Neue Hoffnung bei Sarkoiden? Ultraschall soll Hauttumore beim Pferd zerstören

Hauttumore beim Pferd behandeln
Neue Hoffnung bei Sarkoiden?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.09.2026
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Krebs beim Pferd
Foto: Equinox Healthcare GmbH

Wer bei Ultraschall an eine gewöhnliche Untersuchung beim Tierarzt denkt, dürfte von diesem Forschungsansatz überrascht sein. Wissenschaftler des Virginia-Maryland College of Veterinary Medicine untersuchen derzeit, ob sich eine spezielle Form des fokussierten Ultraschalls zur Behandlung von Sarkoiden einsetzen lässt.

Die sogenannte Histotripsie soll Tumorgewebe mechanisch zerstören – ohne Hitze und zunächst ohne chirurgischen Eingriff in das betroffene Gewebe.

Warum Sarkoide beim Pferd so problematisch sein können

Sarkoide sind die häufigsten Hauttumore bei Pferden. Sie gelten zwar als nicht metastasierend, können aber lokal invasiv wachsen und immer wieder auftreten. Je nach Lage und Ausprägung können sie Schmerzen oder funktionelle Einschränkungen verursachen, sich entzünden oder beispielsweise dort Probleme bereiten, wo Sattel oder Gurt liegen.

Auch die Behandlung kann schwierig sein. Zu den eingesetzten Verfahren gehören unter anderem chirurgische Entfernung, Kryotherapie und weitere lokale Therapien. Ein Problem: Sarkoide können nach einer Behandlung erneut auftreten. Genau hier setzt die aktuelle Forschung in den USA an.

Ultraschall erzeugt winzige Bläschen im Tumorgewebe

Histotripsie funktioniert anders als herkömmlicher therapeutischer Ultraschall. Stark fokussierte Ultraschallwellen erzeugen im Zielgewebe mikroskopisch kleine Bläschen. Durch deren schnelle Bildung und Kollaps entstehen mechanische Kräfte, die das anvisierte Gewebe zerstören. Dabei handelt es sich um ein nicht-thermisches Verfahren. Das umliegende Gewebe soll möglichst geschont werden.

Die Technologie stammt ursprünglich aus der Humanmedizin. Forscher der Virginia Tech beschäftigen sich bereits seit Jahren mit ihrer Anwendung bei verschiedenen Tumorerkrankungen. Nun soll untersucht werden, ob sich das Prinzip auch bei Sarkoiden bei Pferden einsetzen lässt.

Stute Pea als erstes Pferd behandelt

Einen wichtigen Schritt machte das Forschungsteam mit der neunjährigen Hannoveraner-Stute Pea. Sie hatte ein Sarkoid am Bauch und wurde im Frühjahr im Veterinary Teaching Hospital der Virginia Tech behandelt. Pea war das erste Pferd, bei dem die Histotripsie im Rahmen der klinischen Studie direkt am lebenden Tier eingesetzt wurde.

Bemerkenswert: Die Stute konnte während der Behandlung stehen. Nach Angaben des Forschungsteams tolerierte sie das Verfahren gut und zeigte keine offensichtlichen unerwünschten Reaktionen auf die Histotripsie.

Das Team konnte anschließend eine Zerstörung von Tumorgewebe feststellen. Damit ist allerdings noch nicht bewiesen, dass Histotripsie Sarkoide dauerhaft beseitigen kann.

Wichtig: Das Sarkoid wurde anschließend operativ entfernt

Noch handelt es sich ausdrücklich um eine klinische Studie und nicht um eine etablierte neue Therapie für Sarkoide.

Im derzeitigen Studiendesign wird das Sarkoid nach der Histotripsie am folgenden Tag chirurgisch entfernt. Das entnommene Gewebe kann anschließend histopathologisch untersucht werden. Die Wissenschaftler wollen auf diese Weise unter anderem beurteilen, welche Wirkung die Ultraschallbehandlung auf das Tumorgewebe hatte.

Damit lässt sich aus dem ersten behandelten Fall noch nicht ableiten, dass Histotripsie künftig eine Operation ersetzen kann.

Equine Sarkoide an Bauch und Beinen einer braunen Stute in der Nahaufnahme.
Jonathan Mills/ gettyimages

Vor allem eine entscheidende Frage ist bislang offen: Kann die Behandlung verhindern, dass ein Sarkoid zurückkehrt?

Weitere Pferde für Studie geplant

Für die aktuelle Studienphase sollen insgesamt fünf Pferde untersucht werden. Nach dem ersten behandelten Pferd sucht das Forschungsteam daher weitere geeignete Kandidaten. Für die Behandlung am lebenden Pferd kommen laut Studienbeschreibung Tiere mit Sarkoiden an Rumpf, Bauch oder Hals infrage. Der Tumor darf in den vorangegangenen sechs Monaten nicht behandelt worden sein und muss grundsätzlich chirurgisch entfernt werden können. Flache, sogenannte okkulte Sarkoide sind von diesem Teil der Studie ausgeschlossen.

Neben der Behandlung am lebenden Pferd gibt es einen zweiten Studienarm: Dabei werden bereits entfernte Sarkoide im Labor mit Histotripsie behandelt und anschließend untersucht.

Hier geht es direkt zur klinischen Studie des Virginia-Maryland College of Veterinary Medicine: „A Non-Invasive Approach to treating Equine Sarcoids“

Könnte die Behandlung eines Tages sogar im Stall möglich sein?

Das Forschungsteam denkt bereits weiter. Ziel ist es, ein Gerät zu entwickeln, das klein und transportabel genug ist, um von Tierärzten mitgeführt werden zu können. Damit könnte ein Sarkoid theoretisch bereits beim Pferd behandelt werden, wenn es entdeckt wird, noch bevor es größer wird und möglicherweise schwieriger zu therapieren ist.

Bis dahin ist allerdings noch Forschungsarbeit nötig. Die Wissenschaftler müssen zunächst zeigen, wie sicher und wirksam die Histotripsie bei einer größeren Zahl von Pferden ist und insbesondere, ob behandelte Sarkoide langfristig ausbleiben.

Der erste Fall liefert deshalb noch keinen Beweis für eine neue Standardtherapie. Er zeigt aber, dass sich die aus der Humanmedizin stammende Technik grundsätzlich auch am stehenden Pferd einsetzen lässt und eröffnet damit einen spannenden neuen Forschungsansatz für ein Problem, mit dem viele Pferdebesitzer zu kämpfen haben.