Heu auf Knopfdruck – oder eben nicht. Automatische Fütterungssysteme versprechen eine gleichmäßige Raufutterversorgung, ohne dass ständig jemand nachfüllen muss. Doch ausgerechnet die Technik, die Pferden einen möglichst natürlichen Fressrhythmus ermöglichen soll, kann unter bestimmten Bedingungen das Gegenteil bewirken. Das zeigt eine im Oktober 2026 veröffentlichte Studie im Fachjournal Frontiers in Veterinary Science.
Wenn der Heuautomat schließt, steigt der Frust
Ein Forschungsteam der Universität Turin und weiterer Einrichtungen untersuchte, wie Pferde auf einen zeitgesteuerten Heuautomaten reagieren. Dafür beobachteten die Wissenschaftler insgesamt sieben Tiere: drei Stuten in Gruppenhaltung sowie vier einzeln untergebrachte Pferde.
Mithilfe von Videoaufzeichnungen analysierten sie das Fressverhalten und mögliche Anzeichen von Frustration. Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei den einzeln gehaltenen Pferden.
Je kürzer die Futterautomaten geöffnet blieben, desto weniger Zeit verbrachten die Tiere mit der Heuaufnahme. Bei den kürzesten untersuchten Öffnungsintervallen scharrten die Pferde deutlich häufiger am Automaten. Auch Reiben sowie der Einsatz von Zähnen oder Zunge am Gerät nahmen zu.
Das Scharren trat bei diesen Einstellungen bis zu sieben- bis achtmal häufiger auf als bei längeren Öffnungsintervallen. Die Forschenden werteten diese Verhaltensweisen als mögliche Hinweise auf Stress und Frustration.
Auch die Rangordnung spielt eine Rolle
In der Gruppenhaltung zeigte sich ein weiteres Problem: Nicht jedes Pferd hatte gleichermaßen Zugang zum Heu. Die soziale Rangordnung beeinflusste, welches Tier den Automaten nutzen konnte und wie lange es fraß.

In Gruppenhaltungen kann die Rangordnung eine entscheidende Rolle bei der Futteraufnahme und Fresszeit eines einzelnen Tiers spielen.
Gerade bei zeitlich begrenztem Futterzugang kann das zum Nachteil rangniedriger Pferde werden. Die Studie verdeutlicht damit, dass bei automatischen Fütterungssystemen nicht nur die programmierten Fresszeiten entscheidend sind. Auch die Anzahl und Anordnung der Fressplätze sowie das Sozialgefüge einer Gruppe müssen berücksichtigt werden.
Welche Fressintervalle sind sinnvoll?
Bei den vier einzeln gehaltenen Pferden erwies sich im untersuchten Versuchsaufbau ein Rhythmus von 40 Minuten geöffnetem Automaten und 20 Minuten Pause als besonders günstiger Kompromiss. Die Tiere konnten ausreichend Zeit mit der Heuaufnahme verbringen, während unerwünschte Verhaltensweisen vergleichsweise selten auftraten.
Daraus lässt sich allerdings keine allgemeingültige Empfehlung für sämtliche Heuautomaten ableiten. Die Untersuchung umfasste lediglich sieben Pferde und ein bestimmtes Fütterungssystem. Ob die Ergebnisse auf andere Modelle, größere Gruppen oder unterschiedliche Haltungsbedingungen übertragbar sind, muss weitere Forschung zeigen.
Was bedeutet das für Pferdebesitzer?
Automatische Heufütterung ist nicht grundsätzlich problematisch. Entscheidend ist, ob das jeweilige System zu den Bedürfnissen der Pferde passt.
Stallbetreiber und Besitzer sollten deshalb genau beobachten, wie sich die Tiere während der Fütterung verhalten. Wiederholtes Scharren, Beißen oder Reiben am Automaten kann ein Hinweis darauf sein, dass die gewählten Einstellungen überprüft werden sollten. In Gruppen muss zudem sichergestellt sein, dass auch rangniedrige Pferde ausreichend Zugang zum Raufutter erhalten.
Die wichtigste Erkenntnis der Studie: Nicht allein die Menge des angebotenen Heus zählt. Ebenso entscheidend ist, wie und wann Pferde tatsächlich darauf zugreifen können.





