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Mut und Motivation des Pferdes verbessern - so geht's

So fördern Sie die Neugier Ihres Pferdes

Der Entdeckertrieb von Pferden fördert ihren Mut, die Motivation – und ist die Basis für eine harmonische Beziehung. Erstaunlich, was dahintersteckt!

Zwei Ziegen, zwei Ungeheuer. Dachte mein Pferd. Also handelte ich wie gelernt: anhalten, gucken lassen und jeden Vorwärtsschritt loben. Das Ganze beim nächsten Ausritt wieder. Nach ein paar Wiederholungen schien Conato die Ziegen zu akzeptieren und lief brav an ihnen vorbei. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich ihn zu Fuß an den beiden vorbei führte.

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Mut und Neugier fördern - wie es geht und was es bringt
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Während ich die Ziegen ignorierte, stoppte Conato plötzlich, um dann zielstrebig auf den Maschendraht des Ziegenheims zuzusteuern. Dort angekommen, betrachtete er die Ziegen, schnoberte am Zaun. Dann atmete er tief durch und blies mir ins Gesicht. Nach dem Motto: „Die sind doch ganz nett, oder?“ Conatos Verhalten erstaunte mich, ist aber ganz normal. Denn:

Pferde erforschen unheimliche Gegenstände besonders gerne, nachdem sie sich davor erschreckt haben. Wissenschaftler nennen dieses widersprüchliche Verhalten das „Novelty Paradox“. In einer amerikanischen Studie untersuchten Angsthasen unbekannte Gegenstände nach etwa 30 Sekunden, die coolen Tiere ließen sich fast doppelt so viel Zeit. Ängstliche Tiere sind also ziemlich neugierig. Halten Sie sie daher nicht von Reizen fern, sondern geben Sie ihnen die Gelegenheit, Gespenster zu erkunden.

Neugier des Pferdes ist ein Geschenk

Conato ist zwar kein Angsthase. Dennoch wollte er wissen, wer die zwei Geschöpfe hinterm Maschendraht sind, die ihm zunächst so ungeheuer erschienen. Weil ich ihm jedoch beigebracht hatte, dass er lediglich brav vorbeilaufen sollte, hatte ich seine natürliche Neugier gestoppt. Und ihm so die Möglichkeit genommen, die Angstauslöser selbst einzuschätzen – um bei der nächsten Begegnung gelassener damit umzugehen. Denn: „Die angeborene Neugier erleichtert es Pferden, auf neue Dinge zuzugehen“, sagt die Pferdesportpsychologin Dr. Inga Wolframm aus Leusden/Niederlande (www.ingawolframm.com). „In der Natur hilft ihnen dieses Verhalten, sich immer wieder neuen Situationen anzupassen.“ Für ein Fluchttier ist dies äußerst wichtig. „Würden Pferde stattdessen vor jeder potenziellen Gefahr davonrennen, verlören sie zu viel Energie für den Ernstfall – und könnten nicht überleben.“

Der tierische Entdeckertrieb kommt uns Reitern wiederum sehr entgegen. „Ohne diese Neugier wäre eine Interaktion und folglich eine gute Partnerschaft unmöglich“, so Wolframm. Der Wille, ständig etwas Neues zu lernen, ist nun mal die beste Voraussetzung für Training und Beziehung. Davon profitieren auch die Tiere.

„An unserer Seite werden Pferde geschickter und flexibler“, sagt Ausbilderin Daniela Schinko aus Steinbach in Österreich (www.hippovital.at). Ihr Noriker Benjamin ist so ein Beispiel. „Im Training lernte er seinen Körper immer besser kennen – und merkte, dass er schneller und mobiler wurde.“ Das motiviert Pferde extrem. Kaltblutwallach Benjamin lernte so mit feinsten Hilfen Lektionen bis zur Hohen Schule.

„Das natürliche Interesse, die Aufgeschlossenheit gegenüber dem Menschen, ist ein riesiges Geschenk“, findet auch Pferdewissenschaftlerin und Ausbilderin Janna Behrens aus Schierensee in Schleswig-Holstein (www.equinspiration.com). „Darauf lässt sich eine komplette Ausbildung in jedweder Disziplin aufbauen.“

So geht's: Übungen für mehr Mut und Neugier

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Lisa Rädlein 1/11 Ziele setzen mit Target-Training Das Prinzip des Target-Trainings ist einfach: Ziel aussuchen und vom Pferd mit der Nase anstupsen lassen – dafür gibt’s eine Belohnung, etwa ein Leckerli. „Targets können der Gertenknauf, der ausgestreckte Finger oder ein Ball sein, der am Ende eines Stabes steckt“, erklärt Dr. Vivian Gabor, Verhaltensforscherin und Westerntrainerin aus Greene/Niedersachsen (www.horseability.de). Das Geniale: Pferde suchen sich ganz fix selbst neugierig mögliche Ziele aus. Ängstliche Tiere überwinden so Scheu vor Unbekanntem, und träge Pferde kommen in Schwung. Trainerin Claudia Butry hat sich das in einer Dressur-Reitstunde zugute gemacht: Ein Pony war nur schwer zum Mitmachen zu animieren – bis es einen Gymnastikball bekam, den es durch den Sand rollen konnte. „Das Pony war hellauf begeistert“, erzählt Butry.
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Nicht jedes Pferd gleich neugierig

Während Typen wie Noriker Benjamin vor Neugier schier zu platzen scheinen und ständig Neues lernen wollen, wirken andere Pferde zurückhaltender bis desinteressiert. Das kann an den Genen liegen.

Tatsächlich gibt es eine Mutation, die in diesem Zusammenhang bei Mensch und Tier diskutiert wird: eine Variante des DRD4-Gens, das hilft, einen chemischen Botenstoff (Dopamin) im Gehirn zu regulieren, der für das Lernen und das interne Belohnungssystem wichtig ist. Die Mutation, genannt DRD4-7R, soll bei 20 Prozent aller Menschen vorliegen. Die Betroffenen lassen sich eher auf Veränderungen und Abenteuer ein als diejenigen, welche die Mutation nicht im Erbgut haben. Eine Untersuchung bei 136 Vollblütern ergab, dass es bei Pferden ähnlich ist: Tiere mit einer Variation des DRD4-Gens waren neugieriger, dafür weniger wachsam.

Wer das Neugier-Gen nicht im Erbgut trägt, ist aber noch lange keine fade Nuss. „Wichtig ist, dass wir das Interesse eines Pferds wecken, fördern und aufrechterhalten“, erklärt Janna Behrens. Gelingt das nicht – etwa, weil das Training zu stressig oder zu langweilig ist, signalisieren Pferde das deutlich. „Wenn die Ohren des Pferds nicht mehr gespitzt sind, der Blick weggetreten und die Interaktion mit uns automatisiert wirkt, dann haben wir im schlimmsten Fall die Neugier verspielt.“

Das Interesse eines Pferds erlahmt freilich auch mit einem langweiligen menschlichen Gegenüber. Denn wer selbst die Neugier verliert, der kann diese genauso wenig vom Vierbeiner erwarten. Tipp von Janna Behrens: „Fragen Sie sich regelmäßig: Wie neugierig bin ich auf die heutige Lernerfahrung mit meinem Pferd? Ist es okay für mich, wenn sich die Trainingseinheit anders entwickelt als gedacht? Ist mein Engagement freiwillig, oder funktioniere ich gerade nur?“ Derartige Fragen sind laut der Ausbilderin oft schon Hilfestellung genug, um die eigene Neugier wiederzuentdecken – und motiviert auf den Partner Pferd zuzugehen.

Der Entdeckertrieb von Pferden kann anstrengend sein

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Lisa Rädlein
Neugierig lugt der Fuchs durch die Lamellen. So schätzt er in Ruhe die aktuelle Lage außerhalb seines Stalls ein.

„Wir hatten mal eine Stute im Stall, die hat mit ihrer Nase auf einen Lichtschalter neben ihrer Box gedrückt“, erzählt Ausbilder Wolfgang Marlie aus Klingberg bei Lübeck. „Bis wir das entdeckten, hatten wir uns alle wochenlang gegenseitig beschuldigt, das Licht nachts im Stall brennen zu lassen.“ Daniela Schinkos Benjamin lernte, wie man einen Wasserhahn aufdreht. Ein toller Trick, mit dem er eines Tages den Brunnen leerte und damit die Wasserversorgung von drei Familien kappte.

„Pferde, die so etwas tun, haben ein ganz besonderes Erkundungs- und Neugierverhalten“, sagt Verhaltensforscherin Willa Bohnet von der TiHo Hannover. „Solange sich das Pferd dadurch nicht gefährdet, sollte man dieses Verhalten nicht unterdrücken“, fordert sie. „Aber das Tier sollte keine Möglichkeit haben, Schaden anzurichten.“

Wolfgang Marlie etwa baute einen Bügel über den Lichtschalter. Daniela Schinko bemüht sich, die Neugier ihres Norikers in gesittete Bahnen zu lenken: „Er entwickelt dauernd eigene Ideen. Ich fördere sie, indem ich ihn agieren lasse, dann jedoch eingreife.“ Ein Beispiel: Entscheidet sich der Wallach für Galopp, darf er das. „Dann jedoch entscheide ich, was wir im Galopp üben, Seitengänge etwa.“ Auf diese Weise bleibt Benjamin motiviert und kontrolliert.

Gelangweilte Pferde profitieren von neugierigen Kumpels

Benjamins Freund Paul wurde einst als Fohlen so schlecht behandelt, dass er eine Mauer um sich errichtete und jeglichen Erkundungstrieb verloren hatte. Indem er beobachtete, wie Benjamin mit Daniela Schinko umging und wie viel Spaß der Kumpel dabei offensichtlich hatte, erwachte Pauls Neugier aus ihrem Tiefschlaf. Heute ist der Hengst aufgeweckt und motiviert. Und was macht mein Wallach Conato?

Der hat sich inzwischen mit den Ziegen angefreundet. Und die Entdeckungsreise geht weiter. Unser letzter Ausritt führte eine relativ steile Wiese hinab. Die Hinterhand oben, die Vorhand im Tal, hielt das Pferd plötzlich an und starrte in die Landschaft. „Genießen Sie beide die Aussicht?“ fragte eine Spaziergängerin. Früher hätte ich gedacht: Ja, das tun wir. Nun weiß ich: Was immer Conato entdeckt hatte, er musste es kurz einschätzen, um wenige Augenblicke später entspannt weiterzulaufen. Genial, diese Neugier!

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7 Übungen mit Stangen und Pylonen

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Lisa Rädlein 1/7 Das doppelte Dreieck 2 Elemente (Stangen und Pylonen) und 7 Übungen: Um triste Tage aufzuheitern, zaubern CAVALLO-Experten aus verscheidenene Reitweisen mit wenig Aufwand echte Trainingswunder auf den Reitplatz. Wir zeigen, wie's geht und was es bringt. Und los geht's gleich mit Übung 1: Das bringt's Das doppelte Dreieck verbessert Takt und Biegung des Pferds. Die gleichmäßige Arbeit auf beiden Händen fördert die Geraderichtung. Der Reiter muss planvoll und vorausschauend reiten, um nicht den Überblick zu verlieren. So geht's: Legen Sie aus drei Stangen ein Dreieck. An jede offene Ecke kommt eine weitere Stange, so dass ein zweites Dreieck entsteht. Starten Sie im Schritt (z.B. an der kurzen Seite bei C) und reiten über die erste Stange ins innere Dreieck. Weiter geht es über die äußere Spitze und mindestens eine Pferdelänge darüber hinaus. Wenden Sie in einem großen Rechtsbogen um ein Hütchen erneut in das innere Dreieck. Insgesamt reiten Sie drei Bögen nach rechts, bevor Sie die Übung (in Richtung A) beenden. Wiederholen Sie die Tour auf der linken Hand. Klappt die Übung beidhändig im Schritt, können Sie auch Trab und Galopp dazu nehmen. Anke Recktenwald (anke-recktenwald.de) ist FN Pferdewirtschaftsmeisterin. Sie ist ausgebildete Connected Ridingsowie TellingtonTTouch-Trainerin.
cav-stangen-pylonen-012017-das-doppelte-dreieck-lir9662 (jpg) cav-stangen-pylonen-012017-das-clevere-kreuz-lir9678 (jpg) cav-stangen-pylonen-012017-das-vielseitige-dreieck-lir9686 (jpg) cav-stangen-pylonen-012017-die-verstreuten-tore-lir9704 (jpg) cav-stangen-pylonen-012017-der-verstellbare-stangenfaecherwechsel-lir9721 (jpg) cav-stangen-pylonen-012017-der-freie-slalom-teaser-lir9671 (jpg) cav-stangen-pylonen-012017-der-eigenstaendige-wechsel-lir9714 (jpg)

7 Physiogriffe fürs Pferd

Florian Schmid 1/11 Wellness für ein lockeres Genick: Problem: „Bei vielen Pferden sind die kurzen Nackenmuskeln fest. Sie verbinden den ersten und zweiten Halswirbel mit dem Hinterhaupt“, sagt Beatrix Schulte Wien. „Sie verhärten, wenn das Pferd sich beispielsweise angebunden ins Halfter hängt oder die Trense drückt. So fällt es dem Tier schwer, beim Reiten im Genick nachzugeben.“ Wellness-Griff: Massieren Sie die kurzen Nackenmuskeln des Pferds. „Beginnen Sie direkt hinter den Ohren, und kreisen mit den Fingern sanft im Uhrzeigersinn“, sagt die Expertin. Massieren Sie den Bereich von den Ohren bis etwa eine Handbreit dahinter. Zeichen des Wohlbefindens: Das Pferd senkt den Kopf und entspannt. Lockern Sie die Muskeln auf beiden Halsseiten.

6 Übungen für geschmeidige Übergänge

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Lisa Rädlein 1/6 Übung 1: Kopf-Halsposition verändern Das bringt's: Ein fester Rücken wird bei Übergängen ein echtes Problem: Dann heben sich Pferde nämlich heraus oder rollen sich ein. Ausbilderin Sabine Ellinger empfiehlt daher, die Kopf-Hals-Position immer wieder zu verändern, um den Rücken zu lockern. So geht's: „Wenn sich das Pferd etwa beim Angaloppieren mit dem Kopf nach oben entzieht, reiten Sie es vorher in Dehnungshaltung – und wenn das Pferd mit der Nase auf dem Weg nach unten ist, galoppieren Sie an“, rät Sabine Ellinger. Umgekehrt gilt das auch: Rollt sich das Pferd ein, „lassen Sie es mit dem Kopf freier und höher gehen“. Schieben Sie also die Hände ein Stück nach vorne; reicht das nicht, können Sie deutlich überstreichen. Wenn das Pferd sich dann nach vorne streckt, nutzen Sie diesen Moment für den Übergang.
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