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Workshop: Sieben zentrale Trainingsprobleme und die Profi-Lösungen

7 auf einen Streich

Wenn das Pferd nicht kapiert, braucht der Reiter Plan B oder C. Statt verbissenem Kampf vom Angaloppieren bis zum Zirkel ist Köpfchen gefragt – und ein prall gefüllter Werkzeug-Kasten vom Profi. CAVALLO zeigt die besten Lösungsansätze für die häufigsten Probleme.

An manchen Tagen ist der Wurm drin: Die Galopphilfe zündet fehl. Zirkel laufen nicht rund, der Rückwärtsgang hakelt, Schulterherein wird Schenkelweichen.

Die Liste möglicher Pannen, die beim Reiten auftauchen, ist lang. Doch die Kernfragen sind immer gleich: Warum kapiert das Pferd nicht, was der Reiter will? Was verlangt die Übung vom Pferd? Und wie verhindert man, dass man sich auf einer Endlos-Schleife immer wieder in dieselben Hilfen verbeißt, bis das Werkzeug stumpf und die Harmonie dahin ist?

Wer eine Übung zigmal nach Lehrbuch-Schema F wiederholt, kommt nicht weiter. Besser, Sie nehmen mal simple, mal raffinierte Umwege, auf denen sich auch erfahrene Profis bei Problemen an die Lösung heranschleichen.

Elke Potucek ist einer der fünf Profis, die CAVALLO ihre Lieblings-Schleichwege verraten. „Lehrbücher beschreiben den Idealzustand“, weiß die Ausbilderin, die bei Reitmeister Egon von Neindorff lernte. „Bücher erklären die perfekte Hilfe, die bei einem guten Reiter auf einem gut ausgebildeten Pferd Erfolg hat, wenn er sie im richtigen Moment korrekt erteilt.“

Die Realität ist selten so perfekt. Unbemerkte Sitzfehler, falsch angespannte Muskeln, die natürliche Schiefe des Pferds, ein träges Hinterbein und vieles mehr stören die Perfektion beim Reiten am laufenden Band.

Deshalb ist es wichtig, zunächst zu wissen, was eine Lektion vom Pferd körperlich und psychisch verlangt. Danach können Sie mit Hilfe der Profi-Werkzeuge probieren, was bei Ihrem Pferd funktioniert: Notfallplan A, B oder C. Werkzeuge finden Sie auf den folgenden Seiten für sieben typische Problem-Situationen von Angaloppieren bis Zirkel.

Die Profi-Werkzeuge schaffen Balance, wo Pferde auf die schiefe Bahn kommen. Sie lockern feste Muskeln und ermöglichen dem Pferd, sich zu biegen. Sie bauen Stress ab oder setzen den Reiter mittels spezieller Bahnfiguren so in den Sattel, dass er automatisch korrekte Hilfen gibt.

Plan B und C liefern keine Schnellreparatur und sind kein Ersatz für normale Hilfen. Sie sind schlaue Alternativen, die Lektionendrill verhindern und Kraftreiterei oder Frust vermeiden.

Nicht jeder Plan hilft bei jedem Pferd. Aber für jedes Problem gibt es mehr als eine Lösung. Probieren Sie alle in Ruhe aus, beißen Sie sich nicht an einer einzigen Alternative fest. Und denken Sie stets daran: Lektionen sind keine Schikanen, sondern Wege zum Ziel.

Diese fünf Profis verraten ihre besten Tipps

„Umleitung zum Ziel“

Johannes Beck-Broichsitter aus Heist/Schleswig-Holstein ist Pferdewirtschaftsmeister und reitet bis Klasse S.

„Keiner würde zehnmal gegen das Umleitungsschild der gesperrten Autobahn fahren. Aber beim Reiten beißen sich viele an einer Übung fest, statt die Umleitung zu suchen. Sie ist klar, wenn ich weiß, was die Aufgabe vom Pferd fordert.“

„So platzen Knoten“

Elke Potucek reitet Dressur bis Klasse S und betreibt einen Ausbildungsstall bei Karlsruhe/ Baden-Württemberg.

„Selbst sehr gute Reiter kommen mit den idealen Hilfen nicht immer ans Ziel. Sie suchen sich ihre Alternativen selbst. Der erste Schritt im Unterricht: Anweisungen anders formulieren, andere Begriffe und Formulierungen suchen.
So platzen Knoten.“

„Denken statt nachahmen“

Dr. Thomas Ritter aus Oregon/USA bildet Pferde bis zum Grand Prix aus.

„Oberbereiter Karl Mikolka erzählte öfter, dass Schüler früher aus der Spanischen Hofreitschule geworfen wurden, wenn sie nur imitierten, aber nicht denken lernten. Reiter, die nicht über ihre Beobachtungen nachdenken, werden nie gute Ausbilder.“

„Per Analyse zum Werkzeug“

Martina Nießl, Pferdewirtschaftsmeisterin und Reitlehrerin, leitet in Graisbach/Bayern einen Ausbildungsstall.

„Für jedes der sieben Probleme lassen sich unzählige Werkzeuge entwickeln. Dazu muss der Reiter analysieren lernen, warum eine Übung nicht klappt.“

„Rezept mit vielen Varianten“

Holger Schmezer aus Verden/Niedersachsen ist Bundestrainer der Dressur-Equipe.

„Gute Rezepte brauchen Variationen, man darf sich nicht stur an sie halten. Was in einem Moment korrekt ist, kann im anderen falsch sein. Leider gibt es wenige Ausbilder, die genügend Variationen kennen, um Rezepte so abzuwandeln, dass sie den Schülern helfen.“

Auf schiefer Bahn

Typische Pannen: Das Pferd driftet über die äußere Schulter oder drängt nach innen, geht stur geradeaus oder biegt nur den Hals nach innen, weil der Reiter am inneren Zügel zieht.

Mögliche Fehler: Sie stimmen Ihre Bein- und Zügelhilfen nicht richtig ab. Fliehkraft und/oder natürliche Schiefe werfen das Pferd aus der Kreisbahn. „Im Kreis drängt das Pferd mit der Schulter zu seiner steifen oder festen Seite, die Hüfte tendiert in die Gegenrichtung“, erklärt Grand-Prix-Ausbilder Dr. Thomas Ritter. Vorder- und Hinterbein tragen auf der steifen Seite mehr Gewicht, deshalb schrumpft der Kreis auf dieser Hand zum Kringel. Auf der hohlen Seite geritten, wird er zu groß.

Die perfekte Rundung prüft Ritter mit einem Zahlenspiel auf der gerittenen Acht: Auf jedem Viertelkreisbogen muss das Pferd gleich viele Tritte machen.

Genereller Tipp: „Statt perfekte Kreise zu erzwingen, hilft das Spiel mit Größen: Kreise gezielt größer und kleiner anlegen als normal, im Zirkel auf den zweiten oder dritten Hufschlag gehen. Das nimmt den Druck zur Rundung raus“, rät Ausbilder Johannes Beck-Broichsitter.

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Rädlein
Zug am inneren Zügel zwängt das Pferd nach außen. Der Kreis wird zum Ei.

Panne 1: Das Pferd drängt nach außen

Profi-Plan A: Raus und rein
Statt das Pferd zwanghaft nach innen zu stellen, erlauben Sie ihm Außenstellung an den offenen Seiten des Mittelzirkels (als wollen Sie aus dem Zirkel wechseln). Nach einer 3/4 Runde äußeren Zügel am Mähnenkamm anlegen, den inneren seitwärtsweisend führen. Prüfen, ob der äussere Zügel besser begrenzt und der Zirkelradius eingehalten werden kann. Effekt für den Körper: Die Außenstellung spurt die Schulter auf den Kreis ein und verbessert die Balance, weil das Pferd sein Gewicht nach innen verlagert. Auf dem Mittelzirkel achtet das Pferd mehr auf die Hilfen, weil die Bande zum Anlehnen fehlt.

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Redaktion CAVALLO

Profi-Plan B:Stoppschild
Reiten Sie ein Stoppschild mit sechs bis acht Ecken; wechseln Sie immer wieder zwischen geradeaus (Pferd zwischen Zügeln und Schenkeln gerade stellen) und biegen. Effekt für den Körper: Fördert Schulter-Beweglichkeit und Balance; Pferd muss sich bei jedem Umstellen mit seinem Schwerpunkt und seinem inneren Hinterbein beschäftigen. Effekt für den Reiter: Zug am inneren Zügel hört auf.

Profi-Plan C: Nachsitzen bei X
Korrigieren Sie am Bahnmittelpunkt X übertrieben Ihren Sitz, indem Sie minimal nach innen sitzen. Effekt für den Körper: Driftet das Pferd in der zweiten Hälfte der offenen Zirkelseite zur Bande, setzt es Sie automatisch weiter nach außen. Nachsitzen beugt vor.

Panne 2: Das Pferd drängt nach innen

Profi-Plan A: Auf dem falschen Fuß traben
Kreisradius variieren. Auf einem großen Zirkel im Schulterherein auf dem „falschen“ Fuß leichttraben (aufstehen, wenn innere Schulter/äußeres Hinterbein vorschwingen). Dabei an Schultervor oder Schulterherein denken. Nach einer Runde im Aussitzen testen, wie weit sich der Kreis ohne Krampf halten lässt. Effekt für den Körper: Die Übung verlagert Last von der inneren Schulter nach außen, setzt Sie stärker nach außen und aktiviert das innere Hinterbein. Weil das Pferd unter den nach außen verlagerten Schwerpunkt strebt, vergrößert es den Zirkel.

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Rädlein

Profi-Plan B: Schulter-Stöckchen
Gerte an der Schulter anlegen (Foto) oder mit dem Knauf gegen die Schulter drücken. Effekt für den Körper: Durch die Gerte an der inneren Schulter hebt das Pferd sein inneres Vorderbein stärker, wird hier leichter und verlagert Gewicht auf die äußere Schulter. Hilft umgekehrt auch, wenn Pferd nach außen drängt: Dann Gerte an der äußeren Schulter anlegen.

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Redaktion CAVALLO

Profi-Plan C: Hütchenreigen
Volten (etwa 6-8 Meter) auf der Mittellinie um Pylonen reiten. 1. Vor- und Hinterhand auf einer Spur. 2. Hinterhand ein paar Tritte mit innerer Wade nach außen treiben, Vorhand auf der Spur. 3. Vorhand tritt über, Hinterhand auf Spur. Effekt für Körper, Kopf und Reiter: Pferd und Reiter lernen, Abstände besser einzuschätzen. Die optische Markierung gibt eine Idee, wie groß und rund die Volte sein soll.

Fehlzündung im Mitteltrab

„Die Vorderbeine können den Hinterbeinen beim falschen Zulegen nicht schnell genug Platz machen“, erklärt Johannes Beck-Broichsitter. Um ihr Gleichgewicht zu halten, steigern die Pferde das Tempo, statt wie gefordert ihren Rahmen zu erweitern. Oft entlarvt breitbeiniger Gang, dass sie überfordert sind. Scheuchen Sie Ihr Pferd also nicht, sondern machen Sie ihm das Tritteverlängern einfach, indem Sie nur kurze Strecken fordern.

Ein weiterer typischer Fehler: Das Pferd zündet nicht; der Reiter lehnt sich zurück und versucht, es anzuschieben. Dabei kommt er hinter die Bewegung.

Genereller Tipp: „Immer erst versammeln, die Feder spannen und erst zum Zulegen lösen“, rät die Ausbilderin Elke Potucek. „Sonst halten die Beine hinten nicht, was sie vorn versprechen, und die Balance geht baden.“

Panne 1: Das Pferd stürmt

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Redaktion CAVALLO

Profi-Plan A: Rund, seitwärts und diagonal
Reiten Sie eine Volte Mitte der kurzen Seite. Einige Tritte Schulterherein, nächste lange Seite auf der Diagonalen die Trab-Tritte bis zur Mittellinie verlängern. Dort Volte, auf der Diagonalen zurück (Linie etwa wie beim Viereckvergrößern und -verkleinern). Effekt für den Körper: Fördert Balance und Versammlung, nimmt Tempo heraus.

Profi-Plan B: Verstärkte Zirkel
Legen Sie mal auf dem großen Zirkel zu, statt Mitteltrab nach Schema F immer nur auf Diagonale und Mittellinie zu reiten. Effekt für den Körper: Stellung und Biegung werden kontrollierbar. Balance und Takt bessern sich, Pferd muss auf die Hilfen warten.

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Redaktion CAVALLO

Profi-Plan C: Schenkelweichen
Am Beginn der langen Seite bis zur Viertellinie (die Mittellinie halbiert die kurze Seite, die Viertellinie viertelt sie und verläuft parallel zu C-X-A) Schenkelweichen im Trab. Hilfen zum Zulegen geben, wenn der innere Hinterfuß auf dem Boden ist und schiebt. Effekt für den Körper: Fordert Hinterbeine, richtet gerade, balanciert aus.

Panne 2: Das Pferd zündet nicht richtig

Profi-Plan: Schulter-Tusch
10 Meter Schultervor oder -herein an der langen Seite bis E/B. Dort auf die Diagonale gehen und zulegen. Steigerung: Volte auf oder vor der langen Seite (dort ein paar Tritte Kruppeherein), dann auf die Diagonale ge-hen. Beim Wegreiten von der Bande (oder aus der Volte) äußere Schulter mit Gerte antippen. Leichttraben, an der Mittellinie Pferd aufnehmen, Handwechsel zu C/A. Effekt für den Körper: Die Übung versammelt: Beugen und Kreuzen der Beine strengt an. Danach zündet das Pferd, weil ihm das Strecken der Hinterbeine im Vorwärts leichter fällt.

Fehlstart im Galopp

Typische Pannen: Das Pferd ignoriert die Hilfe, rennt im Stechtrab los, reißt den Kopf hoch oder fällt aus.

Genereller Tipp: „Nicht immer noch eins draufsetzen, bis das Pferd nur noch rennt oder das dritte Mal falsch anspringt“, rät Dressur-Bundestrainer Holger Schmezer. „Kommt die erste Galopphilfe nicht durch, warte ich eine oder zwei Zirkelrunden mit der nächsten ab.“

Wichtig: Überlegen Sie sich, was der Galopp vom Pferd verlangt. Überfordern Sie es nicht, sondern helfen Sie ihm. „Das äußere Hinterbein beginnt und braucht deshalb viel Kraft“, erklärt Ausbilder Johannes Beck-Broichsitter. „Gleichzeitig muss die Schulter gut beweglich sein, damit das innere Vorderbein weit nach vorn greifen kann.“ Wer diese Zusammenhänge kennt, kann nach den richtigen Werkzeugen suchen, falls das Pferd nicht auf die Galopphilfen reagiert.

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Die Schenkel rutschen zurück, die Knie klemmen, die Reiterin fällt nach vorn. Als Quittung reißt das Pferd den Kopf hoch.

Panne 1: Stechtrab

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Profi-Plan A: Schulter-herein-Schlangen
Im Schritt eine einfache Schlangenlinie reiten, nach dem Scheitelpunkt im Schulterherein oder Schultervor zum Hufschlag zurück. Beim Ankommen antraben. Danach das Ganze im Trab. Kurz bevor die äußere Pferdehüfte den Hufschlag erreicht, Galopphilfe geben. Effekt für den Körper: Lastet zu viel Gewicht auf der Vorhand, blockiert diese den Galopp. Viele Pferde heben sich dann nach oben heraus – sie spannen den Serratus-Muskel an, um Schwung zu holen, weil ihnen Balance fehlt. Schulterherein balanciert sie, aktiviert das Hinterbein und löst die innere Schulter. Effekt für den Kopf: Lenkt vom Galopp ab.

Profi-Plan B: Brems-Kreise
Trabvolte vor der ersten Ecke der kurzen Seite. Mitte der kurzen Seite angaloppieren und in der folgenden Ecke durchparieren, daraus auf den Zirkel abbiegen. Effekt für den Körper: Die Volte fordert Biegung. Das innere Hinterbein beugt sich, setzt unter. Diesen Untertritt braucht es für den ersten Galoppsprung. Außerdem hilft die Volte dem Pferd, sich zu versammeln. Effekt für den Kopf: Volten zur Bande setzen optische Grenzen, die das Pferd bremsen. Effekt für den Reiter: Die Volte setzt ihn automatisch leicht nach innen, so dass er den inneren Gesäßknochen stärker belastet.

Panne 2: Kreuz- oder Außengalopp

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Redaktion CAVALLO

Profi-Plan: Balance durch Konterstellung
Im Trab im Konterschultervor (Hilfen umgekehrt zum Schultervor; Pferd ist nach außen zur Bande gestellt) durch zwei aufeinanderfolgende Ecken reiten. In der dritten Ecke Pferd nach innen umstellen und die Biegung für den Galopp holen. Mitte der kurzen Seite angaloppieren, dazu Schenkel umlegen und innere Hand leicht öffnen. Effekt für den Körper: Kreuz- und Außengalopp zeigen Balanceprobleme. Konterstellung stabilisiert das Gleichgewicht und stärkt das äußere Hinterbein. So bleibt das Pferd gerader und drängt nicht nach außen. Schultervor macht die Rumpfmuskeln der inneren Seite beweglich.

Panne 3: Das Pferd ignoriert die Galopphilfe

Profi-Plan: Auf dem Sprung
Ein Cavaletti plus Trabstange oder eineinhalb Cavaletti an die lange Seite stellen. Im Trab anreiten. Zum Absprung galoppiert das Pferd an, Sie galoppieren danach einfach locker weiter. Effekt für Körper, Kopf und Reiter: Der Galopp kommt automatisch und ohne Krampf.

Panne 4: Das Pferd fällt in den Trab

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Profi-Plan: Socken stopfen
Faule Pferde fallen oft in Trab, weil der Reiter mit den Oberschenkeln klemmt. Dagegen hilft es, zwei Wollsocken auszustopfen und zusammenzunähen. Sobald das Bein klemmt, legen Sie die Socken zwischen Sattel und Oberschenkel. Effekt für Reiter und Pferd: Wenn Sie den Galopp anschieben und mit den Schenkeln herauspressen wollen, blockieren Ihre Hüften, hebeln das Gesäß aus dem Sattel und behindern das Pferd erst recht. Die Socke löst Blockaden; Sie schwingen locker mit.

Fluchtpunkt Schulterherein

Er fordert und fördert Versammlung, Balance und aktives Hinterbein. „Pferde wollen die anstrengende Lektion deshalb oft schnell hinter sich bringen“, sagt Bundes-Dressurtrainer Holger Schmezer. Sie flüchten ins leichtere Schenkelweichen, das keine Biegung braucht.

Typische Pannen: Das Pferd wird zu steil und verliert die Längsbiegung. Manche gehen geradeaus, andere verlieren an Tempo oder schummeln durch Abknicken des Halses. Diesen Knick beobachtet Grand-Prix-Trainer Thomas Ritter häufig auf der hohlen Seite und bei Schülern, deren äußerer Ellbogen nicht am Körper liegt. „So wird der Pferdehals instabil, klappt nach innen, der Rumpf geht geradeaus.

Genereller Tipp: Beim Schulterherein an Volten am Schnürchen denken. Die Hilfen fürs Wenden auf die Volte sind ähnlich wie beim Schulterherein.

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Der Hals knickt Richtung Bahnmitte, der Rumpf klebt an der Bande - ein typischer Fehler im Schulterherein.

Panne 1: Das Pferd biegt sich zu wenig

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Redaktion CAVALLO

Profi-Plan A: Ringelreihen
Einfache Variante: Schulterherein links, Volte links, Schulterherein links etc. Anspruchsvoller: An der langen Seite Schulterherein. Daraus im rechten Winkel zur Bahnmitte abwenden. Ab der Viertellinie (sie verläuft parallel zur Mittellinie, auf halber Strecke zwischen dieser und der Bande, siehe Skizze) eine eineinhalbfache 10-Meter-Volte in die Gegenrichtung reiten. Beim Ankommen nach der Volte wieder Schulterherein an der langen Seite. Effekt auf den Körper: Abwenden verlagert Last vom äußeren auf den inneren Hinterfuß und prüft, ob das Pferd an den äußeren Hilfen stand. Das abwechselnde Aktivieren der Hinterbeine zusammen mit dem Hin- und Herschieben der Pferdeschulter macht die Bauchmuskeln geschmeidig. Effekt für den Reiter: Die Volte zwingt Sie, die komplette Pferdeschulter nach innen zu lenken und nicht nur den Hals nach innen zu biegen.

Profi-Plan B: Acht auf der Zehn
Am Beginn der langen Seite zu einer halben Volte abwenden. Daraus eine Acht reiten – mit Scheitelpunkt an der Mittellinie. Die Biegung des letzten Kreises vorm Hufschlag in anschließendes Schulterherein an der langen Seite mitnehmen. Effekt für den Körper: Die Acht knetet den Pferdekörper zu beiden Seiten weich, dehnt und versammelt abwechselnd.

Panne 2: Das Pferd verliert an Tempo

Profi-Plan A: Vibrations-Alarm
Leicht mit der Gerte im Handgelenk vibrieren, gleichzeitig Hüfte entspannen. Effekt für den Reiter: Lockert feste Hände und Hüften, die das Pferd bremsen.

Profi-Plan B: Halbe Sachen
Sobald das Tempo verloren geht, Übung abbrechen und geradeaus leichttraben. Effekt für den Körper: Fördert Schwung, Pferd darf sich lang machen.

Panne 3: Reiter zieht den Kopf nach innen

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Redaktion CAVALLO

Profi-Plan: Doppelschlängel
An der langen Seite doppelte Schlangenlinie im Schritt. In den Ecken der kurzen Seite Stellung und Biegung fürs Schulterherein an der kommenden langen Seite nutzen. Dabei weiterhin an doppelte Schlangenlinie denken, innen weiter treiben. Effekt für den Körper: Pferd lernt, auf den äußeren Zügel zu reagieren und wird geschmeidiger. Effekt für den Reiter: Erzieht zu korrekten Hilfen. Die doppelten Schlangenlinien funktionieren im Zusammenspiel äußerer Zügel/innerer Gesäßknochen. Wer innen zieht, reitet die Schlange zu groß.

Hakeliger Rückwärtsgang

Viele Dressurreiter vernachlässigen ihn, bedauern Ausbilder wie Holger Schmezer. Dabei entlarvt Rückwärtsrichten sofort, ob das Pferd im Schnelldurchgang ausgebildet wurde.

„90 Prozent der Pferde“, schätzt Johannes Beck-Broichsitter, „sind mit vier Rückwärtstritten schlicht überfordert.“

Typische Pannen: Sie rollen sich nach den ersten Tritten ein und fallen auf die Schulter, machen den Rücken fest, ignorieren die Hilfen oder versuchen, grobem Zügelzug durch Kopfhochreißen auszuweichen. „Dabei vergebe ich mir nichts, wenn ich erstmal mit zwei Tritten zufrieden bin,“ sagt Beck-Broichsitter.

Genereller Tipp: „Beim Rückwärts auf Hilfe von unten setzen. Das schont Pferdemaul und Reiternerven“, sagt Martina Nießl.

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Unterschieldich starker Druck mit Beinen und Zügel treibt das Pferd schief zurück.

Panne 1: Das Pferd fällt vornüber

Profi-Plan: Auf dem Silbertablett
Führen Sie im Halten den gestreckten Arm samt Zügel nach oben, als wollten Sie ein Silbertablett heben. Dabei nicht ziehen, sondern nur Aufwärts-Impuls Richtung Maulspalte geben. Nehmen Sie die Hand wieder tief, sobald das Pferd zurück tritt. Effekt für den Körper: Verlagert das Gleichgewicht von Schulter auf Hinterhand. Pferd beugt die Hanken, wird vorn leichter und kann rück-wärts.

Panne 2: Das Pferd macht den Rücken steif

Profi-Plan: Körperwelle
Halten Sie auf dem ersten Hufschlag an der Bande, und fordern Sie leichte Innenstellung. Richten Sie daraus rück-wärts. Effekt für den Körper: Stellung hindert inneres Hinterbein am Wegtreten. Beim schnurgeraden Rückwärtstreten machen viele Pferde den Rücken fest; in leichter Biegung ist das nicht möglich.

Panne 3: Pferd parkt stur

Profi-Plan A: Krebsgang
Auf dem 2. Hufschlag halten, einen Tritt fordern. Sofort wieder vorwärts, neu halten und wieder einen Tritt rückwärts. Schiefe Tritte sind in dieser Phase nicht schlimm. Effekt für den Körper: Pferd strebt zur Bande – und damit rückwärts.

Profi-Plan B: Durch die Gasse
Zwei Stangen zur Gasse legen, dritte Stange als Abschluss obenauf legen. Vorwärts in die u-förmige Gasse reiten. Helfer rollt obere Stange vorsichtig Richtung Pferd; Reiter gibt Stimm- und Rückwärtshilfe. Voraussetzung: Pferd kennt Stangenarbeit. Effekt für den Körper: Pferd schaut auf die rollende Stange, wölbt den Rücken und macht erste Tritte rückwärts. Effekt auf den Reiter: Wird nicht zum Ziehen verleitet.

Panne 4: Pferd ist gestresst

Profi-Plan: Zurück in den Feierabend
Nach dem Reiten absteigen und zu Fuß an der Bande rückwärtsrichten. Dazu mit der Gerte an die Brust tippen und Stimmkommando geben, dann aufhören. Effekt für Körper und Kopf: Entspannte Situation, Übung fällt ohne Reiter leichter.

Bremsdefekt beim Halten

Selbst in höchsten Dressurprüfungen sieht man oft abruptes Bremsen, nervöses Zappeln oder aufgerollte Hälse. Das passiert bei Schlampereien oder Überforderung in der Grundausbildung.

Typische Pannen: Der Reiter zieht am Zügel, statt die ganze Parade wie eine Stotterbremse aus vielen kleinen Paraden auf-zubauen. Das Pferd stützt sich auf den Zügel, hebt den Kopf oder steht nicht geschlossen.

Genereller Tipp: „Geht die Bremse nur bis 60, fahr’ ich eben nicht 80“, sagt Ausbilder Johannes Beck-Broichsitter simpel und meint damit: Wenn schon der Übergang von einer in die andere Gangart (also Trab-Schritt oder Galopp-Trab) nicht reibungslos flutscht, sollten Reiter nicht versuchen, aus dem Trab zu halten. Stattdessen das Halten aus dem Schritt üben.

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Rädlein
Das Pferd steht Kopf, wenn der Reiter vorne sitzt, statt die Hinterhand zu aktivieren.

Panne 1: Das Pferd ignoriert die Parade

Profi-Plan A: Gertenschwenker
Helfer mit Longierpeitsche positioniert sich auf dem 2. Hufschlag schräg vor dem Pferd. Reiter soll auf dem 1. Hufschlag halten. Helfer bewegt im Moment der Parade die Longierpeitsche. Effekt für den Kopf: Das Pferd stoppt aus Respekt vor der Gerte. Effekt für den Reiter: Er wird nicht verleitet, am Zügel zu ziehen.

Profi-Plan B: Eckensteher
Ganze Parade durch viele kleine vorbereiten, mit dem Pferdekopf in die Ecke hinein anhalten. Effekt für den Körper: Die Bande begrenzt optisch, die Parade kommt besser durch.

Panne 2: Das Pferd steht nicht geschlossen

Profi-Plan: Rund gestoppt
Auf dem Mittelzirkel reiten, auf Höhe der Bahnpunkte B/E halten, dabei aber ans Abwenden denken. Effekt für den Körper: Das äußere Hinterbein hat auf Kreisen den längeren Weg. Stellt das Pferd hier das Bein heraus, ziept es im Muskel.

Panne 3: Das Pferd stützt sich auf den Zügel

Profi-Plan A: Cowboy-Stopp
Pferd einige Meter vor dem Halten versammeln, im Moment der Parade einen Aufwärts-Impuls am Zügel geben. An einen Sliding Stopp denken und Beine schnell auf die Schulter schieben. Die Hand sofort wieder tief nehmen, Beine in Normalposition. Effekt für den Körper: Nur zur Korrektur. Verändert die Balance, das Pferd muss seine Hinterhand einsetzen.

Profi-Plan B: Einen Gang einbauen
Statt direkt vom Trab zum Halten zu parieren, bauen Sie drei Tritte Schritt ein. Effekt für den Körper: Die Übung gibt dem Pferd Zeit zum Halten, ohne auf die Schulter zu fallen.

Großspurig ins Kurzkehrt

Sie gehen schief, wenn Reiter „zu doll und zu weit hinterm Gurt mit dem Schenkel drücken, damit das Pferd seitlich weicht“, beschreibt FN-Ausbilder Johannes Beck-Broichsitter den typischen Fehler, bei dem sich das Pferd ins Travers rettet, die Hinterbeine kreuzt und den Bogen zu groß werden lässt. Wollen Sie bewusst eng wenden, tappen Sie in die nächste Falle: Sie bremsen vorne und würgen das Hinterbein ab. Das Pferd tritt nicht mehr mit oder weicht rückwärts aus.

Genereller Tipp: „Kurzkehrt ist schwierig. Man muss es an die 100 Mal unter Aufsicht üben. Machen Sie sich die Koordination der Hilfen klar, am besten mit Videoaufnahmen“, empfiehlt Ausbilderin Martina Nießl.

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Die Reiterin treibt außen zu stark, zieht innen und sitzt schief. So wird das Kurzkehrt zu groß, das Pferd verwirft sich, die Hinterbeine kreuzen.

Panne 1: Die Wendung wird zu groß

Profi-Plan: Kehrtschlange
Zum Ende einer Schlangenlinie an der langen Seite beim Zurückreiten zur Bande das Pferd zunächst etwas kürzertreten lassen, versammeln und halbe Kurzkehrt (90 Grad) von der Bande weg in Richtung gegenüberliegende lange Seite reiten. Effekt für den Reiter: Er konzentriert sich aufs Abwenden und nimmt den äußeren Schenkel nicht so weit zurück.

Panne 2: Die Hinterhand tritt nicht mit

Profi-Plan: Abzählvers
Kurzkehrt ist eine Viertakt-Bewegung. Bleibt ein Hinterbein stehen, geht der Rhythmus flöten. Mitzählen hilft; am einfachsten, wenn Sie mit dem 1. Seitwärtstritt den Viertakt des Schritts mitzählen: Takt, Takt, Takt, Takt. Effekt für den Reiter: Gibt ihm ein Gefühl für die Bewegung der Hinterbeine. Er lernt, mit dem äußeren Schenkel vorwärts-seitwärts zu treiben, wenn das gleichseitige Hinterbein fußt.

Panne 3: Das Pferd weicht rückwärts aus

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Redaktion CAVALLO

Profi-Plan: Kegelbahn
Bauen Sie ein Quadrat aus vier Kegeln auf dem 3. Hufschlag mit Ecken an den vier Zirkelpunkten. Reiten Sie auf dem 2. Hufschlag auf den 1. Kegel zu und setzen ein Stück dahinter zum Kurzkehrt um den Kegel an. Das Hinterbein läuft um den Kegel. Reiten Sie auf der Geraden zum nächsten Kegel. Effekt für den Reiter: Die Hinterbeine müssen aktiv treten, besonders innen. Der Kegel erinnert ans Vorwärts und an punktgenaues Wenden. 90 Grad sind leichter als 180.

Panne 4: Das Pferd wendet vorne nicht

Profi-Plan: Gerte an die äußere Schulter legen

Panne 5: Das Pferd fällt auf die Schulter

Profi-Plan: Travers-Spirale
Travers auf dem Zirkel, diesen binnen einer Dreiviertelrunde bis zur Kurzkehrt verkleinern. Nur zwei, drei Schritte fordern. Innere Hand etwas höher, damit das Pferd nicht auf die Schulter fällt. Trägt die Hinterhand nicht mehr, geradeaus reiten, neu ansetzen. Effekt für den Körper: Fordert das Hinterbein. Der Schwierigkeitsgrad steigt mit jeder Spirale.

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