An den Grenzen warten verzweifelte Pferdebesitzer Anita Krylova

Urkraine-Krieg: Gefährliche Flucht mit Pferden

Pferde in der Ukraine An den Grenzen warten verzweifelte Pferdebesitzer

Die Lage für die mehr als 100.000 Pferde in der Ukraine ist nach wie vor mehr als bedrohlich. Pferdebesitzer, Reitschulen und Züchter befinden sich in einer verzweifelten Lage. Wer kann, versucht seine Pferde ins Ausland zu bringen. Viele haben jedoch kaum eine Möglichkeit, ihre Pferde in Sicherheit zu bringen. Sie bleiben, doch das Futter ist knapp. Heu- und Strohlager werden von Raketen und Bomben getroffen, auch Reitställe wurden schon zerstört.

Die "Ukrainische Reiterliche Vereinigung" (UEF) hat die "Ukrainian Equestrian Federation Charity Foundation" gegründet, um Hilfsangebote zu koordinieren und Reitern und Pferden zu helfen. Dafür wurde ein Logistikzentrum in Lesna Wola in Polen eingerichtet. Dort sind bereits mehr als 40 Tonnen an Hilfsgütern angekommen. Am 16. März wurden erstmals Futter, Einstreu und weitere Hilfsgüter nach Lwiw geliefert, wo viele aus umkämpften Gebieten evakuierte Pferde untergebracht sind, sowie weiter östlich in die Region Chmelnyzkyj. Nach Odessa wurde Futter gebracht. Derzeit werde ein umfassendes Logistiksystem in der Ukraine aufgebaut, das den Transport von wesentlich mehr Gütern per LKW und/oder Zug ermöglichen soll. Damit soll es ermöglicht werden in schwerer erreichbare Teile des Landes zu gelangen, wie etwa nach Charkiw. Außerdem konnten Transporter organisiert werden, und bereits die ersten 18 Pferde von verschiedenen Ställen in der Ukraine evakuiert und nach Lesna Wola gebracht werden.

In Facebookgruppen gibt es Hilfsangebote aus ganz Europa für den Transport von Pferden von der ukrainischen Grenze sowie ihre Unterbringung. Das größte Problem bleibt jedoch, überhaupt Pferde durch die Ukraine zu einer anderen Landesgrenze zu bringen. So erzählt es Kateryna Shcherbyna am Telefon. Sie gehört der "Arabian Horse Association of Ukraine" an und lebt mit ihren Pferden in der Nähe von Kiew. Sie erklärt, dass es schwierig ist, Pferdeanhänger und Transporter innerhalb des Landes zu finden. Zudem sei alles vermint und auch die Straßen durch den militärischen Status nicht sicher. Große Fahrzeuge können vom Militär beschlagnahmt werden. Durch den Verkehr und viele Kontrollpunkte bilden sich lange Staus, an den Tankstellen gibt es wenig Sprit. Shcherbyna fährt derzeit mit einem Van Reitställe in der Umgebung an und liefert Futter aus. Denn ein weiteres Problem ist, dass die Stallbetreiber keine Einnahmen mehr haben und somit kaum für Futter bezahlen können.

Wer es bis in den Westen der Ukraine geschafft hat, dem bleiben noch Schwierigkeiten beim Grenzübertritt. Für die Einreise in die EU gibt es strenge Vorschriften für Pferde aus Drittländern wie der Ukraine. Beim Grenzübertritt nach Polen müssen ein Pferdepass, Chip und ein tierärztliches Gesundheitszeugnis vorgelegt werden. Da in der Ukraine die Infektiöse Equine Anämie vorkommt, ist ein Coggins-Test erforderlich. Dieser dauert unter normalen Bedingungen etwa vier Tage. "Aufgrund der vielen wartenden Pferdebesitzer mit ihren Pferden vor der Grenze könne es länger dauern", schreibt die "Ukrainian Equestrian Charity Foundation" auf ihrer Website. Nur am Grenzübergang Korczowa-Krakowez können Pferde nach Polen gebracht werden. Bis zum 9. März hatten erst 27 Pferde die Grenze nach Polen überquert, meldete der leitende polnische Tierarzt.

Die Lage an der Grenze sei dramatisch, berichten Helfer vor Ort. Direkt an der Grenze befinden sich etwa 200 Pferde, in Ställen in Grenznähe mehr als 500. Ukrainische Pferdebesitzer, die es inzwischen nach Polen geschafft haben, erzählen, dass sie über eine Woche allein damit verbracht haben, die nötigen Dokumente zu organisieren. Für diese werden teilweise Summen von 850 Euro pro Pferd fällig. Nach dem Grenzübertritt müssen die Pferde für 21 Tage in Quarantäne.

In der nächsten Woche sind Hilfskonvois aus Deutschland geplant. Eine Gruppe aus Vechta und Weimar fährt mit mehreren Transportern und Bussen zur polnischen Grenze, um dort Pferde und Menschen mit nach Deutschland zu nehmen. Sie kommen zur Quarantäne nach Magdeburg, auf der dortigen Rennbahn ist eine Quarantänestation eingerichtet.

Etwas anders sieht es an der Grenze zu Rumänien aus. Die "Romanian National Sanitary Veterinary and Food Safety Authority" (ANSVSA) hat temporär die Einreisebedingungen in die EU für Großtiere geändert. Für den Grenzübertritt nach Rumänien brauchen Pferde nun lediglich einen Pass und müssen gechipt sein. Die tierärztlichen Tests müssen auch erfolgen, sind allerdings nach Grenzübertritt in offiziellen Quarantäneställen möglich, die bei TRACES registriert sind. Beim Grenzübertritt muss dokumentiert werden, wohin die Pferde in Quarantäne kommen. Diese dauert in Rumänien 30 Tage.

Die beiden Grenzübergänge für Großtiere befinden sich in Satu Mare und Vaslui. Am Grenzübergang Siret hat die deutsche Hilfsorganisation Equiwent einen Quarantänestall eingerichtet. Für die Besitzer entstehen keine Kosten. Um Probleme mit den Behörden zu vermeiden, bittet die Hilforganisation, mit Pferden die beiden üblichen Grenzübergänge Satu Mare und Vaslui zu nutzen, auch hier nimmt sie Reiter und Pferde in Empfang.

Die Tierschutzorganisation ARCA (Vier Pfoten) hat mit Hilfe eines rumänischen Reitvereins und begleitet von der ukrainischen Armee mehrere Pferde und ihre Besitzer aus der Region Odessa abgeholt, die nun in Sibiu in Quarantäne sind.

Zur Startseite
Reiterwelt Reiterwelt Umfrage Mobbing im Reitstall?

Umfrage: Haben Sie im Reitstall schon mal Mobbing erfahren?