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CAVALLO klärt auf - "Knochenbrecher" Tamme Hanken

Kann Tamme Hanken Pferde heilen?

Als "Knochenbrecher" sorgt Tamme Hanken im TV derzeit für Quote. Im Rahmen eines Behandlungstermins war CAVALLO mit einer Fachtierärztin vor Ort, um seine Arbeit zu analysieren, die von vielen Pferdebesitzern auch kritisch beurteilt wird. Hier gibt es den Bericht.

Zum Tod von Tamme Hanken: Der "Knochenbrecher" lebt nicht mehr

Dem Knochenbrecher reichen einige wenige Handgriffe. Griffe, die er bei seinem berühmt-berüchtigten „Einrenken“ immer wieder anwendet: Den Kopf des Pferds drückt er in Richtung Pferdebrust, den Hals biegt er einmal nach links und einmal nach rechts. Mit einem harten Gegenstand fährt er auf beiden Seiten über die Kruppe. Er ruckt an den Vorderbeinen und zieht anschließend die beiden Hinterbeine nacheinander nach hinten heraus. Diese Griffe sind bei jedem Pferd identisch, an das Tamme Hanken an diesem Tag Hand anlegt.

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Viele Pferdebesitzer hoffen darauf, dass Tamme Hanken ihre Lieblinge so heilt. Was ist dran an dem Ostfriesen, der in vielen Medienberichten als „Deutschlands wohl berühmtester Chiropraktiker für Tiere“ bezeichnet wird? CAVALLO war inkognito bei einem seiner Behandlungstermine und analysiert seine Vorgehensweise. Als Expertin war Pferde-Fachtierärztin und Chiropraktikerin Winnie Dreschel mit vor Ort. Sie arbeitet in der Praxis von Dr. Sybil und Donald Moffatt, die auf chiropraktische Behandlungen spezialisiert sind. Beide gründeten die International Academy of Veterinary Chiropractic (IAVC). An diesem Institut lassen sich Tierärzte aus ganz Europa in der Veterinärchiropraktik weiterbilden.

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Der Landwirt will „Nervenfühlen“

Zum Tod von Tamme Hanken: Der "Knochenbrecher" lebt nicht mehr

Tamme Hanken ist kein ausgebildeter Chiropraktiker, Osteopath, Physiotherapeut oder Pferdetherapeut. Er ist Knochenbrecher. Dieser Begriff bezeichnet in Ostfriesland jene Heiler, die angeblich Blockaden und Verspannungen im Körper von Menschen und Tieren erfühlen und lösen können. Auch Tamme Hanken rühmt sich dieser Gabe des „Nervenfühlens“, die er von seinem Großvater geerbt haben will.

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Der 53-jährige gelernte Landwirt gründete in den 1990er-Jahren die „Pferde-Reha Filsum“ und ist seitdem hauptberuflich als Knochenbrecher tätig. Anfangs renkte er auch Menschen ein, heute behandelt er nur Tiere. Fast jeden Samstag ist bei ihm auf dem Hof im ostfriesischen Filsum in Niedersachsen „Kummertag“: Tierbesitzer können mit ihren Lieblingen kommen und sie behandeln lassen. Ohne Voranmeldung, je nach Andrang mit unbestimmter Wartezeit.

Einige Kunden kommen an diesem Tag aus den angrenzenden Landkreisen nach Filsum. Andere Tierbesitzer haben rund 500 Kilometer zurückgelegt – einfache Strecke. Unter der Woche reist Tamme Hanken quer durch Deutschland und behandelt auf Sammelterminen Pferde und Hunde.

Steckbrief: Vom Bauer zum Knochenbrecher

Tamme Hanken wurde am 16. Mai 1960 in Filsum (Niedersachsen) geboren. Nach der Schule schloss er eine landwirtschaftliche Lehre ab und arbeitete als Betriebshelfer auf einem Bauernhof. Wenig später schloss er sich einem Hufschmied an und arbeitete etwa acht Jahre lang mit ihm zusammen.

Danach führte er mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin eine Hühnerfarm. Nach ein paar Jahren sattelte Hanken erneut um und eröffnete eine Stutenmilchfarm, das „Gestüt Drachenfels“. Als die Produktion der Stutenmilch Hanken zufolge kein Geld mehr abwarf, widmete er sich hauptberuflich dem Handwerk des Knochenbrechers. Seit Ende der 1990er-Jahre betreibt er die „Pferde-Reha Filsum“.

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CAVALLO Undercover-Besuch

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Der Ablauf beim Undercover-Besuch in Filsum ist stets gleich. Maximal 15 Minuten wendet Hanken pro Tier auf. Pferde lässt er sich zunächst ein paar Meter im Schritt vorführen. Nach der Vorgeschichte des Pferds, Krankheiten, Problemen beim Reiten oder beim Umgang fragt er nicht.

Dabei sind diese Informationen wichtig, um das Pferd richtig beurteilen zu können. „Die Vorgeschichte des Tiers muss immer abgefragt werden“, betont Winnie Dreschel. Außerdem ist für eine fundierte Diagnose mehr nötig als ein paar Meter Schritt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man auf diesen paar Metern eindeutig erkennen kann, was das Pferd hat“, sagt die Tierärztin.

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Hanken beweist auf diesen wenigen Metern Schritt immerhin einen Blick für die Beschaffenheit der Hufe. Immer wieder moniert er an diesem Tag, dass Zehen zu lang seien oder die Hufe unterschiedlich bearbeitet. Er arbeitete in den 1980er-Jahren mit einem Schmied zusammen; vermutlich stammt daher sein Wissen. „Er sieht genau hin, beobachtet, wie das Pferd tritt, wie es die Hufe setzt“, sagt Winnie Dreschel. „Die Fehlstellungen der Hufe, die er beschreibt, treffen meistens zu.“

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Das Einrenken - Ein Ruck am Pferdebein

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Der Ton, den er gegenüber den Besitzern anschlägt, ist hart wie Eisen. „Ihr habt nie gelernt, wie ein Pferd richtig laufen soll. Wenn du dein Pferd weiter so laufen lässt, hat es zu Weihnachten einen französischen Namen: Lasagne.“

Auch auf die Hufschmiede schimpft er. „Hat dein Schmied eine gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten drauf?“, fragt Hanken eine Frau. Verdattert schüttelt sie den Kopf. „Sollte er aber haben“, gibt Hanken zurück, „der muss blind gewesen sein. Die Hufe sind beschissen.“ Seine Kommentare sind derb, treffen aber bei den Hufen an diesem Tag ins Schwarze.

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Zur Diskussion im CAVALLO-Forum - "Knochenbrecher" Tamme Hanken

Sättel beurteilt der Knochenbrecher ebenfalls. „Schätzelein, war dein Sattler besoffen?“, fragt Tamme Hanken eine Kundin. Die Frau schüttelt den Kopf. „Warum baut er dann so einen Sattel?“ In der Tat liegt der Sattel nicht im Schwerpunkt. „Hatte der Sattler genauso wenig Ahnung wie du?“, kommentiert er. Das ist Klartext nach Art des Ostfriesen, sein Markenzeichen.

Berühmt ist Hanken für sein „Einrenken“, wie der Knochenbrecher seine Technik selbst bezeichnet. Dabei ist dieser Begriff falsch, wie CAVALLO mehrfach berichtete, etwa im Artikel „Das ist der Hammer“ in Heft 6/2011: Wirbel können maximal ganz leicht schief stehen. Wären sie ausgerenkt, wäre das Pferd gelähmt.

Ein kurzer, kräftiger Ruck am Pferdebein

Hankens „Einrenken“ läuft so ab: Die Vorderbeine hebt er nacheinander an, ruckt an jedem Gelenk und bewegt das jeweilige Bein zur Seite. Bei den Hinterbeinen geht er ähnlich vor: Ein kurzer Ruck am Fessel- und am Sprunggelenk, dann bewegt er das Hinterbein mit einem Griff ums Röhrbein nach hinten und zieht daran. Bei dem über 2 Meter großen und geschätzt 160 Kilo schweren Mann kann man sich vorstellen, welche Kräfte dabei auf das Pferd wirken.

An diesem Tag sieht das Einrenken relativ harmlos aus im Vergleich zu den Bildern, die man sonst oft in seiner NDR-Doku-Soap „Der XXL-Ostfriese“ zu sehen bekommt. Die Handgriffe sind aus Sicht von Chiropraktikerin Winnie Dreschel dennoch nicht ohne: Hanken nutzt bei seinem Vorgehen lange Hebel. Das heißt, er beeinflusst mehrere Gelenke gleichzeitig.

Klar wird das am Beispiel des Hinterbeins: „Natürlich wirkt er auf das Kreuzdarmbeingelenk des Pferds ein, wenn er daran zieht“, erklärt Winnie Dreschel. „Allerdings sind drei weitere Gelenke zwischengeschaltet, bevor die Kraft beim Kreuzdarmbeingelenk ankommt: nämlich das Sprunggelenk, das Knie und das Hüftgelenk.“

Weil die Wirkung über lange Hebel sehr ungenau sein kann, arbeiten Chiropraktiker normalerweise mit kurzen Hebeln. Dadurch wirken sie gezielt auf ein bestimmtes Gelenk ein. „Es gibt einige Osteopathen und Physiotherapeuten, die über die Langhebeltechnik arbeiten“, sagt die Tierärztin.

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Einrenken nach Hanken - Lymphgefäße abgerissen

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Diese Therapeuten tasten sich langsam an das Pferd heran und dehnen die betroffenen Körperteile vorsichtig und behutsam in alle Richtungen. Tamme Hanken hingegen geht schnell und ruckartig vor. Wenn das Pferd bei der ruckartigen Behandlung dagegen hält, besteht Verletzungsgefahr für das Tier. „Bänderstrukturen, Sehnen und Muskeln können geschädigt werden, es kann zu Zerrungen kommen“, zählt die Tierärztin Risiken auf.

Gefährlich wird es auch, wenn das Pferd unter Vorschäden leidet, von denen der Besitzer vielleicht nichts weiß, wie Arthrose im Hüftgelenk oder ein Schaden am Meniskus. Selbst wenn dem Reiter Vorschäden bekannt sind und er sie vorm „Einrenken“ nennt, ändert Hanken offenbar sein Vorgehen nicht.

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Das erlebte eine Pferdewirtin, die den Knochenbrecher darauf hinwies, dass das Tier wahrscheinlich Arthrose in den Sprunggelenken habe. „Er hat dennoch an den Hinterbeinen gezerrt. Das Pferd war danach 14 Tage lahm.“

Bei einer Behandlung rissen Lymphgefäße ab

Nicht nur bei kranken Gelenken können Hankens Handgriffe schaden. Ein Tierarzt, den CAVALLO während der Recherche befragte, berichtet von einem Pferd, das nach der Hanken-Behandlung einen unheilbaren Elefantenfuß hatte: „Bei der Untersuchung zeigte sich, dass die Lymphgefäße abgerissen und irreparabel geschädigt waren.“

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Tamme Hanken behandelt nach Schema F

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Der Ostfriese renkt auch heikle Ataxie-Patienten ein. Ataktische Pferde haben gestörte Bewegungsabläufe, können ihre Beine nicht koordinieren und stürzen leicht. Solche Pferde behandeln Tierärzte wie Winnie Dreschel niemals, bevor die Ursache nicht eindeutig geklärt ist.

Anders Hanken: „Nicht selten kann ich tatsächlich zur Heilung beitragen“, schreibt er in seinem Buch „Das Glück der Pferde in meinen Händen“. Bei einem Pferd war das nicht der Fall: Am Tag nach dem Einrenken bei Hanken wurde das Pferd, das an spinaler Ataxie litt, zum Tierarzt gebracht. Es war fast komplett gelähmt und musste eingeschläfert werden.

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Der Knochenbrecher - Tamme Hanken
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Hanken empfiehlt pauschal Herzmittel

Nicht nur Hankens Handgriffe sind kritisch zu sehen. Seine gesundheitlichen Ratschläge beim Termin basieren auf Blickdiagnosen. Die gelbliche Mundschleimhaut eines Pferds deutet er als Anzeichen für Selen-Mangel. „Man kann aus der Farbe der Schleimhaut nicht folgern, welcher konkrete Nährstoff fehlt“, sagt Winnie Dreschel. Einem Hund schaut er in die Augen und behauptet: „Dem Hund fehlt Eisen.“ Dem Besitzer eines Dobermanns rät er, das Herzmittel Crataegutt ins Futter zu mischen, „das ist gut für die Pumpe“. Tierärztin Winnie Dreschel schüttelt darüber nur den Kopf: „Ich kann nicht so einfach Herzmittel empfehlen!“

Pferde- wie Hundebesitzern gibt Hanken oft pauschale Ratschläge. Wahlweise rät er bei Pferden zum Füttern von Teufelskralle, Malzbier oder Mineralfutter. Liegt angeblich ein Mineralienmangel vor, empfiehlt er Produkte, die er selbst verkauft. Hanken fragt nicht, was die Pferde ansonsten zu fressen bekommen – was jedoch für eine angepasste Versorgung entscheidend ist.

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CAVALLO-Fazit zum Knochenbrecher

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Das Fazit: Der Knochenbrecher fasst weder Mensch noch Tier mit Samthandschuhen an – mit positiven und riskanten Konsequenzen. Dass er Reiter schonungslos auf menschengemachte Probleme wie schlechte Hufe und unpassende Sättel hinweist, mag manchem Kunden endlich die Augen öffnen. „Er betrachtet das Gesamtbild Pferd“, sagt unsere Expertin. Kritisch sind Hankens medizinische Ratschläge und „Diagnosen“, wie das Füttern von Herzmitteln oder das Erkennen eines Mineralienmangels.

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Wenn Tamme Hanken Hand an Pferde legt, besteht Verletzungsgefahr. An diesem Tag in Filsum sah sein „Einrenken“ zwar weniger schlimm aus, als es einige Fernsehbilder erwarten ließen. „Trotzdem ist sein Vorgehen weder schonend für das Tier noch spezifisch auf ein Problem ausgerichtet und birgt Verletzungsrisiken“, sagt Winnie Dreschel.

„Er behandelt alle Tiere im Schnelldurchlauf und immer nach Schema F“, analysiert die Tierärztin. Eine gute, qualifizierte Behandlung, die jedes Pferd verdient hat, sieht anders aus als beim Knochenbrecher.

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So schützen Sie sich vor Wunderheilern am Pferd

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1. Wie finde ich für mein Pferd einen kompetenten Therapeuten?

Gerd Sickinger: Nicht jeder, der Pferde behandelt, hat eine gute Ausbildung: Die Berufsbezeichnungen „Chiropraktiker“, „Osteopath“ oder „Tierheilpraktiker“ sind in Deutschland nicht geschützt. Achten Sie daher darauf, dass der Therapeut eine fundierte Ausbildung hat.

Gute Adressen sind etwa die International Academy of Veterinary Chiropractic (www.i-a-v-c.de), die International Association of Veterinary Chiropractic (www.ivca.de) und das Deutsche Institut für Pferdeosteopathie (www.osteopathiezentrum.de). Einige davon bilden nur Tierärzte oder Therapeuten weiter, die eine medizinische Ausbildung haben.

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2. Darf jeder Heiler Pferde behandeln, wie er will?

Gerd Sickinger: So einfach ist es nicht. „Erlaubt sind Behandlungen, die aus Tierschutz-Sicht nicht bedenklich sind“, erklärt Pferderechtsanwalt Gerd Sickinger. Dazu zählen Hausmittel, die alte Stallmeister etwa bei Fieber oder Kolikbeschwerden als erste Hilfe anwenden. Medizinische Eingriffe dürfen die Therapeuten nicht anwenden: Eine Operation beispielweise ist nur den Tierärzten vorbehalten.

3. Wenn sich mein Pferd bei einer Behandlung verletzt, wer haftet für den Schaden?

Gerd Sickinger: Erkrankt das Pferd, ist der Besitzer in der Beweispflicht. „Ich kann von dem Behandelnden nur Schadensersatz fordern, wenn dessen eindeutiges Verschulden nachgewiesen werden kann“, sagt Sickinger. „Das heißt, der Schaden muss klar auf den Behandelnden zurückzuführen sein und dieser muss fahrlässig gehandelt haben.“

Der Heiler muss die „im Verkehr“ nötige Sorgfalt außer Acht gelassen haben. Dazu zählen alle Behandlungsfehler: Wer ein sichtbar lahmes Pferd ohne eine ausreichende Diagnostik an Hinterbeinen zieht, handelt fahrlässig. Bei sogenannten groben Behandlungsfehlern muss der Therapeut beweisen, dass ihm kein Fehler unterlaufen ist. Was unter einem groben Behandlungsfehler zu verstehen ist, muss ein Gericht feststellen.

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Professionelle manuelle Behandlung am Pferd

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So lösen gute manuelle Therapeuten Blockaden im Pferd:

Chiropraktik: Im Zentrum der chiropraktischen Arbeit steht die Wirbelsäule. Kleinste Blockaden können sich von dort auf den ganzen Körper auswirken. Chiropraktiker überprüfen die Beweglichkeit der einzelnen Gelenke. Ist ein Gelenk blockiert, wird es justiert.

Dabei arbeitet der Chiropraktiker mit gezieltem Druck von oben: Er wählt einen Kontaktpunkt, der nahe am blockierten Gelenk liegt. Mit einem kurzen Impuls wird die Blockade behobe. Je schneller der Therapeut arbeitet, umso weniger Kraft muss er aufwenden. Durch den kurzen Hebel wirkt er gezielt auf das Gelenk. Chiropraktiker gehen wie Osteopathen nicht über den normalen Bewegungsspielraum eines Gelenks hinaus.

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Osteopathie: Während sich die Chiropraktik vor allem auf die Wirbelsäule konzentriert, betrachten Osteopathen den Körper des Pferds als Gesamtheit und beziehen Gelenke, Organe und Psyche des Tiers mit ein.

Ähnlich wie ein Uhrwerk, bei dem Rädchen nicht optimal ineinander greifen, kann eine Blockade in einem Bereich eine Störung in einem anderen auslösen. Osteopathen arbeiten wie Chiropraktiker mit den Händen, mobilisieren Gelenke, stimulieren die bindegewebsartigen Faszien und aktivieren die Selbstheilungskräfte des Körpers.

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