GHP: Die 10 besten Übungen zur Geführten Gelassenheitsprüfung

Der Sound von Spray

Die Geführte GHP besteht jeweils aus einer Folge von 10 Aufgaben, die sich aus sechs Pflicht- und vier variablen Aufgaben zusammensetzt. Jede GHP beginnt mit der Aufgabe „Vorstellen“. Die variablen Aufgaben werden vom Veranstalter frei aus dem unten angegebenen Aufgaben-Pool von 10 Aufgaben gewählt. Sprays sind grausig. Deshalb müssen Pferde ihr Geräusch ertragen lernen.
Foto: Kuczka GHP I - gefährliches Mähnenspray

Theater beim Putzen: Mähnenspray zischt ganz gefährlich, und der Schimmel will am liebsten weg.

Bimmelnde Handys und hupende Autos gehören zum Pferdealltag. Doch erschrecklicher als Krach ist ein leises „Zschscht“, das bedrohlich wie die Python Kaa aus dem Dschungelbuch daherlispelt. Wie soll das Pferd schließlich wissen, daß hier keine Schlange zischt, sondern ein Mähnenspray?

Ein Pferd, das sich beim Zischen nicht verzischt, sondern gelassen stehenbleibt, zeigt daher eine gute Erziehung. Es ist im Umgang sicher, so daß Sie es ohne Gefahr mit Wund oder Fliegenspray behandeln können. Deshalb prüft dieses Hindernis der GHP, wie souverän das Pferd mit einem Zischen vom Band fertig wird.

Dazu muß es in einem per Sägemehl markierten Viereck ruhig am deutlich losen Führstrick stehen. Es ist falsch, ein Pferd am extrakurzen Trensenzügel zu halten. Genauso falsch ist ständiges Geruckel per Trense im Maul, um das Pferd abzulenken. Das zeigt lediglich, daß der Pferdeführer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat: Laut GHP-Regeln muß das Pferd für die Note 1 oder 2 „ohne erkennbaren Einfluß des Pferdeführers“ gelassen bleiben.

Zischt es los, darf das Pferd nicht erschrecken oder unruhig werden. Es darf sich nach dem Geräusch umsehen, muß es aber gelassen akzeptieren. „Ein plötzliches, grelles Geräusch ist für Pferde eine knifflige Sache“, sagt Manfred Krauth, Chef der Mannheimer Polizeireiterstaffel. Krauths Pferde müssen Geräusche aller Art ertragen, weshalb sie eine Dienstpferdeprüfung absolvieren, zu der auch ein Geräuschtest gehört.

Am besten üben Sie mit einer Wassersprühflasche für Blumen, die hervorragend zischt. Außerdem kann ein Helfer mit ihr in sicherer Entfernung hantieren. Für das Training schwört Polizist Krauth vor allem auf ein gelassenes Führpferd. „Mit ihm kann das unerfahrene Pferd zunächst auf etwa zehn Meter an das Geräusch herangeführt werden.“

Steht das Pferd gelassen, darf es sich an der Seite des Führpferds dichter ans Gezischel wagen. Loben Sie das Pferd, sobald es einen Schritt auf die Geräuschquelle zutritt. Springt es weg, lenken Sie es mit einer anderen Übung (Vorwärts, Stillstehen, Rückwärts) ab und beginnen neu. Strafen Sie Ihr Pferd nicht, sondern ermuntern Sie es durch Lob oder Leckerli.

Hat Ihr Pferd den ersten Schreck überwunden (was bei besonders ängstlichen Tieren bis zu 14 Tage dauern kann), verzichten Sie auf das Führpferd. Gehen Sie entschlossen neben Ihrem Pferd auf den Sprühhelfer zu. Manchen Pferden fällt es leichter, wenn sie sich einem Geräusch langsam nähern können; werden sie abrupt vom Lärm überrascht, explodieren manche.

Ob Sie ein Führpferd nutzen oder nicht, hängt von Ihren Möglichkeiten ab. Sie können auch ohne Führpferd klarkommen. Das zeigt eine andere, ebenfalls bewährte Trainingsmethode: Lassen Sie das Pferd ruhigstehen und zwingen es (Zupfen am Knotenhalfter, Stampfen mit dem Fuß), konzentriert auf Sie zu achten. Sie müssen für Ihr Pferd eindrucksvoller sein als alles Gesprühe der Welt.

Ihr Helfer rückt nun zischend näher, während Sie das Pferd immer wieder von
der Sprühflasche ab- und auf Sie selbst lenken. Wie stark Sie zischen lassen, hängt von der Reaktion Ihres Pferds ab. Dabei haben Problempferdetrainer Interessantes beobachtet: Je zaghafter und vorsichtiger der Mensch beim Training hantiert, desto schreckhafter wird das Pferd. Offenbar verstärkt eine zaghafte, lauernde Haltung („Gleich flippt das Pferd aus“) in Wahrheit die Bedrohung für das Pferd. Deshalb gilt: Je selbstverständlicher Sie arbeiten, desto schneller beruhigt sich Ihr Pferd.

„In diesem Trainingsstadium kann es auch helfen, einen Plastikkanister mit Steinen zu füllen. Mit dem klappernden Kanister streichen Sie das Pferd in Fellrichtung ab“, sagt Polizeireiter Krauth. Einen anderen Trick fürs Training verrät Oberkommissar Leonhard Pruski, Chef der Münchener Polizeireiterstaffel. Er berieselt seine Pferde im Stall mit Musik und Radiowerbung – eine Idee, die Penquitt-Trainer Hartmut Luther einleuchtet.

„In der Werbung kommen viele grelle Geräusche vor. Es ist gut, wenn das Pferd sich in der vertrauten Umgebung des Stalls an sie gewöhnen kann.“ Fürs Training auf dem Platz rät auch Luther zu entschlossenem Handeln statt verzagter Reaktion. „Führen Sie das Pferd entschlossen ans Geräusch, und loben Sie ständig“, lautet sein Tip. Schräges Vorbeiführen an der Gefahr (ähnlich Schulterherein) ist nach Luthers Erfahrung zunächst leichter als der frontale Marsch zum Zischen.

Barbara Heilmeyer, Tellington-Ausbilderin, schwört auf Berührung, die beruhigt. Führen Sie Ihr Pferd so dicht wie möglich an die Lärmquelle und streichen Sie mit drei Fingern außen am Ohr entlang (an der Ohrspitze beginnen). „Auch sanftes Kreisen an der Spitze des Auges oder am Übergang von Hals und Brust entspannt das Pferd.“

Egal nach welcher Methode Sie üben, wiederholen Sie die Übung regelmäßig, und zucken Sie im Zisch-Training niemals zusammen. Sonst zuckt auch Ihr Pferd – schließlich geben Sie den Ton an.

12.01.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 02/2004