CAV Jagdreiten Marbach Kraufmann

So meistern Sie knifflige Situationen bei der Jagd

Jagdreiten: Sicher im Sattel

Sie wollten schon immer eine Jagd reiten, haben sich aber nie getraut? CAVALLO Redakteurin Diana Maier lernte von einem Schulpferd, worauf es dabei ankommt.

Mein Entschluss steht fest: In diesem Jahr reite ich bei der Herbstjagd mit, anstatt – wie sonst – den Stallgenossen einen schönen Ritt zu wünschen. Vorher muss ich einiges lernen: wie sich flotter Galopp im großen Pulk anfühlt, wie Bäume und Gräben zu springen sind, und wie man sich auf einen mehrstündigen Geländeritt vorbereitet.

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Ideal scheint da ein Jagdreitlehrgang im Haupt- und Landgestüt Marbach/Baden-Württemberg, das Schulpferde und eine Geländestrecke besitzt. Hauptsattelmeister Rolf Eberhardt teilt mir meinen vierbeinigen Lehrer für den eintägigen Kurs zu: Landuin, ein achtjähriger Fuchswallach aus eigener Zucht, in Springen und Dressur bis L ausgebildet und bei seinen Reitern beliebt. „Landuin ist eines der besten Pferde im Stall“, lobt ein Kursgenosse.

Vielleicht auch eines der faulsten? Die Frage stelle ich mir spontan, als ich die Boxentür aufschiebe. Landuin liegt lang und döst. Er hebt nicht einmal den Kopf. Aufstehen möchte er schon gar nicht. Ich klopfe vorsichtig auf seine Kruppe. Endlich erhebt er sich gemächlich. Mit diesem Pferd soll ich schnell und sicher über Geländehindernisse springen? Außer wenigen Minuten beim Putzen und dem kurzen Ritt auf das Kursgelände bleibt keine Zeit, mich mit dem Fuchs vertraut zu machen.

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Niedrige Hindernisse als Einstieg

„Konzentration! Da springt jetzt jeder einmal drüber“, verlangt Eberhardt. Er möchte sehen, ob Pferd und Reiter harmonieren. Bei einem Lehrgang auf Schulpferden kann das anfangs schwierig sein, weil die Reiter die Pferde noch nicht kennen.

Am ersten Sprung zeigt sich, welche Probleme auf die Reiter lauern: Verweigert das zugeteilte Pferd oder rast es kopflos übers Hindernis? Ausbildungsleiter Eberhardt gibt Tipps: „Wer ein Problempferd hat, lässt sich einfach mitziehen“, erklärt er einem Reiter, dessen Wallach am Sprung vorbeirennt. „Der alte Hase voraus, der Ausreißer hinterher.“ Schon klappt es.

Ein junges Mädchen auf einem Riesenschimmel mit Stockmaß um die 1,80 Meter hat das Tempo nicht im Griff. „Wenn der so schnell wird, setzt du dich tief in den Sattel und machst dich groß“, rät Eberhardt. „Nicht auf den Hals legen und warten, was passiert. Das ist ein Profi, der
springt alles.“ Der Wallach springt gut und gerne Meinen Fuchs soll ich „ruhig, aber mit Zug nach vorne“ reiten.

Während des Aufwärmens bekomme ich ein Gefühl für Rittigkeit und Raumgriff von Landuin. Schnell ist klar: Der Wallach springt gut und gerne und lässt sich an die Hindernisse heranreiten, ohne plötzlich los zu preschen.

Der erste Jagdsprung ist eine Natur-Kombi, also zwei Baumstämme hintereinander. „Zwischen den beiden reitet ihr die Distanz mit fünf Galoppsprüngen“, verlangt Rolf Eberhardt. Das klingt nicht nach Jagdreiten, sondern nach Springlehrgang. Aber exaktes Reiten und ein sicherer Leichter Sitz sind dem Hauptsattelmeister wichtig.

Nach gut einer Stunde Training haben wir ein Gefühl für Rhythmus und gleichmäßiges Tempo entwickelt. Wir sind bereit für neue, kniffligere Aufgaben.

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Kleine Sprünge, darunter auch feste Hindernisse, zum Aufwärmen.

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Vorsicht beim Bergab-Sprung

Gesagt, getan. Einer nach dem anderen trabt auf den querliegenden Baumstamm zu und hüpft mutig in die dahinter liegende Tiefe. Ich denke an Eberhardts Worte: „Den Oberkörper nicht so weit nach vorn nehmen, sonst wird der Bergabsprung zum Fiasko.“

Wer je bergab galoppiert ist, weiß, dass der Pferderücken durch den starken Vorwärts-Schub zum Schleudersitz werden kann. Beim Bergabsprung verstärkt sich dieser Effekt. Der Haken an der uns gestellten Aufgabe ist aber nicht die Körperhaltung, sondern der Herdentrieb
der Pferde.

Wer als letzter dran ist, hat Pech gehabt: Sein jetzt einsames Pferd will so schnell wie möglich zum Rest der Herde und rast los. Pferd steigt und wirft seinen Reiter ab. Alles geht gut, beide bleiben unverletzt.

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Mit viel Schub geht es bergab.

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Pferde im Gelände nicht überfordern

Auf die Frage, wie oft sie mit dem Pferd gesprungen ist, sagt sie: „Noch nie. Ich wollte das halt mal probieren.“ Das ist purer Leichtsinn. „Eine Jagd ist doch kein Spaziergang, da gefährden Sie sich und Ihr Pferd“, raunzt Rolf Eberhardt sie an und schüttelt den Kopf.

„Eine Cola mit Schuss, das wäre jetzt was – und a bissl Action“, tönt großspurig ein Reiter auf einem braunen Wallach. Wenige Minuten später ist Schluss mit der großen Klappe: Er steckt samt seinem Pferd im Sprung. Vor Schreck muss das Pferd pinkeln. Vor dem schwierigsten Hindernis der Strecke strauchelte das Tier und geriet mit seinen Vorderbeinen in den überbauten Graben. Der Mittvierziger führt sein Pferd von der Unglückstelle. Das unverletzte Tier zittert und pinkelt vor Schreck.

„Reiter, die sich überschätzen, sind das größte Problem bei einer Jagd“, kommentiert Rolf Eberhardt. Das verunglückte Paar bekommt erst einmal eine Verschnaufpause. Selbst Landuin, der bisher vor keinem Sprung zögerte, schaut irritiert in das dunkle Nichts unter der Holzplanke. Trotzdem reagiert er auf meine Hilfen und springt. Zögert ein Reiter in diesem Moment, geht alles schief. „Gut gemacht! Wenn die Pferde komisch gucken, einfach reiten, reiten, reiten“, ruft Rolf Eberhardt. Ich bin stolz. Die wahre Feuerprobe des Lehrgangs habe ich bestanden: Landuin vertraut mir und ich ihm. Ein gutes Gefühl.

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Wenn die Hindernisse größer werden, darf der Reiter nicht ins Zögern kommen.

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Das Reiten in der Gruppe üben

Auch Landuin wird wach. Er spitzt die Ohren, schüttelt den Kopf und galoppiert hitzig auf der Stelle. Mit leichten Paraden und ruhiger Stimme lotse ich ihn in die Mitte der Gruppe, damit er durch die Pferde vor ihm etwas gebremst wird.

Bergauf, bergab und in Schleifen galoppieren wir mit dem Pulk über die Sprünge, große Sätze, hohes Tempo. Jetzt, wo er endlich galoppieren darf, ist Landuin auch in der Gruppe tadellos zu regulieren. Wir jagen hinauf zu einer Straße. „Über den Teer wird nicht galoppiert, da pariert ihr vorher durch“, hat Rolf Eberhardt gefordert. Landuin ist ein tolles Pferd: Ich habe kein Problem, ihn zu stoppen.

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In der Gruppe reiten will geübt sein.

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Eine kleine Jagdgesellschaft

Für Landuin war das eine leichte Übung: Er ist so fit, dass er nur unter der Satteldecke ein wenig feucht ist. Ein Ritt durch den Gestütsbach soll die Beine unserer Pferde kühlen. Landuin ziert sich. Er will nicht ins kalte Wasser. Ich drücke meine Stiefel fester an seinen Bauch. Ein Huf landet im Bach. Für jeden weiteren Tritt ins Wasser lobe ich ihn. Schwupps ist er drin und marschiert brav durch die Lauter.

„Für mich war das Springen der Naturhindernisse eine neue Erfahrung. Gerade das Bergabspringen – so ein Gelände findet man zuhause selten“, sagt Klaus Wurmsdobler aus Hard am Bodensee. Er war beim Kurs, weil er sich auf eine Schleppjagd vorbereiten wollte. Neben dem anspruchsvollen Gelände war allen das Gefühl wichtig, welches das Reiten in einer größeren Gruppe vermittelt. Was es bedeutet, Pferde im großen Pulk im gestreckten Galopp über freies Feld zu reiten, lernen wir nachmittags auf der Probejagd.

Mit 30 Pferden geht es los, darunter wir acht Jagdnovizen. Im Galopp jagen wir über die Wiesen der schwäbischen Alb. Die Pferde bestimmen das Tempo, lassen sich auf den ersten Metern kaum zügeln. Wind braust in meinen Ohren, Adrenalin rauscht in den Adern. Mich schreckt das nicht, ich genieße es. Denn ich weiß: Mit Landuin kann mir nichts passieren. Wer auch von ihm oder einem seiner 20 Kollegen lernen will, kann sich in der Landesreitschule für einen Lehrgang anmelden.

Termine und Kontakt:

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Ein Fuchs im Wasser: Das Schulpferd ließ sich erstmal bitten.

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Interview: "Beine zu und drüber"

CAVALLO: Wie können sich Reiter
auf eine Jagd vorbereiten?

Eberhardt: Vor einer Jagd, bei der
auch feste Hindernisse gesprungen werden, ist es wichtig, Springunterricht zu nehmen. Reiter können üben, im leichten Sitz zu reiten und stärken dabei auch ihre Bauch- und Rückenmuskulatur. Nur dann verfügen sie über ausreichend Körperspannung, um selbst bei einem temporeichen Sprung über ein Hindernis nicht die Balance zu verlieren.

CAVALLO: Wie lässt sich das Tempo des Jagdgalopps trainieren?

Eberhardt: Um ein Gefühl für das Tempo zu bekommen, können Sie versuchen, Ihr Pferd im Gelände so schnell wie möglich galoppieren zu lassen. Dann merken Sie, wie rasant sich der Galopp bei rund 50 Stundenkilometern anfühlt. Wichtig für die Jagd ist, dass es die Pferde gewohnt sind, in einer Gruppe zu laufen. Kontrollierte Trainingsritte mit bis zu fünf Pferden, bei denen paarweise über eine freie Wiese galoppiert wird, machen es leichter, das Pferd im Jagdfeld zu kontrollieren.

CAVALLO: Was raten Sie einem Reiter, wenn sein Pferd heiß wird?

Eberhardt: Sollte sich ein Pferd wie ein Durchgänger verhalten und im Feld verrückt spielen, würde ich dazu raten, die Jagd abzubrechen. Oft haben die Reiter selbst nicht die Fitness und Kondition, einen Jagdritt unter solchen Bedingungen durchzustehen und gefährden dadurch andere Teilnehmer. Es ist aber auch den Versuch wert, ein heißblütiges Pferd ganz am Ende mit viel Abstand zum Feld zu reiten oder es weit vorne in einer der ersten Reihen zu versuchen.

CAVALLO: Was tun, wenn es vor einem Hindernis eng wird?

Eberhardt: Wenn Sie mittig im Feld reiten, hilft nur: Hand ran, Beine zu und drüber. Unbedingt an die eigene Linie halten, damit Sie anderen Reitern nicht den Weg abschneiden. Sind Sie am Rand des Jagdfelds, kann es helfen, das Hindernis zu umreiten. Es gilt: Wenn dem Reiter für die passende Distanz das Auge fehlt, wird es für ihn und alle Nachkommenden gefährlich. Deshalb empfehle ich jedem, an einem Vorbereitungskurs zum Jagdreiten teilzunehmen und viele Gruppenausritte zu machen. Da lernt man schnell die eigenen Grenzen kennen.

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Hauptsattelmeister Rolf Eberhardt.

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