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Bekannte Stute "Jenny" an Krebs erkrankt

Sorgen um freilaufende Stute aus Frankfurt Bekannte Stute „Jenny“ an Krebs erkrankt

Die freilaufende Stute Jenny ist nicht nur in Frankfurt Fechenheim bekannt wie ein bunter Hund. Nun macht eine Nachricht sorgen: Die Araberstute hat Krebs und muss regelmäßig in die Klinik nach Hannover.

Die 26 Jahre alte Stute ist an Schimmelmelanomen erkrankt, wie unter anderem die Frankfurter Neue Presse berichtet. Aus ihrem Heimatstadtteil Fechenheim müsse Jenny darum alle zwei Wochen in die Tierklinik nach Hannover, wo sie behandelt wird. Die Stute sei Teil einer Studie an der Klinik für Pferde der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, in der seit 2015 die klinische Wirksamkeit eines Melanom-Vakzins untersucht wird. Die Therapie soll den Krebs aufhalten. Jenny hat in ihrem Stadtteil zahlreiche Fans und ist weltweit bekannt. 2019 besuchte CAVALLO die Stute für eine Reportage. Was wir damals erlebten:

Ein Besuch bei Stute Jenny in Frankfurt

Hast Du die Jenny gesehen?", fragt Werner Weischedel aus seinem Auto heraus. "Die steht direkt hinter der Kurve", antwortet eine Passantin. "Alles klar!", sagt der Mann mit Zopf und lässt sein E-Auto losschnurren. Als die Bäume die Sicht auf eine riesige Wiese freigeben, ist die weiße Stute zu sehen. Weischedel fährt auf einen Feldweg und hält direkt neben seiner Araberstute an. Jenny grast unmittelbar neben dem Weg, dort, wo das hohe Gras beginnt. Langsam hebt sie den Kopf und sagt ihrem Besitzer durchs offene Autofenster "Hallo".

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Jenny und ihr Besitzer Werner Weischedel morgens im heimischen Stall. Das Schild am Halfter klärt Ortsfremde auf.

Werner Weischedels Jenny ist ein Star auf Youtube. In zahlreichen Videos ist die 24-jährige Stute zu sehen, wie sie ohne Mensch und Strick am Halfter durch die Straßen von Frankfurt-Fechenheim geht. Wie sie neben der Straßenbahn über den Bahnsteig läuft. Oder in einen Kinderwagen schaut. Diese Videos gingen um die Welt.

Wegen Jennys Spaziergängen ist viel Besuch da in letzter Zeit. Heute, an einem Tag im Mai, ist außer dem CAVALLO-Team noch ein Dokumentarfilmer aus Leeds, Großbritannien, hier. Das chinesische Fernsehen hat sich für Juli angekündigt. Ein Team von Johannes B. Kerner war vor ein paar Wochen zum Filmen vor Ort. Dass Jenny ihre Tage nicht nur in der Stadt, sondern auch auf riesigen Wiesen verbringt, das hat allerdings bisher niemand gezeigt.

Ihre Weide ist ein Naturschutzgebiet

Ihre Weide ist ein Naturschutzgebiet, das sie nach Lust und Laune durchstreift. Jenny hat einen dreiseitig geschlossenen Stall, riesengroß und luftig – er war mal ein Gewächshaus. Ihr freies Leben ist akzeptiert, die örtliche Polizei hat nichts dagegen: "Das ist ein bekannter Umstand, es traten nie Probleme oder eine Gefährdung auf", sagt der Erste Polizeihauptkommissar Harald Lesch.

Jenny war nicht immer alleine. Vor acht Monaten starb ihre Freundin, die Araberstute Chadidschah – mit ihr war Jenny zehn Jahre lang frei unterwegs. Anfangs begleitete Werner Weischedel die beiden Stuten noch ins Naturschutzgebiet, wo sie schon damals frei weideten. Zäune durfte er dort auch als Pächter nicht aufstellen. Eines Tages kam Jenny alleine nach Hause, seitdem darf sie auch selbstständig hinlaufen.

Neue Pferde-Gesellschaft hat Jenny nicht: Die Weischedels haben Sorge, ein anderes Pferd nicht mehr an Jennys freies Leben gewöhnen zu können, zudem seien sie selbst und die Stute nicht mehr die Jüngsten. Als ihre frühere Freundin von einem Klinikaufenthalt zurückkehrte, sei Jenny zudem so zickig gewesen, dass die Besitzer die beiden trennen mussten. Und so geht Jenny heute alleine auf Tour.

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Kleiner Snack aus Rosen: Jenny auf Tour.

Ohne den Zettel am Halfter rufen Ortsfremde den Notruf

Im Morgengrauen wartet Jenny auf ihre Menschen. Werner Weischedel zieht der Stute ihr Halfter an, das den besonderen Zettel angeheftet hat. Da steht drauf, dass Jenny einfach nur allein spazieren geht. Sonst gibt es Meldungen bei der Notrufzentrale, das weiß Weischedel inzwischen. Meist von Leuten, die hier neu sind oder zu Besuch, denn die Bewohner des Viertels kennen Jenny.

Einmal ist Jenny fast entwendet worden. "Am Faschingsdienstag rief jemand an und sagte: Werner, haste die Jenny weggegeben? Da führt ein Tiger dein Pferd über die Mainbrücke." Der Kostümierte hatte Jenny einfach mit- genommen. Werner Weischedel schwang sich auf seinen Roller und sammelte sie wieder ein.

Heute morgen macht er das Tor auf, sagt "Jenny komm, wir gehen jetzt". Hinaus geht es auf eine kleine Gasse. Jenny frisst ein paar Grashalme, die zwischen den Pflastersteinen wachsen. Dann schlendert sie rüber zu hohen Rosen am Nachbarhaus und beißt beherzt in die Blüten. Da ärgert sich niemand, sagt Weischedel. Schließlich sei das Haus seines. Über eine Jugendliche, die da zuletzt Rosen gepflückt hat, regt er sich auf. Nur Jenny darf die nehmen.

Jenny kreuzt bedächtig die Straßenbahnschienen

Einmal um die Ecke führt die Gasse, dann sind Straßenbahnschienen zu sehen. Es ist eine Endhaltestelle, deshalb fahren die Bahnen hier langsam. Die Fahrer kennen das Pferd. Jenny kreuzt bedächtig die Schienen. Jetzt ist sie fast am Ziel: Hier beginnt der Spazierweg entlang des Mains. Sie steht noch ein halbes Stündchen direkt neben den Gleisen und frisst Gras. Kein Mensch schaut überrascht. Dann geht sie den Weg entlang, bis er in eine riesige Wiese mündet. Zäune gibt es hier nicht. Jenny grast in einem Naturschutzgebiet. Ihre Weide erstreckt sich über fast zehn Kilometer. Hochhäuser sind hinter Baumwipfeln zu sehen und eine Ecke weiter erkennt man eine Schrebergartensiedlung durchs Gebüsch.

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Jenny kreuzt gelassen die Straßenbahnschienen.

Werner Weischedel ist für das Gebiet des Mainbogens zuständig und pflegt das Naturschutzgebiet. Seinen Revolver hat er wie ein echter Ranger immer am Mann. Ein bisschen Wildwest-Feeling kommt auf, als er ihn mitten im Gespräch rauszieht. Er kann auch von Jennys Rücken schießen, erzählt er. Manchmal reitet er Jenny noch. Gelernt hat er das Reiten beim Militär als Junge, die Soldaten hätten sich einen Spaß draus gemacht, ihn auf schwierige Pferde zu setzen. "Später hat mich Dillenburg geholt, wenn die Pferde gar nicht einzureiten waren", sagt er und meint das Landgestüt. Wichtig war ihm schon damals die Freundschaft zum Pferd: "Ich hab es immer ohne Gewalt gemacht."

Am späten Nachmittag läuft Jenny allein nach Hause. Anne Weischedel führt im Stall Jennys Kopf und Schweif nah zueinander, "das hilft der Verdauung", sagt sie. Früher hat sie ihre Pferde nach Parelli gearbeitet. Von ihr bekommt Jenny ausschließlich getreidefreie Leckerlis. Ihr Mann ist nicht ganz so streng. Er und Jenny haben da ein paar Geheimnisse. Aber die wollen wir mal nicht alle aus- plaudern. Schließlich hält auch Jenny Stillschweigen.

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