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Tragkraft-Training: Übungen für den zweiten Monat

Tragkraft-Training (2) Mehr Tragkraft: 5 Übungen für den zweiten Monat

Folge 2: Wallach Bonaparte soll fit fürs Reiten werden. Im zweiten Trainingsmonat stehen klassische Handarbeit und Konditionstraining auf dem Plan.

Die Expertin

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Wir begleiten Jana Tumovec über ein halbes Jahr beim Training mit Bonaparte und zeigen, mit welchen Übungen sie aus ihm ein tragfähiges Reitpferd macht.

Wir begleiten Jana Tumovec über ein halbes Jahr beim Training mit Bonaparte und zeigen, mit welchen Übungen sie aus ihm ein tragfähiges Reitpferd macht. Tumovec kommt aus Eisenach und ist seit 20 Jahren Pferdeosteopathin und Physiotherapeutin für Menschen und Pferde. Sie bildet Fachleute zu "konzeptionellen Reha-Trainern Equine" aus – und konzipiert maßgeschneiderte Trainingspläne für ihre tierischen Patienten.

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Das Pony

Bonaparte ist ein sechs Jahre altes Connemara-Pony. Er kommt vom Händler. Dieser wollte ihn aussortieren, da der Wallach als Springpferd nichts taugte. Das Pony war nicht gymnastiziert, es konnte nur gerade über einen Sprung laufen. Zirkel? Unmöglich. Seine neue Besitzerin möchte, dass er ein gesundes und fittes Freizeitpferd wird. Bonaparte hat einen lieben Charakter, ist aber unaufmerksam – und eher langsam in seinen Reaktionen.

Body-Check

Die ersten vier Wochen Training machen sich bemerkbar – siehe Vorher-Bild

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Die ersten vier Wochen Training machen sich bemerkbar – Vorher-Bild.

und Nachher-Bild:

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Die ersten vier Wochen Training machen sich bemerkbar – Nachher-Bild.

Bonaparte wirkt runder und nicht mehr so schmächtig und kantig. Er hat deutlich Muskeln am Oberhals zugelegt. Die Kruppe ist runder. Der Rücken erscheint höher. "Das liegt an den Bauchmuskeln, die jetzt aktiver sind", erklärt Jana Tumovec. Das zeigt sich auch in der Bewegung: Bonaparte spannt nicht mehr sofort Unterhals und Rückenlinie an, sondern benutzt stattdessen seine Bauchmuskeln. Seine Koordination hat sich verbessert.

Übung 1: Konditionstraining im Trab

"Ein Freizeitpferd sollte mindestens zehn Minuten am Stück traben können", meint Jana Tumovec. Sie trainiert die Grundlagenausdauer im Trab mit Bonaparte drei Mal pro Woche. Dabei steigert die Physiotherapeutin die Anforderungen linear. Das heißt: In der ersten Woche trabt das Pferd an der Longe zwei Minuten auf jeder Hand, in der zweiten Woche drei Minuten, in der dritten Woche vier Minuten und in der vierten Woche sollten fünf Minuten pro Hand möglich sein.

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Übung 1: Konditionstraining im Trab: In der ersten Woche trabt das Pferd an der Longe zwei Minuten auf jeder Hand, in der zweiten Woche drei Minuten, in der dritten Woche vier Minuten und in der vierten Woche sollten fünf Minuten pro Hand möglich sein.

Vor dem Training checkt die Trainerin die Atemfrequenz in der Ruhe. Sie schaut dafür auf die Flanke und zählt die Atemzüge pro Minute. Bei Pferden sind es zwischen 8 und 16 Atemzügen, bei Ponys etwas mehr. Nach dem Konditionstraining ermittelt Tumovec die Atemfrequenz erneut, direkt nach der Belastung: "Bei Bonaparte steigt sie etwa auf 37 Atemzüge pro Minute. Das ist völlig normal." Werte ab 60 sind bedenklich. In dem Fall ist das Pferd überfordert. Schrauben Sie die Anforderungen zurück.

Handpferdereiten oder Spazierengehen: Jana Tumovec nimmt Bonaparte oft als Handpferd mit – und verlegt das Konditionstraining ins Gelände.

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Übung 1: Konditionstraining im Trab: Jana Tumovec nimmt Bonaparte oft als Handpferd mit – und verlegt das Konditionstraining ins Gelände.

Das Pferd baut dabei Ausdauer auf und lernt zugleich Umweltreize kennen. Schließlich soll Bonaparte ein ausgeglichenes Freizeitpferd werden. Alternativ können Sie auch mit dem Pferd spazieren oder joggen.

Physio-Effekt – Die drei K: Koordination, Kondition und Kraft – das sind für Jana Tumovec die elementaren Bausteine für jeden Muskelaufbau. Und schwerpunktmäßig hält sie sich im Training auch an diese Reihenfolge. Die Physiotherapeutin trainiert zuerst die Koordination, damit Pferde Bewegungsabläufe korrekt lernen. Dann baut sie die Grundlagenausdauer auf. "Wie wichtig das ist, unterschätzen viele Reiter", meint sie. "Aber Ausdauer schafft die Voraussetzung für einen guten Muskelstoffwechsel und damit auch für gutes Muskelwachstum."

Übung 2: Konditionstraining im Galopp

Im Galopp nehmen Sie nicht die Zeit, sondern zählen die Zirkelrunden. Schauen Sie zunächst: Wie viele Runden galoppiert das Pferd im guten Gleichgewicht an der Longe – ohne dass es schleudert oder sich verspannt? Bonaparte schafft fünf Zirkel.

Von diesem Ausgangswert aus steigert Jana Tumovec durch absteigendes Training die Kondition pyramidenartig: In jedem Durchgang muss Bonaparte eine Runde weniger galoppieren. Sie startet mit fünf Galopprunden auf dem Zirkel, dann bekommt Bonaparte eine Schrittpause, bis er keine aufgeblähten Nüstern mehr hat. Danach galoppiert das Pferd erneut – diesmal vier Runden. Pause. Drei Runden, Pause. Zwei Runden, Pause. Eine Runde, fertig! Danach wiederholt die Trainerin den Ablauf auf der anderen Hand.

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Übung 2: Konditionstraining im Galopp: Beim Pferd ist jeder Galoppsprung ein Atemzug. Das Problem bei Pferden mit schlechter Kondition ist, dass die Atemfrequenz hoch geht – die Pferde pumpen.

Konditionseffekt: Galoppkondition ist wichtig, da in der Gangart sonst Atemnot droht. Beim Pferd ist jeder Galoppsprung ein Atemzug. Das Problem: Bei Pferden mit schlechter Kondition geht die Atemfrequenz hoch – die Pferde pumpen. Natürlicherweise fällt das Pferd dann in den Trab, oder galoppiert so schnell, das Atmung und Galoppsprung zusammenpassen.

"Fordert der Reiter nun aber vom ohnehin schon pumpenden Pferd noch versammeltes Tempo und bremst, bekommt das Pferd schlecht Luft", sagt die Expertin. "Das zeigt, wie wichtig die Kondition ist – als Voraussetzung für Krafttraining." Zudem gilt im Galopp: Während der Einbeinstütze trägt nur ein Bein des Pferds die gesamte Last. Fehlt dazu die Kraft, führt das zu Verschleiß von Sehnen und Knochen.

Die Pyramide wirkt dagegen: Die größte Anstrengung steht am Anfang des Trainings, wo das Pferd noch am meisten Kraft hat. Außerdem erhält sie die Freude an der Arbeit. "Viele Pferde zählen irgendwann mit", meint die Trainerin. Sie verinnerlichen schnell das System und wissen, dass sie von Runde zu Runde weniger leisten müssen.

Übung 3: Anhalten und Losgehen

Klassische Handarbeit vorbereiten: Als Ausrüstung braucht das Pferd eine normale Trense mit Zügeln. Der Reiter trägt Handschuhe und nimmt eine Gerte zum Touchieren mit. Bonaparte hat als Vorbereitung gelernt, frei mit Trense neben Jana Tumovec zu laufen. Anhalten und Vorwärts hat sie dabei mit Stimmkommandos und Körpersprache geübt. "Ich will das Pferd nicht unnötig am Gebiss stören – denn da wünsche ich mir eine feine Einwirkung." Zudem sollte das Pferd das Touchieren mit der Gerte bereits kennen, da diese sehr nah am Pferdekörper ist.

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Übung 3: Anhalten und Losgehen: Zum Losgehen dreht Jana Tumovec die Schulter auf – das ist fürs Pferd das Kommando zum Starten.

Als Aufwärmprogramm nutzt Jana Tumovec Tempiwechsel und Volten an der Longe, wie sie im ersten Teil geübt wurden. Diese Übungen hat Bonaparte bereits verinnerlicht.

Tipps zur Handhaltung: Die innere Hand fasst den Zügel dicht am Gebiss. Die Hand mit dem äußeren Zügel schwebt am Hals. "Ich stütze die Hand nie dort ab. Das würde das Pferd nur animieren, dagegen zu drücken. Außerdem spüre ich bei Körperkontakt nicht gut, ob ich Verbindung am Zügel habe", meint die Physio-Expertin. In dieser Hand liegt auch die Gerte zwischen Daumen und Zeigefinger.

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Übung 3: Anhalten und Losgehen: Die innere Hand fasst den Zügel dicht am Gebiss. Die Hand mit dem äußeren Zügel schwebt am Hals.

Jana Tumovec stellt sich vor, dass der Mähnenkamm wie eine Umlenkrolle wirkt: Das Bild hilft, mit dem äußeren Zügel korrekt Richtung unten einzuwirken – und nicht nach hinten zu ziehen. "So kommt die Hilfe korrekt im Maulwinkel an und löst den Kaureflex aus."

Nutzen Sie klare und stets gleiche Stimmkommandos wie "Los" und "Halt" und kombinieren diese mit Ihrer Körpersprache. Zum Losgehen dreht Jana Tumovec die Schulter auf – das ist fürs Pferd das Kommando zum Starten. Schulter aufdrehen heißt: Ihre innere Schulter bewegt sich vom Pferd weg ins Bahninnere. "Das Pferd soll auf das Schultersignal hin den ersten Schritt machen. Dann laufe ich einfach mit – und zwar im leichten Seitengang, so verkrampfen meine Schultern nicht."

Zum Anhalten bleibt die Verbindung zum Zügel konstant. Das Signal kommt über den Körper. Die Trainerin dreht ihre Schulter Richtung Pferd. Anfangs hat sie sich mit dem ganzen Körper wie ein Block vor Bonaparte gestellt, damit der Wallach das Kommando versteht. "Das konnte ich bei Bonaparte machen, weil wir den Raumanspruch schon in der Bodenarbeit geklärt hatten", erklärt sie. Respektieren Pferde noch nicht den Raum des Menschen, sollten Sie zuerst daran arbeiten.

Das Pferd bleibt nicht stehen? Bauen Sie eine Volte ein und halten danach an. Büffelige Typen wie Bonaparte können Sie zusätzlich auch zwei bis drei Tritte rückwärtsrichten. "Diese Aufgaben machen das Pferd aufmerksam. Es lernt, auf den Menschen zu achten." Drängelt das Pferd mit der Schulter nach innen, ticken Sie es mit dem Gertenknauf am Schulterblatt an.

Übung 4: Übertreten auf dem Mittelzirkel

Bauen Sie sich mit Hütchen oder Ufos Tore als optische Hilfen.

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Übung 4: Übertreten auf dem Mittelzirkel: Bauen Sie sich mit Hütchen oder Ufos Tore als optische Hilfen. So finden Sie die Bahnlinien leichter.

So finden Sie die Bahnlinien leichter. "Gerade bei großen Pferden verliert man sonst schnell die Orientierung in der Bahn", weiß Jana Tumovec. Das Pferd geht auf dem Mittelzirkel, Sie daneben. Das Übertreten leitet die Trainerin aus dem Vorwärts ein. Das Pferd ist nach innen gestellt. Die Trainerin dreht ihren Bauchnabel Richtung Pferdebrust. So kommt sie leicht vors Pferd und bremst es.

Das Pferd verkürzt sich und tritt hinten über. Der äußere Zügel begrenzt: Geben Sie dort kurze Paraden im Takt des Schrittes – immer dann, wenn das innere Hinterbein abhebt. Üben Sie anfangs eine halbe Zirkelrunde und steigern die Anforderungen langsam. Bonaparte kennt das Übertreten bereits aus der Arbeit am Kappzaum und schafft schon eine ganze Zirkelrunde.

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Übung 4: Übertreten auf dem Mittelzirkel: Bonaparte kennt das Übertreten bereits aus der Arbeit am Kappzaum und schafft schon eine ganze Zirkelrunde.

Klassische Handarbeit erfordert vom Pferd eine hohe Konzentration. Sie sollte anfangs nicht länger als 10 bis 15 Minuten dauern.

Physio-Effekt: Die klassische Handarbeit schult Bewegungsabläufe, Kraft und Koordination."Sie ist wie Dressur ohne Reitergewicht",sagt die Trainerin. Das Pferd lernt das Übertreten, ohne noch zusätzlich das Reitergewicht ausbalancieren zu müssen. Es fällt dem Pferd außerdem leichter, den Rumpf aktiv anzuheben. Das ist wichtig, damit das Pferd Gewicht später auf gesunde Art tragen kann.

Übung 5: Die Schaukel

Bei der Schaukel tritt das Pferd langsam eine Pferdelänge rückwärts. Dann geht es ohne Halt sofort wieder ins Vorwärts. Das innere Hinterbein setzt zwischen vor- und rückwärts nicht ab. "Das Pferd soll mit der Hinterhand nach vorne starten – das ist auch für den Reiter als Gedankenbild wichtig."

Zum Rückwärts stellt sich Jana Tumovec vors Pferd und geht gerade auf die Pferdebrust zu. Reagiert Bonaparte nicht, drückt sie leicht auf den Nasenriemen. Außen begrenzt die Bande seitlich, innen die Gerte.

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Übung 5: Die Schaukel: Außen begrenzt die Bande seitlich, innen die Gerte. Als optische Hilfe legen Sie sich eine Gasse mit Stangen oder Hütchen im dritten Hufschlag.

Als optische Hilfe legen Sie sich eine Gasse mit Stangen oder Hütchen im dritten Hufschlag. Den Wechsel ins Vorwärts leitet sie wieder mit dem Aufdrehen der inneren Schulter ein.

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Übung 5: Die Schaukel: Den Wechsel ins Vorwärts leitet sie wieder mit dem Aufdrehen der inneren Schulter ein.

Außerdem touchiert sie das innere Hinterbein des Pferds. Die Wiederholungszahl ist individuell. "Es gilt der Grundsatz: So oft das Pferd kann – ohne zu verkrampfen." Drückt das Pferd gegen den Menschen, läuft schief, stolpert oder schlägt mit Kopf und Schweif, sollten Sie ihm eine Pause gönnen.

Physio-Effekt: Bei der Schaukel verkürzt sich das Pferd, hebt den Rumpf an und kippt sein Becken. Viele Reiter nutzen die Schaukel als vorbereitende Übung zur Piaffe. Jana Tumovec findet: Jedes Pferd sollte Schaukeln können. "Es ist einfach eine super Übung, um dem Pferd Bewusstsein für seine eigene Hinterhand zu verschaffen." Die Schaukel ist Krafttraining fürs Pferd. Bei solchen Übungen ist es wichtig, langsam zu arbeiten. Das fördert exzentrische Muskelarbeit, bei der sich der Muskel in der Belastung dehnt.

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