Erstes Aufsitzen: das sagt die FN-Ausbilderin
Der individuelle Entwicklungsstand des Pferdes entscheidet, ob ich mit dem Anreiten beginne. Das junge Pferd muss kräftemäßig in der Lage sein, einen Reiter zu tragen. Die vorbereitenden Übungen wie Berühren, Aufhalftern, das Auflegen einer Decke oder Anlegen eines Gurts führen wir in der Box durch. Das hat unter anderem den Vorteil, dass die Jungpferde dabei fressen können. Durch das Kauen entspannen sich der Kiefer und der ganze Körper. Später, wenn die Grundlagen gut sitzen, stelle ich mich dabei auf einen Hocker und lasse das Pferd am Halfter mal links, mal rechts um mich herumgehen, hüpfe neben dem Pferd und hänge mich leicht in den Longiergurt. Durch das Vertrauen, das ich mir bis dahin erarbeitet habe, kann ich dem jungen Pferd signalisieren, dass die Situation entspannt ist. Während dieser Gewöhnungsphase lege ich mich schon die ersten Male über den Pferderücken. Wann ein Pferd zum Aufsitzen bereit ist, entscheide ich aus dem Bauch heraus. Das Wichtigste ist, dass das Pferd bei allen vorhergehenden Übungen entspannt ist. Bei den ersten Aufsitz-Übungen in der Halle sollte eine ruhige und vertraute Person am Boden dabei sein – je nach Pferd mache ich das auch mal alleine. Nach etwa einer Woche sitze ich das erste Mal auf dem Pferd. Schritt, Trab und Galopp mit Reiter kommen aber erst später dazu. Dann bekommen die Jungpferde alle zwei/drei Tage wieder eine Pause, um sich von der ungewohnten Belastung zu erholen.

Eva-Maria Lühr ist Pferdewirtschaftsmeisterin am Haupt- und Landgestüt Marbach.
Das sagt die Klassik-Ausbilderin zum Anreiten
Unsere Pferde sind volle vier Jahre alt, wenn wir mit dem Anreiten beginnen. Bevor wir das erste Mal aufsitzen, machen wir mit den Pferden Führtraining, Handarbeit und üben Satteln. Das sind sehr kurze, tägliche Einheiten, die von fünf auf etwa 15 Minuten ausgeweitet werden. Nach jedem Erfolg lobe ich das junge Pferd ausgiebig und beende die Übungseinheit. Die Arbeit mit den Jungpferden findet in völliger Ruhe statt und geht in kleinen Schritten voran, um das Pferd nicht zu überfordern. Das erste Aufsitzen findet meistens nach etwa drei bis vier Wochen statt, wenn das Pferd im Schritt in der Handarbeit die Seitengänge erlernt hat und an den Sattel gewöhnt wurde. Dann sitzt zum ersten Mal eine leichte Person auf. Zunächst steigt sie nur auf- und ab, dann nimmt sie im Sattel Platz und wird geführt. Später arbeiten wir das Pferd mit Reiter an der Hand, erst im Schritt, dann auf dem Zirkel im Trab. Wir reiten zu Anfang in kurzen Reprisen von wenigen Minuten und steigern langsam die Anforderungen. Dadurch haben wir Pferde, die bis ins hohe Alter reitbar bleiben. Wir möchten unseren Pferden von Anfang an vermitteln, dass sie ihre Muskulatur und Kraft gezielt einsetzen können, um den Reiter zu tragen. Nach dieser ersten Lernphase gehen die Vierjährigen den Sommer über nochmal auf die Wiese. Erst fünfjährig holen wir die Jungpferde rein für die "richtige" Arbeit.

Christin Krischke ist Direktorin der Hofreitschule Bückeburg.
Wie geht die Westerntrainerin das erste Aufsitzen an?
Das dreijährige Jungpferd lernt zunächst am Boden die Kommunikation mit dem Menschen, Hilfen und Ausrüstung kennen. Alles in kleinen Schritten. Zur positiven Verstärkung nutzen wir die Stimme und viele Pausen – bei sehr ängstlichen Pferden auch mal Futter aus der Schüssel, nie aus der Hand. Unsere Jungpferde gehen früh als Handpferde ins Gelände. Dabei üben wir das erste Aufsitzen. Zunächst steigen wir nur auf- und ab, bis sie das erste Mal mit Reiter als Handpferd ins Gelände gehen. Die Vorteile: Das Jungpferd kennt die Routine und hat die Sicherheit durch das ältere Führpferd. Der Reiter wirkt noch nicht ein und versucht das Pferd nicht zu stören. Klappt das gut, läuft das junge Handpferd irgendwann frei mit und der Reiter darf erste Hilfen einsetzen. Erst wenn das Reiten im Gelände gut funktioniert, arbeiten wir die jungen Pferde in der Halle. Nach dem Anreiten gehen die Jungpferde bis zum Herbst zurück auf die Wiese. Erst vierjährig beginnt das wirkliche Training.

Petra Leckebusch ist Pferdewirtschaftsmeisterin und Westerntrainerin.





