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Kommunikation zwischen Pferd und Reiter - die wichtigsten Basiscs

Was Pferde uns sagen wollen

Neue Studien zeigen, wie clever Pferde mit Menschen kommunizieren. Mit diesem Wissen können wir Reiter die Tiere noch besser verstehen – und sie uns! Wir zeigen, worauf es ankommt.

Pferde sind meist still. Und doch sprechen sie die ganze Zeit. Wirklich? Ja, in der Tat: Ein Blick, eine Bewegung, eine Berührung – so senden Pferde Signale in Sekunden. Die Fluchttiere sind Meister der schnellen Kommunikation. Doch an uns Reitern rauscht die Nachricht oft vorbei. Genauso passiert es, dass wir Reiter dem Pferd mit unserer Körperhaltung etwas mitteilen – aber es überhaupt nicht merken. Missverständnisse sind die Folge. Und die können Frust und Auseinandersetzungen verursachen. Wie lässt sich so etwas vermeiden?

Übersetzungshilfe Pferd-Deutsch, Deutsch-Pferd

Lisa Rädlein 1/6 Beim Putzen: Was will das Pferd wirklich? Pferd und Reiter bei der Fellpflege. In der Putzkiste liegen wie immer ein paar Leckerchen bereit. Der Reiter greift den Striegel und startet den Kampf gegen Staub und Co. Es dauert keine zehn Sekunden, da stupst das Pferd den Reiter mit der Nase sanft an. „Ach wie niedlich“, sagt sich der Reiter. „Mein Pferd freut sich, dass ich da bin. So ein verschmustes Tierchen – es will bestimmt kuscheln.“ Reiter streichelt das Pferd am Kopf. Das Pferd stupst den Reiter wieder an. Diesmal fester. Reiter: „Fester kraulen? Na gut.“ Reiter krault fester. Pferd schaut auf Putzkiste. Scharrt mit den Hufen. Reiter: „Ach, du bettelst! Neeeein. Schluss damit!“ Reiter hebt Finger. Pferd verharrt kurz. Scharrt dann weiter. Reiter: „Naaa gut.“ Reiter greift in Putzkiste und gibt dem Pferd ein Leckerli. Pferd schleckt sich ums Maul.

Pferden senden Signale in Sekundenschnelle

Pferde sind meist still. Und doch sprechen sie die ganze Zeit. Wirklich? Ja, in der Tat: Ein Blick, eine Bewegung, eine Berührung – so senden Pferde Signale in Sekunden. Die Fluchttiere sind Meister der schnellen Kommunikation. Doch an uns Reitern rauscht die Nachricht oft vorbei. Genauso passiert es, dass wir dem Pferd mit unserer Körperhaltung etwas mitteilen – aber es überhaupt nicht merken. Missverständnisse sind die Folge. Und die können Frust und Auseinandersetzungen verursachen. Wie lässt sich so etwas vermeiden?

Kennen Sie solche Momente mit dem Pferd, wo Ihnen ein Licht aufgeht? Plötzlich ist es glasklar: Ach, das willst du mir sagen! So ging es neulich CAVALLO-Redakteurin Linda Krüger. Sie fand heraus, warum ihre Quarterstute ihr an einem Wintertag besonders tief in die Augen schaute. Ja, das Pferd starrte sie geradezu an. Das machte Glenda doch sonst nicht. Was wollte die Stute nur? Die Tränke war eingefroren! Um das zu zeigen, blieb die clevere Stute wie angewurzelt genau dort stehen – und nahm Augenkontakt zur Besitzerin auf. Die hatte gerade erst in einer neuen Studie gelesen, wie stark Pferde über Blicke kommunizieren. Ihre Aufmerksamkeit war geweckt. Und dann verstand sie. Das Pferd sagte ihr: Hey, ich habe Durst. Die Botschaft rauschte nicht vorbei; stattdessen rauschte bald Wasser in den Eimer.

Die Geschichte zeigt: Wissen hilft, Aha-Momente zu erleben und das Pferd besser zu verstehen. Damit wir Reiter uns noch besser verständlich machen können, müssen wir zuerst klar erkennen, auf welche Art Pferde eigentlich kommunizieren.

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Verhalten

Missverständnisse sind unter Pferden selten

Die Tiere diskutieren in der Herde nicht, sie handeln. Sie geben sich klare Zeichen über Bewegungen, Gestik, Mimik und Blicke. Will der Herdenchef etwa an einem bestimmten Platz grasen, reicht oft schon ein Blick – und der Rangniedrige weicht aus. Reagiert ein Herdenkollege nicht auf feine Signale, kommt eine deutlichere Ansage und im Zweifel auch ein Biss oder Tritt.

Laute spielen für die Verständigung in der Herde kaum eine Rolle – auch wenn Pferde in Filmen ständig wiehern. Logisch: Für Fluchttiere sind Töne verräterisch. Der Feind hört mit. Deshalb wiehern Pferde nicht viel. Wichtig ist die Stimme dennoch, vor allem, um sich auf lange Distanz zu verständigen. „Pferde erkennen sich gegenseitig und auch uns Menschen an der Stimme“, sagt Tierärztin Dr. Katherine Albro Houpt aus den USA. Pferde gehören übrigens zu den wenigen Säugetieren, die zwei Stimmen gleichzeitig produzieren. Sie stimmen mit einem hohen Ton ein, dann kommt ein tiefer hinzu. In den Tönen stecken Infos über Identität, Emotionen und sogar über körperliche Kraft. „Wiehert ein Rivale auf tiefer Frequenz, wissen Hengste: Der ist stark“, erklärt Houpt.

Pferdekommunikation: Die häufigsten Missverständnisse

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Lisa Rädlein 1/7 „Süß, wie der lacht“ Sieht zwar lustig aus, hat aber mit Humor nichts zu tun: Wenn Pferde ihre Oberlippe beim Flehmen nach oben stülpen, lachen sie ihren Reiter weder an noch aus. Vielmehr nehmen sie einen guten oder sonderbaren Geschmack oder Geruch wahr. Denn unter der Schnute sitzt das sogenannte Jacobson-Organ. Dieses Geruchsorgan nutzen vor allem Hengste dazu, paarungsbereite Stuten zu wittern. Aber auch Leckerli und andere Düfte können die Nasenakrobatik hervorrufen.
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Und wie kommunizieren Pferde mit Menschen?

Sie nutzen natürlich das komplette Repertoire der Pferdesprache, mit der sie sich auch untereinander verständigen. Doch das ist längst nicht alles, was die vierbeinigen Kommunikationskünstler drauf haben. Die menschliche Körpersprache interpretieren? Für Pferde kein Problem. Im Laufe ihres Lebens lernen die Tiere, unsere Gesten, Mimik und Stimmkommandos immer besser zu deuten: Sie verstehen tatsächlich unsere Sprache – und reagieren darauf. Verhaltensexperten gehen davon aus, dass sie so lern- und anpassungsfähig sind, weil sie soziale Tiere sind. Und ziemlich kluge sowie erfinderische Kommunikationspartner, wie neue Forschungen zeigen.

Pferde mutzen sogar Symbole, um sich mitzuteilen. Und zwar bei einer ganz alltäglichen Frage: Decke drauf oder runter? Norwegische Forscher trainierten 23 Pferde zuerst mit positiver Verstärkung über Leckerchen darauf, Symbole zu unterscheiden und mit dem Maul anzutippen. Dann lernten die Vierbeiner, dass die Symbole drei unterschiedliche Bedeutungen haben: „Decke an“, „Decke ab“ und „nichts verändern“. Jetzt folgte die spannende Probe aufs Exempel: Die Forscher setzten die Pferde unterschiedlichen Wetterbedingungen aus. Würden sie die Symbole nutzen, um ihre Deckenbedürfnisse mitzuteilen?

Tatsächlich, die Tiere taten es! Ein genialer Weg, um sich hitzige Deckendiskussionen mit Stallkollegen zu sparen.

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Verhalten

Pferde machen den Besitzer aufmerksam

Richtig erfinderisch werden Pferde, wenn sie uns etwas sagen wollen – wir aber gerade nicht aufpassen. Denn Pferde können einschätzen, ob der Mensch ihnen zuhört oder nicht. Sie lesen aus Körperrichtung, Blick und Kopfposition, wie aufmerksam ihr Besitzer ist – und tun einiges, um ins Gespräch zu kommen.

Forscher zeigten Pferden Leckerlis und ließen diese dann außer Reichweite des Pferds in einen Eimer verschwinden. Kurz darauf kam eine Bezugsperson. Was geschah? Die Pferde legten sich richtig ins Zeug, um zu verdeutlichen: Ich will dir was sagen! Sie liefen zum Reiter, berührten ihn mit der Nase, nickten und schleuderten den Kopf. Klappte eine Strategie nicht, probierten sie eine andere. Schien der Besitzer endlich aufmerksam, ließen die Pferde ihre Blicke zwischen Mensch und Futtereimer hin- und herwandern, als wollten sie sagen: Bring mir den Eimer!

Blicke und Mimik des Pferds sprechen Bände

Und nicht nur Wünsche stehen Pferden ins Gesicht geschrieben, sondern auch Leid. Tierärzte nutzen daher neuerdings die Mimik, um Schmerzen bei Pferden besser einzuschätzen. Sie entwickelten eine Skala, mit der sie an Augen, Nüstern und Kaumuskeln den Schmerzgrad deuten, das sogenannte „Horse Grimmace Scale“.

Pferde lesen umgekehrt auch in unseren Gesichtern. Laut britischer Studie können sie genau unterscheiden, ob ein Mensch böse oder freundlich schaut. Das Pferd erkennt, ob wir es mit einem sanften Blick zu uns einladen oder es mit dem bösen Schwiegermutterblick auf Distanz halten wollen. Augenkontakt ist für Pferde sogar wichtig, um vertraute Personen wiederzuerkennen! Das Anschau-Verbot, das immer mal wieder durch Ställe geistert, sollte dank der neuen Erkenntnisse endlich überholt sein.

Was das für uns Reiter bedeutet? Wir haben es mit sensiblen Gesprächspartnern zu tun, die uns viel zu sagen haben – wenn wir hinhören und hinschauen. Und wir können mit ihnen fein kommunizieren. Unsere Anregungen und Trainings-Tipps ab Seite 26 helfen Reitern, sich möglichst verständlich auszudrücken – damit sich Pferd und Mensch richtig gut verstehen.

Bilderrätsel: Wie fühlt sich dieses Pferd?

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Lisa Rädlein 1/8 Test: Wie fühlt sich dieses Pferd? Was glauben Sie, wie fühlt sich dieses Pferd? angespannt aufmerksam? irritiert? ängstlich? offensiv aggressiv? Die Auflösung finden Sie im nächsten Bild.
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6 Wege, wie Sie Ihrem Pferd Ihre Zuneigung zeigen

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Lisa Rädlein 1/9 Freundliche Begrüßung stärkt die Beziehung Einige Menschen faszinieren durch eine tiefe Verbindung zum Pferd. Trainerin Anke Recktenwald war beeindruckt, wie ihre TTouch-Ausbilderin Linda Tellington-Jones sofort zu jedem Tier einen feinen Draht fand. Was ist das Geheimnis des feinen Gespürs? Das fragte sich Anke Recktenwald – und fragte eines Tages einfach bei Linda nach. Die weltberühmte Pferdefrau verriet: „Ich begrüße jedes Pferd und danke ihm dabei, dass es für mich da ist.“ Wie das geht? Fokussieren Sie sich auf liebevolle Gedanken, wenn Sie das Pferd von der Koppel oder aus der Box holen. „Worte sind dafür nicht zwingend nötig“, sagt Anke Recktenwald. Die positiven Gedanken allein bewirken bereits eine freundliche Ausstrahlung, die Pferde wahrnehmen. Reagiert das Pferd darauf, indem es zu Ihnen schaut, sich Ihnen entgegen dreht oder sogar kommt, halten Sie dem Tier Ihren Handrücken auf Höhe der Nase entgegen. Das ist für das Pferd, als würden Sie „Hallo“ sagen. Woran erkenne ich, dass mein Pferd die Begrüßung versteht? Das Tier schenkt Ihnen mehr Aufmerksamkeit: Blick und Bewegung gehen in Ihre Richtung. Indem das Pferd an Ihrer Hand schnuppert, erwidert es den Gruß. Händeschnuppern ist quasi das Pendant zum Händeschütteln beim Menschen. Berühren Sie das Pferd erst nach diesem Ritual. Tipp: Achten Sie auch nach der Begrüßung weiter aufmerksam auf die Signale des Pferds. Beim Putzen etwa drehen Pferde teils den Kopf zum Reiter, wenn dieser eine unangenehme Stelle berührt. Ist das der Fall, halten Sie dem Pferd erneut den Handrücken hin und verändern Ihr Tun. Sprich: Putzen Sie sanfter oder mit weicherer Bürste. „Damit zeigen Sie dem Pferd, dass Sie ihm zuhören“, sagt Anke Recktenwald. So beginnt eine feine Kommunikation.
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Raten Sie mit: Welchen Charakter haben diese Pferde?

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Lisa Rädlein 1/10 Ein eifriges Sensibelchen Linda Krüger: Dieses Pferd gefällt mir spontan gut, sieht nach Westernpferd aus. Der erscheint mir definitiv sehr energiegeladen. Und auch verspielt. Aber nicht dominant, würde ich sagen. Melanie Tschöpe: Das Pferd wirkt auf mich sehr energisch, sehr eifrig. Ich vermute mal, es ist eher ein mutigeres und ein souveräneres Pferd. Aber auch eins, das gerne gibt, das gerne für seinen Reiter arbeitet. Linda Krüger: Mutig dürfte der sein, der bekommt nicht sofort Angst. Aber so energisch das Pferd rüber kommt, es ist trotzdem ein Sensibelchen. Ich glaube nicht, dass das Pferd zurückhaltend ist, aber es ist kein ganz selbstsicheres Pferd. Der büffelt vielleicht, aber er hat vermutlich auch recht schnell Stress. Das Pferd geht eher gerne auf Neues zu, wirkt clever und neugierig, aber eben auch sehr sensibel. Melanie Tschöpe: Das kann gut sein. Auf mich wirkt das Pferd ein bisschen vorsichtig, vielleicht auch zurückgenommen. Aber auf jeden Fall neugierig. Was mir auffällt: Der ist immer mit den Ohren überall, möglicherweise lässt er sich leicht ablenken. Der nimmt alles wahr und weiß nicht immer, souverän darauf zu reagieren. Vermutlich ist das ein Pferd, das sich gerne führen lässt, und nicht gerne selbst die Führung übernimmt. Linda Krüger: Ja, Konzentration könnte ein Thema sein bei diesem Pferd. Der wirkt intelligent und nimmt vermutlich viele Reize aus seiner Umgebung auf.
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So geht's: Übungen für mehr Mut und Neugier

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Lisa Rädlein 1/11 Ziele setzen mit Target-Training Das Prinzip des Target-Trainings ist einfach: Ziel aussuchen und vom Pferd mit der Nase anstupsen lassen – dafür gibt’s eine Belohnung, etwa ein Leckerli. „Targets können der Gertenknauf, der ausgestreckte Finger oder ein Ball sein, der am Ende eines Stabes steckt“, erklärt Dr. Vivian Gabor, Verhaltensforscherin und Westerntrainerin aus Greene/Niedersachsen (www.horseability.de). Das Geniale: Pferde suchen sich ganz fix selbst neugierig mögliche Ziele aus. Ängstliche Tiere überwinden so Scheu vor Unbekanntem, und träge Pferde kommen in Schwung. Trainerin Claudia Butry hat sich das in einer Dressur-Reitstunde zugute gemacht: Ein Pony war nur schwer zum Mitmachen zu animieren – bis es einen Gymnastikball bekam, den es durch den Sand rollen konnte. „Das Pony war hellauf begeistert“, erzählt Butry.
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