Hautnah Conny Röhm Lisa Rädlein

Porträt: Wie Conny Röhm zur Futterexpertin wurde

CAVALLO hautnah bei einer Futterberaterin Wie Conny Röhm zur Futterexpertin wurde

Fundierte Futterberatung, Bildung aus dem Innenhof und ein eigener Equiden-Mix – wir besuchen Futterexpertin Conny Röhm.

Auf dieses Büro wird man spontan ein bisschen neidisch. Ein schattiger, kopfsteingepflasterter Innenhof zwischen Wohnhaus und Scheune, eingerahmt von einer alten Backsteinmauer. Davor ein Gartentisch mit Laptop und Fachbüchern, und der ist umringt von üppig blühenden Blumentöpfen, gackernden Orpington-Hühnern und zwei Pudeln. "Willkommen in meinem Außenbüro", sagt Conny Röhm.

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Hautnah Conny Röhm
CAVALLO hautnah Futterexpertin Conny Röhm im Porträt
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Wenn’s in ihrem Eifel-Dorf Boos nicht gerade regnet, hagelt oder schneit (und Letzteres kann mal gut bis Mai passieren), erledigt die 41-Jährige ihre Büro-Arbeit hier. Heißt: Sie plant ihre Touren zu Reitern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die eine Futterberatung für ihre Pferde oder Fütterungsseminare in ihren Ställen wünschen.

Sie bereitet ihre Webinare vor und Vorträge auf Messen, schreibt Fachartikel, Bücher und erstellt ein- bis zweimal im Jahr Rezepturen für Pferdefutter.

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Pudel Timmy leistet ihr im Büro Gesellschaft.

Vom Außenbüro zum Außentermin

Rund 10.000 Pferde hat die Pferdewissenschaftlerin bislang angeschaut und deren Besitzern Fütterungstipps gegeben. Einer davon ist Jack Sparrow. Für den elfjährigen Wallach, ein Mix aus englischem Vollblut und geschecktem Polen, hat seine Besitzerin an unserem Besuchstag einen Termin vereinbart.

Wir fahren ins Nachbardorf Hohenleimbach, wo der Wallach in einem großzügigen Aktivstall wohnt. Das Problem des Piratenkapitäns: Er ist etwas moppelig. "Ist das schon kritisch, muss man da was machen?", will Besitzerin Anne Kebben wissen.

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Wissen zum Anfassen: Conny Röhm erklärt Pferdebesitzern genau, wo es hakt.

"Für einen Blüter hat der ein ausgeprägtes Fettpölsterchen", meint Conny Röhm und tastet den Wallach von Hals bis Hinterhand ab. "So merke ich, wie gut das Pferd bemuskelt ist und ob es wirklich so viel arbeitet, wie mir der Besitzer erzählt."

Bei Jack Sparrow stecken unter den Fettpölsterchen schön lockere Muckis. Beim Abtasten überprüft die Expertin zudem sogenannte Trigger-Punkte, die auf Erkrankungen schließen lassen. "Pferde, die Probleme im Gastrointestinal-Bereich haben, reagieren etwa an Widerrist, Unterhals oder Gurtlage empfindlich." Jack Sparrow nimmt die Berührungen jedoch gelassen hin.

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Empfindlich am Widerrist? Dahinter könnten Magenprobleme stecken.

Überfütterung riecht nach Ammoniak

Die Futterexpertin schnuppert dann an Fell und Nüstern. Wonach sucht sie? "Nach Hinweisen auf eine Überfütterung. Ein Eiweißüberschuss etwa riecht nach Ammoniak." Der Wallach duftet jedoch nur nach Pferd. Bis auf ein paar Speckrollen scheint bei ihm alles in Ordnung zu sein – und in seinem Stall auch, wie Conny Röhm mit einem erfahrenen Rundumblick feststellt.

"Ein gutes Haltungsmanagement hört man nicht", sagt sie. Oder anders herum: Müssen Pferde um Platz und Futter rangeln, äußert sich das in Hufgetrappel oder Quietschen. Jacks Kumpel hingegen dösen entspannt in der Sonne. Energiegeladener sind da die jungen Füchse, die während der Beratung über die unendlich scheinenden Weiden tollen.

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Auf dieser Koppel ist wortwörtlich alles im grünen Bereich.

Zur Futterexpertin auf Umwegen

Apropos Weiden, auf die wirft Conny Röhm auch einen Blick. Ihr Fazit: "Sehr gepflegt und sehr grün, trotz der Dürre der letzten Jahre." Sie inspiziert die Raufutterplätze und deren Inhalt. "Das Heu riecht gut. Die Farbe verrät, dass es bei der Ernte vermutlich nass wurde, aber das ist nicht schlimm."

Beratung abgeschlossen? Nein, die Erkenntnisse des Vor-Ort-Termins und weitere Daten wie Alter, Gewicht, Rasse, Futterart und -mengen fließen in eine mehrseitige Fütterungsempfehlung ein, die der Reiter erhält.

So fundiert ihr Wissen über Fütterung heute ist, auf diesen Weg kam sie mit ein paar Nebenschlenkern. "Ich habe zuerst eine Grafikdesign-Ausbildung gemacht, war aber maximal untalentiert." Also schmiss sie das, fuhr ein halbes Jahr Pizzen aus, überlegte Hebamme zu werden und entschied sich doch für eine kaufmännische Lehre im IT-Bereich. Zumindest eine Zeit lang.

"Das war nicht meins, also wollte ich studieren, und das an einer Uni, die maximal Spaß versprach." Ihre Wahl fiel auf die Uni Van Hall Larenstein (Niederlande) mit dem Studiengang Agrarwirtschaft. Nach einem Gastsemester blieb sie für drei Jahre an der Uni im englischen Essex kleben. "Das war toll dort, ein richtiger Melting Pot mit unterschiedlichen Kulturen", schwärmt sie.

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Beraten mit allen Sinnen: Conny Röhm nimmt bei Vor-Ort-Terminen sowohl Grundfutter wie Heu als auch den Bewuchs auf der Weide unter die Lupe.

Insgesamt zwölf Semester vertiefte sie sich an der Uni in den Bereich Landwirtschaft und später die Pferdewissenschaft mit allen Facetten: Anatomie, Biomechanik, Genetik, Trainingsphysiologie, Zucht, Botanik, Pferdekrankheiten... Mangels Jobangebot in England kehrt sie nach dem Studiumende 2009 in die Niederlanden zurück und lehrt hier Pferde-Ernährung und BWL im Pferde-Bereich in Wageningen. Schon während der Lehrzeit beginnt sie vermehrt mit Futterberatungen; 2006 hatte sie sich hierin erstmals selbständig gemacht. "Ich mag Menschen und komme gerne rum, so ergab sich das", erinnert sie sich.

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Verhaltenskreatives Maultier: „Herr Muhl“ ist nicht immer so brav wie auf dem Bild.

Muli, Shettys und ein Pferd

Wir wollen jetzt noch bei ihren eigenen Vierbeinern rumkommen. Wie leben eigentlich ihre Pferde? Wobei "Equiden" treffender wäre: Zur Herde gehören ein Pferd, zwei Shettys und ein Maultier. Alle vier werden von Conny Röhm und ihrem Mann Markus in Eigenregie gehalten. Der kleine Offenstall mit den umliegenden Koppeln schmiegt sich an einen Hang ihres Eifel-Dorfs.

Chefin im Stall ist die 22-jährige Mepsy, "meine Grande Dame. Ich habe sie zweijährig für 1.000 Mark von meinem ersten Lehrlingsgehalt gekauft." Der Friesen-Haflinger-Mix musste damals ein paar Fütterungsfehler aushalten, wie Conny Röhm schmunzelnd zugibt: "Sie bekam viel zu viel Hafer und Maissilo, weil ich’s nicht besser wusste."

Mit Mepsy ritt sie auf Kursen ebenso wie auf Wandertouren durch Deutschland. Die macht sie mittlerweile mit "Herrn Muhl", den sie 2015 in schlechtem Zustand fand – "den musste ich einfach mitnehmen".

Das ziemlich verwahrloste Tier ist heute ein schickes Kerlchen, aber mit Vorsicht zu genießen: 2017 bockte er seine Reiterin so böse ab, dass sie Rippenbrüche und innere Blutungen davon trug. "Ich hatte danach Angst, gab ihn in Beritt und arbeite seither mit professionellen Coachings daran, wieder souverän im Sattel zu sitzen. Das kriege ich schon in den Griff, das dauert halt. Aber Wanderritte mit ihm sind schon wieder drin."

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„Prinz Unfug“ (Momo, rechts) und „Prinz Schabernack“ (Herr Blüm, links) ziehen Conny Röhm und Redakteurin Barbara Böke durch die Eifel.

Mit dem Doppel-Shetty-Express ab in den Wald

Ob sie die Flausen ihrer Ponys in den Griff bekommt, ist eine andere Frage: Momo und Herr Blüm alias "Prinz Unfug" und "Prinz Schabernack" zerlegen schon mal Koppelzäune, wenn ihnen langweilig wird. Damit das heute nicht passiert, holt Conny Röhm die Kutsche raus. Hufschuhe mit Söckchen übergezogen ("dann verliert man die Schuhe nicht"), ab geht’s in den Wald.

Mehr Zeit für Mann und Tiere zu haben, war ein Grund, warum sie in den letzten drei Jahren vermehrt von Außenterminen auf Bildung umschwenkte, erzählt sie auf dem Kutschbock. Der andere: "Ich will Wissen schaffen.

Je mehr der Pferdebesitzer über Fütterung weiß, umso besser füttert er auch." Und umso weniger Folgeprobleme wie Übergewicht tauchen auf. 8.000 bis 9.000 Menschen schult sie jährlich (siehe Abschnitt "Bildung für Laien und Profis") – unterstützt von ihren zwei Organisationskräften. "Meine Mitarbeiterinnen arbeiten – wie ich – von Zuhause aus. Das setzt gute Kommunikation und Spaß an der Arbeit voraus, denn bei uns gibt es weder feste Arbeitszeiten noch ein festes Büro" Wobei – Conny hat ja ihr lauschiges Innenhofbüro.

Bildung für Laien und Profis

Fortbildung in tierwissenschaftlichen Bereichen, die allen offen steht: Das ist das Ziel des Tierwissenschaftlichen Instituts (https://twi.academy). Conny Röhm übernahm es 2017 von den vorherigen Betreibern, seit 2018 gibt es hier die "Meisterklasse Pferdeernährung" – eine zweieinhalbjährige, nebenberufliche Ausbildung rund um Pferdefütterung und Fütterungsmanagement.

Als Futterberaterin bietet Conny Röhm zudem Vor-Ort-Beratung, Webinare und Kurse für Pferdebesitzer an. Mehr Infos unter: futterberatung-roehm.de

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