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Ausdauer für Pferde: So bekommt Ihr Pferd Kondition

Ausdauer-Training für fitte Pferde

Knackige Muckis, reichlich Ausdauer und beweglich wie ein Flummi: CAVALLO zeigt, wie Sie Ihr Pferd mit Konditions-Training fit machen und dabei viel Spaß haben!

Geht Ihrem Pferd nach kurzem Galopp die Puste aus, könnten die Muckis am Hintern knackiger oder die Bewegungen elastischer sein? Dann ist es Zeit fürs Fitnesstraining. Mit den richtigen Tipps und Kniffen können Sie Ihr Pferd ganz leicht in Bestform bringen – und den Sommer mit Spazierritten durchs Gelände, Wandertouren oder dem Feilen an Lektionen genießen. Wie Sie Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit Ihres Pferds optimal trainieren und was beim Training im Körper passiert, erklären Tierärzte, Physiotherapeuten und Ausbilder.

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Jedes Reitpferd braucht eine gute Grundkondition. Das klingt erstmal nach ermüdendem Krafftraining. Doch keine Sorge: Sie müssen keinen eintönigen Vier-Wochen-Fitness-Plan durchackern. Im Gegenteil: Je individueller Sie beim Training auf Ihr Pferd und seine Stärken eingehen, desto besser. Manche Tiere sind geborene Sprinter und Kraftpakete, anderen liegt eher die lange Distanz.

Ob sich ein Pferd besonders gut fürs Springen eignet, in der Dressur glänzt oder im Distanzsport erfolgreich wird, lässt sich durchs Training steuern, allerdings nur bedingt. Denn Muskeln, die speziell für die Ausdauer taugen, sind anders gestrickt als Muskeln für Schnellkraft. Welche Fasern im Pferd besonders ausgeprägt sind, ist in der Zucht verankert. Ausdauertypen wie Araber haben viele rote Muskelfasern, die ihre Energie aus Sauerstoff gewinnen. Sie kontrahieren und ermüden langsam. Sprinter wie Quarter Horses haben viele weiße Muskelfasern, die für Tempo sorgen, aber rasch erschlaffen.

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Döringshoff

„Der Pferdeorganismus kann sich bis zu einem bestimmten Grad an Belastungen anpassen“, sagt Ralf Döringshoff, Pferdewirt und Pferdephysiotherapeut aus dem niedersächsischen Rinteln. Eine Trainingsstunde mit einer halben Stunde Schritt,20 Minuten Trab und 10 Minuten Galopp sollte jedes Pferd packen. Wichtig ist der Wechsel zwischen Belastung und Erholung (Intervalltraining). Spring- und Dressurprüfungen dauern kaum mehr als zehn Minuten, länger sollte auch die Belastungsphase im Training nicht dauern.

Ist das Pferd müde, bringt trainieren nichts. Für Ralf Döringshoff ist die Nickbewegung von Kopf und Hals im Schritt entscheidend. „Fehlt sie nach einer Trab- oder Galopp-Phase, braucht das Pferd eine Pause“, sagt er. „Achten Sie auf die Atmung: Nach zehn Minuten Schritt am langen Zügel sollte das Pferd wieder gleichmäßig atmen.“ Wie Training sinnvoll aufgebaut wird, zeigt die Grafik.

Ziel:
Training soll den Körper des Pferds an die geforderte Leistung anpassen, ohne das Tier physisch oder psychisch zu überfordern. Das Leistungsniveau wächst durch regelmäßige Wiederholungen und langsames Steigern der Belastung.

Viele Muckis – So trotzt Ihr Pferd vor Kraft

Damit im Training die Muskeln kräftig wachsen, brauchen sie Sauerstoff, Entspannung und eine weiche Reiterhand. Welche Übungen sind optimal für den Muskelaufbau? Muskeln sind kleine Kraftwerke. Sie halten den Körper beisammen, schützen die Organe, bewegen einzelne Körperteile und produzieren sogar Wärme. Um einen Reiter ohne Schaden tragen zu können, brauchen Pferde vor allem Muskeln an Rücken, Hinterhand, Bauch und Oberhals.

Muskelfasern wachsen durchs Krafttraining

Muskel ziehen sich zusammen und entspannen sich wieder, wenn sie arbeiten. Krafttraining signalisiert dem Muskel, dass er mehr Gewicht bewegen und für mehr Muskelfasern sorgen muss. Damit die wichtigen Reitmuskeln wachsen, raten viele Ausbilder zum Galopp, weil das Pferd den Rücken dabei automatisch aufwölben müsse. „Das stimmt so nicht“, sagt Physiotherapeut Ralf Döringshoff. „Nur wenn das Pferd im Dreitakt entspannt galoppiert, nützt das den Rückenmuskeln.“

Übergänge in die langsamere Gangart stärken die Muckis an der Hinterhand, weil diese das Gewicht bremsen muss. Aber nur, wenn der Reiter nicht am Zügel zieht. Sonst landet das Pferd schnurstracks auf der Vorhand und belastet die gesamte Schulterpartie. Auch Übergänge innerhalb der Gangart (Zulegen und Zurücknehmen) kräftigen die Hinterhand. „Im Trab können Sie das ganz einfach durch langsameres Aufstehen kontrollieren“, rät Döringshoff. „Das Pferd kommt so weniger auf die Vorhand.“

Versammlung ist die extremste Form von Krafttraining fürs Pferd. Eine Galopp-Pirouette ist reinstes Bodybuilding und spricht die schnellzuckenden weißen Muskelfasern an – zuständig für Kraft. Wird der Muskel auf Ausdauer trainiert, mehren sich die roten Muskelfasern. Sie haben deutlich weniger Masse. Deshalb sehen Distanzpferde ebenso hager aus wie Marathonläufer.

Muskelkater: Früher gingen Sportmediziner davon aus, dass Muskelkater (von Katarrh) durch Übersäuerung (Laktate) der Muskeln entsteht. Diese Hypothese wurde unter anderem widerlegt, weil Laktat nur eine Halbwertszeit von 20 Minuten hat, Muskelkater aber erst nach mehreren Stunden auftritt. Heute gehen Mediziner davon aus, dass er durch Überlastung im Muskelgewebe (Mikrotraumata) entsteht.

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Christiane Slawik
Der Braune spannt seine Muskeln: Der Sprung stärkt die Hinterhand.

Muskeln wachsen durch Training

Muskeltraining hat auch anatomische Grenzen: Die Muskeln beim Pferd reichen nur bis zum Sprung- und Karpalgelenk. Darunter ist Schluss mit Muckis. Dort gibt es nur noch Sehnen und Bänder, wobei Sehnen Muskeln mit Knochen verbinden, Bänder Knochen mit Knochen. Sehnen sind recht unelastisch. Ein Muskel ist bis zu 30 Prozent der Eigenlänge dehnbar, eine Sehne nur etwa vier bis sechs Prozent. Dafür wirken Sehnen wie Zugseile und können hohen Belastungen standhalten wie zum Beispiel Landungen nach einem Sprung. Sehnen übertragen sofort die elastische Zugkraft.

Klemmt der Muskel, stockt die Durchblutung

Eines gilt für jedes Muskeltraining: Dehnt sich der Muskel, verbessert sich die Durchblutung. „Deswegen ist das Training in Zeitintervallen wichtig, weil ein Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung immer wieder die Blutzufuhr sicherstellt“, erklärt Physiotherapeut Ralf Döringshoff. Umgekehrt klemmt sich ein zusammengezogener Muskel selbst von der Blutzufuhr ab.

„Das ist der Grund, warum im Training zwischendurch immer wieder vorwärts-abwärts geritten werden muss“, betont Ralf Döringshoff. Denn wird ein Muskel überfordert oder verletzt, führt das zu Verhärtungen. Solche Pferde fühlen sich unterm Sattel oft bretthart an. Je nach Grad der Verhärtung tut das nicht nur weh, sondern es schränkt die Beweglichkeit des Muskels ein. Geht das Pferd deswegen in einer Schonhaltung, werden andere Muskeln, Sehnen oder Bänder überlastet.

„Wenn einem Pferd ständig die Muskeln wehtun, arbeitet es außerdem kaum motiviert mit“, sagt Ralf Döringshoff. „Nimmt das Pferd als Resultat der Arbeit nur Schmerzen wahr, wird es versuchen, sich zu entziehen.“ Tipp: Lassen Sie Ihr Pferd regelmäßig von einem erfahrenen Physiotherapeuten durchchecken.

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Fit mit Futter

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Lisa Rädlein
Wiegen hilft, die Ration zu finden.

Schlapp oder aufgedreht? Dr. Kathrin Irgang gibt Tipps, wie Sie die richtige Futtermenge finden.

„Fehler in der Fütterung belasten das Pferd, anstatt es in Sachen Leistung zu unterstützen“, sagt Dr. Kathrin Irgang, Fütterungsexpertin bei der Tierarztpraxis Martin Grell im brandenburgischen Hoppegarten. Das beste Futter für Sportler ist gutes Heu. Pferde brauchen Rohfaser, damit die Verdauung optimal funktioniert. 1,5 Kilogramm sollten Sie pro 100 Kilogramm Pferd mindestens rechnen. Häufig wird zu viel Kraftfutter gefüttert. Die Energie von einem Kilo Hafer reicht für zwei Stunden Schritt reiten, eine halbe Stunde Trab oder eine Viertelstunde Galopp.

Irgangs Tipp: Wiegen Sie Ihr Kraftfutter, um ein Gefühl für die Menge zu bekommen. Rechnen Sie maximal 300 Gramm pro 100 Kilo Pferd und Mahlzeit. Beispiel: Ein 500 Kilo-Pferd braucht im normalen Ernährungszustand bei täglich einer Stunde Bewegung 7,5 Kilo Heu und 1 bis 1,5 Kilo Kraftfutter, aufgeteilt auf drei Mahlzeiten.

Ausdauer fürs Pferd

Herz und Kreislauf des Pferds können Reiter blitzschnell in Bestform bringen. Doch nach Belastung dürfen Sie keinesfalls anhalten – sonst macht womöglich die Pumpe schlapp. „Das Herz-Kreislauf-System passt sich Belastung deutlich schneller an als Muskeln, Sehnen, Bänder oder Knochen“, erklärt Ralf Döringshoff. Bereits nach 14 Tagen Training sind Herz und Kreislauf einer neuen Leistung gewachsen. Doch das würde Muskeln, Knochen und Sehnen überlasten: Muskeln passen sich erst nach zwei bis vier Wochen an, Knochen und Sehnen brauchen drei bis vier Monate. Das Herz kann also viel mehr leisten als der Rest verträgt.

In der Ruhe liegt die Ausdauer

Besonders Wander- und Freizeitpferde brauchen Ausdauer. Die bauen Sie aber auf keinen Fall durch temporeiche Galoppaden auf. Beim Ausdauertraining liegt vielmehr in der Ruhe die Kraft: Reiten Sie über mehrere Wochen mit einer Belastung von 30 bis 60 Prozent der Maximalbelastung. Einem durchschnittlichen Freizeitpferd reicht dazu ein einstündiger Ausritt, bei dem das Pferd überwiegend Schritt geht. Diese Dauermethode schont den Bewegungsapparat und trainiert vor allem das Herz-Kreislauf-System. „Eine Grundausdauer kann jedes Pferd trainieren, auch wenn es als Sprinter geboren ist“, sagt Dr. Annette Wyrwoll, Tierärztin aus dem bayerischen Duggendorf, die Halbblüter für die Vielseitigkeit züchtet.

Tipp:
Nach einer starken Belastung sollten Sie auf jeden Fall im Schritt weiter reiten und nicht stehen bleiben. Der Grund: Die Bewegung macht 20 Prozent der Herzpumpe aus. Wenn das Pferd nach großer Belastung plötzlich stehen bleiben muss, fehlt die Körperpumpe. Das Herz muss dies durch Mehrleistung kompensieren. Das ist zwar auch eine Trainingsmethode, aber sie kann bei Herzschwäche lebensbedrohlich sein.

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Planschen im Wasser: Lange, ruhige Ausritte fördern die Ausdauer des Pferds viel besser als schnelles Galoppieren.

Lange ausreiten ist besser als Galopp

Herz und Kreislauf des Pferds können Reiter blitzschnell in Bestform bringen. Doch nach Belastung dürfen Sie keinesfalls anhalten – sonst macht womöglich die Pumpe schlapp. „Spazierenreiten trainiert die Ausdauer optimal, nicht nur kurze, intensive Trainingseinheiten“, sagt Dr. Annette Wyrwoll. Um das Pferd im Training nicht zu überfordern, appelliert sie an das Gefühl des Reiters: „Überprüfen Sie nicht immer alles mit der Stoppuhr oder anderen technischen Mitteln, entwickeln Sie lieber ein gutes Gefühl. Nehmen Sie sich zum Test einen Berg im Galopp vor: Zu Beginn des Trainings wird das Pferd oben aus der Puste sein. Nach sechs Wochen meistert es den Berg wahrscheinlich mit links.“

Auch Vielseitigkeitsreiter trainieren heute in kürzeren Intervallen als früher. Noch vor einigen Jahren waren die Strecken in Geländeprüfungen zwischen drei und fünf Minuten länger. Heute dauern die schwersten Geländeprüfungen 10,5 bis 11 Minuten, in denen das Pferd durchgaloppiert. Im Training galoppieren die Reiter nie die volle Zeit: zwei bis drei Minuten reichen, dann wird pausiert. Das bringt nicht nur Ausdauer, sondern auch Kraft und Schnelligkeit.

Behalten Sie die Nüstern im Auge:

Wichtig fürs Training: Achten Sie auf die Atmung. „Möglichst tiefe Atemzüge bestimmen die Sauerstoffzufuhr und ermöglichen den Stoffwechsel“, erklärt Ralf Döringshoff. Um das zu überprüfen, reicht ein Blick zu den Nüstern. Sind sie die ganze Zeit aufgebläht? Dann hapert es noch an der Kondition. Nach Belastung sollte sich die Atmung schnell wieder normalisieren. Das gilt auch für den Puls. „Bei gut trainierten Pferden dauert es nur ein bis zwei Minuten, bis er wieder unten ist“, sagt Wyrwoll. Um ein Gefühl für den Herzschlag Ihres Pferdes zu bekommen, sollten Sie vor, unmittelbar nach und zehn Minuten nach Belastung messen.

Das Herz-Kreislauf-System funktioniert wie ein Verteilerkreis: Es transportiert Sauerstoff über die Atmung in den Blutkreislauf, bringt Nährstoffe in die einzelnen Körperregionen und transportiert Wärme, um die Körpertemperatur zu regulieren. Bewegung bringt das ganze Herz-Kreislauf-System in Schwung. Die Pumpaktion des Herzens wird unterstützt, indem Muskeln kontrahieren. Die Atmung beschleunigt sich bei Belastung, um mehr Sauerstoff zur Verfügung stellen zu können.

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Fit am Hang: Der Schimmel klettert den Berg hinauf.

Strechting fürs Pferd

Gesundes Dehnen ist immer zwanglos, Widerstand ist verboten. Richtig geschmeidig werden Pferde durch reell gerittene Seitengänge und leckere Karotten.

In Bestform sind nur bewegliche Pferde. Deswegen sollte Sie die Geschmeidigkeit Ihres Pferds fördern. Dann kann es seine Gelenke optimal strecken und beugen. Es wird Lektionen elastischer, korrekter und athletischer bewältigen. Training verbessert die Elastizität von Bändern und Gelenken, der Bewegungsspielraum von Gelenken wird größer. Beweglichkeitstraining besteht hauptsächlich aus dem Dehnen der Muskulatur – aktiv beim Reiten oder passiv durch Übungen am Boden.

Es gibt drei Methoden, bestimmte Körperteile zu dehnen. Passives, aktives und elastisches Dehnen (siehe Absatz „Elastisches Dehnen“). Beim passiven Dehnen dehnt man Muskelpartien des Pferds und steigert so die Beweglichkeit der Muskulatur. Der Muskel wird langsam an die Grenze der Elastizität herangeführt. Dabei gilt: Nie gegen Widerstand arbeiten. „Im Zweifel überlässt man Dehnübungen einem manuellen Therapeuten“, rät Ralf Döringshoff.

Wie Reiter ihr Pferd selbst und sicher gymnastizieren, zeigt Dr. Hilary Clayton, die am McPhail-Forschungscenter in Michigan/USA arbeitet. Sie hat Übungen entwickelt, die vom Boden aus die Wirbelsäule mobilisieren, die Balance verbessern und den Pferderücken kräftigen. Lassen Sie Ihr Pferd zum Beispiel zwischen den Vorderbeinen oder Richtung Hinterbein nach einer Karotte angeln. Pferde dehnen sich bei diesen Leckerli-Übungen zwanglos. Fragen Sie anfangs wenig Dehnung ab, die Sie Schritt für Schritt steigern. Trainieren Sie nicht mit einem kalten Pferd, sondern direkt nach dem Reiten, wenn die Muskulatur noch warm ist: Kalte Muskeln sind unelastisch und sehr anfällig für Verletzungen.

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Das Pferd dehnt sich, um an das Leckerli zu kommen.

Methoden zum Dehnen

Vor einem Wettkampf, wo schnelle Bewegungen und Kraft wie beim Springen oder in der Reining gefordert sind, ist langsames, statisches Dehnen jedoch nicht optimal: Es lockert zwar die Muskeln, aber die Kraft und Schnelligkeit der Muskelfasern lässt nach.

Aktives Stretching findet bei der Arbeit an der Hand und unterm Sattel statt. Das Pferd dehnt die Muskulatur von sich aus, wenn es sich überm Sprung streckt oder mit dem Hinterbein unter den Schwerpunkt tritt. Bei der Rahmenerweiterung dehnt sich der lange Rückenmuskel. Die Allzweckwaffen in Sachen aktiver Dehnung sind sämtliche Seitengänge wie Traversalen oder Schulterherein.

Elastisches Dehnen

Beim elastischen Dehnen soll sich die Muskulatur durch wippende Bewegung immer weiter dehnen. In der Sportmedizin wird diese Methode mittlerweile kritisch betrachtet. Die Muskulatur hat einen Schutzreflex und kontrahiert, sobald schnelle Dehnungsreize kommen. Der Muskel lässt die Dehnung nicht zu. Wippt man weiter, kann das Muskelgewebe zerreißen. Die Beweglichkeit verbessert sich nicht.

Steife Pferde brauchen Vertrauen:

Anja Beran, Klassik-Ausbilderin aus dem bayerischen Rudratsried, analysiert vor dem Beweglichkeitstraining zunächst die natürliche Schiefe des Pferds. In Berans Stall landen oft Berittpferde, die körperliche Wehwehchen oder durch Kraftreiterei das Vertrauen in den Menschen verloren haben. Sie verbinden Training mit Schmerzen. Solche Tiere wieder zu mobilisieren und das Vertrauen herzustellen, ist mühsam. „Sie müssen irgendwann verstehen, dass es ihnen nach der Arbeit besser geht“, sagt Anja Beran. Wie bei der Krankengymnastik helfen hier nur klitzekleine Schritte.

„Anfangs arbeiten wir mit solchen Pferden nur zehn Minuten. In der kurzen Zeit versuchen wir, die Pferde ganz individuell zu lockern, etwa durch ganz wenige Seitwärtsschritte“, sagt Anja Beran. Danach lobt sie sofort, lässt die Zügel lang und beendet als Belohnung die Trainingseinheit. „Irgendwann merken die Pferde, dass sie sich nach dem Training besser fühlen und beweglicher werden. So erhalten sie Schritt für Schritt Vertrauen und Motivation zurück“, sagt Beran.

Fit in jedem Pferdealter

Gezieltes Training bei Pferden unter drei Jahren ist Kinderarbeit und schadet dem jungen Pferdekörper. Halbstarke trainieren sich optimal selbst, wenn sie den ganzen Tag in der Herde auf der Koppel verbringen. Hier wechseln automatisch die Trainingsreize – von kurzer Belastung beim Toben zur Ruhe beim Grasen im Schritt.

Pferde, die im ersten Jahr unterm Sattel sind, sind auch noch schnell überfordert. Zwar lassen sich Herz, Kreislauf und Muskeln bei ihnen flott trainieren, doch Sehnen, Knochen und Gelenke werden leicht überlastet. Bei älteren Pferden muss Konditionstraining an die Gesundheit angepasst werden: Sie haben allgemein einen viel langsameren Stoffwechsel als jüngere Tiere. Oft schränken zudem Arthrosen oder alte Muskelverletzungen die Beweglichkeit ein.

Nur bei einer langsamen Geschwindigkeit im Schritt kann die Muskulatur arbeiten und die Hanke optimal gebeugt werden. „Im Schritt müssen Sie jedes einzelne Bein Ihres Pferd kontrollieren können“, sagt Anja Beran. Auch hier gibt es eine gute Übung, die das Pferd beweglich macht und die Beinkontrolle überprüft: anhalten, rückwärts, anhalten, den Hals lang lassen. Funktioniert die Übung, ohne dass das Pferd zackelt, haben Sie das richtige Tempo gefunden. Ist die Beweglichkeit des Pferds noch eingeschränkt, signalisiert es Abwehr: Es drückt den Hals weg, wehrt sich gegen den Schenkel oder verspannt sich im Rücken.

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Stappenbeck
Übertreten an der Hand ist gutes Stretching fürs Pferd.

Feste Pferde können ihre Beweglichkeit nur schwer verbessern. Über korrekte Seitengänge lockert das Pferd automatisch Kiefer und Genick. „Das Pferd muss unbedingt kauen“, sagt die Ausbilderin. Ist das Maul blockiert, ist das gesamte Pferd verspannt. Kein Muskel, der danach kommt, kann richtig arbeiten. „Ein Pferd geht nur über den Rücken, wenn es kaut“, sagt Anja Beran. Die Klassik-Ausbilderin trainiert nicht gezielt auf Kondition, sondern diese ergibt sich automatisch aus der dressurmäßigen Gymnastizierung.

Trainingstipp:

Anja Beran macht ihre Pferde durch sämtliche Seitengänge geschmeidig. Um effektiv trainieren zu können, müssen Sie die stärkere und schwächere Seite Ihres Pferds kennen. Auf der schlechteren Seite üben Sie den Seitengang ein Mal mehr. Das beste Beweglichkeitstraining: Wechseln Sie an einer langen Seite drei Mal zwischen Renvers und Travers.

Lösungsarbeit: So reiten Sie Ihr Pferd locker

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Fotokurs: Pferde Richtig rückwärts richten

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Fotokurs: Dressurrreiten mit Schwung

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