Rittigkeit verbessern: Parcours-Pläne vom Spring-Profi

5 Parcours-Pläne für jedes Niveau
Höhenflüge ohne Hürden

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.03.2026
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Emilia Schlüsselburg mit ihrer Stute "C'est l'amour".
Foto: Rädlein
Sven Schlüsselburg
Sven Schlüsselburg
Der Experte

Für Einsteiger, junge Pferde & den Galopp

CAVALLO

Das braucht ihr: je nach Aufbau eine bis acht Stangen (runde Holzstangen mit Haltern gegen Wegrollen sichern) oder Cavaletti. Bei ganz jungen Pferden empfehlen sich zusätzlich Ständer, um den "Sprung” einzurahmen. Stellt die Ständer an das Stangen- ende, das zur Bahnmitte zeigt.

So baut ihr den Parcours auf: Beginnt mit je einer Stange auf dem ersten Hufschlag, die in der Mitte der langen Seiten liegen. Das könnt ihr nach und nach auf fünf Stangen ergänzen (siehe Reit-Tipps). Mitte der kurzen Seite könnt ihr ebenfalls je eine Stange hinlegen.

Reit-Tipps vom Profi: Jeder fängt mal klein an. "Bei jungen Pferden lege ich zuerst nur eine einzelne Stange hin und lasse sie im Schritt, Trab und Galopp drüber gehen”, erklärt Sven Schlüsselburg. Wenn das flüssig klappt, nimmt er Stange für Stange für die Galopparbeit dazu (Abstand: 2,50 bis 3 m, bei Pferden mit großrahmigem Galopp auch 3 bis 3,50 m).

Durch den Aufbau könnt ihr die Wege ändern: etwa mal nur ganze Bahn reiten (rosa Linie) oder die Stangen an der langen Seite auf einer Zirkel-/Oval-Linie einbauen (gelbe Linie). Wechselt zwischendurch durch die ganze Bahn.

Das bringt’s euch: Zwei- wie vierbeinige Stangen-Neulinge bekommen Routine und Sicherheit. Aber auch erfahrenere Reiter und Pferde profitieren, weil sich der Rhythmus im Galopp verbessert.

Wechsel der Distanzen

CAVALLO

Das braucht ihr: Fünf Stangen (auch die wieder gegen Wegrollen sichern) oder fünf Cavaletti auf niedrigster Stufe.

So baut ihr den Parcours auf: Zwei Stangen legt ihr schräg in die Ecken, die nächste ungefähr auf den Bahnpunkt X. An der langen Seite legt ihr die Stangen direkt an den Hufschlag. Die Distanz zwischen ihnen sollte 17 m betragen; das sind vier Galoppsprünge. Bei einer 20 x 60 m Reitbahn könnt ihr die Distanz auch auf fünf Galoppsprünge vergrößern (20 bis 21 m).

Reit-Tipps vom Profi: Die fünf Stangen eröffnen euch ganz schön viele Möglichkeiten. Beginnt zum Beispiel mit der blauen Linie: Von der kurzen Seite aus die Distanz über die beiden Stangen an der Bande nehmen, aus der Ecke kehrt und über die nächste Stange, direkt danach abwenden und über die Stange bei X reiten. Oder ihr reitet (gelbe Linie) über die obere Stange, direkt danach eine Volte zur Bahnmitte, zurück zum Hufschlag und dann auf die Distanz. Danach wendet ihr ab und nehmt die Stange bei X noch mit. Andere Variante (rosa Linie): Eine Volte über die Stange in der unteren Ecke und im Anschluss durch die ganze Bahn wechseln über die Stange bei X – so habt ihr gleich noch den Galoppwechsel mit dabei. Das kann auch helfen, den fliegenden Galoppwechsel zu erarbeiten.

Das bringt’s euch: Ein schnelles Auge, weil ihr immer die nächste Stange im Blick haben müsst, und durch die Distanz ein besseres Gefühl für den Rhythmus; eure Pferde werden durch die Wendungen geschmeidiger.

Parcours zum Zirkeln

CAVALLO

Das braucht ihr: zehn Stangen (runde Holzstangen mit Haltern gegen Wegrollen sichern) oder Cavaletti auf niedrigster Stufe. Je nach Bedarf Sprungständer auf der Innenseite der Stangen.

So baut ihr den Parcours auf: Legt je eine Stange mittig an die kurze Seite (also bei A und C). Von dort aus legt ihr auf der Zirkellinie jeweils zwei Stangen links und rechts in Richtung Zirkelpunkte. Abstand der Stangen: 2,50 bis 3 m im Galopp (bei großrahmigem Galopp 3 bis 3,50 m).

Ihr könnt den Abstand auch variieren: Auf dem einen Zirkel macht ihr den Abstand der Stangen etwas weiter (z.B. 3 m), auf dem anderen etwas enger (z.B. 2,50 m).

Reit-Tipps vom Profi: Fangt auf der großen Zirkellinie an. "Wichtig ist, die Stangen anfangs mittig zu nehmen”, sagt Sven Schlüsselburg. Klappt das gut, könnt ihr die Linie technisch anspruchsvoller machen: indem ihr mal weiter außen reitet (für größere Galoppsprünge) und mal weiter innen (für versammelnde Effekte).

Klappt? Dann wechselt die Reitwege ab, etwa indem ihr aus dem Zirkel wechselt (mit einfachem oder fliegendem Galoppwechsel, gelbe Linie), eine Volte bei X einbaut (rosa Linie) oder eine Kehrtvolte (blaue Linie).

Das bringt’s euch: Der Parcours verbessert die Biegung und macht Pferde wendiger. Unterschiedliche Abstände helfen, Galoppsprünge zu vergrößern oder etwas zu versammeln.

Parcours-Vielfalt für jedes Niveau

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Das braucht ihr: acht Stangen (wie immer gegen Wegrollen sichern) oder Cavaletti auf niedrigster Stufe. Für echtes Parcours-Gefühl könnt ihr auch jede Stange links und rechts mit Ständern einrahmen.

So baut ihr den Parcours auf: An einer langen Seite legt ihr zwei Stangen im Abstand von 13 m (entspricht drei Galoppsprüngen) auf den zweiten Hufschlag. Rechts von dieser Linie platziert ihr wie ein sehr breit gefächertes V zwei weitere Stangen. Rechts davon schließt sich eine Kombination an (Abstand 6,80 m; entspricht nach Landung und Absprung einem Galoppsprung dazwischen). Die Distanz zwischen den Stangen sollte 20 m betragen.

Emilia Schlüsselburg mit ihrer Stute "C'est l'amour".
Rädlein

Reit-Tipps vom Profi: "Die Besonderheit dieses Parcours liegt daran, dass man ihn dem reiterlichen Niveau anpassen kann”, sagt Sven Schlüsselburg. "Ich nutze ihn gerne in meinen Lehrgängen.”

Eine Variante, wie ihr den Parcours reiten könnt, haben wir euch rechts skizziert. Hier sind die Wege relativ lang, ihr könnt die Stangen in Ruhe taxieren. Die einzige etwas engere Wendung kommt nach der Kombination in die Ecke.

Das bringt’s euch: Der Galopprhythmus verbessert sich, ihr könnt anhand der Linien eure Hilfenführung überprüfen; und die Rittigkeit profitiert natürlich auch.

Tempo-Variationen

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Das braucht ihr: acht Stangen, die ihr mit Haltern gegen Wegrollen sichert, oder acht Cavaletti auf niedrigster Stufe.

So baut ihr den Parcours auf: Beginnt mit der Kombination auf der Mittellinie: Legt diese drei Stangen im Abstand von jeweils 3 m so auf die Mittellinie, dass die oberste Stange beim Bahnmittelpunkt X liegt (entspricht dann In-Outs). Von dort aus legt ihr Stangen mit einer Distanz von 13 m auf die Mittellinie (3 Galoppsprünge); Stangen im 45-Grad-Winkel daneben. Neben den Stangen auf der Mittellinie liegen auf Höhe mit etwa 1 m Abstand dazu.

Reit-Tipps vom Profi: "Den Parcours habe ich gemeinsam mit meinem Trainer entworfen”, erzählt Sven Schlüsselburg. Der Springreiter nutzt diese Variante gerne vor Turnieren für seine etwas älteren, erfahrenen Springpferde; so verlieren die Vierbeiner keine unnötige Kraft über Trainingssprünge, aber werden trotzdem optimal für die Prüfung vorbereitet.

Denn: "Mit diesem Parcours kann ich elastisch das Tempo variieren. Ich habe Distanzen drin, auf denen das Pferd etwas mehr nach vorne gehen kann. Die Wendungen verbessern Biegung und Stellung, und das Pferd muss sich hier zurücknehmen”, so Schlüsselburg.

Emilia Schlüsselburg mit ihrer Stute "C'est l'amour".
Rädlein

Eine mögliche Variante, wie ihr den Parcours reiten könnt, haben wir euch in der Grafik rechts skizziert. Die Wendungen nach den Stangen 2 und 6 entsprechen Voltengröße; die Pferde müssen dafür gut an den Hilfen stehen und Volten durchgaloppieren können, um hier nicht ins Stocken zu geraten.

Eine andere Variante mit etwas größeren Wendungen wäre: Startet ebenfalls über der ersten Stange links; danach reitet ihr – quasi auf einer größeren Zirkellinie – auf der linken Hand los und dann in einem großen Rechtsbogen über die 4er-Stangen. Ihr könnt auch zunächst nur mit dem oberen Teil beginnen und euch hier die Volten erarbeiten.

Das bringt’s euch: Der Parcours ist anspruchsvoll, aber gerade deshalb hat er so viele gute Trainingseffekte. Weil die Stangen dicht auf dicht folgen und die Wege daher exakt geritten werden müssen, verfeinert ihr so automatisch eure Hilfengebung und die Rittigkeit eurer Pferde.