Tacheles-Diskussion
Ein unreitbares Pferd als Beisteller abgeben?

Allzu leichtfertig scheinen manche Pferdebesitzer ihr nicht mehr reitbares Pferd abzugeben. Wann ist das eine gute Lösung und wann nicht?

Weißes Pferd auf einer Weide, im Vordergrund eine Reiterin mit Halfterstrick in der Hand
Foto: Lisa Rädlein

Ich dachte, dass ich mit dem Kauf gleichzeitig "für immer" sage. Bis meine Stute mit zwölf Jahren einen Sehnenschaden bekam. Spritzen, Operation, ein halbes Jahr Reha… Ergebnis: unreitbar. Ich hab’s zuhause versucht. Mit wenig Weide, Paddock, Mini-Spaziergängen, doch mein Pferd war nicht glücklich. Ich war dauergestresst, immer in Panik wegen zu viel Weide ohne Ausgleichssport und andererseits zu viel Langeweile. Nun lebt meine Stute bei einer Freundin in einem Offenstall mit Trail, stabiler Herde und einem Nebenjob als Therapiepferd für verhaltensauffällige oder körperlich eingeschränkte Kinder. Nach Absprache mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover dürfen Kindergartenkinder im Schritt auch mal drauf sitzen. Leider ist all das 500 Kilometer von mir entfernt. Aber es ist für das Pferd und für mich besser so. Auch wenn ich dafür meilenweit über meinen Schatten springen musste. Ulrike Bergmann aus Sylt

Ich habe Verantwortung bis ans Lebensende für ein Tier übernommen. Und das bedeutet, in guten wie in schlechtem Zeiten für dieses Tier da zu sein. Egal ob es noch einen "Nutzen" hat oder nicht. Britta Bein aus Bornhöved

Ich finde das Konzept "Beisteller" für ein älteres Pferd ungeeignet und lieblos.Gerade ältere Pferde brauchen besondere Pflege, Futter, seniorengerechtes Training, Geld und meist noch vieles mehr. Meine Stute bekommt kein bisschen weniger Aufmerksamkeit, nur weil ich sie nicht mehr reiten kann. Im Gegenteil. Sofia Heidelberg via Facebook

Ich würde nie mein Pferd abgeben, weil es nicht mehr reitbar ist.Es ist ein Teil der Familie und wird es auch bleiben. Katharina Neumeister aus Winnemark

Da ich kein Selbstversorger mehr bin, brauchte ich eine andere Möglichkeit für meinen Oldie, der mich seit ungefähr 23 Jahren begleitet. Ich habe eine wunderbare Senioren-WG für ihn gefunden. Die beiden Pferde (meiner 30 und das andere 31) sind ein Herz und eine Seele und die Besitzerin des anderen Ponys liebt meinen Alten, als wäre er ihrer! Ich kann mein Pferd zwar nicht mehr täglich sehen, aber es wird bis zum Ende seiner Tage in meinem Besitz bleiben. Das bin ich ihm schuldig nach dieser langen, gemeinsam verbrachten Lebenszeit! Petra Barz aus Aurich

Es wäre schrecklich, wenn ich mein Pferd nicht mehr reiten könnte. Aber es gibt inzwischen so viele tolle Möglichkeiten, mit einem Pferd vom Boden aus zu arbeiten. Allein in der Freiarbeit. Pferde, die vom Rücken her nicht mehr tragen können, können vielleicht als Kutschpferd genutzt werden. Mein Pferd bleibt bei mir. Bis zum Schluss! Angie Maus aus Klein Eicklingen

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