So schätzt du Distanzen und Linien richtig ein

Runde Zirkel, gerade Linien - Distanzen einschätzen
Auf den Punkt geritten

ArtikeldatumVeröffentlicht am 21.09.2026
Als Favorit speichern
Zulegen im Galopp
Foto: Rädlein

Ob im Springparcours oder in der Dressurstunde: Um Distanzen einschätzen zu können, müssen Reiter verschiedene sensorische Fähigkeiten trainieren. Etwa das Auge – sowohl in der Umgebung, in der sie mit dem Pferd unterwegs sind, als auch anhand der Bewegungsmuster des Pferds. So gelingt das Spiel mit den Abständen:

Vorausschauen Hast du schon mal gewiefte Springreiter im Parcours beobachtet? Sie sind wahre Meister darin, den besten Weg von einem Hindernis zum nächsten zu erspähen und Pferde exakt dorthin zu steuern. Überm Sprung wiederum haben sie schon wieder das nächste Hindernis im Blick.

Auch Reiter anderer Disziplinen schauen im Sattel stets ein gutes Stück voraus: In der Westerndisziplin Reining zirkelt das Pferd mit atemberaubender Geschwindigkeit wie auf einer unsichtbaren Schiene. Damit das gelingt, hat der Reiter die ideale Linie stets im Blick. Sogar bei klassischen Bahnfiguren gilt: Um das Pferd punktgenau zu steuern, muss der Reiter vorausschauen.

Ein weicher Blick sort für ein großes Blickfeld

Und wie geht das? Stell dir vor, dass auf deinen Schultern Augen sitzen, die immer einen Bereich ein paar Meter vor dir und deinem Pferd im Blick haben. Weicher Blick Wichtig ist jedoch nicht nur, dass wir im Sattel vorausschauen, sondern auch wie. Denn einfach nur auf das Hindernis oder einen Buchstaben an der Bande zu starren, wirkt kontraproduktiv auf Sitz und Wahrnehmung. Reiter brauchen einen weichen, sprich entspannten Blick, denn nur so bleiben sie locker und haben ein größeres Sichtfeld.

Wie das klappt, zeigt dieses Experiment: Lasse jemanden vorne um das Pferd herumgehen, während du starr die Ohrenspitzen des Pferds fokussierst. Sag deinem Helfer, bis zu welchem Punkt du ihn noch sehen kannst, bevor er aus deinem Sichtfeld verschwindet und bitte ihn, diesen zu markieren. Anschließend wiederholst du das Experiment, schaust dabei aber weich über die Pferdeohren hinweg. Dieses Mal wirst du den Helfer am Boden länger im Blickfeld haben als beim ersten Versuch. Ein entspannter Blick hilft dem Reiter, Wege besser einzuteilen und Ziele anzusteuern.

Wie bewegt sich mein Pferd? Wer wissen möchte, wie er wo ankommt, sollte zudem ein Gefühl für die Trittlängen des Pferds entwickeln. So kannst du damit starten:

Beobachte das Pferd an der Longe. Lasse es über mehrere Trabstangen gehen (Zwischenabstände ca. 1,20 Meter) und achte darauf, wie es sich bewegt. Dann variierst du die Abstände zwischen den Stangen um etwa zehn Zentimeter. Wie verändert sich die Bewegung, wenn die Stangen weiter oder enger auseinander liegen?

Anschließend wiederholst du dieselbe Übung im Sattel. So merkst du bald, welche Trittlänge für dein Pferd am besten ist – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass du später intuitiv die Laufwege fürs Pferd einschätzen und punktgenau reiten kannst.

Noch ein Trick: Zwei Pylone helfen, Blick und Gefühl dafür zu entwickeln, wie viele Trabtritte oder Galoppsprünge ein Pferd zwischen zwei Punkten macht. Gib zunächst einen Tipp ab, bevor du die Distanz zwischen zwei Hütchen mit dem Pferd zurücklegst. Zähle die Tritte oder Sprünge: Lagst du richtig? Kam dein Pferd punktgenau an? Übe dann, die Distanz in weniger oder mehr Tritten zurückzulegen und dabei möglichst passgenau an der zweiten Pylone zu landen.

Noch mehr Tipps und Übungen findest du im kompletten Artikel zum Download: