Acht

Die Bandagen sollen das Pferd geschlossen halten – gut für versammelnde Arbeit, wie hier die Piaffe an der Hand.

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Für Handarbeit und Longe: Die gewickelte Acht

Wie das Pferd damit läuft: Schon beim Einwickeln fällt auf, dass die Bandagen sich etwas einrollen. Bei der Handarbeit im Schritt lässt sich das durch Nachjustieren korrigieren.

Sabine Ellinger erklärt die Wirkung der Hinterhandbandage: „Durch den leichten Widerstand der Bandage fußt das Pferd hinten etwas früher ab. Dadurch bleibt ihm mehr Zeit, um das Bein Richtung Schwerpunkt zu führen. Es versammelt sich selbst.“ Sie piaffiert ihren Magic an der Hand an: Er bleibt schön geschlossen und verlagert seinen Schwerpunkt deutlich nach hinten.

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Die gewickelte Acht: Wenn sich die Bandage aufwickelt

Beim Longieren versucht Magic immer wieder, seinen Hals fallenzulassen, nimmt aber den Kopf gleich wieder hoch. Wir vermuten, dass ihn die Bandage um die Schultern stört. Sie rollt sich ein und zwickt ihn in den Hals.

Deshalb packen wir das Pferd aus und probieren eine andere Technik – und zwar eine von Linda Tellington Jones: Wir knoten eine Bandage um den Hals. Daran befestigen wir die zweite Bandage mit einem Knoten unterhalb des Widerrists, führen sie um die Hinterhand und knoten sie auf der anderen Seite an der gleichen Stelle. Ellingers Pferd läuft nun zufriedener und findet wieder den Weg in die Tiefe.

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Die gewickelte Acht: Knoten neben dem Widerrist

Unser Fazit: Die Bandagen sollten nicht oben am Widerrist zusammengeknotet werden, sondern seitlich daneben. Der Effekt auf die Hinterhand ist deutlich. Die Schulterbandage wirkt eher störend.

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Longieren mit Longiergurt und Hinterhandband

Wie wir gewickelt haben: Ist ein Longiergurt zur Hand, kann die Bandage auch einfach daran befestigt werden. Wir knoten die Hinterhandbandage auf beiden Seiten jeweils in den unteren Ring des Gurts.

Möglich wäre auch, sie noch weiter unten an der jeweils hinteren Strippe zu befestigen.

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Longieren mit Longiergurt und Hinterhandband

Wie das Pferd damit läuft: Die Bandage um die Hinterhand bleibt da, wo sie soll. Sabine Ellingers Pferd trabt schwungvoll und mit aktiver Hinterhand voran. Es scheint sich wohlzufühlen, schnaubt zufrieden ab und sucht bereit-willig die Dehnung.

„Dies ist übrigens eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, dass ich mit den Bändern arbeiten kann“, sagt Ellinger. „Nur wenn das Pferd gelernt hat, sich in der korrekten Haltung mit tiefem Hals und aufgewölbtem Rücken an der Longe zu bewegen, kann ich einen Trainingseffekt erzielen“, ergänzt die Ausbilderin.

Was die Bandage um die Hinterhand bewirkt, ist besonders deutlich zu erkennen, wenn Ellinger Magic zum Halten durchpariert. Dann schiebt er die Hinterhand weit unter. Oft korrigiert er sich sogar selbst noch einmal nach und setzt die Hinterbeine jeweils noch ein Stück weiter nach vorne.

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Longieren mit Longiergurt und Hinterhandband

Unser Fazit: Das Pferd bewegt sich mit aktiver Hinterhand. Vor allem bei Paraden bewirkt die Bandage, dass Magic seine Hinterbeine deutlich unterschiebt. Ohne die Bandage um den Schulterbereich scheint er sich wohler zu fühlen.

Sabine Ellinger bestätigt diesen Eindruck: „Er dehnt sich bereitwilliger und bleibt konstanter in dieser Haltung.“ Im nächsten Schritt werden wir eine zweite Bandage am Longiergurt befestigen, die Magics Schultern einrahmen soll. Wird das Pferd damit besser oder schlechter gehen?

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Longieren mit Band um die Schulter

Wie wir gewickelt haben: Zusätzlich zur Bandage um die Hinterhand knoten wir eine zweite Bandage in die jeweils oberen Ringe des Longiergurts.

Wie das Pferd damit läuft: Wir haben die Bandage so weit oben befestigt, weil wir vermuten, dass das Pferd so mehr Schulterfreiheit hat. Sie hält gut und rollt sich nicht ein. Doch auch diese Wickel-Technik kommt bei Magic nicht so gut an. Ohne die Bandage um die Schulter bewegte er sich freier und zufriedener.

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Longieren mit Band um die Schulter

Unser Fazit: Wir vermuten, dass das Band um die Schultern gut ausgebildete Pferde eher behindert als unterstützt. Bei jungen oder untrainierten Pferden mit Balanceproblemen könnte das anders sein.

„Das Band soll ja den Schultergürtel stabilisieren. Daher kann es Pferden, die aufgrund fehlender Balance zum Beispiel dazu neigen, sich auf der Zirkellinie nach innen zu legen, sicher helfen“, überlegt Sabine Ellinger.

Dies bestätigt auch Helle Kleven. Doch sie vermutet einen weiteren Grund für Magics Unwohlsein: „Vielleicht war das Band um die Schultern zu straff. Ein geringer Widerstand reicht völlig aus.“

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Reiten mit Hinterhand-Bandage

Wie wir gewickelt haben: Das eine Ende der Bandage knoten wir an die hintere Strippe des Sattelgurts. Dann führen wir die Bandage um die Hinterhand und binden das zweite Ende an die Sattelstrippe auf der anderen Seite.

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Reiten mit Hinterhand-Bandage

Wie das Pferd damit läuft: Magic trabt locker und mit viel Schub aus der Hinterhand. Seine Reiterin Sabine Ellinger erklärt, was sie im Sattel fühlt: „Ich finde, dass Magic sich mit dem Band um die Hinterhand geschlossener und stabiler anfühlt. Es verbessert den gesamten Bewegungsablauf.

Deshalb nutze ich es gerne auch beim Reiten, zum Beispiel, um an der Versammlung zu arbeiten.“ Sabine Ellinger zeigt eine Piaffe unter dem Sattel. Vorbildlich: offenes Genick, deutliche Schwerpunktverlagerung und gute Hankenbeugung.

Das Band um die Hinterhand helfe Magic dabei, sein Becken mehr anzudrehen, erklärt Ellinger. So könne er weiter unter den Schwerpunkt fußen und hinten mehr Last aufnehmen.

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Reiten mit Hinterhand-Bandage

Unser Fazit: Auch beim Reiten ist das Band um die Hinterhand eine tolle Trainingshilfe – „vor allem für Pferde, die sich in der Kruppe gerade machen und nicht richtig nach vorne fußen“, sagt Ellinger.

Die Pferdetherapeutin Helle Kleven empfiehlt, nach der Lösungsphase immer mal wieder zehn bis 30 Minuten mit dem Band um die Hinterhand zu reiten. „Länger nicht, sonst wird es fürs Pferd zu anstrengend“, meint sie. „Wenn Sie noch weiterreiten möchten, schnallen Sie das Band lieber ab.“

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