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10 Regeln fürs Muskeltraining von Pferden

Pferde-Muskeln richtig trainieren

Wissen Sie, welcher Muskel-Typ Ihr Pferd ist? Die wichtigsten Regeln für gutes Muskeltraining.

Lassen Sie den Muskeln Zeit zum Wachsen

Erwarten Sie nicht, dass Ihr Pferd in wenigen Wochen zum Muskelpaket wird. Bei intensivem Training wachsen Muskeln zwar recht schnell. „Das darf nicht das Ziel sein“, sagt Pferdeosteopathin Barbara Welter-Böller. Denn andere Strukturen im Pferdekörper, die mit der Muskulatur zusammenhängen, sind deutlich unflexibler.

„Sehnen brauchen zum Beispiel zwei Jahre, um sich anzupassen“, betont Welter-Böller. Trainiert der Reiter sein Pferd zu schnell auf, ziehen die starken Muskeln an Sehnen, Bändern und Gelenken. Vor allem bei jungen Pferden, die schnell Leistung zeigen sollen, hat das oft gesundheitliche Folgen. Durchtrittigkeit oder Sehnenprobleme könnten entstehen.

Häufig wird dem Pferd zu früh Kraftarbeit abverlangt. Manche Reiter erarbeiten viele Übungen an der Hand, um ihr Pferd zu schonen. Doch untrainierte Pferde sind mit versammelnden Lektionen überfordert. Diese eher statische Arbeit in gesetztem Tempo ermüdet die Muskulatur sehr schnell. Deshalb ist es wichtig, das Pferd zunächst mit reinem Bewegungstraining aufzubauen, zum Beispiel an der Longe.

Anspannen und Loslassen

Muskeln, die über einen zu langen Zeitraum hinweg anspannt sind, verkrampfen. Fürs Training ist das kontraproduktiv: Ist die Muskulatur verspannt, kann sie nicht richtig arbeiten. Deshalb muss auf eine Arbeitsphase immer eine Entspannungsphase folgen. Barbara Welter-Böller empfiehlt: „Die Arbeitsphasen sollten nicht länger als fünf Minuten dauern und die Entspannungsphasen dürfen bis zu fünf Minuten lang sein.“

Reiten Sie zu lange in einer Gangart, ist das für Ihr Pferd auf Dauer verschleißend. Die Muskeln verkrampfen und können die Belastungen auf den Bewegungsapparat nicht mehr abfangen.

Verändern Sie immer wieder den Rahmen, indem Sie die Nase Ihres Pferds vorlassen und wieder zurücknehmen. So vermeiden Sie, dass Ihr Pferd sich verspannt, weil es Kopf und Hals in einer statischen Position halten muss. Das Pferd soll dabei Ihrer Hand mit der Nase folgen und die Zügelverbindung aufrecht erhalten.

Pausieren Sie nicht im Stehen. Dann ist der Wechsel zwischen Anstrengung und Entspannung zu abrupt. Halten Sie Ihr Pferd in der Bewegung. Es kann sich auch im Schritt am langen Zügel gut erholen.

Berücksichtigen Sie, welcher Typ Ihr Pferd ist

Entscheidend für das Training ist, mit welchem Typ Pferd Sie es zu tun haben. Denn seine Veranlagung bestimmt, ob es ein guter Ausdauersportler ist oder schnell über einen kurzen Zeitraum viel Kraft entwickeln kann.

Die Unterschiede sind oft rassebedingt. Araber sind zum Beispiel auch auf langen Distanzen schnell und ausdauernd. Quarter Horses wurden gezüchtet, um schnelle Sprints hinzulegen. Und Kaltblütern liegt am meisten die Kraftarbeit im langsamen Tempo.

Wie das Pferd veranlagt ist, hängt mit seinen Muskelfasern zusammen. Die Muskulatur von Pferden besteht immer aus einer Mischung von zwei Muskelfasertypen. Der höhere Anteil eines Fasertyps bestimmt, was das Pferd leisten kann.

Die roten Muskelfasern, auch Slow-Twitch-Fasern genannt, arbeiten langsam, sind aber ausdauernd. Zu den Rassen, die einen hohen Anteil an roten Muselfasern haben, gehören zum Beispiel Kaltblüter.

Weiße Muskelfasern oder Fast-Twitch-Fasern arbeiten schnell. Man unterscheidet hier zwei Gruppen: Muskelfasern, die ausdauernd sind, und Muskelfasern, die schnell ermüden. Warmblüter zum Beispiel haben einen hohen Anteil an ausdauernden Muskelfasern. Muskelfasern von Galoppern (Englische Vollblüter) oder Quarter Horses ermüden schneller.

Die roten und die weißen Muskelfasern unterscheiden sich durch ihre Anspannungszeiten. Rote Slow-Twitch-Fasern brauchen 20 bis 25 Sekunden, bis der Reiz zur Verdickung des Muskels ausgelöst wird. Weiße Fast-Twitch-Fasern lösen schon nach 15 bis 20 Sekunden eine Muskelkontraktion aus. Das wirkt sich aufs Training aus: Da Fast-Twitch-Fasern schneller anspringen, brauchen Pferde, die zu diesem Muskeltyp gehören, meistens eine längere Lösungsphase. Auch sind sie oft empfindlicher gegenüber Kälte und Nässe. Dann sind sie für eine schützende Regendecke dankbar.

Sie können aus Ihrem Pferd keinen anderen Muskeltypen machen. „Mit gezieltem Training ist es zwar möglich, den Anteil an bestimmten Fasern zu erhöhen oder zu verringern. Doch das geht nur bis zu einem bestimmten Grad“, sagt Pferdeosteopathin Barbara Welter-Böller.

Ihr Pferd darf keinen Stress haben

Nur lockere Muskeln können richtig arbeiten. Ein verspannter Muskel ist schlechter durchblutet, was ihn in seiner Funktion einschränkt. Der Muskelstoffwechsel funktioniert dann nicht mehr. Anstatt kräftiger zu werden, baut der Muskel sogar ab, weil er überfordert ist.

Die Losgelassenheit Ihres Pferds ist also entscheidend für den Muskelaufbau. Deshalb können Sie nur gut trainieren, wenn Ihr Pferd gesund ist und keine Schmerzen hat. Ebenso wichtig: Die psychische Verfassung. Beginnen Sie erst mit der Arbeit, wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Pferd ist entspannt. Nervöse, sensible Typen haben oft einen hohen Muskeltonus und neigen dazu, sich zu verspannen. Mit solchen Pferden sollten Sie in ruhiger Umgebung arbeiten und besonderes Augenmerk auf die Lösungsphase legen.

Reiten Sie nur, wenn es Ihnen gut geht

Ihr Sitz spielt beim Reiten eine große Rolle. Wenn Sie nicht entspannt im Sattel sitzen, wird auch Ihr Pferd sich nicht losgelassen bewegen können.

Beißen Sie sich deshalb beim Reiten nicht fest, wenn mal etwas nicht so gut klappt. Bevor Sie in einem solchen Moment in Versuchung kommen, auf einem Problem „herumzureiten“, tun Sie Ihrem Pferd den Gefallen und parieren Sie durch. Denn sonst kommen Sie in einen Teufelskreis: Je angespannter Sie werden, desto weniger gut kann Ihr Pferd die gewünschte Übung ausführen.

So lösen Sie die Situation am besten: Machen Sie eine Pause im Schritt, lassen Sie die Zügel lang und atmen Sie tief aus, bis Sie sich wieder entspannter fühlen. Erst dann können Sie weitermachen. Manchmal ist aber einfach der Wurm drin. Dann sollten Sie das Training vorzeitig beenden.

Versuchen Sie grundsätzlich, mit einem Lächeln in den Sattel zu steigen. Das klappt natürlich nicht jeden Tag. Waren Sie im Job über mehrere Stunden hinweg stark gefordert, ist Ihre Laune nach Feierabend im Keller und die Motivation, in den Stall zu fahren, nicht besonders groß.

Würden Sie nun reiten, wäre der Trainingseffekt gleich Null. Denn Ihr Pferd hat feine Antennen für Ihre Stimmungen. Und selbstverständlich spürt es auch beim Reiten, wenn Ihr Sitz vor Anspannung fest
und unbeweglich ist.

An solchen Tagen sollten Sie also lieber mal Fünfe gerade sein lassen und mit Ihrem Pferd einen Spaziergang machen.

Vermeiden Sie zu langes Dehnen

Dachten Sie immer, in der Dehnungshaltung könne Ihr Pferd komplett entspannen? Pustekuchen! Denn die korrekte Dehnungshaltung ist für Ihr Pferd tatsächlich anspruchsvolle Arbeit.

Vor allem für junge oder untrainierte Pferde ist es anstrengend, den Spannungsbogen von der Hinterhand über den Rücken nach vorne Richtung Reiterhand aufrechtzuerhalten. Kann Ihr Pferd die Dehnung nicht mehr halten, können Sie das als Reiter daran spüren, dass es beginnt, schwer in der Hand zu werden.

Vermeiden Sie daher langes Reiten in Dehnungshaltung, wenn Ihr Pferd dafür noch nicht genug Kraft hat. Wirkliche Entspannung erreichen Sie in diesem Fall, indem Sie Schrittpausen einlegen und häufig den Rahmen verändern. Versuchen Sie herauszufinden, in welcher Kopf-Hals-Position Ihr Pferd sich am wohlsten fühlt.

Hilfszügel helfen nicht beim Training

Wir wissen: Verspannungen entstehen, wenn das Pferd seine Kopf-Hals-Position nicht verändern kann. Deshalb dürfen Sie Ihr Pferd niemals in einer konstanten Einstellung festhalten – weder mit den Zügeln noch mit anderen Mitteln.

Hilfszügel sind aus diesem Grund im Training alles andere als hilfreich. Sie sind nichts anderes als eine harte, unflexible Reiterhand, die das Pferd in einer bestimmten Position fixiert. Jegliche Art von Zwangshaltung führt auf Dauer dazu, dass die Muskulatur sich verpannt und überlastet.

Kein Wunder also, dass ausgebundene Pferde sich schlechter bewegen. Bei eng verschnallten Ausbindern werden die stärksten Abweichungen vom normalen Bewegungsablauf gemessen.

Nach dem Training lange Pausen einlegen

Muskeln müssen sich erholen können. „Je nachdem, wie intensiv eine Trainingseinheit war, braucht ein Pferd für die Regeneration bis zu sieben Tage“, erklärt Pferdeosteopathin Barbara Welter-Böller. Das bestätigt eine aktuelle Studie italienischer Wissenschaftler. Sie fanden heraus, dass Springpferde, die an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden starteten, Symptome von Muskelüberlastung zeigten. Eine Trainingspause von fünf Tagen ist also nach einer starken Beanspruchung nicht ausreichend.

Legen Sie also unbedingt trainingsfreie Tage ein. Durch das Training werden Reize gesetzt, die den Muskel anregen, zu wachsen. So ein Reiz entsteht dadurch, dass der Muskel über sein Leistungsvermögen hinaus beansprucht wird. Nun werden Stoffwechselprozesse in Gang gesetzt, die den gestressten Muskel regenerieren und zusätzliche Muskelmasse aufbauen, um künftigen Belastungen besser gerecht zu werden. „Im Idealfall setzen Sie einen überschwelligen Reiz alle drei Tage“, sagt Welter-Böller. Dazwischen ist mindestens 48 Stunden Pause mit leichter Bewegung angesagt.

Deshalb sind auch Koppeltage gut für den Muskelaufbau. Hier hat das Pferd genug Bewegungsanreize. Außerdem erlaubt: Lockere Arbeit unter dem Sattel, Bodenarbeit oder ein Ausritt.

Immer warm- und trockenreiten

Kein Sportler sprintet sofort los, ohne sich vorher gründlich aufzuwärmen. Das gilt auch fürs Pferd.

Nach mindestens fünfzehn Minuten Schritt darf das Training starten. Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke werden dadurch auf die Belastung vorbereitet. Bei kalter oder nasser Witterung sollten Sie noch fünf Minuten dranhängen.

Nach der Abeit muss der Stoffwechsel herunterfahren. „Dazu braucht der Körper etwas Zeit“, erklärt Trainerin Daniela Schinko. Deshalb ist das Trockenreiten genauso wichtig wie das Warmreiten, auch wenn das Pferd nicht geschwitzt hat.

Übrigens: „Übermäßiges Schwitzen kann ein Zeichen dafür sein, dass Sie Ihr Tier überfordert haben“, betont Schinko. Beobachten Sie Ihr Pferd genau. Zeigt es Anzeichen von Überlastung? Wenn es zum Beispiel stark schwitzt, pumpend atmet, vermehrt mit dem Schweif schlägt oder beginnt, sich auf die Hand zu legen, sollten Sie dem Pferd eine Pause gönnen und die Anforderungen zurückschrauben.

Trainieren Sie fürs "Gedächtnis"

Muskeltraining hat mit Koordination zu tun. Es schult Bewegungsabläufe und Reaktionsvermögen. Deshalb sollten Sie sich fürs Muskelaufbau-Training Zeit lassen. Das zahlt sich aus. Hat der Muskel ausreichend Pausen, um zu wachsen und sich mit den umgebenden Strukturen zu verknüpfen, gleicht das einem körperlichen Lernprozess. Es wird davon ausgegangen, dass einmal angelegte Strukturen nicht ganz verloren gehen und so schneller wieder aufgebaut werden können. In der Sportmedizin spricht man vom „Muskelgedächtnis“:

Ein gut traininertes Pferd findet nach einer langen Pause schneller wieder in seine Form zurück. Oft wundern sich Reiter, dass sich Ihr Pferd danach noch genauso anfühlt wie zuvor. Das deutet darauf hin, dass Sie alle wichtigen Regeln fürs Muskeltraining beachtet haben. Mit vollem Erfolg!

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