Die Zahlen hinter der Krise
Die Zuchtstatistik 2025 von Pferdesport Deutschland zeigt bei den Reitpferdestuten einen deutlichen Sprung nach unten. Von 2024 auf 2025 sank die Zahl der eingetragenen Reitpferdestuten von 50.195 auf 47.558. Damit fehlen innerhalb eines Jahres 2.637 Stuten – das ist mehr als der gesamte Stutenbestand mancher Zuchtverbände.
Parallel schrumpfen die Nachwuchszahlen. 2025 wurden 23.367 Fohlen registriert, 2024 waren es 25.594. Ein Minus von 2.227 Fohlen in einem Jahr verändert auch die Vermarktung: Wer Fohlen züchtet, trifft auf einen Markt, in dem weniger angeboten wird, aber die Fixkosten pro Fohlen bleiben.
Der Trend begann nicht erst 2025. Schon von 2023 auf 2024 ging die Zahl der Reitpferdestuten von 52.276 auf 50.195 zurück, was das Kompetenzzentrum Pferd Baden-Württemberg als rund vier Prozent Minus einordnet. Die Fohlenzahlen sanken 2024 auf 25.594, etwa zehn Prozent weniger als 2023 mit 28.600.
Warum manche Rassen anders laufen
Nicht alle Bereiche gehen gleich stark zurück. Bei den Schweren Warmblütern lag die Zahl der eingetragenen Stuten 2025 mit 1.364 knapp über dem Vorjahr mit 1.361. Gleichzeitig stiegen dort die registrierten Fohlen von 478 in 2024 auf 532 in 2025 – obwohl Stutbuchaufnahmen sanken.
Bei Pony- und Kleinpferderassen ist der Rückgang besonders deutlich. 2025 verringerte sich die Zahl der eingetragenen Zuchtstuten dort auf 19.718 nach 20.540 im Jahr 2024, und die registrierten Fohlen fielen auf 8.029 nach 9.117. Das entspricht einem Minus von knapp 12 Prozent in nur einem Jahr.
Auch 2024 waren Ponys und Kleinpferde ein Sorgenkind. Das Kompetenzzentrum Pferd Baden-Württemberg nennt für 2024 insgesamt 9.117 registrierte Fohlen nach 9.842 im Jahr 2023, bei gleichzeitig rückläufig gemeldeten Bedeckungen. Wer in diesem Segment züchtet, muss deshalb besonders genau prüfen, welche Anpaarung sich am Markt noch trägt.
Hebel eins: Stutenbestand schärfen
Der Verband führt den Rückgang unter anderem auf vorsichtigeres Agieren vieler Züchter zurück. Dr. Klaus Miesner, Vorstand Zucht bei Pferdesport Deutschland, beschreibt, dass Züchter ihren Stutenbestand genauer anschauen und bewusster entscheiden, welche Stuten sie zur Zucht einsetzen. Er verbindet damit die Erwartung, dass eine kleinere Population stärker auf Qualität, Rittigkeit, Gesundheit und Leistungsbereitschaft fokussiert sein kann.
Als Gegenargument zur reinen Krisenerzählung nennt Miesner einen Punkt, den viele im Alltag anders wahrnehmen. Für gut ausgebildete, qualitätvolle Nachwuchspferde gebe es weiterhin einen relativ stabilen Markt im In- und Ausland. Für Züchter heißt das: Nicht "mehr Stuten" ist der kurzfristige Hebel, sondern konsequentes Selektieren und Vermarkten über Ausbildung.
Auf Betriebsebene lässt sich der Fokuswechsel beobachten. Gestütsleiter Thomas Casper beschreibt am Beispiel seines Betriebs, dass das Deckgeschäft in ganz Deutschland rückläufig sei und er davon nicht mehr leben könne. Er will den Schwerpunkt stärker auf Ausbildung legen und den Betrieb insgesamt zukunftsfähig ausrichten – sogar mit dem Ziel, sich zu verkleinern.
Hebel zwei: Hengststrategien neu rechnen
2025 wurde die Hengstleistungsprüfung für Reitpferdehengste auf ein mehrstufiges Punktesystem umgestellt. Der Systemwechsel zeigt sich sofort in den Zahlen: 2025 absolvierten 205 Hengste eine HLP, 2024 waren es noch 354. Damit sank die Zahl der HLP-Absolventen um 149 innerhalb eines Jahres.
Ein Kernpunkt ist der Wegfall der Sportprüfungen für Hengste. 2024 wurden dort noch 206 Hengste geprüft, dieses Prüfsegment entfiel 2025. Ersatzweise wurden HLP-Wertungsprüfungen im Rahmen ausgewählter Landes- und Verbandschampionate eingeführt, um Hengste im Turniersport prüfen zu können.
Für Züchter wird damit die Frage drängender, wie ein Hengst "sichtbar" und züchterisch nutzbar wird. Gleichzeitig verschieben sich die Wege zur Punkte-Sammlung: Die 50-tägige Leistungsprüfung blieb erhalten und lag 2025 mit 73 geprüften Hengsten unter 2024 mit 85, während die Veranlagungsprüfungen (kurz) auf 98 geprüfte Hengste stiegen nach 63 im Vorjahr. Wer Anpaarungen plant, sollte deshalb nicht automatisch von denselben Prüfpfaden ausgehen wie noch 2024.
Hebel drei: Deckgeschäft rechtssicher aufstellen
Im Deckgeschäft entscheidet nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Organisation. Die Tierzuchtdurchführungsverordnung (TierZDV) unterscheidet zwischen nationaler Besamungsstation und EU-Besamungsstation und verknüpft das jeweils mit unterschiedlichen Zulassungsgrundlagen. Für Betriebe, die Samen überregional oder grenzüberschreitend bewegen, wird diese Abgrenzung zum wirtschaftlichen Faktor.
Die TierZDV macht außerdem sehr konkrete Vorgaben zur Kennzeichnung von Samen. In einer nationalen Besamungsstation müssen Samenportionen unter anderem Rasse und Zuchtbuchnummer des Spendertiers, den Namen des Spendertiers, das Datum der Samengewinnung und die Kennzeichnungsnummer der Station tragen. Das ist mehr als Formalität, denn die Angaben müssen dauerhaft und lesbar angebracht sein.
Auch die Dokumentation ist eng geregelt. Aufzeichnungen zur Gewinnung und Abgabe von Samen müssen zahlreiche Details enthalten, etwa Kennzeichnungsdaten, Behandlungsangaben und Stückzahlen, und sind mindestens fünf Jahre nach Inverkehrbringen oder Vernichtung aufzubewahren. Für Züchter und Stationsbetreiber ist das ein Kostenblock, der bei sinkenden Bedeckungszahlen stärker ins Gewicht fällt – und ein praktischer Grund, warum einige Betriebe ihre Rolle im Deckgeschäft neu bewerten.





