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Warum Arien Aguilar Trampeltiere trainiert

Arien Aguilar trainiert Trampeltiere Besserer Pferdetrainer durch Trampeltiere?

Zwei Trampeltiere sollen aus Arien Aguilar einen noch besseren Pferdetrainer machen. Und nicht nur sie: Ein halber Zoo erweitert den Horizont.

Den Kopf in die Höhe gereckt, wackelnde Oberlippe – der blonde "Sid" sieht fast aus wie ein genießerisches Pferd, wenn Horseman Arien Aguilar ihn krault. Wären da nicht die zwei Höcker und das Flausche-Fell, das jeden Isi toppt. Willkommen in der Welt der Trampeltiere!

Pferdetrainer Aguilar ist schon mitten im Kamel-Universum angekommen: Nicht nur den Sachkundenachweis für die Haltung von Kamelen hat er abgelegt. Er kann neuerdings mindestens 20 Ställe zwischen seinem Wohnort Ravensburg in Süddeutschland und Norddeutschland aufzählen, in denen man ein Kamel erstehen könnte. "Es gibt so etwas wie eine Kamel-Szene, aber viel kleiner als bei Pferden", erzählt der Trainer. "Zur Kamel-Ausbildung gibt es zum Beispiel nur ein Standardwerk."

Für das Projekt "Step One", das Arien Aguilar gemeinsam mit Pferdetrainerin und Influencerin Tanja Riedinger angestoßen hat, wollen die beiden Pferdprofis zeigen, wie sie mit einer für sie neuen Tierart arbeiten – und welche Fehler sie dabei machen. Das ist für die Teilnehmer ebenso aufschlussreich wie für die Ausbilder.

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Erstmal wälzen, wenn es hier so schön sandig ist. Die Gelegenheit für das Kommando „Down, down, down“ – so soll Fuego das Hinlegen wie von selbst lernen.

Der Profi fühlte sich grün hinter den Ohren

Die ersten Schritte mit den Kamelen waren herausfordernd: Im neuen Stall angekommen, fingen die beiden an, sich die Wolle vom Leib zu futtern – eine Verhaltensstörung, die der Verkäufer nicht erwähnt hatte. "Da habe ich mich gefühlt wie ein frisch gebackener Pferdebesitzer, der einen verkorksten Lusitano gekauft hat", sagt Aguilar und schmunzelt. Bei Pferden weiß er sich durch seine jahrelange Erfahrung meist direkt selbst zu helfen, doch die Kamele sind etwas anderes.

Zu Beginn ließen sie sich nicht einmal anfassen. "Wir ließen sie die Blätter von langen Ästen abfressen und haben sie dann mit den Ästen leicht berührt", erzäht der Trainer. Aus Protest ließen die Kamele regelrechte Schreie los – eine Angewohnheit, die man von den oft stumm ertragenen Pferden nicht kennt. "Kamele zeigen Unmut deutlicher." Nach und nach konnten die Trainer sich am Ast entlanghangeln und die Distanz zu den Kamelen verkürzen, bis diese sich schließlich mit der Hand berühren ließen.

Das war geschafft! Und auch die Fell-Marotte gab sich wieder, sobald die Kamele vom Stall auf ihre weitläufige Weide mit Unterstand umziehen konnten. Dennoch, ganz unkompliziert sind die Gesellen nicht. "Ed" ist nicht begeistert vor dem CAVALLO-Team zu zeigen, was er bereits gelernt hat und spuckt nach einem lauten "Püh" eine Portion Zerkleinertes in hohem Bogen aus. Kamele sind Wiederkäuer. Arien Aguilar reagiert gelassen. "Wenn man versucht sich zu schützen oder mit Gegenwehr reagiert, wird es nur schlimmer. Das wurde mir auch für den Umgang mit Pferden nochmal bewusster", so der Trainer.

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Trampeltiere sind zweihöckrige asiatische Kamele, die keine natürlichen Feinde haben. Auf treibende Signale reagieren sie kaum, sondern lassen sich eher ziehen – wie hier „Ed“ beim Longieren.

Anders als Pferde sind Kamele keine Fluchttiere. "In der Wüste haben sie keine natürlichen Feinde", erklärt Arien Aguilar. Ein Grund, warum sie viel weniger sensibel auf treibende Signale reagieren. Lieber lassen sich die Kamele durch Ziehen am Strick die Richtung zeigen. Kein Wunder, dass Karawanen so gut funktionieren!

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Pferde reagieren deutlich sensibler auf treibende Impulse und das Energielevel des Menschen als Kamele. Hengst Fuego lässt sich zum Galopp nicht zweimal auffordern.

Auch auf das Energielevel des Menschen reagieren die Trampeltiere längst nicht so fein wie Pferde. Noch sensiblere Antennen als Pferde haben übrigens Giraffen, mit denen Arien Aguilar auch schon im Zoo arbeitete. Doch Verhaltensunterschiede hin oder her: Letztlich gehe es in der Arbeit mit Tieren immer darum, Dinge zu erklären, findet Aguilar. "Man sollte nicht einfach einen Trick beibringen, sondern ein Prinzip." Ein Grundsatz stehe immer dahinter: Was das Tier als positiv empfindet, verstärkt ein Verhalten, heißt also "Ja"; was es als negativ empfindet heißt "Nein". "So kann man sogar Bakterien trainieren", weiß Aguilar. Lebewesen sind eben Lebewesen.

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Perspektivwechsel gefällig? Die beiden Mini-Schweinchen Roberto und Rosita sollen Horseman Aguilar neue Erkenntnisse fürs Training bringen.

Und die dürfen für den Pferdetrainer gerne auch mal exotisch sein: Seit kurzem züchtet er Pythons. Und selbst bei ihnen nutzt er Lerneffekte: "Zum Füttern kommen sie in eine kleine Box, in die ich mit einem Haken greife. Da reagieren sie viel aggressiver", erzählt er. "In ihrer normalen Umgebung kann ich mit der Hand hineingreifen, denn sie wissen, dass sie dort kein Futter bekommen."

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Er trainiert sie mit Hilfe von Rosinen und Target-Training. Berührt der Rüssel das gelbe Target, gibt es eine Rosine.

Einen ähnlichen Effekt habe sein Vater, Pferdetrainer Alfonso Aguilar, bei den Hengsten im französischen Nationalgestüt Avenches genutzt. "Zum Training gingen sie mit Knotenhalfter, zum Decken mit einem Lederhalfter. Trugen sie das Knotenhalfter, war es kein Problem, sie an den Stuten vorbeizuführen. Erst mit dem Lederhalfter wurde es aufregend", erklärt Aguilar.

Geht immer: Verhalten der Tiere verstärken

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Durch die Arme springen ...

Viele Trainingsmethoden funktionieren artübergreifend – auf manche kommt man mit Zootieren eher. Bei Pferden viel zu selten genutzt werde etwa die "Capture-Methode", bei der von selbst gezeigtes Verhalten bestärkt und mit einem Signal verbunden wird. Nicht nur Elefanten, die man nicht einfach in eine Richtung schieben kann, bringen einem so etwas nahe. Manchmal reicht schon ein zehnmonatiger Zwergpinscher, der sich ständig wie ein Teddy auf die Hinterpfoten setzt – und so das Signal "Bear" (Bär) fast selbst einfordert.

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... und „High Five“ geben sind nur zwei von Zwergpinscher Sams vielen Tricks. Gelernt hat er sie mit positiver Verstärkung.

Das Wichtigste über Kamele

Arien Aguilars Kamele "Ed" und "Sid" sind Trampeltiere und gehören zur Familie der sogenannten Altweltkamele. Dazu gehören neben den zweihöckrigen Trampeltieren aus Zentralasien auch Dromedare, die nur einen Höcker haben und aus Arabien stammen.

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Futter geht immer: Arien Aguilar belohnt die beiden einjährigen Kamelhengste „Ed“ (links) und „Sid“ im Training mit einer Mischung speziell für Kamele.

Neben den Altweltkamelen gibt es auch die biologische Gruppe der Neuweltkamele. Zu ihnen gehören verschiedene Arten: Lamas, Guanakos, Alpakas und Vikunjas, die in Südamerika zuhause sind.

Im Inneren der Höcker von Trampeltieren und Dromedaren befindet sich Fett, von dem die Tiere zehren können, wenn Nahrung knapp wird. Übrigens: Ob die Höcker prall gefüllt sind oder hängen, steht und fällt mit der Ernährung und gesundheitlichen Faktoren. Sind beide Höcker aufrecht, macht das ein Kamel wertvoller auf dem Markt. Wasser für bis zu drei Wochen können Kamele auch speichern, aber nicht in den Höckern, sondern in den Speicherzellen ihrer drei Mägen.

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Fast wie ein Pferd, das die Oberlippe kräuselt: Kamelhengst „Sid“ genieß die Krauleinheit sichtlich. Arien Aguilar nutzt sie als Belohnung.

Anders als Pferde sind Altweltkamele keine Fluchttiere und bewahren daher auch in Gefahrensituationen Ruhe. Sie haben ein ausgeprägtes Herdenverhalten und bleiben ungern allein.

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Arien Aguilar - Der Horseman ist auf die Freiarbeit und feine Verständigung mit Pferden spezialisiert.

Der Horseman ist auf die Freiarbeit und feine Verständigung mit Pferden spezialisiert. Er ist studierter Tierwissenschaftler mit Schwerpunkt auf Verhaltenskunde. In Zoos und Tierparks arbeitete er bereits mit verschiedenen Tieren wie Giraffen und Elefanten. Kamele waren für den Trainer bisher unbekannt.

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