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Nicht jedes Pferd braucht einen Beschlag

Barhuf-Pflege leicht gemacht

Werden Pferdehufe korrekt getrimmt, brauchen sie keinen Beschlag. Lediglich Matsch, Kot, Urin und zuviel Fett oder Öl sind Gift.

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Viele Pferde kommen gut ohne Beschlag durchs Leben.

Hat ein Pferd gesunde Hufe und wird nur mäßig auf Schotter oder Asphalt geritten, kommt es oft ohne Beschlag zurecht – vorausgesetzt, seine Hufe werden von einem Fachmann so sorgfältig behandelt, dass sie in der Balance bleiben.

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Das Hornwachstum liegt bei sechs bis acht Millimeter pro Monat; ein Huf braucht „etwa ein Jahr, bis er einmal komplett durchgewachsen ist“, sagt Hufschmied Uwe Lukas. Die beste Voraussetzung für gesunde Barhufe ist bereits die Fohlenaufzucht. Hier entscheiden eine möglichst natürliche Haltung und regelmäßige Hufkorrekturen mit über die spätere Hufqualität.

Stehen Pferde permanent auf der Weide, braucht ein Barhuf vom Pferdebesitzer nichts weiter als eine regelmäßige Reinigung. „Meistens ist es sogar besser, kleinere Steinchen in der weißen Linie zu lassen, da beim Entfernen das Horn beschädigt wird“, sagt Jürgen von Grumbkow-Pfleiderer, Huforthopäde nach Biernat aus dem württembergischen Erbstetten.

Holen Sie das Pferd von der Weide in die Box, ist es sogar besser, Erde im Huf zu lassen. „In diesem Fall schützt die Erde den Huf vor den aggressiven Bakterien im Mist“, sagt von Grumbkow-Pfleiderer.

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Kot und Urin zerstören die Hornwände

„Bei einer Studie in Zürich wurden Hornproben für zwei Wochen in ein Kot-Urin-Gemisch eingelegt. Der Huf verlor 25 Prozent seiner Zugfestigkeit“, erklärt Uwe Lukas. Deswegen ist eine saubere Einstreu ganz entscheidend, dass Hufe gesund bleiben. Stehen Pferde in tiefer, mistiger Matratzenstreu, können sehr leicht Fäulnisbakterien eindringen, die Strahlfäule und Hufabszesse begünstigen.

Hufe reinigen Sie mit einem Hufkratzer, der nicht zu spitz ist. Sonst dringen Sie womöglich zu tief in die Strahlfurchen und verletzen das Horn. Manchmal sind Hufe mit Mist so hartnäckig verdeckt, dass man sie waschen muss. Weil ein Wasserschlauch nur oberflächlichen Schmutz entfernt, taugt laut Uwe Lukas ein Eimer Wasser mit Kernseife besser zum Reinigen.

Beim Thema „trockener Huf“ gehen die Lehrmeinungen auseinander. „Zu trockene Hufe gibt es nicht“, sagt Jürgen von Grumbkow-Pfleiderer. „Die Hufe versorgen sich selbst von innen nach außen mit Feuchtigkeit. Häufig werden Hufe als zu trocken angesehen, wenn sie Risse oder Spalten bilden. Das sind aber Anzeichen von unphysiologischen Hufformen, die mit korrekter Bearbeitung in Griff zu kriegen sind.“

Hufschmied Uwe Lukas sieht das anders: „Ist der Huf zu trocken und der Strahl nicht mehr elastisch, fehlt dem Huf Feuchtigkeit. Trockene Hufe neigen zu Hornspalten oder Prellungen.“ Der Hufmechanismus kann nicht mehr richtig arbeiten; Stöße werden nicht mehr gedämpft. Spröde Hufe brechen außerdem leichter aus. Hier rät Uwe Lukas zu Waterboots, die langsam Feuchtigkeit zum Huf transportieren. Sie sehen wie Hufglocken aus, werden in Wasser getaucht und geben es nach und nach ab.

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Fett und Öl trocknen Hufe aus

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Barhufe werden alle sechs bis acht Wochen von einem Hufbearbeiter korrigiert.

Nach wie vor umstritten ist, ob Hufe von außen überhaupt Feuchtigkeit ins Innere leiten können, oder ob das Wässern die Hufe nur äußerlich aufweicht. Bei zu feuchten Hufen sind sich die Experten dagegen einig: Sie sind elastisch, leiden aber unter mehr Abrieb. Das wird vor allem durch matschige Ausläufe begünstigt. Stehen Pferde den ganzen Tag im Schlamm, dringen viele Bakterien in die Hufe ein. „Zu feuchte Hufe kann man mit Pinienteer, einem Gemisch aus Teebaum und Eukalyptusöl in Verbindung mit Alkohol einstreichen“, sagt Uwe Lukas. Allerdings nicht mehr als ein Mal pro Woche. Zu feuchte Hufe pinselt man vor dem Waschen mit Huföl ein, damit nicht noch mehr Wasser in den eh zu feuchten Huf eindringt. „Huffett weicht die Hufe auf. Dadurch bekommen Barhufe mehr Abrieb“, erklärt von Grumbkow-Pfleiderer. „Und zu feuchte Hufe gehören in eine trockene Umgebung.“

Wie viel Ausritte ein Barhuf-Pferd verträgt, ist individuell verschieden. „Das kommt auf den Feuchtigkeitsgehalt der Hufe an“, sagt Uwe Lukas. Trockene Horn ist widerstandsfähiger als feuchtes. Deshalb nutzen im Frühjahr die Hufe schneller ab, weil sie feuchter sind. Nach langer Trockenheit im Sommer sind sie härter und haben weniger Abrieb. Dann kommt es noch darauf an, wie das Pferd abfußt. „Es gibt Barhufpferde, die laufen 20 bis 30 Kilometer am Tag“, sagt Uwe Lukas. „Hufwachstum kann man durch den Wechsel von Asphalt und Schotter sogar angeregt werden“, ergänzt von Grumbkow-Pfleiderer.

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Bloß nicht jede Woche selbst am Huf raspeln

„Aber bitte nicht jede Woche stundenlang an den Hufen rumfeilen“, sagt Uwe Lukas. Ein Laie nimmt schnell an der falschen Stelle zu viel weg, bringt so den Huf aus der Balance und provoziert eine Fehlbelastung. Oder er raspelt die Hufe insgesamt zu kurz, wodurch das Pferd eine Huflederhautentzündung bekommen kann. „Steht das Hornstück frei beweglich ab, kann man es abraspeln“, empfiehlt Jürgen von Grumkow-Pfleiderer als Faustregel.

Einige Pferdebesitzer versuchen, das Hufwachstum durch die Fütterung mit Biotin oder speziellen Mischpräparaten positiv zu beeinflussen, die Hersteller in diversen Varianten anbieten. Diese füttern Sie aber am besten erst nach Rücksprache mit Ihrem Huffachmann. Untersuchungen der Tierärztlichen Hochschule in Hannover haben ergeben, dass Biotin keinen Einfluss auf das Hornwachstum hat, sondern auf die Hornqualität.

Für das Wachstum bewähren sich Kombinationspräperate aus Biotin und Zink besser. Diese sollten eine Tagesdosis von 20 Milligramm Biotin und 600 Milligramm Zink enthalten; am besten noch schwefelhaltige Aminosäuren wie Methionin, Tryptophan und Lysin. Sie wirken als Katalysatoren für die Verwertung.

Info

Keralit soll Hufe härten und den Hornabrieb mindern. Um das zu prüfen, ließ CAVALLO den Huffestiger im August 2008 im Labor testen. Dazu wurde ein Huf in mehrere Teststücke gestanzt und auf Zugfestigkeit und Abrieb getestet. Bei der Zugfestigkeit gab es keinen Unterschied zwischen behandelten und unbehandelten Hufstücken; wohl aber beim Abrieb: Die Proben ohne Keralit verloren im Abriebtest neun Prozent mehr Masse als das Keralit-Horn.

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