Teil des
CAV Hilfszügel Teil 2 Bild 1 Wolschendorf

Hilfszügel: Knebel oder Hilfe?

CAVALLO-Serie: So setzen Sie Hilfszügel richtig ein

Mit Hilfszügeln bekommen Pferd und Reiter den Dreh beim Longieren oft leichter raus. Wann Ausbinder und Co. tatsächlich helfen und warum manche Trainer dagegen sind, steht in Teil zwei der Hilfszügelserie.

Unter Druck läuft nichts rund. Wer hofft, sein Pferd mit Hilfszügeln
automatisch sicher zu longieren, irrt. Denn das Ziel, das Pferd in Balance und zur Selbsthaltung zu bringen, erreicht man nicht durch Zwang. Dennoch können Hilfszügel das, was ihr Name verspricht: helfen.

Sofern sie richtig gewählt und angewendet werden. Die Entscheidung, ob, wie und wann sie bei der Arbeit an der Longe sinnvoll sind, hängt allein vom Pferd ab: Welches Ziel soll erreicht werden? Und: Wie ist die körperliche Verfassung des Pferds?

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Wegweiser für junge Pferde

CAV Hilfszügel Teil 2 Bild 5
Wolschendorf
Einseitige Lösung: Wird das Pferd nur auf einer Seite ausgebunden, bleibt es flexibel.

„Ich longiere sehr wenig mit Hilfszügeln“, sagt zum Beispiel Peter Kreinberg, Ausbilder aus Regesbostel. „Lösendes Longieren, Takt und Fleiß entwickeln geht meist auch ohne solche Hilfsmittel.“

Die Dressurausbilderin Elke Potucek aus Karlsruhe dagegen befürwortet Hilfszügel an der Longe. „Longieren ohne Hilfs-zügel ist Pferde-Schleudern“, sagt sie. Laut Potucek können Hilfszügel vor allem jungen Pferden den Weg weisen. „Sie können sich nicht gut biegen, sondern gehen lieber geradeaus und ziehen an der offenen Zirkelseite nach außen“, erklärt die Dressurreiterin.

„Autoequilibration“, sprich Eigenbalancefindung, ist laut Biomechaniker und Ausbilder Dr. Robert Stodulka aus Wien immer das erste Ausbildungsziel. Der Biomechaniker lehnt Hilfszügel zwar nicht pauschal ab, empfiehlt jedoch, von starren Systemen die Finger zu lassen. Besonders von Ausbindern für junge Pferde: „Sie sind zu steif, vor allem, wenn man den inneren auch noch kürzer schnallt.“ Wer das tut, provoziert Ver-spannungen und Widerstände. Von Anfang an.

Frisch von der Koppel sollten die Remonten also erst einmal ohne Hilfszügel anlongiert werden. „Erst wenn sich das Pferd von selbst, ohne Hilfszügel mit Stellung und Biegung sowie in Dehnungshaltung vorwärts bewegen kann, ist diese Phase abgeschlossen“, lehrt Stodulka.

Erst danach kommen Hilfszügel in Betracht: „Mit dem kurzzeitigen Einsatz eines auf beiden Seiten gleichlang verschnallten Ausbinders oder Wiener Zügels, um dem Pferd eine seitliche Begrenzung und eine Anlehnungsmöglichkeit zu bieten.“ Ein Muss ist das nicht. Stodulka: „Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob es überhaupt notwendig ist, nach dem Erreichen der Dehnungshaltung einen Hilfszügel zu verwenden.“ Schließlich könnte man in dieser Phase auch „direkt zu den vorbereitenden Mobilisationsübungen an der Hand und einem balancierenden Anreiten übergehen“. Mit einer Ausnahme: „Schlecht gebaute Pferde benötigen mehr Unterstützung als solche, die scheinbar schon von der Natur ins Gleichgewicht gesetzt worden sind.“

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Dressur
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Erst Longieren dann Anreiten

„Mit lang verschnallten Hilfszügeln kann das Pferd auch weiterhin seinen Kopf hochnehmen und wird dennoch leicht eingegrenzt. So lernt es spielend, locker an den späteren Zügel heranzutreten und hat hinterher unterm Sattel meist keine Angst vor einer leichten Reiterhand“, so Potucek.

Fehlende Balance, Unsicherheit oder ein übermütiger Charakter gebieten besondere Vorsicht beim Einsatz der Helfer. „Zu dieser Gruppe gehören Pferde, die zu panikartigen Reaktionen neigen, nachdem sie durch Verschnallsysteme misshandelt worden sind“, so Robert Stodulka. Er hat schon häufig beobachtet, dass sich Pferde an der Longe überschlagen, wenn sie beidseitig ausgebunden wurden. Sein Tipp: „Innen einseitig lang ausbinden, sodass der Hilfszügel locker durchhängt, das Pferd weniger arretiert und ihm sanft den Weg weist.“

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Hilfszügel für Angsthasen

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Kraufmann
Belohnung: Das Chambon hängt durch, wenn das Pferd den Hals fallen lässt.

„Das weiche Gummi gibt schneller nach. Ängstliche Pferde fühlen sich dann weniger eingezwängt.“ Auch Pferden, die Probleme haben, den Rücken aufzuwölben und die Tritte in der Hinterhand zu verstärken, können Hilfszügel beim Longieren nützen. Vor allem zügellahme Pferde sind oft zu fest im Rücken. Dann greift sogar Peter Kreinberg zeitweilig zu lang verschnallten Lauffer- oder Dreieckszügeln. „Bei Anlehnungsproblemen ist ausgebundenes Longieren jedoch keine Lösung“, so der Ausbilder. „Diese Probleme sind meist vom Reiter gemacht. Hier setze ich auf Arbeit an der Hand und Übungen unter dem Reiter, die Vertrauen, Losgelassenheit und Verständnis für die Zäumungseinwirkung fördern.“

Annette Stevenson, klassische Dressurausbilderin aus Oberderdingen bei Karlsruhe, longiert zügellahme Pferde am liebsten mit Chambon. „Es schränkt weniger ein und belohnt das Pferd, wenn es den Hals fallen lässt, indem es durchhängt“, begründet sie. „Jedoch sollte man damit auf einem geschlossenen Zirkel bleiben. Sonst driften mit Chambon ausgebundene Pferde gern über die äußere Schulter weg.“

Die Wahl des perfekten Hilfszügels ist die eine Seite, die Handhabung jedoch eine andere. Denn die Fehlermöglichkeiten sind nahezu unendlich.

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Korrektes Longieren setzt Können voraus

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Slawik
Der lange Ausbinder verhilft dem Schimmel zur natürlichen Selbsthaltung, zu Stellung und Biegung auf dem Zirkel.

Das gilt besonders für das Longieren mit Hilfszügeln. Robert Stodulka: „Meistens sind die Hilfszügel zu eng verschnallt. Sie wirken wie Flaschenzüge. Oder es werden zu kurze, billige Produkte verwendet, die Warmblütern nicht passen.“ Dann lieber keine Hilfszügel.

Niemals mit Hilfszügeln longiert werden sollen Pferde, die ohne die Helfer nicht mehr auf Körpersignale und Stimme reagieren. Ist ein Pferd nur noch unter Krafteinsatz auf dem Zirkel zu kontrollieren, sind sie ebenfalls fehl am Platz. Kreinberg: „Dies sorgt nur für weitere Unregelmäßigkeit im Bewegungsverhalten sowie unangenehme oder schmerzhafte Einwirkung.“

Fazit: Wer sein Pferd an der Longe gezielt fördern will, sollte dies fachgerecht tun. Hilfszügel können dabei wertvolle Unterstützung leisten, müssen es aber nicht. Stodulka: „Wenn ein Pferd im Gleichgewicht geht, braucht es keine Hilfszügel.“

Wie der Reiter-Sitz von Hilfszügeln profitieren kann, lesen Sie in Teil drei der CAVALLO-Hilfszügelserie.

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