1 CAV Satteldecken Bild 1 Lisa Rädlein

Satteldecken im Test

Gut aufgelegt

Reiter setzen bei ihrer Ausstattung längst auf Funktionsmaterial. Nun saugen, dämpfen und schützen Hightech-Stoffe auch unterm Sattel. Hat die Baumwoll-Satteldecke ausgedient?

Zwischen Sattel und Pferderücken geht‘s hoch her: Spezialschaum, Polyester, Lammfell oder auch schlichte Baumwolle sollen Schweiß vom Pferderücken ableiten, Druck mindern und das Sattelleder schonen. Wo früher fast ausschließlich Filz lag, macht sich heute Hightech-Material breit.

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Decken nach klassischer Bauart

Das Unternehmen bietet auch heute noch eine Decke nach klassischer Bauart mit Filzfüllung an. Allerdings muss sie nach dem Reiten gut gelüftet werden, damit der Filz trocknet. Zudem ist er feucht recht schwer.

Doch längst nicht immer ist Atmungsfähigkeit die zentrale Eigenschaft einer Satteldecke. Vielmehr soll sie immer öfter auch unpassende Sättel passend machen durch viskoelastische Schaumstoffe, selbstaufblasende Luftpads, einlegbare Polster oder Moosgummiauflagen. Weil die Satteldecken heute so viel können, nutzen Reiter deren Eigenschaften aus und kaschieren mit ihnen gravierende Mängel. Aber ein Sattel muss passen, auch ohne Decke.

Bei Lanz-Anliker ist das neueste Modell „Davos“ zu 70 Prozent aus Luft. Bernd Möller erklärt den Aufbau: „Diese Satteldecke besteht aus einem zweilagigen Distanzgewebe. Dabei liegen die Kunststoffhärchen der beiden Lagen aufeinander. Dazwischen zirkuliert Luft.“ So fließt die Nässe einfach durch die Satteldecke hindurch. Die Funktion kann man sogar fühlen: Ein leichter Druck mit dem Finger auf die Schabracke – und die Luft entweicht spürbar.

„Durch den ständigen Luftaustausch bleibt das Pferd auch unterm Sattel trocken, weil die Feuchtigkeit ausweichen kann.“ Vor allem für Distanzreiter ist das praktisch. Möller: „Da sich die Feuchtigkeit nicht sammelt, ist die Decke auch leichter.“ Die Wahl der Unterlage sollte seiner Meinung nach davon abhängen, was Reiter und Pferd vorhaben: „Bei Ausritten schwitzt das Pferd anders als im Sport. Für eine schweißtreibende Springstunde brauchen Sie eine Decke, die in kurzer Zeit viel Feuchtigkeit aufnehmen kann.“

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Kampf dem Schweiß: Die Hightechvariante

Durch dieses Material ist das Pferd unterm Sattel warm und feucht statt klitschnass. Während die oberste Schicht sehr fein gewebt ist, ähnelt die zweite Lage eher einem Frotteehandtuch. Die verschiedenen Oberflächen sorgen dafür, dass das untenliegende Polyestervlies die Feuchtigkeit besser aufnimmt. Es bindet sie in den Hohlräumen zwischen den Fasern.

„Hier erkennen Sie die Unterschiede in der Qualität. Bei einem guten Vlies saugen die Fasern die Feuchtigkeit nicht auf, sie bleibt in den Hohlräumen. Andernfalls würden die Fasern aufquellen“, erklärt Bernd Möller. Trocknet das Vlies, bilden sich bei schlechter Qualität Knötchen. Und die wiederum sorgen für Reibung auf dem Pferderücken. Dadurch verstopfen die Talgdrüsen.

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Kuschelig: Die Lammfelldecke

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„Lammfell kann Feuchtigkeitsmengen bis hin zu seinem Eigengewicht aufnehmen, ohne dass es nass wird“, erklärt Guido Lorch, Abteilungsleiter für Reitsportartikel bei der Firma Christ aus Gondershausen in Rheinland-Pfalz. Diese Eigenschaft ist für den direkten Hautkontakt perfekt und wird auch vom Menschen sehr geschätzt.

Beispielsweise schützt Lammfell Patienten in Krankenhäusern und Pflegeheimen vor Wundliegen. Als Satteldecke „reduziert es die Scher- und Druckkräfte und gleicht Unebenheiten aus“, sagt Guido Lorch, betont aber, dass der Sattel dem Pferd passen muss.

Ein großer Vorteil von Lammfell ist seine thermostatische Eigenschaft. „Durch das Luftpolster zwischen den Wollfasern fühlt sich das Fell nie heiß oder kalt an. Es findet permanent Luftaustausch statt.“ Damit der Temperaturausgleich gelingt, muss die Wolle dicht sein. Je enger die einzelnen Wollfasern beieinander stehen, desto besser kann sich Luft darin sammeln.

In Sachen Funktionalität hat Lammfell bereits so manchen Reiter überzeugt. Eine häufig geäußerte Sorge ist jedoch die Reinigung, die sich viele schwierig und aufwändig vorstellen. Hier kann Guido Lorch beruhigen: „Es reicht, das Fell ein bisschen auszuschütteln. Die Wollfasern richten sich durch frische Luft und Bürsten wieder auf. Und der Schmutz fällt einfach ab.“ Inzwischen vertragen Felle sogar die Waschmaschine, spezielle Gerbverfahren machen es möglich.

Für die Reinigung in der Maschine braucht man jedoch ein Waschmittel „ohne Phosphat- und Alkalisubstanzen“. Fettlöser dürfen nicht enthalten sein. „Sonst wird das Leder unter dem Fell hart“, erklärt Lorch.

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Hohlfaserflor - funktioniert wie Lammfell

„Wir verwenden eine spezielle Polyesterart. Das ist ein Hohlfaserflor, der unter dem Mikroskop wie ein Haar aussieht“, sagt Gelner. „Es ist dichter gewebt als Lammfell und polstert besser.“ Da Gelner auch Krankenhäuser mit Liegematten aus diesem Material beliefert, weiß er, dass sein Hohlfaserflor auch 700 Wäschen locker übersteht. „Man braucht ihn danach nur aufzubürsten.“ Für die Oberseite verwendet er entweder ein Anti-Pilling-Microfleece, ein robustes Gewirke aus dem Automobilbereich oder eine Mikrofaser im Wildlederlook, deren Fasern mit Teflon beschichtet sind. Bei Letzterer ist die Reinigung ist ein Klacks: ausklopfen – fertig. Gelner: „Unsere Decken sehen sehr dick aus, aber der Flor weicht dem Druck und schmiegt sich in Kuhlen.“

Auch echtes Lammfell unterm Sattel ist dick. Manchen Reitern sogar zu dick. Sie können auf geschorene und damit kürzere Felle zurückgreifen. Pflegt man das Fell, hält es auch lange. „Ein Problem sind allerdings manchmal Motten“, weiß Guido Lorch. „Sie beißen gerne die Wollfasern direkt an der Wurzel ab. Dann gehen die Haare aus. Es ist nun mal ein Naturmaterial.“ Ein weiteres Problem: Immer mal wieder entpuppt sich vermeintlich echtes Lammfell als Mogelpackung: „Viele Decken sind aus gewebter Wolle. Darunter finden Sie kein Leder.“ Ohne feste Verankerung aber ist die Decke nicht so langlebig. Um sicherzugehen, wirklich Lammfell unterm Sattel zu haben, rät Guido Lorch, darauf zu achten, ob Leder unter den Wollfasern zu sehen ist. Wenn ja, ist das Fell echt.

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Qualitätsunterschiede bei Polyester

Möller prüft daher bei seinen Produkten genau, wie sich das Material verhält. Löst es sich beim Waschen auf? Übersteht es auch den Trockner? „Manche Vliesstoffe sind nicht stabil und nicht trocknergeeignet.“ Auch die Formbeständigkeit der Decke ist wichtig. „Wenn ich sie zusammenknüllen kann und sie springt in die Ursprungsform zurück, ist das Material gut“, so Möller.

Geradezu formvollendet sind Satteldecken aus Memory-Schaum wie etwa die Satteldecken von dt-saddlery oder Kavalkade. Das Material wurde Ende der 70er-Jahre von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA entwickelt. Es wird bei Wärme weich und passt sich dem Körper perfekt an. Erst nach Gebrauch nimmt es wieder die Ausgangsform an. Das nennt sich Viskoelastizität. Nachteil: Der Spezialschaum ist bei Kälte extrem hart.

Die Unterseite der Hightech-Decke ist aus Mikrofaser. „Sie saugt Schweiß auf, und durch ein Abstandsgewebe zirkuliert Luft, sodass das Gewebe schnell trocknet“, sagt Hjalmar Conzet, Geschäftsführer von dt-saddlery. Normalerweise, erklärt Conzet weiter, nehmen Mischungen von Nylon und Polyester nur sehr schlecht Wasser auf. „Die Koreaner entwickelten allerdings ein Gewebe mit einer sehr feinen Faser, die viermal so viel Wasser aufnehmen kann wie Baumwolle.“ Noch wichtiger als die Aufnahmefähigkeit der Faser ist ihre Kapillarwirkung: „Das Gewebe muss Wasser schnell aufsaugen und schnell wieder abgeben“, so Conzet. Fähigkeiten, die heute jedes moderne Sport-Shirt mitbringt.

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Formfest: Die Steppung entscheidet

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Die Steppung hält die Füllung fest.

Die Steppung einer Satteldecke hält die Ober- und die Unterseite zusammen. Ohne wäre zu viel Bewegung in der Decke, es käme zu Reibung und damit zu Wärme. „Je kleiner die Steppung, desto schlechter ist allerdings das Material“, ist die Meinung von Bernd Möller von Lanz-Anliker aus der Schweiz. „Wäre die Steppung nicht, würde das Material beim Waschen nicht an seinem Platz bleiben.“ Jochen Gelner von Medi-Cheval verzichtet völlig auf eine Steppung. „Pferdehaare setzen sich leicht in den Nähten fest, deswegen ist unsere Unterseite plan.“

Katrin Lachenmeyer von st-eb erklärt, warum ihre Satteldecken so fein gesteppt sind: „Natürliche Materialien brauchen das, da nur so das Füllmaterial am Platz bleibt und die weiche Steifheit unserer Decken erhalten bleibt.“ Schaumstoff muss man nicht in Form halten, daher ist jeder beliebige Steppung möglich.

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Satteldecken aus reiner Baumwolle

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Tragekomfort: 100 Prozent Baumwolle plus Unterseiten aus Samt.

„Der Gründer von st-eb, Karl-Georg Schumacher, war Kavallerie-Offizier und Textilkaufmann“, erzählt Katrin Lachenmeyer, Produkt- und Markenverantwortliche bei st-eb. „Auf der Suche nach der perfekten Satteldecke blieb Schumacher etwa in den 70er-Jahren bei der Baumwolle hängen. Denn diese saugt Feuchtigkeit sehr gut auf, selbst unter Druck.“ Auch die Füllung ist bei Satteldecken von st-eb aus reiner Baumwolle. „Das Vlies ist speziell gekammert, sodass es auch unter Druck seine Form nicht verliert und sich beim Waschen nicht verdichtet.“ Wie, das bleibt ein Firmengeheimnis. „Der einzige Ort, an dem wir nicht nur Baumwolle, sondern auch Polyester einsetzen, ist die Oberfläche“, verrät Katrin Lachenmeyer. „Dadurch wird die Schabracke sehr reibebeständig und farbecht.“

Damit die Satteldecken keine Haare auszupfen und nicht rutschen, verwendet st-eb auf der Unterseite Baumwollsamt. „Die Samthärchen machen jede Bewegung mit und massieren die Sattellage“, so Lachenmeyer. Das habe sogar einen reinigenden Effekt: „Der Dreck geht aus dem Fell und die Talgdrüsen werden massiert. Pickelchen und Reizungen werden so vermieden.“

Da Samt eine ähnlich rutschfeste Wirkung wie Moosgummi hat, nur atmungsaktiver ist, nutzt st-eb den Stoff auch auf der Oberseite ihrer Decken. „Dadurch brauchen wir keine Strippen“, sagt Katrin Lachenmeyer.
Die benötigen die Decken von Lanz-Anliker ebenfalls nicht. Damit sie am Platz bleiben, können die Kunden wählen: zwischen einem Fixpolster aus sehr festem Schaummaterial oder einem auf die Deckenoberfläche genähten elastischen Band mit Silikon. „Das Band ist atmungsaktiv und beeinträchtigt die Schabracke nicht“, so Bernd Möller.

Hightech-Material unter dem Sattel hat seinen Preis. Decken mit Luftkammern, Memory-Schaum oder Moosgummi kosten rund 100 Euro und mehr. Doch auch für die edlen Baumwolldecken muss man 100 bis 350 Euro anlegen. Und noch eines haben alle Satteldecken gemeinsam: In ihnen steckt eine Menge Know-how.

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