TSP Bewegungstraining für den Alltag Lisa Rädlein
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13 Bewegungstipps für Reiter im Alltag

Besser reiten 13 Bewegungstipps für Reiter im Alltag

Freizeitreiter sitzen nur einen Bruchteil des Tages im Sattel – und umso länger am Schreibtisch oder auf dem Sofa. Macht nichts! Im Alltag können wir ganz nebenbei viel bessere Reiter werden. Wie, zeigt das Programm von Susanne Bruckner mit den 13 wichtigsten Bewegungen. Sie und Ihr Pferd werden es genießen!

"Reiten heißt, die eigene Haltung und Bewegung auf einen anderen Körper zu übertragen. Kaum etwas ist so sicher wie das. Daher gilt es, nicht nur auf dem Pferd auf die eigene Haltung und Bewegung zu achten. Braucht man dafür zusätzliche Trainingszeiten? Nein. Der eigene Alltag bietet tausendfach Gelegenheiten, zu tun und zu erreichen, was man dann auch auf das Pferd übertragen möchte.

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13 Bewegungen für besseres Reiten Vom Sessel in den Sattel
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Multiplikationsfaktor Alltag!

Sieht man hin, sieht man das größte Problem sofort: Unsere heutigen Alltagsgewohnheiten, die unsere Körper Stunden jeden Tages trainieren und formen.

Plattgetretene Füße, durchgestreckte Beine, daraus ein zwangsläufig nach vorne kippendes Becken, das die Lendenwirbelsäule bereits im Stehen in ein Hohlkreuz zwingt, eine Brustwirbelsäule, deren Hauptaufgabe das Buckeln geworden ist, eine Halswirbelsäule, die nur noch schmerzhaftes Einziehen kennt und Schultern, die nur noch dauerverspannt sind – das Alltagsbild, wie es heute überall zu finden ist.

Niemals würden wir uns wünschen, dass unsere Pferde derartige Haltungs- und Bewegungsangewohnheiten entwickeln. Gesunde Bewegung ist daraus ebenso unmöglich wie nur ein schlichtes Antreten eines Pferds aus vergleichbarer Grundhaltung.

Der Alltag gwinnt immer – Er hat die meiste Zeit!

Viel zu viel Zeit verbringen wir daher regelrecht gewohnheitsmäßig in Arztpraxen und Therapieräumen. Viel zu viel Zeit deshalb inzwischen auch unsere Pferde bei Tierärzten, Physiotherapeuten und Osteopathen. Reitet man sich und seinen Alltag und dann (!) das Pferd, werden viele dieser Termine nicht mehr nötig sein und viele Pferde Reiter genießen, die nicht nur mit ihnen, sondern mit sich selbst gut umzugehen wissen.

So machen Sie mit: Beim Lesen können Sie alle 13 Bewegungstipps direkt ausprobieren. Danach versuchen Sie, diese so oft wie möglich im Alltag umzusetzen – je öfter Sie daran denken, umso schneller werden Sie Veränderungen im Sattel spüren!

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1. Erst losassen und gewichtig sein!

Bereits während Sie diesen Artikel lesen, können Sie sicherlich einiges ganz einfach lassen und loslassen. Doch kaum etwas ist uns ungewohnter. Schließlich hat man sich "stets zu bemühen", und einfach einmal nichts zu tun, wurde selten belohnt. Belohnen Sie sich bitte hier und jetzt und lassen Sie einfach alles hängen, was Ihr Körper direkt hängen lassen kann.

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Was wird geschehen? Das Gesäß versetzt sich sofort in eine Position, die wir uns, wenn überhaupt, nur nach Geschäftsschluss erlauben: die Ledersesselposition. Wir erlauben ihm also, schwer zu sein und sich die so wichtigen zwei Zentimeter hinter das Steißbein zu versetzen. Sofort sitzt man also "satter ein" als vorher.

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Sehr wahrscheinlich haben auch die Schultern sofort den Weg nach unten eingeschlagen und der Schulter-/Nackenbereich sich sofort etwas entspannt. Auch die Arme halten nicht länger für nötig, dass man sie "unbedingt anspannen" muss, um "korrekt lesen" zu können.

Lässt man die Muskeln des Körpers einfach mal "hängen", kann man viel mehr bewegen. Auch das Abreiten sollte deshalb immer erst damit beginnen, auch als Reiter einmal alles "hängen zu lassen". Pferde lieben hängengelassene Körper, denn diese Körper lassen sich tatsächlich ein. Sie können das Pferd viel deutlicher fühlen als Körper, die ständig glauben, "bemüht reiten zu müssen".

Lässt der Reiter sich hängen, wird er zudem schneller, als er es für möglich gehalten hat, erleben, wie auch das Pferd unter ihm das Loslassen genießt und sich erst einmal herrlich fallen lässt.

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Wir Menschen haben so viel Zeit damit verschwendet, uns immer mehr einreden zu lassen, dass "Gewicht" schlecht und man am besten ein Gewichtsluftballon ist, dass wir verlernt haben, unser Gewicht wirklich ins Bewegungsspiel zu bringen. Genau das wünschen wir uns aber doch für unsere und von unseren Pferden.

Vergessen Sie nicht: Nur eine Bowlingkugel kann echt rollen – ein Luftballon nicht. Wer Pferdekörper ins Rollen bringen möchte, sollte daher von Herzen gerne "gewichtig" sein.

2. Die Dehnungshaltung des Reiter-Rückens

Die echte Dehnungshaltung des Reiterrückens unterscheidet sich nicht von der des Alltagsrückens, denn wirklich gerade ist nun einmal wirklich gerade. Um das zu verstehen, reicht ein schlichter Meterstab. Solange er alle 20 Zentimeter in sich verknickt ist, kann es nur eine Lösung geben, daraus ein echt gerade zu machen: Man zieht ihn auseinander.

Genau das geschieht aber leider beim üblichen "Setz Dich gerade hin!" nicht. Dabei ist die Aufgabe der Lendenwirbelsäule nicht, das Buckeln der Brustwirbelsäule auszugleichen.

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Doch wie zieht man sich korrekt auseinander? Während das Gesäß immer wieder den Boden suchen sollte, ist Aufgabe der Brust, das "nach vorne" zu sichern. Nur das richtet die Brustwirbelsäule auch wirklich auf. Das kann man sehr leicht erfühlen und erleben.

Einfach das Gesäß wieder "hängen" lassen, den Zeigefinger einer Hand vorne auf das Brustbein legen und versuchen, das Brustbein ein bis zwei Zentimeter Richtung Zeigefinger zu bewegen. Sofort wird man fühlen, dass "lieber" die Lendenwirbelsäule die Bewegungsarbeit übernehmen möchte. Also immer wieder und bei den so vielen Sitzzeiten des Alltags daran denken und probieren, dem nicht nachzugeben, denn: Das Gesäß gehört nach unten und die Brust gehört nach vorne!

Fehlt da nicht noch etwas? Aber natürlich. Schließlich genießen wir wie die Pferde auch ja einen Widerrist (Halswirbel 7) und einen Scheitel. Beim Menschen und damit auch beim Reiter sollte dieser Scheitel immer die Decke suchen. Der Scheitelpunkt liegt dabei genau an dem Punkt, an dem unser Frisurenscheitel endet, also am Hinterhaupt und nicht auf der Nasenspitze!

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Schieben wir den Scheitel wirklich nach oben? Ausprobieren geht auch hier ganz leicht: Einfach einen Finger an die Nasenspitze legen und sich "wie gewohnt gerade hinsetzen". In 99,99 Prozent aller Fühlfälle wird Ihre Nasenspitze nach oben gegangen sein. Auch unsere Halswirbelsäule kennt leider nichts anderes und muss das ausbaden.

Wer aber einen Finger auf das Ende seines Scheitels legt und diesen Punkt zur Decke schiebt anstelle der Nase, wird für immer wissen, dass das der Halswirbelsäule deutlich besser gefällt. Dann und nur dann dehnt sie sich schließlich in der Weise, die wir auch auf den Pferdehals und -körper übertragen möchten.

Auch der Pferdekörper gehört immer gesetzt, die Pferdewirbelsäule immer gedehnt und der Pferdenacken immer frei gespielt, anstatt verknickt und verspannt zu sein. Helfen Sie Ihrem Körper, das in Ihrem Alltag immer wieder erst einmal selbst zu erreichen, wird sich auch das zuverlässig auf Ihr Pferd übertragen.

3. Die Umarmungsmuskeln stärken

Nicht nur unter dem Frühstückstisch stellen wir unsere Beine ab, sondern bei jedem Sitzen des Tages. Nutzt man diese vielen, vielen Möglichkeiten immer wieder, um die reiterliche Umarmmuskulatur (Fußaufrichter, Beinabduktoren, untere Gesäßmuskulatur) aufzubauen, wird auch das Reiten selbst deutlich wirkungsvoller werden.

Sieht man hin, sieht man unzählige Reiter, die sich angewöhnt haben, ihre Pferde durch doppelseitiges Beinpressen ins Vorwärts zu bewegen. Leider ist das kein Treiben, sondern schlicht eine für das Pferd recht unangenehme Vereinbarung. Pferde sind ungemein kooperativ, daher beginnen sie zu verstehen: Immer wenn mir der Reiter die Waden, die Fersen oder gar die Sporen in die Rippen drückt, soll ich vorwärts laufen. Gefühlt haben sie das Vorwärts dabei nie. Wie auch.

Das Pferd will nicht erstochen, sondern wirklich ins Vorwärts verleitet werden. Genau das erreichen die Umarmmuskeln in Verbindung mit einem vorwärts wirkenden Becken. Richtig eingesetzt umrahmen Sie das Pferd wie der Tanzlehrer den Tanzschüler und nehmen es dadurch in die eigene Vorwärtsbewegung, das eigene Schwingen und in den Reitertakt mit.

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Welche Muskeln benötigen die Beine dafür? Fühlen Sie es unter Ihren Alltagstischen! Versetzen Sie sich in die Dehnungshaltung des Rückens. Legen Sie nun die Fußsohlen aneinander und öffnen Sie die Knie. Jetzt einfach die Fußsohlen leicht aneinanderdrücken – schon werden Sie die Umrahmungsmuskeln bis in die untere Gesäßmuskulatur hinein fühlen und kräftigen können.

Schiebt man gleichzeitig das Schambein nach vorne, stärkt das nicht nur ideal, sondern verfeinert das Verständnis für den körperlichen Zusammenhang von Becken, Beinen und dem wirklichen Vorwärtswirken.

4. Zügeln Sie sich

Unsere Arm- und Beingelenke haben wunderbar großen Spielraum. Spielen Sie damit, anstatt unbemerkt immer wieder die Dehnungshaltung des Rückens zu verlieren. Trennen Sie Ihre Arme bewusst von Ihrem Rumpf und probieren Sie immer wieder, Gegenstände des Alltags aus dem Schultergelenk heraus zu erreichen und nicht mit Rumpf- und dadurch meist auch Buckeleinsatz!

Vergessen Sie dabei Ihre Ellenbogen nicht. Es ist unersetzlich wichtig sie freizugeben, damit die Armbewegung bis in die Schulterkugeln wirken kann.

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Wer beginnt, darauf zu achten, wird erkennen, wie oft die Ellenbogen auch beim Reiten dauergebeugt und viel zu stark mit dem Rumpf verbunden waren. Dauergebeugte Ellenbogen neigen dazu, Zügel rückwärts zu ziehen, während das Pferd vorwärtslaufen soll und das Vorwärts darauf wartet, Richtung Pferdemaul freigegeben zu werden.

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Die Arme sind die Verlängerung des Zügels und die Verbindung zum Pferdehals, den Pferdeganaschen und dem Pferdemaul. Umso wichtiger, dass die ganzen Arme mitspielen dürfen und wir sie freigeben dafür.

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Probieren Sie daher immer wieder: Dehnungshaltung einnehmen (Gesäß nach unten – Brust nach vorne – Scheitel zur Decke) und daraus immer wieder alle möglichen Alltagsdinge ausschließlich dadurch erreichen, dass Ihre Arme, und nur Ihre Arme, von den Fingerspitzen bis in die Schulterkugeln sich darauf zubewegen. Das ist die Basis jeder sinnigen Zügelführung.

5. Jedes Aufstehen ist ein Leichttraben!

Wie oft stehen wir täglich vom Sitzen auf und umgekehrt? Sicher hunderte Male. Was für eine Gelegenheit, das Leichttraben zu üben! Stehen Sie doch einfach einmal in Zeitlupe vom Stuhl auf. Was geschieht? Der Kopf möchte nach vorne, das Gesäß nach hinten. Der Bauch darf gar nicht mitspielen und hat angeblich gar nichts damit zu tun.

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Würden unsere Pferde sich beim Antraben genauso bewegen, würde ihre Kruppe niemals die Kraft entwickeln, die gesundes, kräftiges Bewegen benötigt. Die Halsung würde sich immer wieder nach vorne oben bewegen, der Rücken würde sich bei jedem Trabtritt nach oben verbiegen und die Bauchmuskulatur, der wichtigste Gegenhalt zur Schwerkraft für Tragekraft, bliebe auch ihnen fremd.

Erinnern Sie sich bitte zuerst wieder an die Dehnungshaltung des Rückens: Gesäß nach unten, Brustbein nach vorne, Scheitel zur Decke. Wollen wir, dass unsere Pferde die Dehnungshaltung beim Traben verlieren? Sicher nicht. Das erreichen wir aber nur, wenn wir sie selbst nicht verlieren.

Stellen Sie sich vor, unter Ihrem Gesäß läge ein Zehn-Euro-Schein, den Sie beim Aufstehen für die Kosten Ihres Alltags mitnehmen möchten. Spannen Sie deshalb die Gesäßmuskulatur so an, dass er nicht von hinten gestohlen werden kann.

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Platzieren Sie Ihre Füße bei lockeren Knien unter den Körperschwerpunkt, also unter den Stuhl, und am besten voreinander anstatt nebeneinander, um die umarmenden Beinmuskeln nicht zu verlieren und selbst Balance zu lernen. Nun schieben Sie Ihre Leiste nach vorne oben und den Scheitel (nicht die Nase!) direkt zur Decke und stehen auf.

Mit derart aufstehenden Reiterkörpern muss das Pferd nicht mehr ausgleichen, wenn der Reiter mit seinem Gewicht immer wieder unbemerkt nach vorne auf seine Schultern fällt, anstatt tatsächlich gerade aufzustehen. So wird auch das Pferd dabei unterstützt, seinen Körper immer balancierter zu bewegen.

6. Echt biegen und (ein)stellen!

Wie viel zu oft ziehen und "stellen" wir als Reiter am Innenzügel, während wir ihn mit dem Lenkrad eines Autos verwechseln. Was für ein Irrtum, der nichts anderes erreicht, als das sich das Pferd vor der Schulter verbiegt, während sein Körper in die Gegenrichtung fährt.

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Stimmt das? Ja, und es ist sehr leicht mit dem eigenen Körper herauszufinden: Stellen Sie sich "einfach" Fuß vor Fuß hin, ohne die Knie durchzustrecken. Nicht schummeln! Bereits das verlangt Balance.

Nun legen Sie bitte Ihren Kopf auf die eine oder andere Seite. Bewegt Sie das in Richtung der Seite, zu der Sie Ihren Kopf bewegt haben? Sicher nicht. Sie werden fühlen und verstehen: Balance zu finden wird dadurch nicht nur dem Pferd, sondern auch Ihnen deutlich erschwert und der ganze Körper unter dem Hals weicht in die genau andere Richtung als der Hals.

Die sinnvolle Körperbiegung hat weder im Menschenhals noch im Pferdehals ihren Ursprung, sondern in der Körpermitte. Probieren und fühlen Sie den Unterschied und fühlen Sie, was Ihr Pferd fühlt. Sofort werden Sie aufhören zu glauben, ein Ziehen am Innenzügel und ein Verknicken des Pferdehalses würde sinnvolles Reiten und echte Pferdebiegung unterstützen.

Wenn Sie Ihr Pferd das nächste Mal also "darauf einstellen", konzentrieren Sie sich deshalb nicht auf den Bereich vor seiner Schulter, sondern die sinnig fortlaufende Linie aus der Körpermitte heraus. Beachten Sie andererseits aber auch mehr denn je: Es macht zu keinem Zeitpunkt Sinn, als Reiter in der Taille abzuknicken, wie die nächste Übung Sie sofort fühlen lassen wird.

Knicken Sie im Sitzen Ihre linke Taille ein. Was geschieht unter Ihrem Gesäß? Sie sitzen sofort stärker auf der rechten Gesäßhälfte. Da das Pferd immer unter den Körperschwerpunkt des Reiters treten wird, um nicht "umzufallen", erreicht ein Taillenknick des Reiters also niemals, dass das Pferd sich in Taillenknickrichtung bewegt.

Was also ist zu tun? Probieren Sie Folgendes am Beispiel der Biegung nach links: Gesäß nach unten, Brust nach vorne, Scheitel zur Decke. Spannen Sie nun Ihren rechten Gesäßmuskel so an, dass er Ihr Gesäß nicht nach oben, sondern nach vorne bewegt und sich die rechte Leiste nach vorne öffnet.

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Trägt man ein Oberteil mit Reißverschluss, kann man sofort erkennen, ob das geklappt hat. Der ganze (!) Reißverschluss wird sich nach links bewegen und nicht nur der halbe, wie meistens gewohnt.

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Dadurch und nur dadurch in Verbindung mit dem tiefen Austreten des jeweils inneren Steigbügels verlagert sich der Reiterschwerpunkt in die gewünschte Bewegungsrichtung und wird das Pferd motivieren, sich in wirklich gleiche Richtung mitzubewegen. Zusätzlich sichert man über den Außenzügel und über das etwas zurückgelegte Außenbein, dass das Pferd nicht nach außen ausbricht.

Dann werden Zirkel, Volten und selbst Pirouetten leichter und spielerischer zu erreichen sein als jemals gewohnt. Verbogene Hälse bei vergessenen Rümpfen braucht kein Mensch und kein Pferd.

7. Den ganzen Köper reiten!

Beobachtet man die Alltagsmenschenbewegung, fällt in (viel zu vielen) Momenten auf, dass wir uns nicht im Ganzen, sondern nur halb bewegen. Das ist leicht zu verstehen und bewusst zu erleben, wenn man sich einfach einmal "wie gewohnt" hinstellt und dann mit der rechten Hand nach links greift, als ob man einen Menschen, der neben einem steht, mit der Hand begrüßen möchte.

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Stoppen Sie Ihre Bewegung, sobald Sie die Begrüßungshaltung erreicht haben. Schauen Ihre Füße immer noch nach vorne, obwohl sich der halbe Oberkörper zur jeweiligen Seite und Begrüßung verdreht hat? Leider mehr als wahrscheinlich. Hat also wieder einmal Ihre Lendenwirbelsäule ausbaden müssen, dass Ihre "Beinreifen" nicht mitgefahren sind? Leider sehr wahrscheinlich. Der noch im Ganzen unbalancierte Mensch fürchtet wie das unbalancierte Pferd unbewusst ständig umzufallen. Daher stemmt sich der Körper mit überstreckten Beinen in den Boden und handelt in der Bewegung nicht als ganzer Körper, sondern als halber.

Erst wenn der Mensch beginnt, sich selbst im Ganzen bewusster zu bewegen, wird sich auch dieses Problem erledigen – und der Reiter auch sein ganzes Pferd fühlen und bewegen.

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Was also ist zu tun, um das zu erreichen? Wenden Sie sich wieder der "Begrüßung" zur rechten oder linken Seite zu. Lassen Sie diesmal aber Ihre Beine wie Autoreifen "mitfahren" und lösen Sie die Bodenverklebung, die Ihnen so gewohnt ist. Wie oft können wir solche Momente dafür nutzen, gesunde Menschen zu bleiben und tolle Reiter zu werden!

8. Die Alltagswände nutzen

Selbst die erfahrensten Reiter sind kaum in der Lage, ihren fünften, sechsten, siebten, achten Brustwirbel bewusst und einzeln zu spüren, zu bewegen und aus angewohnter Buckelhaltung wirklich aufzurichten. Sie haben sich diese Geschicklichkeiten ganz einfach niemals angeeignet.

Der Alltag bietet auch hier unzählige Möglichkeiten. Nutzen Sie die vielen Wände, die Ihnen begegnen. Diese Wände haben zwei große Vorteile: Der eine ist, dass Wände garantiert gerade sind, und der zweite ist, dass Sie daran nicht zweifeln werden, selbst wenn Ihr Gewohnheitsgefühl Ihnen sagen wird: "Das kann doch nicht gerade sein!"

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Das kann nicht nur so sein, das ist so. Probieren Sie es aus! Lehnen Sie sich an eine Wand und versuchen Sie, Ihren ganzen Rücken an die Wand zu bewegen. Das klappt nicht? Natürlich klappt das nicht, denn wahrscheinlich haben Sie Ihre Knie durchgestreckt. Durchgestreckte Knie werden niemals erlauben, dass Ihr ganzer Rücken gerade sein kann, weil durchgestreckte Knie Ihr Becken und damit bereits die Lendenwirbelsäule aushebeln.

Lassen Sie Ihre Kniegelenke deshalb ganz bewusst locker. Wirklich locker. Sofort werden Sie merken, dass Ihr Becken sich dadurch freier bewegen und Ihre Lendenwirbelsäule die Wand erreichen kann.

Lassen Sie jetzt die Wirbelkörper darüber nach vorne hängen. Wirkliche Aufrichtung geschieht immer von unten nach oben und deshalb sollte Sie hier und jetzt nichts anderes interessieren als erst einmal der nächste Wirbel über Ihrer Lendenwirbelsäule, der die Wand noch nicht berührt. Sobald Sie die Mitte Ihrer Brustwirbelsäule erreicht haben, wird das allerdings kaum noch funktionieren und Ihre Lendenwirbelsäule wird versuchen, sich stattdessen wieder von der Wand wegzubewegen.

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Sagen Sie Ihrer Lendenwirbelsäule immer wieder Bescheid, dass Sie das nicht möchten und fühlen Sie hinein in Ihre oberen Brustwirbelkörper und Ihr Ziel, sie wirklich an die Wand zu bewegen.

Das klappt (noch) nicht? Das macht nichts. Noch fehlt Ihnen eben ganz einfach die Geschicklichkeit dafür. Jede Alltagswand schenkt Ihnen aber die Gelegenheit, geschickter zu werden. Das benötigt einige Wochen. Jeder einzelne Versuch wird Sie wirklich bewegen.

9. Stühle reiten

Investieren Sie in Ihren wichtigsten Alltagsstuhl und machen Sie Rollen unter seine Beine. Warum? Stühle sind sehr, sehr ehrlich. Sie mögen keine Karotten und Leckerlis und treffen auch keine gutmütigen Bewegungsvereinbarungen, die mit der tatsächlich geschehenen Bewegung nichts zu tun haben. Stattdessen zeigen sie kompromisslos, ob wir wirklich eine Bewegung kennen, die sie vorwärtsbewegt.

Probieren Sie es doch einfach direkt aus: Setzen Sie sich auf einen Stuhl mit Rollen darunter und "sitzen Sie ihn aus", wie Sie auch Ihr Pferd in Schritt, Trab und Galopp aussitzen. Rollt Ihr Stuhl vorwärts oder nur vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück...?

Möchten Sie nun am liebsten mit Ihren Beinen nachhelfen, um doch vorwärts zu kommen? Bitte tun Sie das nicht. Schummeln verboten! Oder wollen Sie sich weit zurücklehnen, um das Vorwärts zu erreichen? Welchen Sinn hätte das? Will Ihr Bauchnabel Ihnen wieder einmal einreden, dass er alles am besten weiß und voran geschickt werden sollte – Hohlkreuz automatisch inklusive?

Wer wirklich im Sitzen vorwärts wirken und dabei nicht alles verlieren möchte, was echt gerade und sinnvoll vorwärts ist, braucht einfach nur an all das zu denken, was die hier beschriebenen Übungen schon haben fühlen und erleben lassen: Gesäß nach unten hängen lassen, Brustbein nach vorne schieben (und nicht nach oben!), Scheitel zur Decke und dann immer wieder: Leiste nach vorne, Leiste nach vorne, Leiste nach vorne!

10. Sich antreten

Jedes Gehen aus dem Stand ist das Antreten des eigenen Körpers. Haben Sie schon einmal hineingefühlt, wie Sie das mit Ihrem Körper erledigen?

Was werden Sie erleben: Während Ihr Gesäß, der Bewegungsantriebsmotor, den wir bei unseren Pferden stets zu schulen versuchen, an der Alltagswand zurückbleiben will, wird sich als erstes Ihr Kopf und Ihr Oberkörper zusammen mit einem Ihrer Beine versuchen, sich auf den Weg zu machen.

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Im regelrechten Marschier- und damit Klappmesserformat, das den Motor stets in der Bewegungsgarage vergisst, bewegen wir uns also durch unseren Bewegungsalltag und glauben tatsächlich, sobald wir auf ein Pferd steigen, wäre das anders.

Die gute Nachricht: Es kann anders werden, wenn Sie immer wieder versuchen, zukünftig Wände so zu verlassen, dass nicht mehr Ihr Kopf und Ihre Beine die Antriebsfedern dafür sind, sondern Ihr Gesäß im Zusammenspiel mit Ihrer Bauchmuskulatur.

Wie geht das: Lassen Sie die Beine weiterhin locker und suchen Sie immer wieder die wirkliche Gesamtaufrichtung Ihrer Wirbelsäule an der Wand. Sie werden immer wieder erleben, dass das Antreten aus dieser Position nur möglich ist, wenn Sie nicht Ihren Bauchnabel, sondern Ihre Leisten nach vorne schieben.

Stellen Sie sich nun einfach vor, an Ihren Leisten wären zwei Stricke angebracht, an denen gezogen wird, und bewegen Sie sich in diese Richtung. Lassen Sie Ihren Rumpf und Ihre Beine, die ja mit Ihren Leisten verwachsen sind, einfach hinterherkommen, anstatt sie voranzuschicken.

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Mit dieser Wandübung stärken Sie nicht nur Ihre Rückenaufrichtung und Ihre Gesamtbewegung ideal, sondern können sich 1:1 hineinfühlen in das Antreten aus gesetzter Kruppe, das wir unseren Pferden abverlangen und auf sie übertragen wollen. Wer seinen Körper derart schult, wird das auch erreichen.

11. Die Beinreifen freispielen!

Denken Sie an die Übung: "Zügeln Sie sich" und daran, die Arme immer wieder unabhängig vom Rumpf zu bewegen. Es ist sehr wichtig, dass die Beine das auch lernen.

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Stellen Sie sich dazu mit geraden Füßen hin, lassen Sie die Knie locker und richten Sie Ihren Rücken wie beschrieben auf. Heben Sie nun ein Bein zur Seite an, ohne die Füße nach außen zu verdrehen. Fühlen Sie hin, wo Sie diese Bewegung erledigt haben – sehr wahrscheinlich in Ihrer Taille.

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Stellen Sie das Bein nun wieder ab und legen Sie die Finger z. B. der linken Hand an die Seite Ihres Hüftgelenkes. Probieren Sie nun, das (linke) Bein wieder zur Seite anzuheben. Diesmal aber nicht in Taillenhöhe, sondern direkt unter Ihren Fingern.

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Sie werden nicht nur merken, was für einen Unterschied das macht, sondern recht wahrscheinlich einen Muskel entdecken, der Ihnen noch nie bewusst war.

Diese Übung unterstützt die Reiterbeine im Sattel beim Warmreiten hervorragend, sich im Hüftgelenk bewusst und frei zu bewegen und danach wirklich erst einmal baumeln lassen zu können. Es empfiehlt sich daher sehr, diese Übung auf jeder Beinseite zwei- bis dreimal zu wiederholen, bevor Sie die Steigbügel aufnehmen.

Ein derart beweglicher Reiter ist problemlos in der Lage, aus geradem Rücken mit seinem Becken vorwärts zu wirken und gleichzeitig wirklich unabhängig davon mit seinen Fersen Richtung Boden zu schwingen und sein Pferd in die Beinumarmung zu nehmen. Auch seitliche Beineinwirkung für Biegungsimpulse kann nur mit Beinen geschehen, die nicht aus der Taille, sondern aus dem Hüftgelenk handeln.

12. Den Alltagshufschlag nutzen

Ein ideal ausgebildetes Pferd zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es seine Beine niemals breit auf zwei Hufschläge verteilt, sondern immer einer Linie folgen lässt – der Linie direkt unter der Körpermitte. Huf vor Huf vor Huf vor Huf… So bewegen sich S-Klasse-Pferde! Wer beginnen möchte sie auszubilden, sollte den Weg des Fuß vor Fuß auch für sich selbst genießen.

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Sie wollen kein schwankendes Pferd? Dann schulen Sie Ihren Körper und seien Sie auch kein schwankender Mensch mehr. Nur wer selbst in der Lage ist, seinen Rumpf wirklich gerade vorwärts zu bewegen, indem er das jeweils eine Standbein unter der Körpermitte aufsetzt, anstatt rechts und links davon, wird mit einem Körper auf sein Pferd steigen, der selbst weiß, was geradeaus wirklich ist.

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Versuchen Sie daher immer wieder, auch Ihre Beine in Schwebebalkenlinie voreinander aufzusetzen. Schlendern Sie Ihre Beine voreinander, um selbst Gesamtbalance zu erreichen. Ihr Rücken wird es Ihnen danken, Ihre Muskeln werden es Ihnen danken, und Ihr Pferd wird es Ihnen danken.

13. Der Pausenstand

Wie oft stehen wir "herum". Wie oft also schenkt uns unser Alltag die Gelegenheit, das sinnig zu tun anstatt in Überstreckung, Hohlkreuz, Buckel und verkrampfte Arme und Beine zu verfallen. Wer sie nutzt, hilft nicht nur sich selbst, sondern wird um vieles leichter ein Reitkünstler werden.

Vermeiden Sie daher zukünftig immer öfter, Ihre Füße breit auseinander zu stellen und Ihre Fußspitzen nach außen zu drehen. Vermeiden Sie immer öfter, Ihre Knie "wie gewohnt" bereits im Stehen durchzustrecken, sondern probieren Sie immer öfter Folgendes:

Stellen Sie Ihre Füße gerade hin und lassen Sie die Knie locker. Entlasten Sie nun, ohne das Standbein durchzustrecken oder in der Taille abzuknicken, eines Ihrer Beine und stellen Sie es locker vor dem anderen auf der Zehenspitze ab.

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Konzentrieren Sie sich dabei darauf, Ihren Rücken in Dehnungshaltung zu bewegen und den Bauchbereich in Ruhe zu belassen. Sehr wahrscheinlich wird sich das sehr wackelig anfühlen. Versuchen Sie immer wieder, dieses Wackeln mit der Beweglichkeit Ihrer Beingelenke, und nicht mit Ihrem Oberkörper auszugleichen.

Der Pausenstand hilft wunderbar mit, einen wirklich und bewusst balancierten Körper zu entwickeln.

Wir haben es ausprobiert:

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"Wenn man sich die richtigen Bewegungen einmal bewusst gemacht hat, kann man sie in ganz unterschiedlichen Situationen nutzen. Beim Kochen greife ich jetzt etwa bewusster nach der Pfeffermühle. Bis man alle Bewegungen korrekt raushat, muss man ein bisschen rumprobieren. Unterm Schreibtisch die Fußsohlen zusammenzulegen, hat bei mir zum Beispiel erstmal für Rückenschmerzen gesorgt – weil ich dabei wohl aus Versehen doch wieder ins Hohlkreuz gekommen bin. Beim Joggen und Treppensteigen habe ich tatsächlich schon vorher versucht, meinen Oberkörper nicht vorauszuwerfen, sondern meinen Po als Motor zu betrachten. Das war also auch fürs Reiten genau richtig! Barbara Böke, CAVALLO-Redakteurin

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"Wie gut die Übungen zu meinen typischen Sitzfehlern passen! Ich neige dazu, immer leicht entlastend zu sitzen und habe mehr Gewicht auf dem Schambein als auf meinen Gesäßknochen (das hat auch ein Reitsimulator offenbart). Mit den Alltags-Übungen kann ich zentrierter im Sattel sitzen – und siehe da: Dann kann sich auch mein Pferd viel besser tragen. Auch effektiv: Mich beim Reiten bewusst hängen lassen. So merke ich erst, wo ich angespannt bin." Nadine Szymanski, CAVALLO-Redakteurin

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"Zähneputzen im Pausenstand oder den Rücken am Schreibtisch dehnen – seit ich die Bewegungstipps ausprobiert habe, denke ich im Alltag immer wieder daran, meine Lendenwirbelsäule lang zu machen. Das dankt sie mir auch direkt, vorher hat es in dem Bereich öfter mal gezwickt. Auch beim Reiten hilft mit der Gedanke, das Gesäß nach unten sinken zu lassen. Weil ich mich für mein Pferd ständig ,leicht‘ machen will, falle ich oft im Oberkörper nach vorne. Dass ,gewichtig sein‘ auch heißt, locker zu lassen und sich viel besser auf die Pferdebewegungen einzulassen, war für mich ein Aha-Erlebnis. Tatsächlich entspannt sich meine Stute wunderbar, wenn ich wirklich über den Sitz mit ihr in Kontakt bleibe. Natalie Steinmann, CAVALLO-Redakteurin

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