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CAV Schlaufzügel Hilfszügel Rädlein

CAVALLO-Serie: So setzen Sie Hilfszügel richtig ein

Hilfszügel: Chance oder Risiko fürs Pferd?

Hilfszügel sollen Haltungsfehler vermeiden. In der Praxis aber bergen sie Risiken und Nebenwirkungen. Teil eins der neuen CAVALLO-Hilfszügelserie zeigt, welchen Einfluss diese Helfer auf die Biomechanik des Pferds haben.

Segen oder Fluch? Hilfszügel spalten die Reiterwelt. Ihr Ruf ist meist schlechter, als ihnen gerecht wird. Denn korrekt eingesetzt weisen Hilfszügel durchaus den richtigen Weg: Sie wirken Haltungsschäden durch schlappe Muskeln oder Verspannungen entgegen.

„Hilfszügel ermöglichen unsicheren Reitern zwangloseres Sitzen und schonen parallel Maul und Rücken des Pferds“, sagt die ehemalige Schweizer Olympiasiegerin Christine Stückelberger. Der Grund: Ein richtig verschnallter Hilfzügel stellt für das Pferd bereits eine Art Verbindung dar, er ist quasi der Ersatz für die Reiterhand. Steht bei vollgestrecktem Hilfszügel der Pferdekopf kurz vor der Senkrechten, erreicht man eine gerundete Halsstellung, auch wenn überhaupt keine zusätzliche Zügeleinwirkung durch den Reiter stattfindet.

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Hilfszügel lassen Muskeln wachsen

CAV Hilfszügel Bild 3
Slawik
Der straffe Schlaufzügel schränkt die Mobilität dieses Isis stark ein.

Zudem lernen sie, Schubkraft und Balance zu entwickeln und bauen richtige und wichtige Muskeln auf. „Am besten geht das über Longen- oder Bodenarbeit“, sagt Dressurausbilderin Elke Potucek aus Karlsruhe.

Ähnliches gilt für Korrekturpferde: „Verrittene Pferde haben meist eine falsch entwickelte Muskulatur“, so Martin Plewa, Leiter der Westfälischen Reitund Fahrschule in Münster. „Ihnen können korrekt eingesetzte Hilfszügel helfen, die Muskulatur schonend zu formen.“

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Hilfszügel geben dem Pferd Halt

CAV Hilfszügel Bild 1
Rädlein
Der Ausbinder ermöglicht es der Reiterin, sich unabhängig vom Zügel in eine Lektion der hohen Schule einzufühlen.

„Das Pferd soll vertrauensvoll an das Gebiss herantreten“, so Plewa. „Anschließend soll es ihm möglich sein, sich am Gebiss abzustoßen und selbst zu tragen. Nichts anderes wird auch beim Reiten ohne Hilfszügel angestrebt.“

In der Praxis werden Hilfszügel auf drei Arten eingesetzt: nachgiebig, passiv-aushaltend oder ziehend. Beobachtet hat das Peter Kreinberg, erfahrener Trainer aus Regesbostel. Die Verwendung sei eine schwierige Gratwanderung, so der Ausbilder. Oft sind sich Reiter nicht bewusst, wie stark Hilfszügel wirken und wie sehr sie das Pferd irritieren können. Das Unwissen hat häufig körperliche Folgen: Statt die Muskulatur des Pferds zu formen und zu fördern, wird sie verspannt. Zudem nimmt das Pferd genau die Haltungsschäden an, denen Hilfszügel entgegenwirken sollen.

Kreinberg rät Reitern deshalb Zweierlei: Sie müssten lernen, sich in die Bewegung und das Muskelsystem des Pferdes hineinzuversetzen. Und sie sollten Hilfszügel nicht als passive Stütze missverstehen. „Erst dann kann ein Reiter den Kontakt zum Pferdemaul so dosieren, dass er ihm eine ausgewogene Mischung zwischen Spannen und Entspannen bietet.“

Am besten gelingt das mit Nachgiebigkeit. „Es spricht auch nichts dagegen, einen Hilfszügel kurzweilig anstehen zu lassen und das Pferd damit einzurahmen“, sagt Kreinberg.

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Hilfszügel machen Pferde mobil

CAV Hilfszügel Bild 2
Wolschendorf
Der Pferdehals ist eine wichtige Balancierstange. Er muss auch mit Hilfszügeln frei beweglich bleiben.

Ausweglos verrannt haben sich Reiter, die vor ihrem Pferd kapitulieren und Unvermögen per Hilfszügel ausgleichen möchten. „Ein schnell mit Hilfszügeln hindressiertes Pferd ist weder motiviert noch zufrieden“, sagt der Biomechaniker. „Nur ein Ausbildungsweg, der die Anatomie und Psyche des Pferdes respektiert, wird auch für dieses logisch nachvollziehbar sein und keinen Widerstand erzeugen.“

Möglich sein muss immer die Dehnung des langen Rückenmuskels (M. longissimus dorsi), der links und rechts der Wirbelsäule verläuft und beim Reitern stark gefordert wird. Er ist mit der Kruppenmuskulatur verbunden, die sich am Hinterbein nach unten zieht. Dehnt er sich, kann das Pferd mit der Hinterhand untertreten.

Kann es das nicht, weil ein Hilfszügel den Hals blockiert und die Aufwölbung des Rückens verhindert, zieht sich der Muskel zusammen und verhärtet. Das Pferd versucht, die schmerzende Partie zu schonen und läuft immer schiefer.

Für ein gesundes Zusammenspiel zwischen Hilfszügel und Biomechanik müssen diese nicht nur ausreichend, sondern auf beiden Seiten auch gleich lang sein. „Schnallt man zum Beispiel den inneren Ausbindezügel kürzer, um eine Innenstellung zu erzwingen, wird sich das Pferd dagegen wehren, indem es mit der Hinterhand nach außen auszuweichen versucht und durch Verspannungen im Halsbereich immer steifer wird“, erläutert Biomechaniker Stodulka.

Druck erzeugt Gegendruck. Empfindliche Pferde reagieren auf Halsverlängerer und Chambon oft mit Abwehr, weil ihnen das Gummi aufs Nackenband drückt. Oder lümmeln sich ohne Anlehnung auf die vermeintliche Stütze Hilfszügel – dessen Gewicht am Gebiss ein Pferd sofort wahrnimmt – und latschen auf der Vorhand.

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Schlaufzügel können wie Knebel wirken

CAV Hilfszügel Bild 5
Slawik
Lockere Ausbinder weisen den richtigen Weg in die Tiefe (oben). Sternenguckern (unten) könnten sie helfen.

Die Folge: Das Becken bleibt in Streckstellung, der Rücken kann sich nicht aufwölben, die Hinterhand nicht untertreten. „Mit solchen Unsitten nimmt man dem Pferd nicht nur die Balance, sondern man begünstigt Wirbelblockaden und Verspannungen“, sagt Stodulka. Hinzu kommen Zügellahmheit, Arthrosen der Halswirbelsäule oder Entzündungen und Muskelfaserrisse im Genick.

Einem Pferd kann man sein Einverständnis mit einem richtig eingesetzten Hilfszügel ansehen: „Ein losgelassenes Pferd gibt sein Genick frei, wenn es elastisch im Kiefergelenk nachfedert und murmelnde Bewegungen mit seinem Gebiss macht“, so Stodulka. „Dann, wenn es sein Maul öffnen und schlucken kann.“ Ursache ist die Muskelverbindung des Zungenbereichs zum Genick. Stodulka: „Ein Pferd, das nicht loslässt, presst seine Zähne fest aufeinander.“

Für Hilfszügel gilt daher: Weniger ist auch hier oft mehr. Wie Ihnen das an der Longe gelingt, lesen Sie in Teil zwei der neuen CAVALLO-Hilfszügelserie.

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