Praxistest Dressurgerte Lisa Rädlein

9 Dressurgerten im Test

Hilfe für die Hilfen 9 Dressurgerten im Test

CAVALLO hat neun Dressurgerten in der Praxis getestet, in Männer- und Frauenhänden, mit und ohne Handschuhe. Welche konnte überzeugen?

Griffig solide – Showmaster Dressurgerte Full-Grip von Krämer

In den Weiten des Reitplatzes ist sie eine Art Klassiker: Die "Showmaster Dressurgerte Full-Grip" von Krämer (www.kraemer.de), laut Anbieter "mit einem rutschfesten Gummi-Haftgriff und einem breiten, silberfarbenen Knauf ausgestattet".

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Praxistest Dressurgerte
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Erhältlich ist sie ausschließlich in der Farbe Schwarz und in den Längen 100, 110 und 120 Zentimeter. Preis: 9,99 Euro. Wir griffen zur 120 Zentimeter-Version. Wenn schon, denn schon.

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Showmaster Dressurgerte Full-Grip von Krämer (www.kraemer.de).

Der erste Eindruck: Solide. Die "Full-Grip" liegt ob ihres guten Schwerpunkts stabil in der Hand. Mit wenig Aufwand schwingt sie leichtgängig, ohne zu schlackern, und verursacht dabei zackige Zischlaute. Auffällig ist ihr verhältnismäßig langer Schlag (14 Zentimeter).

Im Sattel: Der geriffelte Griff überzeugt, die "Full-Grip" liegt fest in der Hand, eine Eigenschaft, die dem männlichen Tester entgegenkommt, zumal er aus Gewohnheit (weniger aus Überzeugung) keine Reithandschuhe trägt. Bei der Hilfengebung verrichtet dieses Modell unauffällig seinen Dienst, da zischt und schlackert nichts. Die Reiterkollegin und Handschuhträgerin lobt diese Gerte ebenfalls: "guter Griff", "leichte Gerte", die "nicht so pitschig" sei.

Fazit: Stallalltag-tauglich und solide, der gute Standard für sehr wenig Geld. Stallalltag deshalb, weil es bei knapp 10 Euro nicht so schlimm ist, wenn sie mal auf dem Reitplatzboden landet.

Edles Understatement – Dressurgerte von Döbert

Im Dreck hat diese Dressurgerte von Döbert definitiv nichts zu suchen: Mit 130 Zentimetern ist sie die längste und mit 51,61 Euro auch die hochpreisigste Gerte in diesem Test.

Laut Anbieter (www.loesdau.de) eine "leichte, lackierte Dressurgerte in schickem Design": Der Ledergriff ist mit zwei Lederknöpfen und einer Kristalleinlage (zweireihig angeordnete "Swarovski Elements") versehen. Sie besteht aus Fiberglas, als Werkstoff leicht und formstabil.

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Dressurgerte von Döbert (www.loesdau.de).

Der erste Eindruck: Die Döbert-Gerte schwingt stumm wie erhaben und entfaltet mit wenig Aufwand eine dezente Wucht. Dieses Modell protzt mit gediegenem Understatement wie eine Jaguar-Limousine. Nicht zufällig glitzern die Swarovski-Steinchen eher unauffällig am Griff. Aber sie glitzern! Die Schlaglänge beträgt bescheidene neun Zentimeter. Das heuchelt Harmlosigkeit.

Im Sattel: Da hat man was in der Hand! So optisch wie einsatzbetont hochgerüstet, scheint die Traversale eine Spur spurtiger zu gelingen. Schon aufgrund der Gertenlänge, zehn Zentimeter über LPO-Reglement (Siehe Absatz "Lang, länger – zu lang?"), gelingt eine präzise wie unaufgeregte Hilfengebung. Am oberen Ende des Griffs angefasst, gerät sie etwas unhandlich, weil vergleichsweise schwer. Zudem könnte der Griff etwas dicker sein. Das Urteil der Reiterkollegin: zu lang, zu dünn, zu hart in der Anwendung.

Fazit: Trotz Glitzer-Griff ist das Döbert-Modell vielleicht doch eher eine Männergerte? Eine Statement ist sie allemal. Für den Autor ein Favorit in diesem Test.

Preiswert präzise – Classic von Waldhausen

Die Wahl zwischen schlichter Hilfengebung und zuverlässiger Anmut: Aus dem Hause Waldhausen (www.waldhausen.com) galt es zwei Modelle auszuprobieren. Zum einen die "Classic", welche mit ihren silberfarbenen Beschlägen als "klassisch-elegante Dressurgerte mit umwickeltem Formgriff für einen guten Halt" gepriesen wird.

110 Zentimeter lang. Preis: 8,95 Euro. Und dann die "Noblesse": eine "hochwertige Dressurgerte mit glattem Echtleder-Griff und farblich abgesetzten Nähten, mit edlen Abschlüssen in Roségold" (siehe Absatz "Rätselhaftes Ende").

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Classic von Waldhausen (www.waldhausen.com).

Der erste Eindruck: Die "Classic" trägt sich gut ausbalanciert, ihr Griff liegt angenehm in der Hand. Bei schwitzigen Fäusten könnte dieser jedoch rutschig werden, aber das ist Spekulation. Außerdem sind die meisten Reiterinnen und Reiter eh mit Handschuhen unterwegs. Die "Classic" schwingt in der gleichen Preisklasse, aber etwas schwerfälliger als das Showmaster-Modell, ist allerdings auch zehn Zentimeter kürzer. Eindruck macht man damit nicht, aber sie ist sauber verarbeitet. Ehrlich und schnörkelos. Die Schlaglänge messen wir mit 10 Zentimetern.

Im Sattel: Schnörkelfrei und stabil, die Hilfen kommen bei der "Classic" präzise und auf den Punkt. Kein Schlackern. Und vor allem bringt sie ein gutes, weil leichtes Tragegefühl mit, egal ob man sie nun oben oder weiter unten am Griff trägt.

Fazit: Die "Classic" steht nicht nur preisbedingt in direkter Konkurrenz zum hier getesteten Krämer-Modell. Solide und robust, nimmt man sie gerne mal mit. Da kann man wenig falsch machen.

Griff-Glitzer – Supreme von Busse

Die Qual der Wahl, oder warum es einem der Hersteller (www.busse-reitsport.de) nun wirklich nicht leicht macht – hat Busse CAVALLO doch gleich drei gute Gerten zur Verfügung gestellt, alle 110 Zentimeter lang.

Die Tester hatten also Luxus ("Luxury"), rutschfest ("Anti-Slip") und ein Top-Modell ("Supreme") zur Verfügung. Die "Supreme" ist eine "elegante Dressurgerte mit Fiberglaskern, garnbesponnen, schlanker Griff mit einem Band aus dunklen Strasssteinen, Pilzknopf und Schieber schwarz glänzend", lockt die Produkt-Info. Gibt es auch in Schwarz und Navy.

Preis: 15,50 Euro. Und ist auch in der 120 Zentimeter-Variante erhältlich.

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Supreme von Busse (www.busse-reitsport.de).

Der erste Eindruck: "Supreme" liegt relativ schwer in der Hand. Der dezente Griff-Glitzer verheißt Edles, ohne jedoch mit Strahlkraft zu protzen. Auch schwingt sie nur dezent und vermittelt eine gewisse Strenge. Döbert light sozusagen. Schlaglänge: elf Zentimeter.

Im Sattel: Gute Griffigkeit, zackig in der Anwendung – und ob Strasssteinchen oder nicht: Wer es gerne etwas stockig-streng mag, ist mit dieser Gerte prima bedient.

Fazit: Schöne Optik, vom Handling im Praxistest aber nicht jedermanns Sache. Also: Ausprobieren!

Stabiler Stock – Feldmann-Balance-Gerte Sports von Fleck (CAVALLO Testsieger)

Das klingt nach einer sicheren Sache: Die "Feldmann-Balance-Gerte Sports" überzeugt laut Hersteller Fleck (www.fleck-co.de) "mit zweigeteiltem Spezialgriff, der die Reithand fixiert.

Somit ist die Gerte immer ideal ausbalanciert und liegt sicher in der Hand. Für unverkrampftes, effektives Reiten." Aus Fiberglas, mit feinem Nylongespinst und "für mehr Tragfähigkeit" mit einem "Soft-Rubber-Balance-Griff" versehen. Länge: 120 Zentimeter. Preis: knapp 30 Euro.

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CAVALLO Testsieger: Feldmann-Balance-Gerte Sports von Fleck (www.fleck-co.de).

Der erste Eindruck: Stramm und stabil, der "Sports"-Griff ist gewöhnungsbedürftig, weil stöckchenmäßig dünn. Seine Gummibeschränkungen sorgen jedoch für eine konstant-gute Balance. Sie wirkt edel und ist sauber verarbeitet. Schlaglänge: neun Zentimeter.

Im Sattel: Liegt sicher in der Hand, schwingt angenehm verhalten und erlaubt punktuelle, sichere Hilfengebung. Im Tester-Stall ist sie übrigens die Lieblingsgerte von Ausbilderin Egga Pallauf. Gleichwohl muss man sich erst an sie (die Gerte) gewöhnen. Denn der erste Reflex beim Zügelaufnehmen: Daumen aufs Griff-Gummi. Doch spätestens beim ersten Trab finden die Daumen dann wie von selbst in die richtige Position, nämlich auf den Zügel.

Fazit: Top Teil! Mag man gar nicht mehr aus der Hand legen.

Vom Fleck weg modern – Colorline von Fleck

Fleck, die zweite: Die Dressurgerte "Colorline" zeichnet sich durch "ein modernes Design und hervorragende Eigenschaften aus". Dazu gehört der Fiberglas-Kern, das Nylongespinst, der Colorline-Griff und der schwarze Metall-Pilzknopf.

"Die neuen rutschfesten Colorline-Griffe in trendigen Farben vermitteln ein sicheres Handling und machen diese modernen Gerten unverwechselbar", so der Hersteller. Länge: 120 Zentimeter. Preis: knapp 30 Euro.

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Colorline von Fleck (www.fleck-co.de).

Der erste Eindruck: Recht schwingfreudig stellt sich die "Colorline" vor, der gummierte Anfasser bietet rutschfreies Handling, ist optisch einen Tick verspielter ("modern") als die "Sports" (siehe links). Bereits bei leichtem Ausholen reagiert sie fast ein wenig boshaft-zackig, was kein Nachteil sein muss. Schlaglänge: zehn Zentimeter.

Im Sattel: Keine Frage: Die "Colorline" besticht durch ihren guten Schwerpunkt. Sie lässt sich sicher halten und schwingt bei der Hilfengebung freundlich schwerfällig. Trotz moderner Optik kommt sie bei der Anwendung unaufgeregt daher. Rutscht die Gerte trotz Griffgummierung doch mal durch die (handschuhfreie) Faust, ist spätestens beim Metall-Pilzknopf Schluss mit Schludern. Das gibt Sicherheit.

Fazit: Vom Fleck weg modern. Überzeugt mit Griffigkeit und gediegenem Anwendungsverhalten.

Dezente Eleganz – Noblesse von Waldhausen

Die Zweite von Waldhausen (www.waldhausen.com). Die "Noblesse" ist laut Firmenangabe eine "hochwertige Dressurgerte mit glattem Echtleder-Griff und farblich abgesetzten Nähten, mit edlen Abschlüssen in Roségold". Länge: 110 Zentimeter. Preis: 15,95 Euro.

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Noblesse von Waldhausen (www.waldhausen.com).

Der erste Eindruck: Kostet sieben Euro mehr als die "Classic", dafür gibt es aber auch mehr Optik: Das Roségold der "Noblesse" vermittelt dezente Eleganz, was nicht zuletzt dem chicen, schwarzen Ledergriff mit weißen Nähten geschuldet ist. Sie liegt stabil und ruhig in der Hand und verheißt Zuverlässigkeit. Schlaglänge: elf Zentimeter.

Im Sattel: Liebe Handschuhträger(innen), ihr müsst jetzt, trotz aller Eleganz, ganz tapfer sein: "Der Griff ist zu glatt", befindet die Reitlehrerin im Tester-Stall. Der Barhand-Reiter hingegen erlebt die Noblesse-Handhabung als angenehm fest. Das Griffleder auf der nackten Handinnenfläche fühlt sich gut und rutschfest an, was auch am relativ kurzen Griff liegen mag.

Fazit: Wer mit dem glatten Griff der "Noblesse" gut zurecht kommt, hat hier eine (auch optisch) ansprechende Hilfenhilfe zu Verfügung.

Leicht, griffig und zackig – Anti-Slip von Busse

Da soll nix rutschen: Die "Anti-Slip" von Busse, "mit Fiberglaskern, garnbesponnen, gummierter Griff, Pilzknopf und Schieber aus silberfarbenem Metall", so der Anbieter, kostet 11,90 Euro.

Im Test: Das 110 Zentimeter lange Modell, wird aber auch in den Längen 100 und 120 Zentimeter angeboten (www.busse-reitsport.de).

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Anti-Slip von Busse (www.busse-reitsport.de).

Der erste Eindruck: In der Tat: Der Griff der "Anti-Slip" gibt sich definitiv rutschfest, Name verpflichtet. Da freut sich der Handschuhverächter! Sie schwingt zackig und liegt aufgrund ihres guten Schwerpunkts stabil in der Hand. Schlaglänge: zehn Zentimeter.

Im Sattel: Bei der "Anti-Slip" slippt, wie versprochen, nix, egal ob mit Handschuh oder barhändig. Die Hilfengebung kommt mühelos zackig aus dem Handgelenk, auf den Punkt und mühelos wirkungsvoll. Ganz klar unser Busse-Favorit!

Fazit: Leicht, griffig, zackig – unter den Busse-Produkten gefällt die "Anti-Slip"-Dressurgerte am besten.

Verspielt robust – Luxury von Busse

Die Hinguckervariante aus dem Hause Busse, die "Luxury", hier in der Farbe Navy (sonst auch in Schwarz und Braun zu haben), ist laut Produkt-Info eine "moderne Dressurgerte mit Fiberglaskern" und garnbesponnen.

Ein "schlanker Griff in moderner, glänzender Optik; großer Pilzknopf und Schieber silberfarben glänzend". Preis: 14,50 Euro. Unser Testmodell betrug 110 Zentimeter, gibt es aber auch zehn Zentimeter länger (www.busse-reitsport.de).

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Luxury von Busse (www.busse-reitsport.de).

Der erste Eindruck: Der "Luxury"-Griff fühlt sich trotz Riffelung etwas rutschig an. Das glänzend glatte Dunkelblau wirkt leicht verspielt. Andererseits kommt das Modell stabil rüber und verspricht eine schnörkellose Handhabung. Die Gerte ist solide verarbeitet und schwingt bei der Schlagprobe wenig. Schlaglänge: elf Zentimeter.

Im Sattel: Liegt stabil in der Hand, für Handschuhträgerinnen ist der "Luxury"-Griff aber wohl einen Tick zu rutschig. Bei der Hilfengebung wirkt sie starr bis verstockt und daher schwerfällig.

Fazit: Schöne Farbe, gute Gebrauchsgerte, aber in diesem Praxistest nicht die erste Wahl der Reiter.

Lang, länger – zu lang?

Wer Gerten auf Turnieren nutzt, hat ein paar Regeln zu beachten. Vor allem die Länge in den Prüfungen sind laut LPO-Ausrüstungskatalog (Stand: 1. Januar 2020) genau vorgeschrieben. Wichtig: Mitunter wird hier zwischen Vorbereitungsplatz und Leistungsprüfung (LP) unterschieden. Alle Längenangaben sind inklusive Schlag. Die Bestimmungen im Einzelnen:

Dressur: Bei Dressur-, Dressurreiter-, Dressurpferde-LP, Gewöhnungs-, Reitpferde-LP ist sowohl in der Prüfung sowie auf dem Vorbereitungsplatz eine Gerte mit max. 120 cm erlaubt. Übrigens: Bei internationalen Prüfungen (FEI) gibt es beim Reiten mit Gerte Punktabzüge.

Springen: Für Spring-LP, Springpferde-LP, Eignungs-LP, Kombinierte Dressur-/Spring-LP (analog Eignung) und FN-Hunterklasse (Springen) darf in der Prüfung nur eine Gerte mit max. 75 cm (inkl. Schlag) genutzt werden. In der dressurmäßigen Arbeit auf dem Vorbereitungsplatz ist jedoch eine Gerte mit max. 120 cm zulässig.

Vielseitigkeit: In der Teildisziplin Dressur ist keine Gerte zulässig! Auf dem Vorbereitungsplatz darf jedoch mit einer Gerte von max. 120 cm (inkl. Schlag) geritten werden.

Im Spring-Parcours ist eine Gerte mit max. 75 cm erlaubt. In der dressurmäßigen Arbeit auf dem Vorbereitungsplatz ist sogar eine Gerte mit max. 120 cm erlaubt.

In der Gelände-Prüfung sowie auf dem Vorbereitungsplatz darf eine Gerte mit max. 75 cm zum Einsatz kommen.

Gleiches gilt für Gelände-, Geländepferde- sowie Jagdpferde-LP sowie Eignungsleistungsprüfungen mit Teilprüfung Gelände; ferner in der kombinierten Dressur-/Spring-LP (analog Eignung mit Teilprüfung Gelände), Spring-LP mit Geländehindernissen und FN-Hunterklasse (Gelände).

Außerdem: In Führzügel- und Longenreiter-Wettbewerben sind keine Gerten erlaubt!

Rätselhafte Ende

Alles hat ein Ende, nur die Gerte hat zwei: Aber wozu ist er eigentlich da, dieser instabile (Dressur-)Gertenabschluss, der an einen abgeschnittenen Schnürsenkel gemahnt? Das Ergebnis meiner (sicher nicht repräsentativen) Umfrage: Nichts Genaues weiß man nicht.

Das hat mich einerseits beruhigt, denn nach Jahrzehnte-langer Reiterfahrung, quasi vom alten Schlag, habe ich mich anfangs gar nicht getraut, diese Frage offiziell zu stellen: Nicht, dass mich alle für (zu) blöd halten!

Doch nachdem auch heimlich-verschämtes Googeln keine Antworten ans Hallenlicht beförderte, fasste ich mir dann doch ans Reiterherz. Also: Wozu ist der Schlag da?

Die Reitlehrerin meines Vertrauens, Steffi Winter, 38, Pferdewirtschaftsmeisterin und Ausbilderin auf der Reitsportanlage Otterfing, findet ihn nicht nur nicht zweckmäßig, sondern auch störend: "Ich schneide die Teile immer ab, vor allem wenn sie lang sind und rumschlackern – das nervt mich." Die Pferde würde es irritieren, da "das Geschlacker" eine unkontrollierte Hilfengebung nach sich ziehen würde, sagt sie. Der Schlag also ein sinnloses Anhängsel?

Ulrike Hübner, 54, die in ihrem Münchner Reitgeschäft "Passion" vor allem Hochwertiges verkauft, auf kompetente Beratung setzt und S-Dressur reitet, kann über die Sinnhaftigkeit nur mutmaßen: "Möglicherweise beeinflusst die Länge des Schlages das Schwingverhalten der Gerte...". Möglicherweise.

"Der Schlag dient in erster Linie der dosierbaren Impulsgebung am Pferd. Aber natürlich beeinflusst dieser auch das Schwingungsverhalten in Verbindung mit der generellen Elastizität des Gertenschaftes", erklärt hingegen Rudi Maisack, Geschäftsführer des Gertenherstellers Fleck, Schwarzach. Denn "dann ist am vorderen Gertenende etwas weniger Gewicht und das macht sich aufgrund der langen und schlanken Bauweise doch in der Balanceverteilung und im Schwungverhalten bemerkbar". Es handele sich zwar hier nur um ein paar Gramm, diese würden aber "definitv für jeden Anwender subjektiv" spürbar sein, glaubt der Fleck-Chef. Subjektiv.

Praxistest Dressurgerte
Lisa Rädlein
Volker Camehn, CAVALLO-Autor

Das Ende bleibt also rätselhaft. Wir haben darauf verzichtet, den Testgerten den Schlag abzuschneiden.

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