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Wie sauber ist das Trinkwasser für Pferde?

Eine saubere Sache?

Leitungswasser hat in Deutschland Trinkwasserqualität. Doch viele Ställe nutzen hofeigene Brunnen. Dieses Wasser kann schadstoffbelastet sein.

In welchen Fällen sind Proben ratsam?

Die deutsche Trinkwasserverordnung stellt die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch sicher. Tränkwasser für Tiere fällt nicht darunter. Begründung: Die meisten Ställe nutzen betriebseigene Wasserversorgungssysteme (z. B. Brunnenwasser).

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Und man nimmt an, dass eine Überschreitung der für Menschen geltenden Grenzwerte nicht generell nachteilige Effekte auf Tiere haben muss. Dennoch gibt es Orientierungswerte vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, siehe Tabelle).

Rechtlich bindend sind sie nicht. Da belastetes Wasser ernste Erkrankungen wie etwa Darmstörungen, Leistungsabfall oder sogar Vergiftungen zur Folge haben kann, sollte die Qualität routinemäßig oder bei Verdacht auf Verunreinigung sofort überprüft werden.

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Wie finde ich ein zuverlässiges Labor?

Das Labor sollte Erfahrung mit Tränkwasseranalysen haben. Dietbert Arnold, Sachverständiger für Pferdezucht und -haltung, empfiehlt die Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten, die teils auch für Privatpersonen arbeiten (www.vdlufa.de). Es gibt zwei Analysen: eine mikrobiologische (ca. 38 Euro) und eine physikalisch-chemische (ca. 77 Euro). Empfehlenswert sind beide.

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Im Labor wird das entnommene Wasser auf Schadstoffe untersucht.

Wie entnehme ich eine Probe?

Das Wasser wird in eine neue, ausgeleerte und mit dem zu untersuchenden Wasser mehrfach gespülte Mineralwasserflasche gefüllt. Am besten lässt man sich vorab vom Institut beraten. Routineproben entnimmt man am Einspeisungsort in das Tränksystem. Ist ein Vorratsbehälter vorhanden, wird die Probe daraus bzw. aus der Leitung zur Tränke genommen. Vorher sollte in der Leitung stehendes Wasser 5-10 Minuten ablaufen. Bei Verdacht auf Erkrankung erfolgt die Beprobung direkt an der Tränke. Erforderlich sind ca. 1,5 Liter.

Woher kommen die Schadstoffe?

Die Belastung von Brunnen- bzw. Grundwasser mit Schadstoffen kann regional und von Hof zu Hof stark variieren. Verunreinigungen resultieren aus belastetem Boden, Stallstaub, Futterresten, Ausscheidungen, Rohren oder dem Eindringen von Abwasser. Die Analysen decken die wichtigsten Inhaltsstoffe zumeist ab. Denn alle potenziell gefährlichen Stoffe zu testen, wäre sehr teuer.

Hier muss man auswählen: „Ist etwa ein Aluminiumwerk in der Nähe, würde ich das Wasser auch auf Aluminium untersuchen lassen“, rät Arnold.

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Was tun bei schlechten Werten?

Ein Stallbetreiber sollte die gute Qualität seines Tränkwassers gewährleisten. Ist es stark belastet, muss er den Brunnen oder die Wasserquelle eigentlich außer Betrieb nehmen und auf andere Weise tränken. Im Idealfall mit Leitungswasser, das in Deutschland stets Trinkwasserqualität hat.

Wie der Stallbetreiber jedoch mit belastetem Wasser umgeht, liegt in seinem Ermessen, da es keine rechtlich verbindlichen Grenzwerte gibt. Zur Not muss ein Einsteller das Tränken seines Pferds selbst in die Hand nehmen – oder den Stall wechseln.

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Nitrat: Die schleichende Gefahr

„Problematisch sind alle Regionen mit Tierhaltungen auf nicht ausreichenden Flächen“, sagt Dietbert Arnold. Verursacht durch die großen Güllemengen, übersteigt deren Nitratgehalt den Bedarf der Pflanzen und sickert ungenutzt bis ins Grundwasser. Mit schlimmen Folgen: „Pferde reagieren besonders empfindlich auf Nitrat. 25 bis 50 mg/l im Wasser können eine schleichende, über 50 mg/l eine akute Vergiftung auslösen“, so der Sachverständige.

Nitrat verändert den Farbstoff der roten Blutkörperchen, sodass diese weniger oder sogar keinen Sauerstoff mehr transportieren können: „Es beginnt mit einer verschlechterten Sauerstoffversorgung und endet mit dem Tod durch das sogenannte innere Ersticken. Der Orientierungswert des BMEL von 200mg/l ist zu hoch angesetzt.“ Ratsam daher: auch Tränkwasser aus Trinkwasser untersuchen lassen.

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Gefahr im Tränkwasser: Biologe Dr. Michael Saefkow im Podcast-Interview

Wir Reiter machen uns ständig Gedanken über die richtige Fütterung unserer Pferde – aber wie sieht es eigentlich mit einem ganz wichtigen Element darin aus: dem Wasser? Da schlummern etliche Gefahren, die wir allzu oft übersehen, sagt Dr. Michael Saefkow. Der Biologe beschäftigt sich seit Jahren mit der Sauberkeit von Wasser und meint: Im Tränkwasser können sich gesundheitsgefährdende Mikroorganismen finden. Diese Toxine können mittel- oder langfristig zu Krankheiten führen, weil sie das Pferd schleichend vergiften können. Wir sprechen mit Dr. Saefkow, wie sich diese Gefahr verringern lässt und worauf Reiter beim Tränkwasser generell achten sollten.

Du kannst den Podcast entweder gleich unten auf dieser Seite anhören oder zum Start auch bei Spotify, Apple Podcasts / iTunes, Acast, AudioNow und Deezer sowie nach und nach in vielen anderen Podcast-Apps und Verzeichnissen.

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