REV-Sattel: Die "Sattel-Revolution" im Test

Was taugt der revolutionäre Sattelbaum?
Freischwingender REV-Sattel von Stübben im Test

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.07.2026
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CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Foto: Thomas Hartig

Ein innovativer Sattelbaum

Trägt er seinen Namen zu Recht? Darf man von einer Revolution sprechen? Die Rede ist von einem Sattelbaum, der auf fast alle Pferde passen soll: der REV-Sattel von Stübben.

Erfunden hat ihn vor fast 20 Jahren ein irischer Student. Martin Ryan studierte Produktdesign, war Hobbyreiter und wollte für seine Diplomarbeit den Sattel neu erfinden. Sein Traum: Pferd und Reiter mehr Komfort bieten. Er tüftelte viele Jahre. Das Ergebnis: ein freischwingender Sattelbaum in Form eines liegenden U. Oben sitzt der Reiter, der untere Teil liegt auf dem Pferd.

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Thomas Hartig

In Irland verkaufte er die futuristisch aussehenden Sättel unter dem Namen "Bua Saddle". Seit einigen Jahren kooperiert Martin Ryan mit Stübben und verbesserte mit der Sattlerei aus Kempen/NRW sein Konzept. Daraus ist nun bereits die zweite Generation des REV-Sattels entstanden – der REVsport. Die Weiterentwicklung soll durch eine noch intensivere Verbindung zwischen Reiter und Pferd überzeugen. Klare Linien und die dynamische Formgebung unterstreichen die sportliche Ausrichtung dieses Sattels. Wie beim Vorgänger auch, bleibt die Modularität, d.h. beispielsweise die austauschbaren Sattelblätter erhalten. Aber wie performt der REV-Sattel auf dem Pferderücken tatsächlich? Kleiner Spoiler an der Stelle: Besser als gedacht!

Der REV-Sattel im Test

Der deutsche Markt ist skeptisch: Der REV-Sattel sieht anders aus als herkömmliche Sattelmodelle und federt noch dazu. Aber CAVALLO wäre nicht CAVALLO, wenn wir den Sattel ohne Test vorstellen würden. Die Frage, ob er wirklich auf unterschiedliche Pferde passt, interessiert uns brennend. Ist doch das Sattelthema eines, das viele Pferdebesitzer zum Grübeln bringt. Kann der REV-Sattel nun die Lösung all unserer Probleme sein?

Wir haben ihn "out of the box" auf drei unterschiedlichen Pferden probiert. Im Sattel sitzt beim Termin Ulrike Störzbach, Ausbildungsleiterin des Barockreitzentrums in Heimsheim/Baden-Württemberg. Dana Ekin, Pferdephysiotherapeutin vom Team Satteltester, beurteilt den Sitz des Sattels sowie die Druckverteilung auf dem Pferderücken.

Wie ist der REV-Sattel aufgebaut?

Doch zuerst erklärt Benno Hinteregger von Stübben die Technik, die im Sattel steckt anhand des blanken Sattelbaums. Beim ersten Anblick ist klar, warum der Baum für Pferd und Reiter komfortabler sein könnte: Er ist aus Glasfaserthermoplastik, extrem leicht, federt und ist flexibel. Setzt sich der Reiter in den REV-Sattel, neigt sich die Sitzfläche Richtung Pferd. Zeitgleich weitet sich durch das flexible Material der Sattelbaum am Vorderzwiesel und macht den Muskeln und der Schulter des Pferdes Platz.

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Thomas Hartig

Die Sitzfläche am Baum und der abnehmbare Ledersitz sind gepolstert. Praktisch: Die Sattelblätter (Dressur, Springen, Trekking) lassen sich per Druckknopf tauschen. Durch seine Drei-Punkt-V-Fixierung soll der REV-Sattel beim Gurten gleichmäßig aufliegen. Die Kammerweite kann der Reiter selbst durch verschiedene Ortweitenkeile einstellen. Sie werden angeschraubt, die Löcher dazu sind vorgebohrt. Die Sattelkissen mit Sattelwolle sind leicht zu öffnen und können vor Ort individuell angepasst werden.

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Thomas Hartig

Wieviel kostet der REV-Sattel?

Mit rund 3 000 Euro pro Sattel inklusive Sattelblättern bleibt der Preisschock aus. Wobei der REVsport knapp 500 Euro mehr kostet. Ein Paar extra Sattelblätter kosten 750 Euro, unabhängig vom Modell. Für rund 3 750 Euro erhält man also schon in der Grundausstattung zwei Sättel in einem. Und könnte ihn auf verschiedenen Pferden nutzen.

Erhältlich ist der "REV-Sattel by Martin Ryan" beim Pferdesporthaus Loesdau und verschiedenen Sattlern, die mit Stübben zusammenarbeiten. Oft bieten die Händler auch Test-Termine an, sodass man ein Gefühl für diese Art von Sattelkonstruktion bekommt. Die Firma selbst bietet ein Testprogramm an, wo man den Sattel direkt zu sich nach Hause bestellen kann.

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Pflege und Zubehör

Der REV-Sattel hat auf unseren ersten Eindruck eine qualitativ hochwertige Verarbeitung. Das Leder ist in der gewohnten Geschmeidigkeit, wie man es von der Sattlerei Stübben gewohnt ist. Um das Leder des REV-Sattels optimal zu pflegen, empfiehlt sich die regelmäßige Behandlung mit den hauseigenen Pflegeprodukten der Sattlerei. Außerdem gibt es zum Sattel passendes Zubehör. Stübben punktet vor allem mit Pioniergeist. Ihre oftmals patentierten Innovationen basieren auf dem Grundsatz der Biomechanik, um das Reiterpaar so gut wie möglich zu unterstützen – so auch beim REV-Sattel.

Für wen ist der REV-Sattel am besten geeignet?

"Wer das erste Mal im REV-Sattel sitzt, wird den Unterschied vor allem beim Leichttraben merken", sagt Benno Hinteregger. "Denn die Sitzfläche bewegt sich mit dem Reiter mit. Die Federung kann man aber mit einem Inbusschlüssel einstellen." Das ungewohnte Reitgefühl schreckt viele Reiter ab. Es braucht ein, zwei Ritte, um sich auf den Sattel einzustellen. "Viele haben zudem Sorge, dass sie zu weit vom Pferd wegsitzen. Dabei neigt sich die Sitzfläche zur Auflagefläche, sobald der Reiter im Sattel sitzt", so Hinteregger.

"Die Sitzhilfen werden allerdings durch den Sattelbaum leicht abgefedert. Sie kommen aber an." Benno Hinteregger empfiehlt den REV-Sattel der ersten Generation daher Reitern, die viel ins Gelände gehen oder Distanzreitern. Kein Problem mit den Hilfen hat laut Hinteregger die Vielseitigkeitsreiterin Julia Mestern: "Sie reitet seit mehreren Monaten auf verschiedenen Pferden in allen Disziplinen mit dem REV-Sattel." Um etwas näher ans Pferd zu kommen, empfiehlt sich die überarbeitet Version, der REVsport. In unserem Test haben wir das Grundmodell für rund 3000 Euro gewählt, das es schon seit Längerem auf dem Markt gibt.

Testpferd 1: wenig Widerrist, kurze Sattellage

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Thomas Hartig

Das erste Pferd im Test ist ein spanischer Wallach: ansteigende Rückenlinie, wenig Widerrist und eine kurze Sattellage von 38 Zentimetern. "Das macht das Satteln schwer", so Dana Ekin. "Ist die Auflagefläche des Sattels zu lang, drücken die Kissen in die Lendenwirbel." Als der REV-Sattel auf dem Rücken liegt, staunt Dana Ekin: "Er liegt genau richtig und im Schwerpunkt."

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Team Satteltester

Als sie die Messung am Bildschirm verfolgt, staunt sie noch mehr. "Ich bin begeistert. Normale Sättel haben selten so ein gleichmäßiges Druckbild." Auch im Trab sieht sie keine großen Spitzen. "Sonst bilden sich immer die Sitzbeinhöcker des Reiters ab", sagt Dana Ekin. "Durch die schwingende Sitzfläche fällt das weg." Auch im Galopp zeigt der Sattel ein recht ebenmäßiges Bild. Auf dem Bildschirm tauchen immer wieder rote Stellen auf. Drückt der Sattel etwa doch? "Nein. Rot heißt in dem Fall nur mehr Druck als an einer anderen Stelle, nicht zu viel Druck", erklärt Dana Ekin.

Testpferd 2: normaler Widerrist, lange Sattellage

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Thomas Hartig

Auch beim zweiten Pferd ist Dana Ekin positiv überrascht. Der Schimmel hat einen normal ausgeprägten Widerrist. "Seine Sattellage ist herausfordernd", sagt Dana Ekin. "Im Bereich des Trapezmuskels ist er rechts deutlich schlechter bemuskelt als links." Laut Druckbild lässt der REV-Sattel den Widerrist frei, er liegt relativ gleichmäßig auf und hält die Auflagefläche ein. Gut zu sehen: Der Sattel gewährt die nötige Schulterfreiheit. Erneut stellt Dana Ekin fest: "Normalerweise zeigen sich in den Druckbildern Unterschiede in den Gangarten. Bei diesem Sattel nicht."

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Team Satteltester

Testpferd 3: Breiter Rücken, starke Schultern

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Thomas Hartig

Das dritte Pferd ist ein Fjord-Wallach mit sehr breitem Rücken und stark ausgeprägtem Schulterbereich. "Das erfordert eine deutlich breitere Kammer im Vergleich zu den ersten beiden Pferden", sagt Dana Ekin. Tatsächlich: Auf den Rücken gelegt sieht man, dass der REV-Sattel vorne breiter sein dürfte.

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Team Satteltester

Die Druckmessung zeigt etwas anderes: "Durch die innovative Konstruktion des Sattelbaums wird der Winkel vorne weiter, so dass der Sattel passt", sagt Dana Ekin. Was sich durch alle Messungen zieht, ist eine minimale Brückenbildung auf der linken Seite. Der Grund: "In der Mitte ist zu wenig Sattelwolle, hier müsste der Sattler für ein perfektes Ergebnis Wolle auffüllen", sagt Dana Ekin. Ihr Fazit: "Der REV-Sattel hält, was er verspricht. Er verteilt den Druck mit wenigen Druckspitzen und liefert gleichförmige Druckbilder. Für einen perfekten Sitz sollte ihn ein Sattler aber noch anpassen."

Das Reitgefühl: Was sagt die Reiterin?

"Ich sitze definitiv höher, aber nicht weg vom Pferd. Zudem lässt der REV-Sattel mir sehr viel Bewegungsfreiheit", berichtet Ulrike Störzbach. In Sachen Hilfengebung merkt sie keinen Unterschied: "Alles klappt wie immer." Und was sagt sie zur Federung des Sattels? "Das ungewohnte Reitgefühl durch die Federung legt sich schnell." Dass der REV-Sattel federt, gefällt Ulrike Störzbach sogar besonders gut: "Ich bin an der Bandscheibe operiert. Da kommt mir das sehr entgegen und ist für mich die optimale Lösung." Ulrike Störzbach ist Trainer B – Reiten (FN) und leitet das Barockreitzentrum in Heimsheim/Baden-Württemberg.

Allem Anschein nach trägt der revolutionäre REV-Sattel seinen Namen zu Recht.

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Thomas Hartig

So testet CAVALLO

256 Mess-Sensoren stecken in der Messmatte vom Team Satteltester. Die Matte wird wie eine Satteldecke direkt auf den Pferderücken gelegt. Obendrauf kommt die übliche Satteldecke des Pferds. In kleinen Taschen an der Messmatte stecken Netzteil und die Auswertelektronik. Mittels Datenfunk werden die Druckdaten live auf den Rechner übertragen und sichtbar gemacht.

CAVALLO Der REV-Sattel von Stübben
Thomas Hartig

Dana Ekin vom Team Satteltester aus dem schwäbischen Wildberg leitete den Test.

Test-Fazit zum REV-Sattel von Redakteurin Kristina Hofer:

Ein Sattel, der auf verschiedene Pferde passt? Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich es nicht glauben. Ohne, dass ein Sattler den Sattel auf das jeweilige Pferd angepasst hat, lieferte der REV-Sattel teilweise bessere Druckbilder als manch ein angepasster Sattel. Ich musste sofort an all die Schulpferde denken, die jeden Tag hopsende Reiter auf ihren Rücken dulden. Dieser Sattel wäre eine echte Erleichterung für sie. Der REV-Sattel ist zudem eine Alternative für alle, die aufgrund von Rückenproblemen gerne mehr Komfort im Sattel hätten. Auch das Thema fehlende Schulterfreiheit scheint mit dem Sattel passé zu sein. Denn das ist bei vielen Sätteln ein großes Problem. Es war wirklich erstaunlich, wie schön frei die Pferde unter dem Sattel ihre Schulter bewegen konnten.