Ende gut, alles gut Lisa Rädlein

12 Expertentipps für ein optimales Trainingsende

So finden Sie den richtigen Schlusspunkt

4 Experten geben 4 Tipps, wie Sie das Ende Ihres Pferdetrainings optimal gestalten.

3 Tipps von Richard Hinrichs

Ende gut, alles gut
Lisa Rädlein
Richard Hinrichs bildet Pferde und Reiter in der klassischen Reitkunst aus und ist Präsident des Bundesverbands für klassisch barocke Reiterei Deutschland. Er lernte bei Arthur Kottas-Heldenberg und Egon von Neindorff. Er leitet das Institut für Klassische Reiterei Hannover. www.ifkrhannover.de

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5 Expertentipps So beenden Sie Ihr Training mit dem Pferd richtig
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Mein Pferd soll stolz sein auf seine Leistung. Dazu muss es genau wissen, wenn es etwas richtig gemacht hat. Wenn ich eine neue Lektion übe, sitze ich darum sofort ab, sobald sie sich in die gewünschte Richtung entwickelt. Danach noch ziellos im Schritt oder Trab um die Bahn reiten? Das gibt es bei mir nicht. Für das Pferd muss das Training nach dem ersten Lernerfolg ganz klar beendet sein. Puls und Atmung beruhigen sich auch auf Weide oder Auslauf. Müsste das Pferd in die Box, gehen Sie nach dem Training eine Runde ins Gelände oder führen das Pferd. Wichtig ist, dass es einen deutlichen Kontrast zwischen Arbeitsphase und Entspannung gibt! Kann ich bei einer neuen Lektion einmal keinen Lernerfolg erreichen, beende ich das Training mit einer anderen Lektion, die das Pferd gut kann und gerne zeigt. Sobald diese geklappt hat, ist die Einheit beendet.

„Braaav“ statt „prima“

Bei mir gibt es ein Zwischenlob (ein kurzes „prima“ oder „gut“) und ein Endlob (ein langes „braaav“). Die Pferde lernen sehr schnell, dass mit dem Endlob das Training beendet ist und sie etwas besonders gut gemacht haben. Wichtig ist, als Reiter konsequent zu unterscheiden und beides nicht durcheinander zu bringen.

Vom Blick ins Gesicht

Bei der Arbeit an der Hand beobachte ich das Pferd fast ständig aus dem Augenwinkel. Verändert sich seine Mimik ins Negative, weiß ich, dass das Pferd bald nicht mehr mitmachen wird. Das habe ich von Kurt Albrecht, meinem Lehrer an der Spanischen Hofreitschule, gelernt. Er sagte: „Schauen Sie Ihren Schülern ins Gesicht, und Sie wissen, wie weit Sie gehen können.“ Das gilt nicht nur für Reiter, sondern auch für Pferde. Auch vom Sattel aus achte ich auf die Ohren und Spannungen im Pferdekörper.

Ende gut, alles gut
Lisa Rädlein
Wer ein gutes Ende findet, hat ein zufriedenes Pferd.

3 Tipps von Andrea Bethge

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Andrea Bethge hat mehrere Pferde bis Grand-Prix-Niveau ausgebildet und stellt auch Pferde in dieser Klasse vor, die durch ihr Temperament oder körperliche Probleme echte Herausforderungen sind. Sie unterrichtet auf ihrer eigenen Anlage in Münchehagen und gibt international Lehrgänge. www.andreabethge.de

Positive Feedbackschleife

Ich versuche, mit meinem Pferd ständig im Dialog zu sein – es bekommt von mir auf jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung ein positives Feedback. Dadurch kann ich jederzeit mit einem positiven Gefühl aufhören. Manchmal muss ich mit einem Pferd aber Widerstände überwinden oder ihm eine Regel erklären (etwa, dass es anhalten muss, wenn ich das Signal dazu gebe). Auch dann zeige ich dem Pferd, sobald es richtig reagiert, dass es das toll gemacht hat. Dennoch höre ich mit solchen Korrekturen nicht auf, sondern mache lieber noch etwas anderes, was dem Pferd leicht fällt, um das Training rundum positiv abzuschließen.

Auf'm Absprung!

Wenn ich mit einem Pferd eine neue Lektion übe und etwas ganz toll klappt, lasse ich sofort meine Zügel bis auf das Schnallenende los und springe vom Pferd – bei höherem Tempo deute ich das zumindest an und sitze dann sofort ab, wenn das Pferd stehenbleibt. Sobald ich unten bin, gibt es eine Hammerparty für das Pferd: Ich zeige ganz deutlich meine Freude und feiere das Pferd. Das geht mit durchkraulen, dem Pferd erzählen wie toll es ist und Leckerli. Das ist ein würdiges Trainings-Finale.

Grenzen beachten

Anders als menschliche Sportler, die an ihre Grenzen gehen, verstehen Pferde nicht, warum ihnen nach dem Training alle Muskeln wehtun. Ich gehe darum nie über die Grenzen des Pferds und versuche aufzuhören, schon bevor ich Müdigkeitsanzeichen wahrnehme.

Ende gut, alles gut
Lisa Rädlein
Wer das Pferd bei der Freiarbeit zum Abschluss zu sich ruft, verknüpft das Kommen auf Zuruf fürs Pferd mit Positivem.

2 Tipps von Thomas Günther

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Lisa Rädlein
Thomas Günther ist Pferdetrainer und möchte Brücken zwischen dem professionellen Westernsport und Natural Horsemanship bilden. Er ist EWU-Trainer A und unterrichtet nach seinem Konzept „pro ride“ auf seiner Anlage im nordhessischen Fuldatal. www.pro-ride.net

Den Schluss zum Lernen nutzen

Ich setze an den Schluss des Trainings gerne eine Lektion, die das Pferd schon kann, die ich aber gerne weiter fördern und für das Pferd mit Positivem verbinden möchte. Das kann zum Beispiel das Ablegen auf den Boden sein – so verbindet das Pferd diese Lektion mit Entspannung und wird sie noch lieber ausführen. Wenn ich gerade Freiarbeit mache, übe ich gerne als letztes noch mal, dass das Pferd auf Zuruf zu mir kommt – danach hat es dann Feierabend und speichert diese Übung als etwas Tolles ab.

Übungen zerlegen

Am Schluss einer Trainingseinheit sollte mein Pferd verstanden haben, was ich von ihm will und nicht mit Frust oder Unverständnis aus dem Training gehen. Klappt das mit einer vollständigen neuen Lektion nicht, gehe ich am Ende zurück zu einem Teilschritt – etwa den Hufen auf der Rampe beim Verladetraining oder einem Kompliment als Vorübung zum Ablegen. So geht das Pferd mit einem guten Gefühl aus dem Training und kann beim nächsten Mal gut wieder starten.

2 Tipps von Uta Gräf

Ende gut, alles gut
Lisa Rädlein
Uta Gräf ist Pferdewirtschaftsmeisterin, bildet Dressurpferde aus und stellt sie bis Grand-Prix-Niveau erfolgreich auf Turnieren vor. Seit einigen Jahren ist sie Landestrainerin für die Dressurreiterinnen mit Handicap. Sie lebt auf Gut Rothenkircherhof in Kirchheimbolanden. www.gutrothenkircherhof.de

Individueller Abschluss

Ich beende das Training je nach Pferd unterschiedlich. Typen, die sich leicht anspannen und bei neuen Lektionen auch mal gestresst sind, tut es oft gut, am Ende nochmal am halblangen Zügel vorwärts-abwärts zu traben. Bei lockeren Pferden kann ich dagegen auch direkt nach einer gelungenen Lektion aufhören. Auch das Temperament spielt eine Rolle: Wird ein Pferd beim Vorwärtstraben eher stürmisch, ist es besser, am Schluss nur noch Schritt zu reiten – sonst komme ich in Diskussionen mit dem Pferd, das wäre schlecht. Uta Gräf

Feinheiten korrigieren

Ich lehne den Schluss des Trainings gerne an die Linien an, die ich vorher beim Üben einer Lektion geritten bin. Bin ich also im Training häufig die Diagonale geritten, um Galoppwechsel zu trainieren, mache ich das gegen Ende des Trainings noch ein paar Mal ohne die Lektion. Habe ich an den langen Seiten oder durch die Mitte der Bahn Trabverstärkungen geübt, reite ich diese Linien noch mal in einem entspannten Trab. So kann ich einen Gang runterschalten und dabei zugleich kleine Ungenauigkeiten ausbügeln – nämlich, dass das Pferd die Übung auf der jeweiligen Linie schon vorwegnimmt, statt auf mein Signal zu warten. Uta Gräf

2 Tipps von Anke Recktenwald

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Lisa Rädlein
Anke Recktenwald ist Lehrerin für die Tellington TTouch Methode Level 3. Zudem ist sie unter anderem Feldenkraispädagogin und unterrichtet nach der Centered-Riding-Methode von Sally Swift. Sie lebt in Marpingen im Saarland. www.ankerecktenwald.de

Den Fokus verändern

Für einen guten Schluss muss ich mir bewusst machen, was ich vorher trainiert habe: War Konzentration nötig, wie beim Reiten in der Bahn? Habe ich Konditionstraining gemacht oder an der Tragkraft gearbeitet? Ist das Pferd noch fröhlich und munter nach konzentrierter Arbeit, darf es einfach mal locker vorwärts laufen in der Bahn oder wir gehen eine Runde ins Gelände. Nach Tragkraft-Übungen oder Konditionstraining steige ich ab, löse den Gurt und mache zum Beispiel gern TTouches. Verbringen Sie noch etwas Wohlfühlzeit mit Ihrem Pferd. Die meisten Pferde lieben es, mit uns zusammen zu sein – wir sind für sie die interessanteste Abwechslung im Alltag. Ganz wichtig finde ich, dem Pferd Danke dafür zu sagen, dass es sein Bestes gegeben und sich bemüht hat – auch wenn das Training vielleicht einmal nicht so erfolgreich war. Denn das tun sie immer, und Ihre echte Anerkennung schätzen Pferde mehr als den schnellsten Weg zurück zur Koppel. Es muss kein Futter sein! Freuen Sie sich einfach wirklich – gerne auch vor dem Schluss.

TTOUCH für eine gute Regeneration

Der Sattel übt beim Reiten Druck auf die Muskulatur aus und das Gewebe zusammen. Es wird schlechter durchblutet. Der Zick-Zack-Touch sorgt dafür, dass das Gewebe sich besser regeneriert. So geht’s: Lockern Sie nach dem Absitzen den Sattelgurt und fahren mit der Hand unter die Auflagefläche – so wird der Druck weniger plötzlich weggenommen, als wenn Sie sofort absatteln. Legen Sie die Fingerspitzen an der Schulter zwei Handbreit unterhalb der Wirbelsäule aufs Fell und streichen Sie schräg bis zu den Dornfortsätzen. Öffnen Sie dabei langsam die Finger. Ziehen Sie die Hand in einer anderen Spur wieder zurück und schließen die Finger – als würden Sie im Sand spielen. Fahren Sie so in Zick-Zack-Linien über die gesamte Sattellage.

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