Lisa Rädlein

Die schrägsten Schreckgespenster unserer Pferde

Wovor Pferde Angst haben Die schrägsten Schreckgespenster

Pferde erschrecken sich vor den verrücktesten Dingen – und wir wissen oft nicht, warum. Eine Reise durch die wunderliche Welt der pferdefressenden Ungeheuer.

Hilfe! Direkt vor uns! Ein Monster! In den Augen unserer Pferde ist die Welt mitunter besorgniserregend bedrohlich. Denn nur sie können die vielen kleinen und großen pferdefressenden Ungeheuer sehen, die sich überall verstecken und bevorzugt an bestimmten Orten lauern. Und die ganz gemeinen Schreckgespenster nehmen sogar die Gestalt von anderen Tieren oder Gegenständen an!

Dass diese furchtbaren Monster tatsächlich Pferde fressen, ist natürlich ein Gerücht. Aber vielleicht hat Ihr Pferd noch nichts davon gehört? Dann geht es ihm wie vielen anderen!

Die schräge Angst vor Dingen am Boden

Viele Pferde glauben zu wissen, dass es Stellen gibt, an denen sich die Erde auftut und sie in die Unterwelt gezogen werden. Sie vermuten, dass diese Einfahrtslöcher zur Hölle besonders häufig auf asphaltierten Straßen anzutreffen sind. Vor allem Gullideckel und weiße Straßenmarkierungen, wie zum Beispiel Zebrastreifen, sind unter Pferden als Gefahrenzonen bekannt und daher weitläufig zu umgehen.

Claudia Büttners Wallach Nadeen ist sich des Problems bewusst: "Auf einen Gullideckel kann er nicht treten", erzählt seine Besitzerin. "Es sei denn, er ist mit anderen Dingen beschäftigt und sieht sie nicht. Mittlerweile läuft er wenigstens nah daran vorbei und nicht mehr in einem großen Bogen außen herum. Aber man hört ja immer wieder, dass durch diese gemeinen Gullis kleine Rappschimmel in die Unterwelt gezogen werden."

Auch plötzlich auftretende Bodenvertiefungen sind risikobehaftet. Sabine Berning berichtet: " Mein Pony hat manchmal Angst vor seinen eigenen Hufabdrücken. Nach dem Rückwärtsrichten traut es sich nicht, über die Spur zu laufen."

Wen wundert es also, dass Pferde sich den Boden unter ihren Füßen genau anschauen. Manche treiben es allerdings ein wenig auf die Spitze. Stute Eileen zum Beispiel ist besonders vorsichtig: Ist auf dem Boden ein Fleck, macht sie darum einen großen Bogen. Bei dunklen Schatten sieht sie Alarmstufe Rot. So geht es auch dem Pferd von Sylvia Butter-Fliege. Die Stute ordnet Schatten von Bäumen, die in Form geschnitten wurden, als extrem gefährlich ein. Verständlich, denn ein sanduhrförmiger Buchsbaum kommt ja auch in der Natur nicht vor. Doch manche Pferde machen sich gerade hier die größten Sorgen.

Die schräge Angst vor Tieren

Caroline Gärtners Stute Montanas Princess hat vor unnatürlichen Sachen keine Angst. So läuft sie brav neben einem Trecker mit Anhänger oder auch beim Mähen zwischen den Mähdreschern. Doch wenn ein Vogel im Busch ist oder ein anderes Tier irgendwo steht, erstarrt sie und kann nicht weitergehen. "Mit gutem Zureden klappt es dann doch", erzählt Gärtner.

Andere Tiere sind auf jeden Fall potenziell gefährlich, egal wie groß sie sind. Man kann sogar sagen: Je kleiner, desto schrecklicher. "Absolut todbringende Ungeheuer sind Eichhörnchen. Aber nur die roten", weiß Monica Lachmann-Vignoli. "Hühner sind schlimm. Aber nur, wenn sie eingesperrt sind. Freilaufende Hühner dürfen mit meinem Pferd aus einer Schüssel fressen", berichtet Astrid Kuitzsch.

Besonders heimtückisch sind kleine Teufelchen, die sich als Artgenossen tarnen. Nina Schmitz fuhr mit ihrer Stute Cora für einen Kurs in einen fremden Stall. Dort wurden Shetlandponys gezüchtet. "Cora war entsetzt, als sie die Pferdchen sah. Und ich erlebte zum ersten Mal, dass sie anstandslos und schnurstracks in den Hänger stieg – als wir wieder nach Hause fahren wollten."

Wer ein Pferd hat, weiß, warum es heißt: Es kommt ein Wolf im Schafspelz daher. Denn der Teufel steckt nicht nur im Pony. "Schafe auf der Wiese sind ganz schrecklich", sagt Michi Pohl. Julie Weltzien aus Jordanien kann das toppen: "Das Allerschlimmste ist, wenn uns auf einem Ausritt ein Kamel begegnet, kurz nachdem wir die Schafherde knapp überlebt haben."

Zu den besonders gefährlichen größeren Tierarten gehören neben Schafen vor allem Esel. Tina Riegler kann davon ein Lied singen: "Mein sonst nahezu unerschütterliches Pony drehte beim Anblick zweier Esel auf einer Weide so durch, dass wir noch über ein halbes Jahr später Schwierigkeiten hatten, daran vorbeizukommen. Die Esel standen dort nur eine Nacht."

Die schräge Angst vor Gegenständen

Ihr Pferd hat keine Angst vor fremden Tieren? Dann hat es aber doch wenigstens mitbekommen, dass die schlimmsten Ungeheuer nicht lebendig sind, sondern sich gerne in seltsamen Dingen verstecken.

Mülleimer zum Beispiel. "Besonders die gelben", sagt Karo Börner. Ria Avery besaß mal einen Hannoveraner, der Angst vor blauen Blumen hatte. Susanne Gantners Pferd ist hingegen der Meinung, dass gelbe und weiße Blumen unberechenbar sind. Anja Bosse: "Meine Stute fürchtet sich am meisten vor Steinen. Am schlimmsten ist es, wenn sie Rudel bilden und sich zu Steinhaufen formieren. Sie weiß aber mittlerweile, dass wir uns alles, was unheimlich ist, genau ansehen. Und zwar so lange, bis es nicht mehr gruselig ist. Inzwischen muss sie nach ihrem ersten Schreck schon schnaufen, als ob sie sagt: Mist, warum hab ich mich erschrocken? Jetzt muss ich da wirklich hin!"

Die schräge Angst vor Veränderungen

Was Sie vielleicht noch nicht wussten, Ihr Pferd aber schon lange vermutet: Auch hundsgewöhnliche Gegenstände, die wohlbekannt und ungefährlich sind, können eines Tages zum Monster mutieren. Risiko eins: Der Gegenstand sieht anders aus als sonst. Risiko zwei: Der Gegenstand befindet sich nicht an seinem ordnungsgemäßen Platz. So ist ein Auto auf der Straße kein Problem, im Wald aber stark besorgniserregend.

Claudia Büttners Wallach Nadeen, der um Gullideckel lieber einen Bogen macht, lässt auch gerne Vorsicht walten, wenn etwas nicht seine gewohnte Ordnung hat. Früher fürchtete er sich sehr vor Winterjacken. Wenn seine Besitzerin eine trug, war das für ihn völlig okay. Aber wehe, sie zog die Jacke aus! Lag das Ding plötzlich herrenlos auf der Umzäumung des Roundpens, flüchtete Nadeen wild schnaubend und prustend in die gegenüberliegende Ecke. "Doch mit Leckerlis konnte ich ihn Schritt für Schritt an die Jacke gewöhnen, sodass er sich immer näher herantraute", erzählt Büttner.

Eine ähnliche Erfahrung machte Nora Lehmann mit ihrem Pferd Max. Um auf die Felder und in den Wald zu kommen, muss sie durchs Dorf reiten. Eines Tages blieb Max dort unvermittelt stehen und erstarrte. Sie ließ ihn kurz gucken und forderte ihn dann auf weiterzugehen. Stattdessen legte er den Rückwärtsgang ein. Nora Lehmann hatte keine Ahnung, warum. Sie stieg ab und nahm Max an die Hand. "Wenn ich vorneweg gehe, fällt es ihm leichter, an unheimlichen Dingen vorbeizugehen", erklärt sie. "Das machte er auch brav. Plötzlich stieg mir ein Geruch in die Nase: frische Farbe. Tatsache, der Jägerzaun neben uns war frisch gestrichen! Der Besitzer hatte dem verblassten Holz einen grünen Anstrich verpasst. Das war natürlich extrem gefährlich."

Und Eva Lauterbachs Wallach Calisto findet, Blätter gehören nur an den Baum oder höchstens auf den Boden. Ein Schwebezustand ist für ihn völlig inakzeptabel. "Wenn sich ein Blatt vom Ast löst und sich ganz langsam im Wind nach unten wiegt, muss er vor Schreck angaloppieren."

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