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Fressgitter für Stall und Weide - darauf müssen Sie achten

Schwedische Gardinen

Fressgitter machen das Füttern auf den ersten Blick leichter. Ihre Tücken liegen im Detail – und können tödlich sein. CAVALLO zeigt, worauf Sie achten müssen.

Wer Pferde sauber und sparsam füttern will, schickt sie hinter Gitter. Denn hinter Fressgittern sind Heu und Silage jederzeit erreichbar, ohne dass die Tiere sie im Paddock verteilen oder unter die Einstreu matschen.

So ökonomisch Fressgitter sind, so tödlich können sie sein. Für Kaltblut-Junghengst Barahir zum Beispiel. „Eines Morgens lag er ins Fressgitter verkeilt tot im Laufstall“, sagt seine Besitzerin Diana Hartig. Sie ließ ihn nicht obduzieren, die Todesursache blieb deswegen unklar.

Fressgitter: So sind Stall und Weide versorgt

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Dr. Michael Weiler aus Gelnhausen in Hessen glaubt nicht, dass Barahir sich das Genick brach: „Pferde mit Genickbruch haben nach dem Tod meist eine andere Kopf-Hals-Position.“ Wahrscheinlicher für den Tierarzt ist, dass der Hengst vor Panik oder Schmerzen ins Gitter rannte, stürzte, sich nicht mehr befreien konnte und dann in Gefangenschaft starb. Dr. Weiler kennt noch zwei ähnliche Fälle: „Die tot im Fressgitter gefundenen Pferde hatten eine Wirbelfraktur und einen Oberschenkelbruch."

Bis zum Tod ihres Pferds dachte Barahirs Besitzerin nicht im Traum daran, dass ein praktisches Fressgitter für den Hengst zur tödlichen Falle werden könnte. Erst jetzt sieht sie, dass die Stangen und Raufen in jeglicher Form nicht nur Vor-, sondern auch jede Menge Nachteile haben.

Fressgitter für den Stall

Fressgitter: So sind Stall und Weide versorgt

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Doch besonders bei weiten Zwischenräumen sind Fressgitter aus raumhohen Senkrechtstangen gefährlich. Pferde, die wie Barahir in Panik geraten, bleiben auf dem vermeintlichen Fluchtweg durch das Gitter stecken, quetschen sich Körperteile und brechen sich Knochen, sofern sie überhaupt am Leben bleiben.

Zwischen den Stangen sollten deshalb nicht mehr als 30 bis 35 Zentimeter Luft sein – je nach Größe der Stallbewohner. Weil Ponyfohlen mit dem ganzen Körper durch Stangen schlüpfen, an denen jeder Kaltblutkopf abprallt, eignen sich raumhohe Fressgitter mit senkrechten Stangen nur für Gruppen ähnlich großer Tiere.

Die Stangen bergen noch ein weiteres Risiko. „Steckt ein Pferd seinen Kopf durch eine Öffnung und durch die benachbarte wieder zurück, kann es hängenbleiben“, warnt Reinhold Eitenmüller, Zuchtberater des Verbands der Pony- und Pferdezüchter Hessen. Bei Befreiungsversuchen quetschen sich Pferde Nerven oder brechen sich das Genick. Der Züchter verhindert das seit 30 Jahren mit einer zusätzlichen Stange in jedem zweiten Zwischenraum.

Auch der Stallausrüster Grossewinkelmann hat die Gefahr erkannt und ein Sicherheits-Fressgitter entwickelt. „Die Pferde können sich dank des verschlossenen Zwischenraums nicht um eine Stange wickeln“, erklärt Stalltechnik-Verkaufsleiter Lothar Bänisch. „Abstände unter 5,5 Zentimetern verhindern, dass Hufe ins Gitter geraten.“

Besonders riskant sind Billiglösungen wie alte RinderFressgitter oder dünne Rohre. In ehemaligen Kuhställen brechen sich vor allem Fohlen oft den Hals, schwere Pferde können sich durch schwache Stangen drücken. „Fressgitter-
Rohre sollten deswegen mindestens fünf Zentimeter Durchmesser und vier Millimeter Wandstärke haben“,sagt Reinhold Eitenmüller.

Nicht nur Stangenstärken und -abstände beeinflussen das Fressgitter-Risiko, sondern auch die Höhe. „Damit kein Pferd mit dem Kopf anschlagen kann, sollte die obere Querstange bei Warmblütern mindestens 2,10 Meter hoch sein, besser noch höher“, sagt Günter Herkert, Technischer Leiter beim Stallausstatter Patura. Die Lücke zwischen unterer Stange und Boden sollte mit Planken verschlossen werden, damit keine Hufe hineingeraten. Alternativ schließt eine Stufe zum erhöhten Futtergang, auf der die untere Stange liegt, gefährliche Freiräume.

Fressgitter für die Weide

Fressgitter: So sind Stall und Weide versorgt

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Auch sie werden Pferden gefährlich, wenn die sich in Gittern verfangen oder an Dachblechen und Kanten stoßen.

Diese Risiken entschärfen Raufenhersteller, so gut es geht: Dächer und Treckerkupplungen von Ballenraufen erhalten Schutzbügel, bei senkrechten Gittern wird jeder zweite Fressplatz verschlossen.

Dennoch würde Stefan Schniedermeier, Geschäftsführer des Stallausrüsters Stephanshof, Raufen mit senkrechten Gittern nicht überall einsetzen: „Sie eignen sich besonders für ruhige Gruppen mit relativ stabiler Rangfolge. Bei Rangeleien an der Raufe können die Tiere nicht schnell genug fliehen und schlagen leicht mit den Kopf an.“ Für unruhige Gruppen mit Fluktuation rät er zu Raufen mit Palisadengitter ohne obere Querstange.

Oben offene Rundraufen aus Stahlblech gibt es mit und ohne Palisadengitter. Beide Varianten erlauben schnellere Fluchten als die überdachten Ballenraufen und haben weniger Kanten. Dafür gibt es andere Nachteile: „Sie besitzen keinen Boden. Das Futter kann die Feuchtigkeit aus der Erde aufnehmen und verderben“, sagt Günter Herkert. Separat erhältliche Dächer zum Wetterschutz sind oft nicht sehr stabil und gefährlich.

Panel-Fressgitter sind für Großpferde zu niedrig und nur bei vorübergehender Einzelhaltung geeignet. In den instabilen Provisorien können allerdings auch Ponys hängen bleiben.

Ein Restrisiko bleibt immer, etwa wenn Pferde in gitterlose Rundraufen hineinklettern, aber nicht wieder hinauskommen. Zumindest das passiert hinter Gittern sicher nicht.

Die Gitter-Typen - Vor- und Nachteile

Fressgitter: So sind Stall und Weide versorgt

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Standard-Fressgitter

  • Vorteile: wenig Heu- und Silageverlust im Laufstall, beliebig viele Fressplätze, je nach System Halsweite individuell einstellbar

      Nachteile: je nach System passt Hals­weite nicht für alle Tiere (Durchschlupf-Gefahr), Genickbruchgefahr bei Einfädeln Geeignet für: stabile Gruppen mit ähnlich gebauten Pferden, z.B. Jungpferde einer Rasse

Sicherheits-Fressgitter

  • Vorteile: siehe Standard-Fressgitter, ­separate Fressplätze durch ­Abstandshalter, Einfädeln nicht mehr möglich

      Nachteile: je nach System passt Halsweite nicht für alle Tiere (Durchschlupf-Gefahr) Geeignet für: alle Pferdegruppen, außer mit sehr verschieden gebauten Tieren, z.B. schmalen Ponys und breiten Kaltblütern

Ballenraufe mit senkrechtem oder Palisadengitter

  • Vorteile: sparsame und wettergeschützte Heu- und Silofütterung mit Groß- und Rundballen auf Weide oder Paddock

      Nachteile: Konstruktionen können Verletzungsrisiken bergen (Dachkanten, Schlepper-Kupplung, Gitter) Geeignet für: stabile Gruppen (senkrechte Gitter) bzw. unruhige Gruppen oder Pensionsställe mit unterschiedlich gebauten Pferden und Fluktuation (Palisadengitter)

Rundraufe mit Palisadengitter

  • Vorteile: geringe Verletzungsrisiken

      Nachteile: Futter ist Wetter ausgesetzt und kann faulen, da es direkt auf dem Boden liegt; Dachkonstruktionen sind oft nicht sehr stabil Geeignet für: Zufütterung auf Sommerweiden oder befestigten Paddocks

Panel-Fressgitter

  • Vorteile: Heu- und Silagefütterung außerhalb des Paddocks,

      Nachteile: obere Querstange ist für Großpferde oft zu niedrig Geeignet für: Einzelhaltung (Panelboxen) oder Pony-Gruppen

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