CAV H.Dv. 12 Durchlässigkeit Aufmacher 2 Rädlein

Reiten nach H.Dv.12: Teil 4 - Durchlässigkeit

3 Tipps: So reiten Sie durchlässiger mit der Reitlehre H.Dv.12

Unser Experte Gerd Heuschmann gibt Tipps, wie Sie Ihr Pferd durchlässiger trainieren können.

Zulegen im Trab für mehr Schubkraft

"Übereilt sich ein Pferd beim Zulegen, tritt es ungleichmäßig oder trägt es Hals und Kopf, ohne Rückentätigkeit gehend, zu hoch, so wird das Tempo sogleich wieder gemäßigt und erst wieder verstärkt, wenn sich die langen, ruhigen Tritte und eine gewisse Beizäumung wieder gefunden haben." (H.Dv.12)

Wenn Ihr Pferd rhythmisch traben kann und auch auf gebogenen Linien eine gleichmäßige, stabile Anlehnung beibehält, können Sie die Durchlässigkeit weiter fördern. „Das heißt im Prinzip nichts anderes, als die Hinterhand noch mehr zu aktivieren und zu stärken“, erklärt Gerd Heuschmann. „Denn ein Pferd ist umso durchlässiger, je leichter es ihm fällt, seine Bewegungen aus einem starken Motor von hinten durch den Körper fließen zu lassen.“

Ein sehr effektives Hinterhandtraining sind Trabverstärkungen bis zum Mitteltrab. Zunächst sollten Sie dabei leichttraben. So entlasten Sie den Pferderücken und können den Takt durch Mitschwingen mit Ihrem eigenen Körper unterstützen. Beginnen Sie mit dem Zulegen an der langen Seite – die Bande hilft dem Pferd, sich gerade zu halten.

Um das Tempo im Trab zu verstärken, treiben Sie Ihr Pferd mit beiden Schenkeln etwas stärker vorwärts. Mit der Hand gehen Sie gleichzeitig leicht vor und lassen die größeren Tritte heraus, ohne den Kontakt zum Pferdemaul zu verlieren.

Achten Sie auf feine Hilfen – Ihre Schenkel dürfen nicht klopfen oder klemmen, die Hände nicht ziehen. Das gelingt nur, wenn Ihr Pferd gut an den Hilfen steht. Wie Sie das erreichen, haben wir im ersten Serien-Teil gezeigt.

Legen Sie zu Beginn nur wenige Tritte zu, um Ihr Pferd nicht zu überfordern. Es sollte dabei nicht aus dem Takt kommen. Passiert das doch, müssen Sie das Tempo sofort reduzieren.

Langsamer machen gilt auch, wenn die Anlehnung verloren geht. Hebt das Pferd sich heraus, wird der Rücken fest und die Hinterbeine schaufeln nach hinten heraus, anstatt nach vorne unterzuschwingen. Die Ursache dafür: Sie haben entweder zu wenig oder unklare treibende Hilfen eingesetzt. Oder Ihr Pferd hat noch nicht genügend Kraft, um die längeren Tritte losgelassen durchzuhalten.

Übergänge in eine niedrigere Gangart fördern Kraft und Durchlässigkeit

"Haben die Pferde auf die Schenkelhilfen vorwärts gehen gelernt, ohne die Anlehnung zu verlieren, so kommen die Schenkel nach und nach bei den Übergängen derart in Wirksamkeit, dass sie die Hinterfüße zu weiterem Untertreten veranlassen." (H.Dv.12)

Durchlässige Pferde wechseln fließend von einer Gangart zur nächsten. Übergänge, vor allem in eine niedrigere Gangart, enthüllen aber auch gnadenlos jede Schwäche: „Pferde verlieren die Anlehnung, heben sich heraus und verlagern mehr Gewicht auf die Vorhand, anstatt die Hinterhand vermehrt unterzusetzen“, sagt Gerd Heuschmann. Das passiert vor allem, wenn Reiter gedankenlos die Gangart wechseln: „Sie dürfen Ihr Pferd nicht einfach mit den Zügeln herunterbremsen. Sie müssen jeden Übergang bewusst reiten.“

Besonders effektiv fürs Training sind Übergänge vom Galopp in den Trab. Zur Einleitung geben Sie eine halbe Parade, drehen Ihre Hände also kurz ein. Gleichzeitig treiben Sie Ihr Pferd mit beiden Waden sanft in den Trab hinein. Dabei bleiben Sie schwer und geschmeidig im Sattel sitzen. Ihre Schenkel halten das Pferd gerade und aktivieren die Hinterhand.

Das gelingt nur, wenn Sie Ihr Pferd schon gut am Sitz haben. Wenn es Ihnen noch davoneilt und Sie immer wieder mit den Zügeln bremsen müssen, sollten Sie den Zügelgehorsam auffrischen.

Häufige Wechsel zwischen Trab und Galopp machen Ihr Pferd noch durchlässiger. Galoppieren Sie nicht zu lange – ein paar Sprünge reichen bis zum nächsten Übergang. Galoppieren Sie erst wieder an, wenn Ihr Pferd losgelassen und im Takt trabt. Beim Angaloppieren achten Sie dann darauf, beim ersten Galoppsprung mit der Hand vorzugehen und mit den Schenkeln die Hinterhand zum Vortreten zu animieren.

Bleibt Ihr Pferd im Übergang an den Hilfen, können Sie die Trab- und Galopp-Phasen verkürzen. Variieren Sie die Anzahl der Trabtritte und Galoppsprünge regelmäßig. Sonst lernt Ihr Pferd mit der Zeit, wann die Übergänge kommen und könnte wechseln, bevor Sie die Hilfen geben. Wenn das passiert: Bloß nicht strafen! Einfach das Muster variieren und sich freuen – Ihr Pferd arbeitet motiviert mit.

Paraden - Wesentliches Element auf dem Weg zur Versammlung

"Richtige ganze Paraden können erst gefordert werden, wenn das junge Pferd vermittelst halber Paraden durch die verschiedenen Tempowechsel im Trabe und Galopp genügend geschmeidig gemacht worden ist." (H.Dv.12)""

Mit gut gerittenen ganzen und halben Paraden fördern und überprüfen Sie die Durchlässigkeit Ihres inzwischen schon gut balancierten Pferds.

Außerdem fördern die Paraden Ihr Pferd weiter auf dem Weg in die Versammlung. Durch sie nehmen Pferde mit der Zeit immer mehr Last mit der Hinterhand auf. Sie tragen sich besser selbst und richten sich mehr auf, tragen also Kopf und Hals bei aufgewölbtem Rücken und weichem Genick höher.

Halbe Paraden geben Sie beim Reiten im Prinzip dauernd – um das Tempo zu reduzieren, in eine niedrigere Gangart zu wechseln oder um das Pferd vor einer neuen Lektion aufmerksam zu machen. Dafür drücken Sie die an ihrem Platz verbleibenden Hände kurz zu oder (falls das Pferd noch nicht fein reagiert) drehen sie etwas ein. Sitz und treibende Hilfen bleiben unverändert. „Danach geben Sie mit der Hand sofort wieder nach und reiten aktiv die folgende Gangart oder Lektion“, betont Gerd Heuschmann.

Die ganze Parade ist eine Abfolge mehrerer halber Paraden und führt immer zum Halten. Die H.Dv.12 fordert „einen lebhaften Wechsel von Annehmen, Nachgeben und Wiederannehmen“, bis das Pferd steht. Das kann durchaus dauern. Laut Reitvorschrift muss ein Reiter ein Pferd bei ganzen Paraden umso mehr auslaufen lassen, „je stärker Gangart und Tempo waren und je weniger durchlässig das Pferd ist“.

Und so geht’s konkret: Im ausgesessenen Trab machen Sie sich im Sattel schwer, treiben mit beiden Schenkeln und schwingen aus Ihrem Sitz heraus über drei Tritte in die schließende Hand hinein, die jeweils sofort wieder nachgibt.

Steht Ihr Pferd dann geschlossen auf allen vier Beinen, können Sie nach und nach dazu übergehen, die ganze Parade über zwei Tritte auf einen zu verkürzen und später auch direkt zum Halten zu kommen. Je kürzer der Weg aus der Bewegung ins Halten wird, desto durchlässiger ist Ihr Pferd.

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