Test: So viel Druck machen diese 6 gebisslosen Zäume

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Foto: Rädlein Test Bitless Bridle

Bitless Bridle

Modell: „Gebissloser Trensenzaum“
Marke: JW-Reitsport, www.jw-reitsport.com
Preis: Rund 40 Euro

Bitless Bridle

Infos zum Zaum: Unser Testmodell entspricht in der Machart dem original Bitless-Bridle von Professor Robert Cook.

Bitless Bridle

Infos zum Zaum: Unter dem Kinn hat es gekreuzte Riemen. Gibt der Reiter also rechts eine Parade, wirkt das auf die linke Kopfseite des Pferds.

Reitgefühl: Testreiterin Andrea Bethge sieht Zügel grundsätzlich als eine Art „Telefonleitung“ zwischen Reiter und Pferd. „Ich habe das Gefühl, mit dem Bitless Bridle eine sehr schnelle Leitung zu haben“, schildert sie ihren Eindruck. Die Hilfen kamen klar an, fand Bethge. Sie würde das Bitless Bridle eher für geübte Reiter empfehlen. Wer unruhige Hände hat, könnte das Pferd damit sehr leicht stören.

Bitless Bridle

Druckmessung: Der Druck kam eher punktuell auf den Knochen beider Seiten des Nasenrückens an. Je schneller sich das Pferd bewegte, umso mehr nahm der Druck zu, wie bei allen Testmodellen: Im Schritt (C links) lagen die Druckspitzen bei nur etwa 300 Gramm pro Quadratzentimeter (cm2), im Trab bei rund 1,5 Kilo pro cm2 und im Galopp bei etwas über 2 Kilo pro cm2 (C rechts). An der Stelle, an der sich die Riemen unter dem Kinn kreuzen, landete der Druck vor allem auf den beiden Kieferknochen. Die Druckspitzen waren hier mit rund 2 Kilo pro cm2 im Galopp genauso hoch wie auf der Nase. Im Genick verteilte sich der Druck auf die Länge des Nackenstücks und war gering (D).

Fazit: Das Bitless Bridle drückt eher punktuell auf Nasen- und Kieferknochen. Dadurch sind klare Signale möglich; Dauerdruck oder zu starker Zug könnten aber schnell unangenehm werden.

Sidepull

Modell: Sidepull „Flandy“
Marke: Freedom Riding Articles (F.R.A.), www.wilde-aecker.de
Preis: Rund 100 Euro

Infos zum Zaum: Das Sidepull soll seitliche Impulse erlauben und vor allem auf die Nase wirken. Es ist vor allem für Jungpferde und Korrekturpferde mit Angst vor der Hand geeignet und wird teilweise auch ohne ständige Anlehnung geritten.

Sidepull

Reitgefühl: „Meine Hilfen kamen mit diesem Zaum am ungenauesten an“, beurteilt Andrea Bethge das Sidepull. „Beim Rückwärtsrichten und im Schritt legte sich Nono teilweise auf die Hand.“ Im Trab und Galopp fühlte sich die Verbindung wieder leichter an. Bethge würde den Zaum besonders für Einsteiger empfehlen, denen es noch nicht so gut gelingt, mit den Bewegungen mitzugehen.

Sidepull

Druckmessung: Der Druck verteilte sich in Anlehnung dank Polsterung gleichmäßig auf der Nase. Im Schritt (C links) waren die Druckspitzen mit rund 600 Gramm pro cm2 entsprechend dem Reitgefühl etwas höher als beim Bitless Bridle; im Trab mit knapp unter einem Kilo pro cm2 und im Galopp mit etwa 2 Kilo pro cm2 etwas niedriger. Auf Genick (D) und Kinn kam kaum Druck.

Fazit: Die sehr gute Druckverteilung auf der Nase erlaubt sanfte Impulse. Weniger geeignet für Pferde, die sich auf den Zügel legen.

Blumenzaum

Modell: PS Blumenzaum „Jasmin“
Marke: Peter Pfister & Schade, www.peterpfister-schade.de
Preis: Rund 50 Euro

Infos zum Zaum: Der Blumenzaum wirkt, wie der LG-Zaum, je nach Verschnallung unterschiedlich. Wird der Zügel weit vorne in der „Blume“ eingehakt, ergibt sich eine Hebelwirkung. Bei einer Zügelhilfe soll also auch Druck aufs Genick kommen.

Blumenzaum

Infos zum Zaum: Bei unserer Messung waren die Zügel auf der geringsten Hebelstufe eingestellt.

Reitgefühl: „Ich konnte gut mit konstanter Zügelverbindung reiten“, so Andrea Bethge. Der Zaum machte einen präziseren Eindruck als das Sidepull.

Blumen-Zaum

Druckmessung: Auf den Nasenrücken wirkte im Schritt (C links) etwas höherer Druck als bei Sidepull und Bitless Bridle: Die Druckspitzen lagen bei rund 800 Gramm pro cm2. Im Trab (etwa 1 Kilo/cm2) und Galopp (C rechts, etwa 1,5 Kilo/cm2) lag der Druck vor allem auf den beiden Knochen des Nasenrückens. Auch unter dem Kinn entstand in Schritt und Trab geringer Druck von etwa 400 Gramm/cm2, im Galopp erreichten die Druckspitzen nicht ganz ein Kilo pro cm2. Im Genick war der Druck niedrig, verteilte sich allerdings nur auf zwei Punkte (D).

Fazit: Der Blumenzaum bringt eher punktuellen Druck auf die Nase und unter das Kinn. Der Reiter sollte deshalb unabhängig sitzen und mit feiner Anlehnung reiten können. Das gilt besonders dann, wenn die Zügel so verschnallt werden, dass eine Hebelwirkung entsteht.

Mechanisches Hackamore

Modell: Hackamore Nummer 42144
Marke: Sprenger, www.sprenger.de
Preis: Rund 80 Euro

Infos zum Zaum: Die Hackamore hat einen gepolsterten Nasen- und Leder-Kinnriemen. Die Hebel verstärken den Zug auf Nase, Genick und Kinn.

Mechanisches Hackamore

Reitgefühl: „Die Hackamore ist dem Reiten mit Gebiss am ähnlichsten“, findet Andrea Bethge. „Ich habe hier am meisten das Gefühl, dass das Pferd den Druck auf der Nase und die Anlehnung angenehm findet.“

Mechanisches Hackamore

Druckmessung: Durch die Hebel kam eine höhere Gesamtbelastung auf der Nase an: Im Galopp waren es zeitweise ca. 11 Kilo, bei allen anderen Zäumen hingegen unter 10 Kilo. Dank Polster verteilte sich diese Kraft auf der Nase aber sehr gut; die Druckspitzen lagen deshalb bei nur rund 500 Gramm/cm2 im Schritt (C links), ca. 800 Gramm/cm2 im Trab und nur rund 1 Kilo/cm2 im Galopp (C rechts). Die Nasenknochen zeichneten sich kaum ab. Unter dem Kinn gab es dafür Druckspitzen von bis zu 1,5 Kilo pro cm2. Im Genick war der Druck trotz Hebeln gering (D).

Fazit: Durch das Polster des Testmodells sanft zur Nase, dafür lastet zeitweise relativ hoher, punktueller Druck am Kinn. Daher trotz Polsterung nur für erfahrene und feine Reiter geeignet.

Knotenhalfter

Modell: Knotenhalfter mit Zügeln
Marke: Twin Oaks, www.kraemer.de
Preis: Rund 20 Euro

Infos zum Zaum: Das Knotenhalfter besteht aus dünnen Seilen. Die Knoten liegen an den Seiten des Nasenrückens und seitlich an den Backen des Pferds. Die Zügel aus dickerem Seil werden in zwei Ringe am Nasenriemen eingehakt.

Knotenhalfter

Reitgefühl: Das Knotenhalfter ist sehr leicht und wackelte dadurch am Kopf mehr als die anderen Zäume. „Zum Reiten in Anlehnung ist es ungeeignet“, so Andrea Bethge. Wenn das Pferd geübt darin ist, auf Signale am langen Zügel zu reagieren, kommen diese dagegen gut an: Testpferd Nono ließ sich mit dem Halfter gut dirigieren.

Knotenhalfter

Druckmessung: Versucht man mit dem Knotenhalfter testweise mit Zügelkontakt zu reiten, wirkt der schmale Nasenriemen im Vergleich zu gepolsterten Riemen relativ stark ein. Im Schritt (C links) und Trab verteilte sich der Druck auf mehrere Punkte entlang des Nasenrückens (Druckspitzen im Schritt bei rund 900 Gramm/cm2, im Trab bei knapp unter 1 Kilo/cm2). Im Galopp (C rechts). konzentrierte sich der Druck auf die Nasenknochen und erreichte knapp 2 Kilo/cm2. Am langen Zügel dagegen war der Druck auf der Nase wie erwartet sehr gering. Im Genick zeichnete sich das Halfter auch mit Zügelkontakt kaum auf dem Druckbild ab (D).

Fazit: Ermöglicht feine Signale am langen Zügel. Bei Zügelzug könnte das Halfter aber recht scharf auf den Nasenrücken wirken.

Bosal

Modell: Rawhide Bosal (Nasenstück) mit Kopfstück und Mecate (Zügel)
Marke: US Tack Westernstore
Preis: Rund 110 Euro

Infos zum Zaum: Das Bosal ist ein Ausbildungskopfstück der altkalifornischen Reitweise aus geflochtener Rohhaut. Es wird ohne Anlehnung geritten und sollte individuell angepasst werden, damit es richtig aufliegt. Sonst kann es scheuern. Unser Testmodell wurde mit der Hand vorgeformt.

Bosal

Reitgefühl: „Signale am langen Zügel kommen mit dem Bosal gut an“, so Andrea Bethge. Testpferd Nono schüttelte im Galopp teilweise den Kopf. „Das könnte an den Messdosen liegen, die relativ stark wackelten“, so die Reiterin. „Außerdem ist das Bosal auch noch recht hart.“ In Trab und Schritt zeigte Nono schöne Bewegungsabläufe.

Bosal

Druckmessung: Wir baten Testreiterin Andrea Betghe, für die Messungen testweise mit Zügelkontakt zu reiten. Dabei wirkte hoher Druck auf die Nase: Die Druckspitzen lagen schon im Schritt und Trab bei fast 1,5 Kilogramm/cm2. Der Druck konzentrierte sich auf die beiden Nasenknochen (B, links Schritt, rechts Trab). Auf eine Messung im Galopp mit Anlehnung verzichteten wir deshalb. Im Genick wirkte wenig Druck (C, links Schritt, rechts Trab). Am lockeren Zügel in einhändiger Signalreitweise war der Druck auf der Nase in Schritt, Trab und Galopp sehr gering, wenn auch eher punktuell.

Fazit: Lässt am langen Zügel feine Hilfen zu. Kommt Zug auf den Zügel, wirkt es durch den schmalen, starren Nasenriemen allerdings relativ scharf.
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