"Einen großen Vorteil sehe ich auch darin, dass diese Lektion jetzt in der täglichen Arbeit ausgeführt werden wird"
Martin Plewa: "Die Aufnahme des Zügel aus der Hand kauen lassen auch in den höheren Klassen der Dressur begrüße ich sehr. Schon vor vielen Jahren habe ich mich (erfolgreich) dafür eingesetzt, diese Lektion auch in FEI-Vielseitigkeitsaufgaben aufzunehmen, wo sie sich sehr bewährt hat. Es geht bei der Lektion ja nicht nur um Überprüfung der Losgelassenheit, sondern auch um die Kontrolle des Gleichgewichtes (besonders wichtig auch für das Geländepferd)! Einen großen Vorteil sehe ich auch darin, dass diese Lektion jetzt in der täglichen Arbeit ausgeführt werden wird nach dem Motto ,Geübt wird, was geprüft wird'. Nach meinen Erfahrungen wird die Übung in der Ausbildungspraxis stark vernachlässigt, höchstens mal vor Beendigung der Arbeit geritten, oft dann auch noch in einer falschen Ausführung. Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist die korrekte richterliche Beurteilung: Takt, Tempo, Stellung, Biegung, Anlehnung, Nase vor der Senkrechten, dies bleibt alles erhalten, nur das Genick ist nicht mehr höchster Punkt. Dehnung mindestens Maulspalte Höhe Buggelenk, maximal, wie das Gleichgewicht des Pferdes es zulässt (siehe Richtlinien)."

Martin Plewa ist Mitglied des Aufsichtsrats im Verein Xenophon e.V. Der Reitmeister war Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter und Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule in Münster. Mehr Infos unter www.plewaandhorses.com
Ich freue mich schon darauf, die neuen Prüfungen zu reiten!"
Uta Gräf: "Ich finde es super, dass Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen und Überstreichen künftig verstärkt in den FEI-Prüfungen gefragt sind. Ich glaube, das könnte für den ein oder anderen Reiter durchaus ein Anstoß sein, zwischendurch häufiger in Dehnung zu reiten oder die Selbsthaltung zu prüfen. Das hat direkte Auswirkung auf die Pferde und ihr Wohlbefinden. Für die Richter sind die neuen Aufgaben zudem eine Bestärkung, die Losgelassenheit mehr in den Mittelpunkt zu rücken. In anderen Prüfungen gibt es das Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen ja schon lange. Ich finde es bereichernd, dass es nun auch im Grand Prix gefragt ist. Wenn auf diesem Niveau Lektionen zur Überprüfung der Losgelassenheit gezeigt werden, die für Reiter im Publikum nicht so weit weg sind und zuhause nachgeritten werden können, hat das Signalwirkung. Das Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen korrekt zu reiten, sollte für Grand-Prix-Reiter selbstverständlich überhaupt kein Problem sein, auch nicht im großen Viereck vor großem Publikum. Schließlich stehen Reiter in der A-Dressur oder junge Dressurpferde vor keiner geringeren Herausforderung, wenn sie die Übung auf ihrem jeweiligen Niveau zeigen müssen. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, die neuen Prüfungen zu reiten!"

Uta Gräf bildet auf Gut Rothenkircherhof in Rheinland-Pfalz mit Ehemann Stefan Schneider Dressurpferde bis Grand-Prix-Niveau aus. Mehr Infos unter www.gutrothenkircherhof.de
"Die Aufnahme des Zügel aus der Hand kauen lassens in den Grand Prix finde ich unnötig, das ist Augenwischerei"
Kerstin Gerhardt: "Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen und Überstreichen sind Übungen, die jeden Tag ins Training einfließen sollten – für mich als Ausbilderin ist das völlig klar. Die Aufnahme des Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassens in den Grand Prix finde ich dagegen unnötig, das ist Augenwischerei. Zumal die Rahmenbedingungen aus meiner Sicht schlecht sind. Die Strecke zwischen R und S auf dem Zirkel ist zu kurz, um wirklich zu beurteilen, ob das Pferd in Takt und Tempo bleibt. Noch dazu ist freigestellt, ob die Reiter aussitzen oder leichttraben. Ich bin wirklich gespannt, wie das Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen im Grand Prix umgesetzt wird und hoffe, dass auf diese Weise nicht nur ein Low-Deep-Round daraus wird. In diesen Prüfungen ist höchste Versammlungsfähigkeit gefragt, und wenn ich mein Pferd für kurze Zeit auflöse, brauche ich genügend Zeit, um es wieder zu versammeln. Überstreichen hingegen ist grundsätzlich sogar in Piaffe und Passage abrufbar, wenn das Pferd am Sitz ist. Lieber als die Dehnungshaltung im Grand Prix hätte ich gesehen, dass hier die fast vergessene Schaukel wieder abgefragt würde oder Einerwechsel wieder auf dem großen Mittelzirkel geritten würden. Einhändiges Reiten, kurzzeitige Führung des Pferds nur auf Unterlegtrense oder die Wiedereinführung des Gehorsamssprungs würden ebenfalls vieles entlarven."

Kerstin Gerhardt ist Bereiterin FN und Dressurausbilderin. Ihr Motto: Konsequent korrekt & klassisch. www.kampagneschule.info
"Es ist wichtig, dass Losgelassenheit und Grundlagengehorsam wieder mehr im Fokus stehen"
Reiner Uhl: "Ich bin ein großer Befürworter davon, dass Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen und Überstreichen wieder mehr in den internationalen Prüfungen abgefragt wird. Es ist wichtig, dass Losgelassenheit und Grundlagengehorsam wieder mehr im Fokus stehen und wir wegkommen von bloßem Gestrampel, bei dem die Pferde nicht aus der Hinterhand kommen. Auf diese Weise wird korrektes Reiten wieder mehr gefragt sein, die Reiter müssen ihr Pferd vor sich haben und es muss in Selbsthaltung bleiben. Wenn ich die Turnierreiterei der letzten Jahre sehe, wünsche ich mir, dass die Reiterei wieder auf einer solideren Basis steht. Daher finde es sehr gut, dass sich grundlegenden Elemente wie Zügel aus der Hand kauen sassen und Überstreichen nun stärker in den Prüfungen wiederfinden."

absolvierte seine Ausbildung zum Pferdewirt-Schwerpunkt-Reiten von 1981 bis 1984 bei Wilfried Schmidt in Offenbach-Rumpenheim und ist Pferdewirtschaftsmeister mit Schwerpunkt Reiten. Er ritt erfolgreich bis Klasse S in der Dressur und hat viele Pferde und Schüler bis S-Dressur ausgebildet. Er bietet auch Kurse in Working Eqitation an.
"Erste kleine Neuerung ist ein guter Schritt in die richtige Richtung"
André Hascher: "Die Integration des Zügel aus der-Hand kauen lassen ist sehr zu begrüßen. Richtig geritten und korrekt bewertet gibt diese Lektion deutlichen Aufschluss darüber, ob das Pferd korrekt ausgebildet wurde, sowie über das Vertrauen des Pferdes zur Hand des Reiters. Insgesamt könnten sämtliche Prüfungen, gerade auch auf dem Niveau des Grand Prix und Grand Prix Spécial so umgestaltet werden, dass diese wieder als Maßstab für die Überprüfung der korrekten Ausbildung des Pferdes herangezogen werden könnten. Das Wort Prüfung selbst mag Turnierprüfungen den Namen gegeben haben, verstand sich aber in seinem Ursprung immer als Überprüfung der korrekten Ausbildung des Pferdes durch professionelle Reiterkollegen oder Richter. Wenden wir uns wieder diesem Maßstab zu, hat der Sport eine Chance, seine Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund kann diese erste kleine Neuerung ein guter Schritt in die richtige Richtung sein, dies setzt aber voraus, dass diese Form der Überprüfung der Losgelassenheit des Pferdes auch konsequent korrekt bewertet wird, dies wird sich in der Praxis zeigen."

André Hascher ist ein erfahrener Anwalt, Moderator, Veranstalter und Netzwerker in der internationalen Reitsportwelt. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender vom Zuchtverband für deutsche Pferde und Mitbegründer des Dressurleistungszentrums Walldorf.





