Medizin Kompendium Lisa Rädler

Was tun gegen die Afrikanische Pferdepest?

Medizin-Kompendium Was tun gegen die Afrikanische Pferdepest?

Insekten übertragen die Seuche, an der über 80 Prozent der erkrankten Pferde sterben. Kann das Virus auch (wieder) Europa erreichen?

Die Pferde husteten, hatten Schaum vor den Nüstern und Fieber. Und sie waren erst der Anfang: Im März 2020 erkrankten hunderte Pferde in Thailand an der Afrikanischen Pferdepest. Es waren die ersten Fälle in Thailand überhaupt – und die ersten in ganz Asien seit 60 Jahren. 15 weitere Ausbrüche in Thailand folgten. Das Virus breitete sich aus. Kaum ein betroffenes Pferd überlebte die Infektion, über 500 Tiere gingen daran ein.

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Was ist über die Afrikanische Pferdepest bekannt?

Die Afrikanische Pferdepest heißt auch Afrikanisches Pferdesterben. International hat sich der englische Begriff "African Horse Sickness" (AHS) etabliert. Betroffen von der Viruskrankheit sind Equiden. Meist erkranken Pferde. Esel und Maultiere sind seltener betroffen und haben einen milderen klinischen Verlauf. Zebras zeigen in der Regel keine Symptome.

AHS ist eine meldepflichtige Seuche. Jedes infizierte Pferd muss der nach Landesrecht zuständigen Behörde gemeldet werden. "Mir wurde bisher noch nie ein Verdachtsfall gemeldet", sagt Prof. Christian Griot. Deutschland und die Schweiz sind keine Risikogebiete.

Dem Schweizer Immunologen steht bei Bern ein Hochsicherheitslabor zur Verfügung, in dem er neue und neu auftretende Infektionskrankeiten untersucht. Er sieht im West-Nil-Fieber derzeit eine größere Gefahr für Pferde in Europa. Denn von der Krankheit gibt es im Gegensatz zu AHS derzeit Fälle in Europa. Allerdings: Es ist nicht auszuschließen, dass AHS Europa erreichen könnte. Wie schnell die Pferdeseuche sich bei einem Ausbruch ausbreiten kann, zeigt das Beispiel Thailands. "In Europa wären einheimische Gnitzen mögliche Überträger", meint der Experte.

Wie stecken sich Pferde an?

"Das Virus ist nicht von Pferd zu Pferd übertragbar. Berührung der Tiere spielt keine Rolle. Es springt auch nicht auf den Menschen über", erklärt der Tierarzt. Die Krankheit wird durch einen Virus der Gattung Orbivirus ausgelöst. Überträger sind blutsaugende Insekten der Familie Culicoides, vor allem die Unterart Culicoides imicola. Diese Mücken kommen gewöhnlich in afrikanischen Ländern südlich der Sahara vor. Damit ein Insekt zum Überträger wird, muss es das Virus im Blut haben. Vom Stich bis zum Krankheitsausbruch dauert es 7 bis 14 Tage, teils auch nur zwei Tage.

Wie macht sich die Krankheit bemerkbar?

Bei AHS gibt es vier Verlaufsformen mit diesen typischen Symptomen:

∙ Perakute Lungenform: Ist hoch akut, tritt plötzlich auf. Pferde leiden unter Fieber bis zu 41 Grad Celsius, Husten, Atemnot, Schweißausbrüchen und schaumigem Nasenausfluss aufgrund der Lungenschäden. Die Bindehaut ist rötlich. 95 Prozent der Pferde sterben, oft binnen weniger Stunden. Das Virus vermehrt sich rasant in den Zellen. Die meisten Tiere sterben an multiplem Organversagen.

∙ Herzform: Verläuft subakut über drei bis sechs Tage. Patienten haben 39 bis 40 Grad Fieber, Wassereinlagerungen (Ödeme) im Bereich von Kopf, Augen, Hals, Brust und Gliedmaßen sowie bläuliche Schleimhäute. Rund 25 Prozent der Tiere sterben, meist innerhalb von vier bis acht Tagen an Herzversagen.

∙ Lungen-Herz-Form: Eine Mischform, bei der aus beiden obigen Formen Symptome auftreten. Kann akut verlaufen. 50 bis 70 Prozent der Pferde sterben innerhalb von drei bis zehn Tagen.

∙ Subklinische Form: Der Verlauf ist mild. Tritt häufig ohne Symptome bei Zebras auf. Die Krankheit macht sich kaum bemerkbar, leichtes Fieber ist möglich. Betroffene Tiere genesen meist nach zwei bis acht Tagen vollständig. Tödliche Verläufe sind selten.

Wo tritt die Seuche auf?

Zentralafrika ist das Hauptgebiet der Tierseuche. "Sie tritt zyklisch auf, was klimatisch bedingt ist", erklärt Tierarzt Christian Griot. Folgen auf eine Trockenperiode starke Regenfälle, steigt das Infektionsrisiko. Der Grund: Bei feucht-warmer Witterung vermehren sich die Stechmücken rasant.

Ist es dann noch windig, zerstreut der Luftstrom die Blutsauger über große Gebiete. Über Land fliegen sie bis zu 150 Kilometer, über Wasser sogar bis zu 700 Kilometer weit. Mit den Insekten verbreitet sich auch die Seuche. Sie wandert von Zentralafrika regelmäßig nach Süd- und Nordafrika.

In welchen Ländern es Fälle von AHS gibt, erfasst die World Organisation for Animal Health (OIE). Eine Weltkarte mit markierten Gebieten und Suchmaske zum Abfragen des Seuchenstatus einzelner Regionen gibt es im Internet unter: www.oie.int

In Deutschland trat die Seuche bisher nicht auf. Die letzten Fälle in Europa gab es in den 1980er-Jahren. Es gibt zwei Theorien dazu, wie es zu den früheren Ausbrüchen kam:

1. Sahara-Winde könnten infizierte Insekten bis nach Südeuropa getragen haben.

2. Importierte Ponys aus Marokko trugen das Virus in sich, wurden gestochen, und Insekten verbreiteten die Seuche. "In Thailand vermutet man ebenfalls, dass das Virus über importierte Zebras ins Land kam", sagt Prof. Christian Griot.

Wie stellt der Tierarzt die Diagnose?

Bei einem Verdachtsfall nimmt der Tierarzt eine Blutprobe. Das Virus ist im Labor molekularbiologisch innerhalb von acht bis zehn Stunden nachweisbar. In betroffenen Betrieben dürften keine Tiere mehr transportiert werden.

Eine frühe Diagnose hilft, die Verbreitung der Seuche einzudämmen und das Virus zu kontrollieren. Prof. Griot setzt sich dafür ein, dass die Afrikanische Pferdepest seit mehreren Jahren auf dem Lehrplan von angehenden Tierärzten steht. Da es derzeit keine Fälle in Europa gibt, zeigt der Virologie-Experte den Studierenden ein Video, das die Seuche beschreibt. "Es ist wichtig, dass die Tierärzte die Symptome erkennen. In der Vergangenheit dauerte es oft lange, bis ein Fall den Behörden gemeldet wurde – weil die Seuche nicht erkannt wurde."

Wie behandeln Tierärzte?

"Man kann versuchen, den Zustand zu stabilisieren. Bei schweren akuten Fällen können Tierärzte meist aber nichts mehr tun, außer das Pferd zu erlösen", sagt der Experte.

Können genesene Pferde nochmals erkranken – oder sind sie immun gegen die Seuche? Es zirkulieren neun verschiedene AHS-Virus-Typen. Ein Pferd ist nur gegen den Virus-Typ immun, an dem es zuvor erkrankt war. Die anderen Virustypen sind weiterhin gefährlich und infektiös für das Tier.

Wie können Sie vorbeugen?

Da blutsaugende Insekten die Krankheit übertragen, kann Mückenschutz helfen. Sprays und Decken schützen zumindest zum Teil. Da die Blutsauger aber sehr klein sind, helfen nur äußerst engmaschige Insektenschutzdecken. "Einen Stall mit Netzen komplett abzuschirmen und gnitzenfrei zu halten, ist quasi unmöglich", sagt der Tierarzt.

In Thailand impfte man zudem vorbeugend viele Pferde. Das Problem: Der Lebendimpfstoff kann die Seuche in einer abgeschwächten Variante auslösen. Für die Pferde ist das eine Belastung. Zudem besteht die Gefahr, dass Stechinsekten diese Form der Krankheit weiter verbreiten. Geimpfte Pferde müssen in strenge Quarantäne und dabei engmaschigen Insektenschutz tragen.

In Thailand stellte das viele mittellose Pferdebesitzer vor Probleme. Tierschützer halfen, indem sie von Spendengeldern Insektenschutz kauften und an die Pferdebesitzer verteilten. "In Europa ist bisher kein Impfstoff zugelassen, da es keinen optimalen Impfstoff gibt", sagt Prof. Christian Griot.

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