Leberwerte Schmid

1 Frage, 3 Experten: Was sagen Leberwerte aus?

Eine Frage, drei Experten: Aus Leberwerten lesen Was sagen Leberwerte aus?

Erhöhte Leberwerte im Blutbild lassen bei Pferdebesitzern Alarmglocken schrillen. Doch bei der Interpretation sind sich Tierärzte nicht immer einig.

Das sagt die Labor-Expertin:

Bei lebererkrankten Pferden ist im Blut die Aktivität von Enzymen erhöht, die hauptsächlich in der Leber vorkommen. Sind deren Zellen geschädigt, werden diese spezifischen Enzyme freigesetzt und sind somit im Blut messbar. Als besonders aussagekräftig gelten die Glutamat-Dehydrogenase (GLDH) und die Gamma-Glutamyltransferase (y-GT). Letztere wird bei akuten Lebererkrankungen sehr frühzeitig freigesetzt, kann aber auch bei chronischen der einzig erhöhte Parameter sein.

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Ist der GLDH-Wert erhöht, deutet das ebenfalls darauf hin, dass Leberzellen geschädigt sind. Lebererkrankungen kommen bei Pferden relativ häufig vor; nicht selten finden sich auch bei klinisch unauffälligen Pferden im Rahmen einer Routine-Blutuntersuchung erhöhte Leberenzymwerte. Dabei gilt: Eine zwei- bis dreifache Erhöhung gilt als eine geringgradige Abweichung, fünf- bis zehnfach als mittelgradig und eine mehr als zehnfache Erhöhung als hochgradige Abweichung. Die Leber verfügt über eine sehr hohe Regenerationskapazität, weshalb auch deutlich erhöhte Leberenzymaktivitäten nicht zwangsweise eine schlechte Prognose bedeuten.

Weiterführende Untersuchungen sind nötig, um die Ursache erhöhter Parameter herauszufinden. Die Normwerte (Referenzintervall) werden vom Labor mithilfe von statistischen Verfahren und einer repräsentativen Anzahl gesunder Pferde ermittelt. Jedes Labor verwendet dafür unterschiedliche Mess-Systeme und -Methoden. Daher sind die Werte von verschiedenen Laboren nicht vergleichbar.

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Dr. Carla Gerhard, Tierärztin im Fachbereich Klinische Labordiagnostik beim Labor Laboklin.

Dr. Carla Gerhard, Tierärztin im Fachbereich Klinische Labordiagnostik beim Labor Laboklin.

Das sagt die Expertin fürs Innere:

Für mich sind in der Blutuntersuchung die Werte von GLDH, Gamma-GT und Gallensäuren entscheidend. GLDH erhöht sich sehr schnell und geht schnell wieder runter. Gamma-GT ist träger, steigt langsamer an und sinkt langsamer ab. Damit sind diese Enzyme geeignet für Verlaufsuntersuchungen, also um zu kontrollieren, ob sich die Werte verbesserten.

Was in den meisten Standardblutprofilen außen vor gelassen wird, ist der Wert der Gallensäuren. Dabei sind die hochrelevant. Sie sind für die Resorption von Lipiden aus dem Darm wichtig. Eine gesunde Leber resorbiert rund 90 Prozent der Gallensäuren über den Darm zurück aus dem Blut. Erhöhte Werte zeigen hochsensibel eine Störung des Leberstoffwechsels an, und das bereits 24 bis 48 Stunden nach Beginn.

Doch die Blutwerte sind nur eine Seite, mein Mentor sagte immer: Wir behandeln Pferde, keine Blutbilder. Recht hat er! Daher interpretiere ich nie ein Blutbild ohne die Klinik des Pferds, ob es etwa matt ist oder Fieber hat. Ich frage den Besitzer auch, welche Medikamente es bekam; einige können einzelne Werte ansteigen lassen, ebenso wie körperliche Anstrengung. Dazu kommen Faktoren wie Alter und Rasse. Fohlen haben in den ersten drei Lebenswochen erhöhte Gamma-GT-Werte. Bei Islandpferden habe ich beobachtet, dass sie erhöhte Werte haben können, die sich nicht in der Klinik widerspiegeln. Herauszufinden, warum die Werte erhöht sind, gleicht oft einer Detektivarbeit.

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Dr. Jasmin-Isabelle Michutta, Fachtierärztin für Pferde, Fachbereich Innere Medizin.

Dr. Jasmin-Isabelle Michutta, Fachtierärztin für Pferde, Fachbereich Innere Medizin.

Das sagt die Fütterungs-Expertin:

Neben typischen Leberwerten – Gamma-GT, GLDH, Aspartat-Aminotransferase (AST), Lactatdehydrogenase (LDH), alkalische Phosphatase (AP) – sind die Werte von Totalprotein, Albumin, Bilirubin, Ammoniak und Harnstoff interessant. Sind GGT, GLDH und AST zwei- bis dreifach erhöht, ist das bedenklich. In Verbindung mit erhöhten Gallensäuren ist das ein deutlicher Hinweis für eine Leberfunktionsstörung.

Die Werte lassen sich nur in Kombination und Zusammenhang mit Alter, Rasse und Ernährungszustand beurteilen. Übergewicht kann etwa zu höheren Werten führen. Bei Pferden mit Magengeschwüren oder instabiler Darmflora beobachten wir das ebenfalls häufiger. Ohne dass klinische Probleme bestehen, zeigen Tiere, die mit Heulage gefüttert werden, immer wieder moderat erhöhte Werte. Die können zudem durch Futterwechsel hervorgerufen werden, wie Heuchargenwechsel oder Anweiden.

Futter birgt weitere mögliche Ursachen, wenn es Mykotoxine und Schimmelpilze enthält, Giftpflanzen, Schwermetalle oder sehr hohe Gehalte an Eisen und Kupfer über längere Zeit. Das gilt auch für die Wasserversorgung.

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Leda Emmerich, Tierärztin und Fütterungsberaterin bei IWEST Tierernährung.

Leda Emmerich, Tierärztin und Fütterungsberaterin bei IWEST Tierernährung.

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