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Fragwürdige Tapferkeits-Ideale in der Reiterwelt

Mutig ja, aber auch pferdefreundlich? Fragwürdige Tapferkeits-Ideale in der Reiterwelt

Unter Reitern ist Mut ein hoher Wert, wie eine Studie aus England zeigt. Wer diesem Ideal nicht entspricht, wird herabgesetzt und ausgegrenzt. Das fragwürdige Ideal kann rüde Trainingsmethoden fördern und der Pferde-Gesundheit schaden.

Mut ist für britische Reiter ein entscheidender Wert, zu diesem Schluss kam die Forscherin Rosalie Jones McVey. 14 Monate lang beobachtete sie den Alltag von 35 Reiterinnen und Reiter eines britischen Pensionsstalls, nahm Gespräche, Reitstunden und Wettkämpfe mit dem Diktiergerät auf und wertete Notizen aus. Die meisten Reiter waren Freizeitreiter. McVeys Erkenntnis: Waren Reiter ängstlich, wurden sie oft lächerlich gemacht, ausgeschlossen und herabgesetzt.

Besonders problematisch dabei: Reiter versuchten, ihre Angst-Probleme zu überwinden, indem sie sich selbst und dem Pferd gegenüber "taff" und hart wurden. Oft auch auf Verlangen ihrer Trainer. Besonders gefordert wurde Mumm vom Reiter, wenn das Pferd scheinbar widerspenstiges oder eigensinniges Verhalten zeigte. Oft unterstellten Reitlehrer ihren Schülern dabei, zu kneifen oder weich zu werden, während die Pferde angeblich willentlich die Führungsrolle des Reiters in Frage stellten. In Folge forderten Trainer beispielsweise Schüler dazu auf, die Gerte intensiv einzusetzen.

Suchten ängstliche Reiter nach alternativen Erklärungen für problematisches Verhalten des Pferds, etwa medizinische Diagnosen, verurteilten andere Reiter sie dafür. Sie wollten laut Stallkollegen nur vermeiden, ihre eigene Angst und den Wiederwillen ihres Pferds anzupacken. Das Verrückte dabei: Fast alle der 35 beobachteten Reiter hatten mit Angst zu tun – vom Nervenflattern in bestimmten Situationen bis zur lähmenden Angst. Letztere betraf eine Minderheit, diese war dadurch jedoch so eingeschränkt, dass sie das Reiten kaum mehr genießen konnte. Dennoch ritten sie weiter – Pferdeleidenschaft war ein zu wichtiger Teil von ihnen, um aufzuhören.

Programme, die Reitern helfen ihre Angst zu überwinden, ohne sie lächerlich zu machen und eine Art Kampf mit dem Pferd zu implizieren, seien gefragt, so die Forscherin als Ergebnis ihrer Studie. Diese könnten sich positiv auf das Pferdewohl und die Sicherheit der Reiter auswirken.

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