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Vorsicht bei der Rettung von Schlachtpferden

"Es geht nur ums Geld"

Ein Rechtsanwalt schlägt Alarm: Fleischhändler aus Bayern machen Profit mit todkranken Pferden. CAVALLO-Redkteurin Linda Krüger beschreibt, was hinter dem Geschäft mit dem Mitleid steckt.

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Warmblutwallach Pilgrim litt unheilbar unter Rehe, das Hufbein stand kurz davor, durch die Sohle zu brechen. Über das seriös wirkende Portal www.schlachtpferderettung.de wurde Pilgrim für 1200 Euro als Freizeitpferd verkauft. Ein paar Tage später musste er eingeschläfert werden.

„Beim Verkauf hieß es, er müsse nur mal zum Hufschmied“, sagt Lisa Becker (Name geändert), die Pilgrim als Geburtstagsgeschenk von ihrem Ehemann bekam. Pilgrim ist kein Einzelfall. Das Geschäft mit dem Mitleid gutgläubiger Menschen auf Kosten leidender Pferde blüht. „Bei Pferdeverkäufen wird schon einiges geschönt. Was im Fall von www.schlachtpferderettung.de über meinen Schreibtisch lief, spottet jeder Beschreibung“, sagt der Münchner Rechtsanwalt Bernhard Schmeilzl. „Da nutzen Fleischhändler das Mitleid vieler Pferde- liebhaber aus und verkaufen todkranke Tiere noch teils für über 1000 Euro als Freizeitpferde.“

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Missbrauch in großem Stil

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Unterstützt würden die Akteure durch „willige Helfer, die Websites betreiben, ,Schutzhöfe’ zur Verfügung stellen und wohl auch ihren Anteil an den Umsätzen einstreichen“, sagt der Münchner Anwalt Bernhard Schmeilzl, der zwei Käuferinnen vertritt und über seinen Blog „rechthaber.com“ bereits von rund 20 weiteren Fällen erfuhr.

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Spax-Schrauben im Rehe-Huf eines Verkaufspferdes.

Das Vorgehen sei stets dasselbe: Über www.schlachtpferderettung.de würden Tiere angeboten, die angeblich vom Metzger freigekauft wurden oder zur Schlachtung in Italien anstehen. Schmeilzl: „Papiere werden nicht mitgeliefert, oder sie sind falsch.“ Etliche Tiere stammten aus dem bayerischen Pferde- und Fleischhandelsbetrieb von Hans N. und seinem Sohn. Vermittlerinnen würden sie weiterverkaufen. Für Pilgrim quittierte N. sogar persönlich den Erhalt des Kaufpreises.

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Todkranke Pferde zum Verkauf angeboten

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"Dass er das Tier schlachten soll hatte man ihm klar gesagt“, so Robert Derbeck vom Tierschutzverein Noris aus Nürnberg, der Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz bei der Staatsanwaltschaft Bamberg einreichte.

„Es stimmt nicht, dass Herr N. wissentlich todkranke Pferde an Privatkunden verkauft“, sagt Sandra H., die für Hans N. arbeitet, zu CAVALLO. „Der Verkauf läuft über mich, und ich konnte dadurch schon Hunderte Schlachtpferde retten.“ Dass einzelne Tiere offenbar unheilbar krank waren, habe sie nicht gewusst.

„Wir wollen den Leuten keine todkranken Pferde andrehen, deshalb haben wir auch den Kaufpreis für den hufrehekranken Wallach zurückerstattet“, so H. Um Profit gehe es nicht: „Beträge von über 1000 Euro sind keine deutschen Schlachtpreise, sondern das, was in Italien bezahlt würde, wo die Pferde zum Schlachter kämen.“ Mit www.schlachtpferderettung.de hätten weder sie noch Herr N. etwas zu tun. „Dort habe ich nur, wie andernorts auch, Tiere inseriert“, sagt Sandra H.

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Schlachtpferderettung ist „Betrug und Tierquälerei“

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Frau S. soll ihm Spax-Schrauben in die Hufe gedreht haben, um einen laienhaften Beschlag zu fixieren. Auch hier wurde Strafanzeige erstattet. Monika S. bezeichnet die Vorwürfe, die Tierarzt und Schmied widerlegen könnten, als verleumderisch. „Über das Portal und Einzelpersonen werden Lügen verbreitet.“

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Bernhard H. Schmeilzl

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch. Inzwischen gibt es zudem ein neues Portal namens www.schlachtpferde.bboard.de. Dieses wird Anwalt Schmeilzl ebenfalls „intensiv beobachten“.

Das Experten-Urteil des Anwalts:
„Rechtlich betrachtet, ist all das eindeutig Betrug und Tierquälerei“, sagt Anwalt Bernhard Schmeilzl aus München. „Die Käufer haben Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises und Schadenersatz. Nur: Die Beweislage ist manchmal nicht einfach. Die wohlmeinenden Käufer schließen ja in der Regel keine schriftlichen Verträge. Oft wissen sie nicht einmal, von wem sie das Pferd eigentlich gekauft haben, weil der Eigentümer sich im Hintergrund hält und einen ,Leihschützer’ vorschiebt. Alles ziemlich mafiös. Ich kann jedem Tierschützer nur dringend raten, die Finger vom Schlachtpferdekauf zu lassen. Denn für jedes ,gerettete’ Pferd ist bereits der nächste Transporter mit Nachschub aus Rumänien unterwegs.“

Bernhard Schmeilzl, Experte für Pferderecht, ist in München als Anwalt bei Graf & Partner Rechtsanwälte tätig.

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