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Tennessee Walker: Pferde mit verbotenen Methoden trainiert

Soring bei Tennessee Walking Horses

Damit Tennessee Walker im Sondergang strampeln, greifen manche Amerikaner zu üblen Trainingsmethoden. Manche sind sogar erlaubt.

Mit weit ausholenden Bewegungen der Vorderbeine strampelt das Tennessee Walking Horse durch die Arena. Es kann nicht anders: Dicke Gummiplatten unter den Vorderhufen zwingen es zu der unnatürlich ausgreifenden Beinaktion. Die Zuschauer schreien – vor Begeisterung. Die Szenen stammen aus einem Video der amerikanischen Tierschutzorganisation HSUS (www.cavallo.de/tennesseewalker). Darin prangern die Tierschützer eine Praxis an, die in den USA als „Soring“ bekannt ist. Das bedeutet auf deutsch so viel wie „wund machen“ oder „weh tun“.

„Soring soll die Aktion der Vorderbeine bei Gangpferden verstärken“, erklärt Teresa Bippen von der amerikanische Tierschutzorganisation FOSH. Die Praxis ist in den USA bei vielen Gangpferderassen bekannt. „Am stärksten betroffen sind Tennessee Walker und hier speziell Showpferde“, sagt Teresa Bippen. Sie sollen den sogenannten „Big Lick“ zeigen, also extrem mit den Vorderbein ausgreifen. Solche Pferde können sechsstellige Summen erzielen.

Gangmanipulationen durch Soring kamen schon in den 1950-er Jahren auf. Seit 1970 sind sie durch den Horse Protection Act verboten, können mit Geldstrafen und Gefängnis bis zu zwei Jahren geahndet werden.

Trotzdem entstanden in den folgenden Jahrzehnten eine ganze Reihe von Soring-Techniken. „Früher wurden die vorderen Fesselgelenke mit Diesel, Kerosin oder ätzenden Substanzen gereizt“, erzählt Teresa Bippen. Um dem Berührungsschmerz beim Auffußen zu entgehen, holen die Pferde weiter mit den Beinen aus. „Derselbe Effekt lässt sich erreichen, indem man beim Training schwere Ketten an die Beine hängt, um den Gang zu forcieren. Eine Steigerung ist die Kombination von Hautreizung und Ketten“, sagt Teresa Bippen. Bei Big-Lick-Wettbewerben sind bis zu sechs Unzen, also rund 168 Gramm schwere Ketten erlaubt.

Info

Soring betrifft neben Tennessee Walking Horses auch andere Gangpferderassen wie unter anderem Missouri Foxtrotter, Rocky Mountain Horses, Racking Horses, American Saddlebreds, Islandpferde sowie Paso Finos.

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Pferdehaltung

Kontrollen bei Shows greifen nicht

Um die entzündeten oder blutigen Fesselgelenke der Tennessee Walker bei Sicht- und Tastkontrollen der Turniertierärzte zu tarnen, färben manche Besitzer die Fesselhaare schwarz oder betäuben die betroffenen Partien. Deswegen ist derzeit der Einsatz von Thermographiegeräten bei Tennessee-Walker-Shows im Gespräch.

Ob das finanzierbar ist, darf bezweifelt werden. Die für Soring-Kontrollen zuständige US-Behörde APHIS hat dafür nur einen kleinen Etat. Im vergangenen Jahr waren es knapp 500.000 Dollar (etwa 370.000 Euro). Zu wenig, um dem Problem gerecht zu werden, kritisieren Tierschutzorganisationen wie HSUS.

Die APHIS-Veterinäre könnten nur einen Bruchteil der Shows überprüfen. Die Behörde müsse sich daher zu sehr auf Kontrolleure verlassen, die von den Pferdeverbänden ernannt werden. Das belegen auch von HSUS veröffentlichte Zahlen: Demnach überprüften APHIS-Mitarbeiter zwischen 2005 und 2008 nur sechs Prozent aller Turniere. Fast die Hälfte aller Verstöße, die verbandsnahe Kontrolleure meldeten, beziehen sich auf diese wenigen auch von APHIS inspizierten Wettbewerbe. Im Klartext: Ist kein unabhängiger Veterinär vor Ort, schwächelt die Kontrolle.

Stacks unter den Hufreisen

Was der Behörde den Kampf gegen das Soring in der Tennessee Walking Szene ebenfalls stark erschwert: Private Ställe darf sie nicht kontrollieren. Zudem gibt es neben dem Soring durch chemische Mittel und Ketten inzwischen auch eine Reihe ausgefeilter Techniken, die direkt am Huf ansetzen und teilweise sogar legal sind.

Das gilt beispielsweise für die „Stacks“ (übersetzt etwa „Block“), keilförmige Gummiplatten. Sie werden unter den Hufeisen befestigt und können an der Zehe bis zu zehn, an den Trachten bis zu fünf Zentimeter hoch sein. Stacks müssen aufgrund ihres Gewichts häufig mit zusätzlichen Metallbändern befestigt werden. Dies führt leicht zu schweren Verletzungen, wenn sich das Pferd ein Eisen herunter tritt.

Pferde mit Stacks werden in der Turniersaison daher meist in der Box gehalten. Die Verteidiger der Stacks führen hingegen gerne an, dass die Gummiblöcke sogar dämpfend wirken. „Sie bezeichnen sie deswegen auch lieber als “pad„, also Unterlage“, sagt Bippen. „Das klingt schön therapeutisch.“ Und ist um so verlogener, als dass Stacks auch für das sogenannte „Pressure Shoeing“ benutzt werden. Dieser Druckbeschlag reizt die Hufsohle so stark, dass das Pferd nicht mehr auftreten mag. „Das erreicht man durch bewusstes Vernageln; oder man zwängt zwischen Huf und Pad einen Gegenstand, eine Schraube etwa“, sagt Terese Bippen.

Neuerdings tauchen immer mehr Pferde mit Hufrehe, absichtlich bis auf die Lederhaut ausgeschnittenen Hufen oder massiv schräg verschnittenem Horn auf. Alles extrem schmerzhaft fürs Pferd. „Die Besitzer kümmert das nicht“, sagt Bippen. „Hauptsache, das Pferd läuft in der Show.“

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