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Mimik der Pferde: Gestresst oder konzentriert?

Pferdegesichter richtig deuten

Mimik, Bewegung und Schweif zeigen, wie sich das Pferd beim Reiten fühlt. So deuten Reiter die Signale für Dauerstress, anstrengende Lektionen und Komfort.

Die Ohren sind zur Seite geklappt, Maul und Nüstern wirken verkniffen. Ist das Pferd gerade total gestresst, wird es gar gequält oder zeigt einfach nur eine kräftezehrende Lektion? Der Grat zwischen Anspannung und Verspannung ist beim Reiten so schmal wie eine Wäscheleine.

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Verhaltensexperten erklären, wie Reiter Anzeichen für Stress unterm Sattel erkennen, deuten – und warum selbst fein gerittene Pferde mal gestresst sein dürfen. Wer den körperlichen und psychischen Zustand eines Pferds beurteilen möchte, braucht mehr als eine einzige Momentaufnahme. Gerade Fotos können einem schnell einen Streich spielen, wenn sie einfach nur im falschen Moment entstanden sind.

Etwa, weil das Pferd kurz mit dem Schweif geschlagen hat, das Maul öffnet, weil es gerade zufrieden auf dem Gebiss kaut oder sich für einen Augenblick hinterm Zügel verkriecht und aussieht, als würde es gerollkurt. Man muss genau hinschauen, ob das scheinbar gestresste Pferd gerade korrigiert wird oder voll konzentriert in einer schweren Lektion steckt. Das ist auch der Grund, warum CAVALLO kritische Berichte etwa zum Thema Rollkurreiten immer mit Videos begleitete und Serienaufnahmen machte.

Im Prinzip besteht das ganze Leben aus Stress – das ist beim Pferd genauso wie beim Menschen. Sobald etwas Neues kommt, läuft im Körper blitzartig Schema F ab und macht den Organismus fit für Leistung, Flucht oder Angriff. Der Begriff „Stress“ kommt aus dem englischen und bedeutet übersetzt schlicht „Belastung“.

Wissenschaftler haben beim Menschen herausgefunden, dass bei einer außergewöhnlichen Belastung im Körper Anpassungsreaktionen ablaufen: Die Nebennierenrinde – die Adrenalin-Fabrik des Körpers – vergrößert sich stark, Immunorgane wie Milz und Lymphknoten schrumpfen. Krankheiten breiten sich leichter aus. Magengeschwüre wuchern.

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Stress kann sinnvoll sein

Forscher unterscheiden zwischen gutem (Eustress) und bösem Stress (Distress). Diese beiden Begriffe sind nur schwer voneinander abzugrenzen. Stress ist biologisch sehr sinnvoll und die Wissenschaft hat keine Hinweise darauf, dass häufiger, aber kurzer Stress schädlich ist. Was allerdings genau erforscht ist: Hält er lange an, hat er negative Folgen und macht krank. Wie ein Pferd auf Stress reagiert, ist rasseund typbedingt.

Manche zeigen es in Mimik und Körpersprache, andere fressen Frust unsichtbar in sich hinein und erstarren. Im Reitsport ist ein aufmerksames Pferd gefragt, das sensibel auf Hilfen reagiert – und eben auch sensibler auf alle möglichen anderen Umweltreize. Gerade blütige Pferde wie Araber drücken Anspannung oft früher und deutlicher aus. Die Ohren klappen seitlich und nach unten weg, die angespannte Unterlippe tritt als Kinn sichtbar hervor, die feste Oberlippe ist spitz nach vorn gestreckt. Kaltblüter sind eher Gemütsathleten.

Ihr Temperament ist weniger erregbar, dafür reagieren sie bei zu viel Stress oft einfach, indem sie sich gar nicht mehr bewegen. „In der Landwirtschaft waren genügsame Pferde gefragt, die sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen ließen“, sagt Dr. Willa Bohnet, Verhaltensexpertin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Also züchtete man gezielt mit Tieren, die nicht schnell auf 180 waren. Pferde einer Rasse lassen sich dennoch nicht über einen Kamm scheren.

Die Charaktere können höchst unterschiedlich sein. Das zeigt eine Studie mit 70 Hannoveraner- Hengsten. Forscher der Tiho Hannover konfrontierten sie mit einem vorher unbekannten Umweltreiz. „Die Hengste reagierten komplett unterschiedlich“, sagt Willa Bohnet. Während manche cool blieben, flippten andere regelrecht aus. Wie hoch der Stresslevel eines Pferds ist, lässt sich aus verschiedenen Aspekten ableiten.

Ein guter Indikator für die Belastung eines Pferds unterm Sattel ist seine Bewegung und korrekte Muskulatur. Ein gelassenes Pferd zeigt runde Bewegungen, es fußt weich, taktklar und losgelassen. In anstrengenden Lektionen sollte sich am Bewegungsmuster nichts ändern, wenn es die Übung beherrscht und nicht überfordert ist.

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Das Pferd ist angestrengt. Die Ohren lauschen zur Reiterin. Danach geht es entspannt.

Mimik der Pferde: Gestresst oder konzentriert?

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Kraftraubende Lektionen

Ein angespannter Gesichtsausdruck bei kräftezehrenden Lektionen wie Galopp-Pirouetten, die volle Konzentration fordern, ist hingegen normal. Dabei muss das Pferd einen Großteil seines Gewichts auf die Hinterhand bringen. Das kostet ähnlich viel Kraft wie Klimmzüge am Reck. Und dabei sieht auch kein Mensch ganz locker aus. Bei lösenden Lektionen wie etwa Schenkelweichen oder in der klassischen Wohlfühlhaltung beim Dehnen vorwärts-abwärts sollte jedes gesunde Pferd entspannt sein. Wer mit seinem Pferd arbeitet, muss mit Stress rechnen.

„Es gibt immer Momente, in denen das Pferd mal kurz angespannt ist“, sagt Sonja Weber, Verhaltensbiologin und Ausbildern aus Frankfurt am Main. „Bei gutem Dressurreiten bedeutet Training eine Weiterentwicklung des Pferds ähnlich wie bei einer Physiotherapie. Dabei kommt man an Bereiche, die fürs Pferd im ersten Moment nicht angenehm sind“, erklärt Weber. Sobald das Pferd seine Komfortzone verlässt, kann es Stress zeigen. Der darf aber nur von kurzer Dauer sein. „Ich möchte ja das Pferd über seine Blockade hinwegschubsen“, sagt Sonja Weber.

„Gelingt es, bin ich in Sachen Gymnastik danach um Längen weitergekommen.“ Ob der Druck zu viel war oder nicht, zeigt das Pferd in der nächsten Entspannungsphase. Geht es gelöst am langen Zügel oder schnaubt zufrieden ab, war die Arbeit gut. Wurde zu viel verlangt, kommt das Pferd nur schwer wieder runter, zackelt im Schritt oder wird am langen Zügel eilig.

Psychische und körperliche Belastung werden zu einem gesundheitlichen Problem fürs Pferd, wenn sie zum Dauerzustand werden. Im schlimmsten Fall resignieren gestresste Pferde komplett und lassen alles ohne Abwehr über sich ergehen. Wissenschaftler sprechen von erlernter Hilflosigkeit. Die sieht man vielfach bei Pferden, die gerollkurt werden: Kopf auf die Brust gezogen, keine Sicht nach vorn, kaum Luft zum Atmen – eine emotionale und körperliche Katastrophe fürs Pferd. Hat ein Pferd Dauerstress hinter sich, ist es besonders schwer, diese Verhaltensmuster wieder aufzubrechen und zu beseitigen.

Das spiegelt sich oft lange im gesamten Ausdrucksverhalten. Ist ein Tier etwa immer wieder beim Piaffieren mit groben Hilfen drangsaliert worden, wird es selbst unter dem feinsten Reiter angespannt wirken, obschon es willig und konzentriert mitarbeitet.

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Lisa Rädlein
Dieses Pferd in Zwangshaltung mit engem Hals zeigt deutlichen Stress. Das Maul ist stark angespannt.

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Der Schweif ist das klarste Stress-Signal

„Am Schweif sieht man am deutlichsten, wenn sich Pferde unwohl fühlen“, sagt Kathrin Kienapfel, Diplombiologin mit Schwerpunkt Biomechanik und Verhaltensforschung aus Bochum. Sie hat das Ausdrucksverhalten von Pferden beim Reiten untersucht. Bei einem lockeren, zufriedenen Pferd pendelt der Schweif entspannt.

Schlägt das Pferd dagegen ständig damit, klemmt es ihn ein oder schleudert ihn wie einen Propeller, ist es verspannt. Dieses Verhalten zeigten in Kienapfels Studie vor allem Pferde, die mit der Stirnlinie hinter der Senkrechten geritten wurden. Der Umkehrschluss lässt sich jedoch nicht ziehen:Hängt der Schweif ruhig, ist das Pferd nicht zwangsläufig entspannt. Denn resignierte Pferde zeigen meistens nicht einmal mehr diese Abwehrreaktion.

Die Stellung der Ohren ist auch ein guter Indikator für Stress. Gestresste Pferde halten die Ohren seitlich, der Waagerechten genähert; die Ohrmuschelöffnung ist nach unten und hinten gerichtet, das Ohrenspiel eingeschränkt. Nach vorne gespitzte Ohren sind eher selten. Sie zeigen, dass das Pferd seine Aufmerksamkeit nach vorne gelenkt hat. Normalerweise sind bei einem konzentrierten Pferd die Ohren schräg nach hinten zum Reiter gerichtet.

Im Rückwärts können sie auch noch mehr nach hinten zeigen, weil das Pferd in Bewegungsrichtung hört, aber nicht sieht. Bewegen sich die Ohren desorientiert und nervös nach allen Seiten, ist das Pferd irritiert. Flach angelegte Ohren sind eine Drohgebärde. In der Freiheitsdressur sieht man häufiger Pferde mit angelegten Ohren – selbst bei Trainern, die tatsächlich mit wenig Druck arbeiten. Ein Grund fürs giftige Gesicht können falsch eingesetzte, süße Trainingshelfer sein: Manche Ausbilder arbeiten mit Futterlob, dadurch entwickeln Pferde Futterneid. Eine weitere Erklärung: „In der Freiheitsdressur bewegt man sich in einem Grenzgebiet zwischen Dominanz und Spiel“, sagt Kienapfel.

Das ist ganz natürlich: Wer spielende Pferde in der Herde beobachtet, sieht ebenfalls angelegte Ohren. Stress aus Pferdeaugen abzulesen, ist schwierig. Sie sollten wach und interessiert, aber nicht starr oder leer wirken. Die „Spiegel der Seele“ täuschen den Betrachter leicht: „Pferde mit großen Oberlidern wirken genau wie Menschen mit großen Oberlidern melancholisch und unglücklich. Mit dem Gemütsoder Stresszustand muss das nicht zusammenhängen. Gerade auf Fotos kann das einen falschen Eindruck vermitteln“, sagt Verhaltensforscherin Willa Bohnet. Was leichter zu erkennen ist: Pferde mit extrem tiefer Halseinstellung drehen die Augen krampfartig nach oben, um besser sehen zu können.

Ob das Pferd entspannt ist, sich voll aufs Training konzentriert, sich kurz über eine Korrektur des Reiters ärgert oder unter zu viel Stress leidet, zeigt letztlich der Gesamteindruck. Dafür muss man genau hinsehen.

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Das Pferd zeigt Lektionen, die weniger anstrengen. Es lässt den Schweif locker hängen.

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CAVALLO Experten aus diesem Artikel

Kathrin Kienapfel, Diplom-Biologin aus Bochum: „Pferde zeigen Stress besonders am Schweif. Er schlägt, ist eingeklemmt oder dreht sich wie ein Propeller.“

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Sonja Weber, Dressurausbilderin und Biologin aus Frankfurt am Main: "Manchmal muss ein Pferd für einen kurzen Moment aus der Komfortzone raus. Nur so kommt man weiter.“

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Dr. Willa Bohnet, Verhaltensexpertin aus Hannover: „Wie stressanfällig ein Pferd ist, hängt von Rasse und Temperament ab. Jedes Tier reagiert auf Reize unterschiedlich."

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