Verden: Abschlussarbeiten zum Thema Pferd werden ausgezeichnet

GWP-Preisverleihung im Deutschen Pferdemuseum
Auszeichnung für Abschlussarbeiten zum Thema Pferd

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.04.2026
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Zwei Füchse auf der Weide.
Foto: Faba-Photograhpy/ gettyimages

Insgesamt neun Abschlussarbeiten zum Thema Pferd, die zuvor von der GWP-Jury als Prämienarbeiten ausgezeichnet worden waren, konkurrierten um den Sieg in den Kategorien Bachelor, Master und Dissertation. Acht Arbeiten wurden an sechs deutschen Hochschulen geschrieben, eine an der Berner Fachhochschule in der Schweiz.

GWP Förderpreis 2026
Diercks

Gruppenhaltung von Hengsten ist möglich

Bei den Bachelorarbeiten siegte die Arbeit "Verhaltensforschung und Vegetationsmonitoring bei Hengsten mittels Direktbeobachtung und Remote Sensing", welche die aus Freiburg stammende Raphaela Kusch an der Berner Fachhochschule geschrieben hatte. Sie untersuchte die Möglichkeit, adulte Hengste unter bestimmten Rahmenbedingungen in Gruppen zu halten. Das Bewegungsverhalten wurde mittels GPS-Sensoren erfasst und die Weidenutzung objektiv durch Drohnenaufnahmen analysiert. Die Studie zeigte, dass eine Gruppenhaltung von Hengsten unter bestimmten Rahmenbedingungen möglich ist.

Drei weitere prämierte Bachelorarbeiten, die alle an der Hochschule Nürtingen-Geislingen geschrieben worden waren, wurden präsentiert:

Laura Bräuninger hatte die "Rolle der Erlebnispädagogik am Beispiel des Kindertages im Haupt- und Landgestüt Marbach" untersucht. Sie stellte fest, dass pferdegestützte Erlebnispädagogik die kindliche Entwicklung ganzheitlich fördert und forderte eine stärkere Einbindung in schulische und außerschulische Bildungskonzepte.

Davinia Hoyle untersuchte die "Abfohlrate beim Schwarzwälder Kaltblut" und identifizierte als potenzielle Einflussfaktoren das Alter von Hengsten und Stuten, den Bedeckungsmonat, die Hengstlinie und die Anzahl gedeckter Stuten pro Hengst.

Leonie Merkle analysierte "Einflussfaktoren auf die Verbreitung des West-Nil-Virus in der deutschen Pferdepopulation". Sie stellte fest, dass insbesondere hohe Temperaturen die Virusverbreitung fördern. Einen Zusammenhang mit der Transportbewegung von Pferden z.B. zu Turnieren konnte die Autorin nicht feststellen. Der Einfluss von Zugvögeln ist komplexer und bedarf weiterer Beobachtung.

Gras ist nicht gleich Gras

Zwei Masterarbeiten wurden vorgestellt. Der Sieg ging an Merle Seferit, die ihre Arbeit an der Hochschule Osnabrück geschrieben hatte. Dabei ging es um "Unterschiede der Rohnährstoffe von frischem Weidegras von Grünlandstandorten für Pferde mit unterschiedlicher botanischer Ausprägung". Sie zeigte, dass "Gras nicht gleich Gras ist" und es unterschiedliche Sorten und Mischungen gibt, deren Nährstoffgehalte für Pferde bisher wenig erforscht waren. Ihre akribische Arbeit trägt zum Füllen dieser Forschungslücke bei.

Die zweite Prämienarbeit in der Kategorie Masterarbeiten stellte Lia Maria Naumann vor. Ihre Arbeit mit dem Titel "Zusammenhang zwischen Zügelkraft und Pferdeverhalten bei gerittenen Pferden in Schritt, Trab und Galopp" hatte sie an der Universität Rostock geschrieben. In einer Untersuchung mit elf Pferden und zwei Berufsreiterinnen belegte sie, dass der Reiter einen signifikanten Einfluss auf die Zügelkräfte hat und Kraftspitzen im Maul wahrscheinlich als unangenehm empfunden werden. Die gemessenen Kräfte waren jedoch niedriger als in der Literatur angegeben.

Vorsicht bei chirurgischer Behandlung von Kissing Spines

Die Königsklasse bei der Preisverleihung bilden die Dissertationen. Drei komplexe Arbeiten wurden vorgestellt, von denen als beste Arbeit die von Natalie Baudisch mit dem Titel "Biomechanik der thorakolumbalen Wirbelsäule des Pferdes und Einfluss chirurgischer Eingriffe im Bereich der Dornfortsätze" herausgestellt wurde. Geschrieben wurde sie an der Freien Universität Berlin. In einer aufwändigen biomechanischen Studie an 23 Brust-und Lendenwirbelsäulen wurde unter anderem die Rotationsbeweglichkeit der Brustwirbelsäule untersucht. In einem zweiten Teil der Arbeit wurde festgestellt, dass eine chirurgische Behandlung der Engstände von Dornfortsätzen eine Beschädigung der Muskulatur verursachen kann. Die Autorin hob hervor, dass dies in weiteren Studien erforscht werden muss.

Eine weitere veterinärmedizinische Dissertation hatte Muriel Volkmann an der Tierärztlichen Hochschule Hannover geschrieben. Ihr Thema: "Gesundheitsdatenbank für Pferde in Deutschland – Umfrage zur Etablierung und Nutzungsmöglichkeiten am Beispiel der Köruntersuchungen von Reitpferdehengsten". Eine Online-Umfrage unter deutschen Pferdetierärzt*innen zeigte eine deutliche Mehrheit für eine zentrale Datenbank, sofern Datensicherheit, Benutzerfreundlichkeit und objektive Datenerhebung gewährleistet sind. Eine Auswertung der Röntgenbefunde von 1678 Hengsten zeigte zudem unter anderem, dass die Befundhäufigkeiten signifikant durch die untersuchende Person beeinflusst werden.

Eine wertvolle Arbeit aus dem Bereich Zucht, die an der Georg-August-Universität Göttingen geschrieben wurde, präsentierte Paula Reich. Der Titel: "Anwendung importierter Sequenzlevel-Genotypen in genomischen Analysen beim deutschen Warmblutpferd". Die Arbeit am Beispiel des Merkmales Stockmaß ist eine wichtige Grundlage für die genomische Zuchtwertschätzung, die nicht mehr auf dem Phänotyp (dem, was man sieht), sondern auf dem Genotyp basiert. Die Genetik des Pferdes wird somit entscheidender als die äußerlich sichtbaren Merkmale.

Mehr Informationen zu den Prämienarbeiten und ihren Autorinnen findest du unter: