Zorse - Halb Pferd, halb Zebra www.regina-heise-photography.de
Zorse - Halb Pferd, halb Zebra
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Zorse - Halb Pferd, halb Zebra 6 Bilder

Das Zorse Stripes

Wie macht sich die Mischung aus Pony und Zebra?

Stripes ist halb Pferd, halb Zebra. Was steckt hinter dem ungewöhnlichen Mix und wie leicht ist er zu zähmen? CAVALLO besuchte das zahme Zorse.

Hinter drei Ponys lugt ein hellbeiger Kopf mit Stehmähne, kurzem Strubbelschopf und Streifen auf der Stirn hervor. Es ist Stripes, ein Zebra-Pferde-Mix, der auf dem Ponyhof Hardter Wald im rheinländischen Mönchengladbach wohnt. Diese Tiere – wegen ihrer Mischung aus Zebra und Horse auch Zorse genannt – sind bekannt dafür, dass sie ziemlich schwierig zu trainieren sind.

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Musterschüler Stripes Wie macht sich die zahme Mischung aus Pony und Zebra?
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Musterschüler Stripes

Erinnern Sie sich beispielsweise noch an Zesel? Vor gut 15 Jahren begleitete CAVALLO diese schwer erziehbare Pony-Zebra-Stute, die beim bayerischen Pferdetrainer Michael Geitner ins Erziehungscamp einzog und ein halbes Jahr lang jeden Monat für neue Schlagzeilen sorgte (siehe letzten Abschnitt „Zesel – Ein Zorse im Erziehungscamp“).

Stripes ist das genaue Gegenteil. Der gestreifte achtjährige Wallach mit einem Stockmaß von rund 1,40 Metern ist ein Musterschüler, der sich nicht nur super handeln, sondern auch reiten lässt. Aber wie fühlt sich so ein Zorse beim Reiten eigentlich an? CAVALLO hat den ungewöhnlichen Mix besucht und ritt ihn Probe.

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„Zorses können einen Reiter problemlos tragen – doch die Suche nach einem Sattel ist sehr schwierig.“

Stripes lebt in einer Pferde-WG

Stripes passt gut in seine Wohngemeinschaft, den Ponyhof Hardter Wald. Hier wohnen neben dem ungewöhnlichen Zebra-Pferde-Mix auch mehrere größere und kleinere Ponys und Kleinpferde, 20 an der Zahl. Ein paar der Pferde bekam Ponyhof-Besitzerin Katharina Wildenberg als unreitbar geschenkt; heute tritt sie mit ihnen auf Messen auf.

Und auch sechs Hengste leben hier, die in Wohngemeinschaften mit Wallachen stehen und nicht weiter auffallen. Sie werden sogar im Kinderunterricht eingesetzt, zusammen mit den Stuten. „Wir machen da kein großes Ding draus. Die Hengste laufen einfach mit“, sagt Wildenberg, die hauptberuflich als Erzieherin und nebenbei als Reitlehrerin arbeitet. Zurzeit absolviert sie eine Ausbildung zum heilpädagogischen Reiten, um ihr Angebot zu erweitern.

Weite Reise nach Bayern für Stripes

Und wie kam sie nun an den Zebra-Mix? „Ich war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung“, erinnert sich Wildenberg. In einer Verkaufsanzeige stieß sie dabei auf Stripes. „Er stand in Bayern und wurde als gefahren und geritten angeboten“, sagt sie. Weil sie neugierig auf den ungewöhnlichen Mix war, nahm sie die weite Fahrt auf sich und verliebte sich sofort in das Streifentier. Nur wenige Wochen später stand das zahme Zorse im Pferdehänger und reiste nach Mönchengladbach.

„Zorses sollten sehr früh an den Menschen gewöhnt werden und schnell das Fohlen-ABC lernen“, sagt Wildenberg. Geht diese Prägung auf den Menschen in der Zorse-Jugend schief, sind die Tiere nur schwer oder fast gar nicht mehr an den Menschen zu gewöhnen. Bei Stripes ist zum Glück alles gut gelaufen.

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Zebra-Mix Stripes mit seiner Genuss-Grimasse. Er liebt es, am Hals gekrault zu werden.

Mutter Pferd, Vater Zebra

Seine Mutter ist eine Fjord-Stute, die ihm das beige Fell mitgegeben hat. Der Vater ist ein Steppenzebra, das im Ausland in einem Tierpark lebt. Die umgekehrte Kreuzung von Pferdehengst mit Zebrastute tritt selten auf und gilt als schwieriger zu erziehen, da Zebras generell nicht so leicht zu zähmen sind wie Pferde und die Mutter durch ihre Erziehung viel mehr prägt als der Vater. Die schwierige Ausbildung dieser Tiere ist sicher mit ein Grund, warum es kaum Zorses gibt.

Übrigens: Zorses, auch Zebroide genannt, haben keine so hohe Lebenserwartung wie Pferde. Zebras werden meistens nur etwa 15 Jahre alt, Zorses so um die 20. Michael Geitners Zesel starb 2017 im Alter von rund 20 Jahren an Altersschwäche.

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Zorse Stripes wälzt sich genüsslich in der Halle.

Kreuzung mit Hintergedanken

Zebras mit Pferden zu kreuzen ist keineswegs eine neumodische Erscheinung. Bereits während der Kolonialisierung Afrikas experimentierten angeblich die Truppen von Wilhelm II. mit den Mixen. Da Zebras nur schwer zu zähmen waren, aber resistenter gegen das Klima und die Tsetse-Fliege als Pferde, versuchten sie die Vorteile beider Arten zu vereinen. Sie setzten Zorses als Lastentiere ein.

In Namibia sollen sich Zebras sogar in freier Wildbahn mit Namib-Wildpferden gepaart haben. Die Mixe selbst sind jedoch unfruchtbar. Trotzdem ist es ratsam, männliche Tiere zu legen: Die Hengste haben einen ausgeprägten Geschlechtstrieb.

Das Streifentier riecht eher nach Schaf als nach Pferd

Stripes hält gerade Mittagsschlaf in seiner Gruppe. Als wir zu ihm laufen, spitzt er die Ohren und stapft auf uns zu. Wir binden ihn am Putzplatz an, um ihn zu putzen. Sein Fell fühlt sich weicher und etwas fettiger an als das von den Pferden. Sein Geruch erinnert ein wenig an Schaffell.

Stripes genießt es, gestriegelt zu werden. Seine Augen hängen auf Halbmast und er kraust die Nase, als wir ihn am Hals kraulen. Durch den ausgeprägten Fluchtinstinkt, den das Zebra in sich hat, geben Zorses oft nur ungerne die Hufe. Hufbearbeitung kann da zur echten Herausforderung werden. Bei Stripes ist das zum Glück nicht so, weil er sehr früh daran gewöhnt wurde. Er lässt sich genauso brav die kleinen, harten Hufe auskratzen wie die meisten Pferde.

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Das Streifentier mit der Stehmähne vertraut dem Menschen und bleibt sogar ganz ohne Halfter und Strick beim Fotoshooting stehen.

Zorses sind Meister der Körpersprache

Wir lassen Stripes frei auf dem Reitplatz laufen. Er buckelt vor Übermut und galoppiert los. „Zorses reagieren viel stärker auf unsere Körpersprache“, sagt Katharina Wildenberg, die ihn durch Freiheitsdressur arbeitet. Stripes hat seine Besitzerin stets im Blick und lässt sich von ihr gut wegschicken.

„Zorses lesen uns Menschen noch viel besser als Pferde. Ich muss nur auf die Flanke schauen und schon läuft Stripes los“, erklärt sie. „Im Zebra steckt eben noch viel mehr Wildtier als im Pferd.“ Der Überlebens- und Fluchtinstinkt ist stärker ausgeprägt. Notfalls verteidigen sich die Tiere und nutzen ihre harten Hufe als Waffen gegen Angreifer. Pferde bevorzugen vorher die Flucht.

Nichts für unsichere Menschen

Stripes jedoch hat gelernt, dass der Mensch kein Raubtier ist, sondern ein Partner. Er spitzt die Ohren, lässt sich von Katharina Wildenberg mit ihrer Körpersprache zu sich einladen und folgt ihr ohne Strick auf Schritt und Tritt. „Weil Stripes so aufmerksam ist, erkennt er beim Menschen aber auch sofort Unsicherheiten. Dann übernimmt er selbst die Führung“, sagt sie.

us diesem Grund sind Zorses wie Stripes für unsichere oder unerfahrene Menschen ungeeignet. Haben Zebra-Pferde-Mixe erst mal gelernt, dass Menschen nichts Gutes bedeuten, ist es schwer, mit diesen Tieren zu arbeiten. So wie mit Michael Geitners Zesel. Nur mit viel Training gelang es dem Ausbilder schließlich, die Stute irgendwann zu führen und zu putzen. An Reiten war nie zu denken.

Stripes ist das genaue Gegenteil. „Er geht allerdings mit Schreckmomenten anders um als die Pferde“, erzählt Wildenberg. „Stripes zuckt kurz zusammen oder scheut. Aber dann muss er sich sofort anschauen und untersuchen, was ihn da erschreckt hat.“

Wie fühlt es sich an, auf einem Zorse zu reiten?

Dann darf die CAVALLO-Autorin Probe reiten. „Für Stripes geraden, kurzen Rücken haben wir noch keinen passenden Sattel gefunden. Wir reiten daher einfach ohne“, sagt Wildenberg. Stripes hat einen stabilen Rücken.

Er fühlt sich sehr bequem an. Seine Bewegungen sind flach und erschütterungsfrei. Im Trab ist er problemlos zu sitzen und vermittelt einem das Gefühl, ewig weiterreiten zu können. Wenn man an Stripes Hals entlangstreicht, kann man seine Streifen fühlen, die sich vom Fell etwas absetzen.

In punkto Haltung sind Zorses ziemlich anspruchslos

Stripes arbeitet wie die anderen Pferde im Reitunterricht mit. Für heute hat Stripes allerdings Feierabend und darf zurück in den Offenstall. In der Haltung sind Zorses sehr anspruchslos und fressen vor allem Heu. Gras vertragen sie nur in kleinen Mengen, weil in ihnen noch mehr Steppentier steckt als in Pferden – und sich zuviel Gras in Speck niederschlägt.

Zorses eignen sich nicht für eine reine Boxenhaltung, denn sie brauchen viel Bewegung und Sozialkontakte. Die Sache mit der Pferde-WG scheint ideal für ihn. Und hier findet man ihn leicht: „Er wiehert wie eine kaputte Hupe“, sagt Katharina Wildenberg.

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Wolschendorf
Zorse - Ein Zesel im Erziehungscamp.

Zesel – Ein Zorse im Erziehungscamp

Im Jahr 2002 sorgte Pony-Zebra-Mix Zesel in CAVALLO für Schlagzeilen. Zesel war aggressiv, ließ sich weder einfangen noch anbinden und auch nicht putzen oder führen. Mehrere Monate arbeitete der Pferdetrainer Michael Geitner mit der Stute. „Sie war bereits drei oder vier Jahre alt und hatte wohl gelernt, dass der Mensch nichts Gutes bedeutet“, sagt er.

Nach sechs Monaten absolvierte die kleine Stute immerhin eine Gelassenheitsprüfung. Erst nach jahrelangem Training konnte er mit Zesel normal umgehen. Zesel starb 2017 im Alter von etwa 20 Jahren. Unter www.cavallo.de/zesel finden Sie einen Teil der Serie online.

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