Teil des
cav-no-go-fuer-pferdebeine-lir9973 (jpg) Lisa Rädlein

Die größten No-Gos für Pferdebeine

Darauf sollten Reiter verzichten

Sie wollen die Beine Ihres Pferde stärken? Dann verzichten Sie auf diese Maßnahmen und Hilfsmittel.

Pferdebeine bandagieren

Dicke Pferdebeine oder Gallen? Und schon greift mancher zur Bandage. Logisch, denn wenn man die Wickel später wieder herunterzuppelt, sind die Beine frisch erschlankt, korrekt? Leider nicht! Die Pferdebeine wirken nach dem Ausbandagieren lediglich schlanker – durch den Druck der Bandagen. Gegen angelaufene Beine wirkt nur eines: Bewegung!

Bandagen indes können sogar üble Folgen haben, insbesondere Stallbandagen. Der Grund: Der Druck der Wickel schränkt den Lymphfluss ein und verhindert den Abtransport von Gift- und Abfallstoffen aus dem Gewebe. Außerdem wird das Gewebe mit zu wenig Sauerstoff versorgt, was im schlimmsten Fall zum Absterben des Gewebes führen kann.

Die Fesselbeuge ist besonders anfällig für Lymph- oder Blutstaus, da sie eine Engstelle am Bein darstellt. Wichtig: Bandagieren Sie daher niemals unterhalb der dicksten Stelle des Fesselkopfs! Überhaupt: Ohne ausdrücklichen Rat eines Tierarztes sollten Pferde gar keine Stallbandagen tragen.

Ein weiterer hartnäckiger Irrglaube: Bandagen stützen die Sehnen beim Reiten! Manch einer wickelt sogar fälschlicherweise besonders fest, um die Sehne zu stärken. Dabei haben Forscher längst bestätigt: Bandagen können Sehnen nicht stabilisieren. Sie dienen lediglich als Streifschutz, zum Beispiel bei Seitengängen in der Dressur.

Gamaschen als Schlagschutz

Sobald sich das liebe Pferd ein wenig bewegen soll, zücken Reiter die gute alte Gamasche. Der Beinschutz soll Pferdebeine vor Verletzungen bewahren, richtet tatsächlich aber mehr Schaden an, als von den meisten Reitern gedacht. So schützen Gamaschen zwar vor kleinen Kratzern in der Pferdehaut, richtig feste Stöße oder Schläge dämpfen die Dinger aber nicht, auch wenn Hersteller das gerne versprechen.

Vielmehr sammeln sich darunter leicht Dreck und Steinchen, die zu Hautreizungen und -verletzungen führen können. Je nach Material kann es außerdem zum Hitzestau kommen – ein echtes Problem, etwa wenn das Pferd den Beinschutz bei sommerlichen Temperaturen stundenlang auf der Koppel trägt. Lassen Sie Gamaschen im Zweifel also lieber im Spind!

Kaltstart mit klammen Beinen

„Mein Pferd steht im Offenstall, ich muss es nicht so lange Warmreiten“ – Unwissenheit oder doch nur Faulheit? Fakt ist: Gerade in der kalten Jahreszeit sollte die Aufwärmzeit, unabhängig von der Haltungsform von mindestens zehn auf 20 bis 30 Minuten verlängert werden. Denn auch Pferde bewegen sich bei Kälte weniger.

Ein Kaltstart kann durch mangelnde Durchblutung der Beine zu Muskelfaser- oder Sehnenrissen sowie Knorpelschäden führen. Denn da ein Gelenkknorpel selbst nicht mit Blutgefäßen durchzogen ist, muss er erst durch ausreichend ruhige Bewegung mit Gelenkflüssigkeit „geschmiert“ werden.

Besonders riskant: Ablongieren, „damit sich das Tier vorm Reiten schön austoben kann“. Genau das machen Pferde auch liebend gerne – ohne sich gemütlich aufzuwärmen, versteht sich.

Einzelhaft statt Bewegung

Das Pferd setzt auf der Koppel mit seinen Kumpels zu fröhlichen Bocksprüngen an – und schon ist sein Besitzer zur Stelle, fängt es wieder ein. Es könnte sich beim Spiel ja die Beine brechen! Besonders, wenn die Turnier-Saison bevor steht, gibt es immer noch Reiter, die ihre Cracks aus Angst vor Verletzungen entweder gar nicht oder nur in Einzelhaft raus lassen – ein No-Go!

Das „wilde Treiben“ gehört unverzichtbar zu unseren Vierbeinern, die dadurch ihre Rangordnung bestimmen, Freundschaften knüpfen und spielen. Wenn Reiter die Koppel hingegen restlos streichen, tobt sich das betroffene arme Tier erst recht aus, sobald es die Chance dazu bekommt – notfalls eben unterm Reiter!

Tipp: Reiten oder lonigeren Sie übermütige Tiere vor dem Koppelgang, um überschüssige Energie abzubauen. Oder führen Sie Ihr Pferd in Ruhe mindestens zehn Minuten lang warm, um Kaltstarts zu verhindern. Und statt Ihr Pferd in Einzelhaft zu stecken, sollten Sie die Art des Auslaufs überdenken. Haben die Tiere genug Platz, um sich im Streitfall ausweichen zu können? Ist die Rangordnung ausgefochten, die Herde beständig? Erst dann kann Ruhe einkehren.

Stehtage zur Schonung

Räkeln Sie sich Sonntags auch so gerne mal stinkfaul auf dem Sofa? Einige Reiter möchten diese Wohltat auch ihren Pferden gönnen – in Form eines Stehtags. Und sind dabei absolut auf dem Holzweg. Der gesamte Bewegungsapparat und die Verdauung von Pferden sind auf ausreichend Auslauf angewiesen.

Stillstand aber bedingt mangelnde Durchblutung oder Lymphstaus in den Beinen sowie Verdauungsprobleme. Auch die Psyche der Pferde leidet unter der Eintönigkeit des Stalls. Besonders wenn am Vortag eine anstrengende Trainingseinheit auf dem Plan stand, kann leichte Bewegung am nächsten Tag die Muskulatur entspannen und dem Muskelkater entgegenwirken.

Wollen Sie Ihrem Pferd etwas Gutes tun, dann freut es sich über ausgedehnte Spaziergänge, statt Frust im Stall.

Pfundig füttern

„Wohlfühlpfunde!“, „Wir hatten eben wenig Zeit für Bewegung.“, „Ihm schmeckt es doch so gut!“ – Für das Übergewicht ihrer Pferde finden Reiter tausend und eine Ausrede, riskieren damit deren Gesundheit. Ein großer Fehler!

Denn die verhältnismäßig schlanken Beine unserer Pferde müssen schon ohne ein paar Extrapfunde genug Last tragen. Das Übergewicht ist eine dauerhafte Belastung für die Gelenke, Sehnen und Bänder. Diese führt zu einem frühzeitigen Verschleiß und kann schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Arthrose mit sich bringen. Auch Stoffwechselerkrankungen, wie Hufrehe oder das Equine Metabolische Syndrom (EMS) lassen bei Moppelpferden oft nicht lange auf sich warten.

Achten Sie also penibel auf die Figur Ihres Lieblings, auch wenn dieser durch eine Verletzung etwa kurzfristig weniger tut. Tierärzte raten sogar eher zu etwas weniger, als zu viel Gewicht. Stellen Sie notfalls die Fütterung um. Und checken Sie die Heuqualität. Denn manche Sorten gehen eher auf die Rippen.

Beine kühlen mit Gels oder Gamaschen

Ob zur Erfrischung bei Hitze oder zum Kühlen von angeschwollenen Pferdebeinen: Kühlgamaschen und -gels sind beliebt und einfach in der Hand habung. Trotzdem sollten Sie lieber einen Bogen um die vermeintlichen Erfrischer machen, denn sie bewirken oft genau das Gegenteil: Sie heizen das Bein auf!

Durch Gamaschen oder Gels wird die Durchblutung im Bein zum Teil so stark an geregt, dass sich Hitze bildet, die sich unter geschlossenen Gamaschen genauso staut wie unter Bandagen. Statt zu Gamasche und Gel sollten Sie zur Kühlung daher lieber zum alt bewährten Wasserschlauch greifen!

Zu lange trainieren

Viel zu oft finden Reiter nicht den richtigen Moment, um eine Reitsequenz zu beenden. Dabei ist es egal, ob von Ehrgeiz getrieben oder weil das tolle Gefühl der letzten Galopprunden noch etwas ausgekostet werden will. Die Überbelastung der Pferdebeine, vor allem wenn sie dauerhaft stattfindet, kann fiese Folgen haben.

Ermüdet die Muskulatur, so müssen die Sehnen mehr Last aufnehmen und es kommt im schlimmsten Fall zu langwierigen Sehnenschäden. Gerade bei Jungpferden etwa können sich Überbeine bilden oder Arthrose in den Gelenken entstehen. Das war’s dann mit dem Reitpferdedasein! Zudem bleibt zumindest fürs Pferd der Spaß am Training auf der Strecke, wenn es immer wieder über seine Belastungsgrenze ackern muss.

Auch wenn es manchmal schwer fällt: Rechtzeitiges Absteigen lohnt sich!

Wundermittel bei Gelenkerkrankungen

Reiter pappen fest wie Pattex am Glauben, man könne Pferdebeine mit bestimmten Kräutern, Pülverchen oder sogenanntem „Gelenkfutter“ gesund erhalten oder sogar heilen. Irrtum!

Zwar gibt es durchaus hilfreiche Mittel, falsch angewandt sind sie aber oft gefährlich. Weidenrinde etwa wirkt entzündungshemmend und wird gerne bei entzündlichen, schmerzenden Gelenkerkrankungen angewandt. Zu hoch dosiert oder zu lange gefüttert, kann sie aber zu Schädigungen von Magenschleimhaut, Nieren oder Leber führen.

Ebenso die Teufelskralle: Sie kann sich positiv auf den Bewegungsapparat des Pferds auswirken, dauerhaft aber Magengeschwüre hervorrufen.

Bedeutet: Die Dosis macht das Gift! Füttern Sie daher keine Kräuter, ohne davor den Rat eines Futter-Experten eingeholt zu haben.

Im Full-Speed über Stock und Stein

Betonharte Feldwege, steinige Naturböden oder viel zu weiche Reitplätze – so manch ein Reiter lässt sich auch bei den unpassendsten Bodenverhältnissen weder vom flotten Galopp noch einer anstrengenden Trainingseinheit abbringen. Doch wer zu fix über zu harte oder zu weiche Böden fegt, riskiert die Gesundheit der Pferdebeien.

Betonharte Böden belasten die Gelenke, zu weiche Böden sind auf Dauer Gift für die Sehnen. Gedankenverloren über jeden Untergrund zu brettern, ist daher tabu. Beschränken Sie sich, wenn nötig, auf einen Schrittausritt und passen Ihr Training an die Gegebenheiten des Reitplatzes an.

Die Pflege des Bodens hat übrigens einen großen Einfluss auf seine Qualität: Vergessene Pferdeäpfel verunreinigen auf Dauer das Gemisch und verändern eine Eigenschaften. Regelmäßiges Rechen oder Planieren gleicht harte Stellen durch ungleichmäßige Belastung des Reitbodens wie beim Longieren oder Springen aus.

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Posturometrie kennt kaum jemand.

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