Meine Stallkollegin gehört zu einer aussterbenden Art: Sie reitet nahezu täglich. Immer ins Gelände, gerne flott und im Dreiergespann mit dem Hund. Ihre Stute Lady ist ein 10-jähriges Warmblut aus Irland. Beide trainieren für eine gemeinsame Leidenschaft: das Jagdreiten. Zugegeben: Was genau Claudia Bartels an so einem Jagdwochenende macht, davon hatte ich bis vor Kurzem keinen blassen Schimmer. Als CAVALLO-Autorin komme ich zwar viel herum, treffe Ausbilder, lerne Trainings-Methoden kennen – aber eine Schleppjagd mit Pferd habe ich noch nie miterlebt. Das soll sich ändern! Ich will wissen, warum die Augen meiner Stallkollegin so glänzen, wenn sie von einem Jagd-Wochenende erzählt, und begleite sie. Was steckt hinter dem Jagdfieber – und ist es ansteckend?
In meinem Kopf reiten die Teilnehmer immer noch hinter einem Fuchs her. Völliger Unsinn! Denn in Deutschland ist das bereits seit den 1930er-Jahren gesetzlich verboten. Hier pflegt man die Tradition der Schleppjagd: Hunde verfolgen eine Duftspur – und das Reiterfeld folgt der Meute über Baumstämme, Gräben, durch Senken. Ich werde als Zuschauerin mit einem Geländewagen zu den interessanten Streckenabschnitten gefahren. Zuerst kommen die drei Schleppenleger angeritten. Kurz darauf höre ich das Bellen der Foxhounds, Geläut sagen die Jagdreiter dazu. Die ersten Hunde preschen vorbei – dann ertönt das dumpfe Trommeln der Hufe auf dem Sandboden der Heide. Das Jagdfeld nähert sich!

Der englische Foxhound ist ausdauernd und auf den Einsatz bei Schleppjagden spezialisiert.
Ich halte Ausschau nach einem hübschen Schimmel – und da kommt Lady mit Claudia im Sattel: In bester Manier fliegen die beiden über eine Reihe von Natursprüngen. Ich halte die Luft an. Geschafft! Bei mir bricht kein Jagdfieber aus, aber ich fiebere mit. Die nächste Herausforderung: eine tiefe Senke. "Reiten die etwa da runter?", frage ich einen Streckenposten. Dieser bejaht. Ganz schön steil, denke ich noch. Aber dann sind die ersten Reiter schon unten. Auch für Claudia und Lady ist das offenbar kein Problem. Toll zu sehen, wie aufmerksam die Stute ist. Bergauf zieht sie noch an. Offenbar motiviert sie die Gruppe. Zuhause im Gelände ist sie eher ein träger Typ.
Aber die Pause auf der Hälfte der Strecke ist willkommen: Es gibt Schnittchen und Getränke für alle. Obwohl es in Strömen regnet, strahlen die meisten. Die Zeit vergeht im Flug. Am Ende der Jagd hoch zu Ross lässt die Bläsergruppe das "Halali" ertönen. Alle versammeln sich und erweisen den Hunden die Ehre, die einen Pansen bekommen und in der Luft zerreißen. Bei den Reitern geht es gesitteter zu: Sie geben einander die Hand, wünschen sich "Halali" – und die Jagdherrin steckt den Fichtenbruch an.
Dann wird angestoßen! Ob mit Wasser oder Sekt – das Adrenalin im Blut sorgt ohnehin schon für Prickeln. Und ich erzähle zu Hause mit leuchtenden Augen von den Eindrücken. Jetzt verstehe ich, wie sich meine Stallkollegin nach solchen Wochenenden fühlt. Jagdfieber eben!
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