Balance Pads für Pferde: Effektive Übungen und Erfahrungen

Training für die Tiefenmuskulatur
So effektiv sind Balance Pads

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 04.03.2026
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Mit Balance Pads die Tiefenmuskulatur stärken

Rumstehen und gleichzeitig Muskeln trainieren? Das geht mit weichen Pads aus Schaumstoff – so genannten Balance Pads. Diese kleinen Trainingshelfer sind schon lange im Humanbereich im Einsatz, doch können genauso gut unseren Pferden helfen. Da das Pferd auf einem weichen, also instabilen Untergrund steht, muss es sich ausbalancieren und nutzt dabei seine tiefe Muskulatur. Wie das genau funktioniert und welche Übungen für Pferde besonders effektiv sind, erklärt Physiotherapeutin Katrin Obst. Außerdem berichten CAVALLO-Chefredakteurin Linda Krüger sowie CAVALLO-Autorin Cathrin Flößer von ihren Erfahrungen mit den Schaumstoff-Pads.

Was ist Balance-Training?

Steht das Pferd auf weichen Balance Pads, gerät der Körper ganz leicht ins Wanken. Diese minimalen Bewegungen aktivieren die Propriorezeptoren. Mit diesem Zungenbrecher-Wort sind Körperrezeptoren gemeint, die abseits von Augen und Ohren Sinnesrückmeldungen geben und die Bewegungen kontrollieren. Diese Körperrezeptoren befinden sich in Muskeln, Gelenken, Sehnen, Bändern und im Bindegewebe und werden durch das Balance-Training angesprochen und aktiviert. "Je besser diese Rezeptoren trainiert sind, desto gesünder bleiben auch Sehnen und Gelenke, weil sie sich selbst schützen können", sagt Pferdephysiotherapeutin Katrin Obst. Sind die Propriorezeptoren des Pferds fit, kann es auch sicher über unebenen Boden gehen oder über kleine Sprünge hüpfen, ohne zu stolpern. Training mit Balance Pads eignet sich für jedes Pferd, denn es dient der Prävention, kommt bei der Reha zum Einsatz und kann bei gesunden Tieren die Leistung steigern.

CAVALLO Balancepads
Sandra Reitenbach

Trittsicherheit mit Balance Pads fördern und erhalten

Umgekehrt schlafen die Propriorezeptoren wieder ein, sobald sie nicht mehr gefordert werden, etwa wenn das Pferd immer in einer glatt eingestreuten Box mit akkurat gepflastertem Paddock steht und in einer stets glatt gezogenen Halle läuft. Sie verkümmern und verhindern, dass der Körper Koordination, Balance und Trittsicherheit erhält. Neben der Bewegung auf unterschiedlichen, auch mal unebenen Böden, quer durchs Unterholz oder über Sprünge, können die Rezeptoren mit den Balance Pads im Stand trainiert werden. Das ist besonders praktisch, wenn das Pferd in einer Reha-Phase ist und nur wenig bewegt werden darf (vorher unbedingt mit dem Tierarzt absprechen, was das Pferd machen darf) oder kann auch mal ganz nebenbei laufen, wenn man gerade ausmistet oder aufräumt. Balance Pads gibt es von diversen Herstellern aus dem Humanbereich oder speziell für Pferde. Die Pads für Pferde halten mehr Gewicht aus. Manche Hersteller weisen darauf hin, dass sie nur bis zu 90 Kilogramm belastbar sind – das reicht nur fürs Reitertraining.

Einstieg in das Pferde-Training mit Balance Pads

Gerade wenn Pferde beschlagen sind, können sich Balance Pads schneller abnutzen. "Hier hilft es, sie mit Panzertape zu umwickeln oder in einen Stoffbeutel zu packen", rät Obst. Fürs Training sollte das Pferd immer auf einem ebenen Untergrund stehen und beide Hufe einer Achse auf Pads stehen haben, also immer beide Vorderhufe oder beide Hinterhufe. Die Pads mancher Hersteller sind groß genug, dass zwei Hufe Platz haben. Andernfalls brauchst du mindestens zwei Pads. Gerade wenn Pferde anfangs mit den Pads noch fremdeln, kommen sie mit einer größeren Schaumstofffläche besser zurecht. Balance Pads gibt es je nach Hersteller in unterschiedlichen Härtegraden. Je weicher der Schaumstoff, desto tiefer sinkt der Huf ein und desto schwieriger wird es fürs Pferd, den instabilen Untergrund auszugleichen. Nutze bitte keine mit Luft gefüllten Pads – sie könnten platzen.

Übungen fürs Pferd

Tipp: Beginne immer von leicht nach schwer. Für manche Pferde ist es bereits eine große Herausforderung, überhaupt auf Balance Pads mit den Vorderbeinen zu stehen. Starte also immer mit wenigen Minuten Training. Für Fortgeschrittene sollte eine Einheit nicht länger als 15 Minuten dauern. Meistens steigen die Pferde von selbst ab, wenn sie genug haben. Um nachzuempfinden, wie sich das Pferd fühlt und was im Körper passiert, kannst du dich selbst mal für einige Minuten barfuß auf die Pads stellen.

Übung 1: Vorderbeine balancieren

Da Pferde in der Regel ihre Vorderbeine besser im Bewusstsein haben als ihre Hinterbeine, fällt es ihnen anfangs leichter, die Vorderhufe auf die Balance Pads zu stellen. Hebe das Vorderbein hoch und lege das Balance Pad dorthin, wo vorher der Huf stand. Stelle den Huf sanft auf dem Pad ab, dann wechselst du die Seite und stellst den zweiten Huf auf das zweite Pad. Sobald das Pferd steht, atmest du selbst bewusst aus und beobachtest, was passiert. Zwinge dein Pferd nicht, den Huf abzustellen, sonst könnte es sich verspannen.

"Man kann erkennen, wie die Brust- und die Schultermuskeln arbeiten", sagt Katrin Obst. Manche Pferde schwanken sogar. Gib deinem Pferd während des Trainings unbedingt Ruhe und lass es sich anfangs ganz auf diese Aufgabe konzentrieren. Schließt es die Augen oder kaut es ab, ist das prima – dann lässt es sich ganz auf die Übung ein. Im besten Fall springt der so genannte Parasympathikus an, das ist der Teil des Nervensystems, der die Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Verdauung steuert. Er dient der Regeneration, baut Kraftreserven auf, kurbelt den Stoffwechsel an und sorgt dafür, dass sich das Pferd gut erholen kann.

Unsere Erfahrungen

Linda Krüger, Chefredakteurin: Wir nutzen Balance Pads für alle Pferde, von der athletischen zehnjährigen Stute bis zu meinen Oldie-Damen ü-25. Das große Schwanken zeigte sich erst jüngst wieder bei einer jungen Araberstute, die im Freilauf und unterm Sattel noch Balanceprobleme hat. Dennoch steht sie entspannt und fokussiert auf sich selbst oft zehn Minuten auf den Pads. Nach einigen Wochen merkt man nun deutlich, dass sie ihren Körper besser im Griff hat. Und auch (oder gerade) bei den Pferden (und Reitern), die sich schwer tun mit den Pads, ist mein Rat: Dranbleiben, es wirkt!

Cathrin Flößer, Autorin: Meine Stute Pandora tat sich schwer und es erforderte viel Geduld, sie mit den Vorderbeinen auf Balance Pads zu stellen, hinten war es noch schwieriger. Gerade als sie älter wurde, ließ ihre Koordination nach und sie stolperte häufiger. Sie brauchte sehr lange, um sich auf die Balance Pads einzulassen und ich konnte froh sein, wenn sie eine halbe Minute darauf stand. Ganz anders mein junger Wallach Coffee, der schon von Natur aus viel ausbalancierter ist. Bei ihm nutze ich aktuell die Pads für die Hinterbeine, weil er Knieprobleme hat. Er steht minutenlang darauf, hat die Augen halb geschlossen und kaut. Ich selbst habe die Pads nach einem Bänderriss im Fußgelenk genutzt und Übungen wie die Standwaage gemacht, um die Strukturen rund um den Knöchel wieder zu stabilisieren.

Du möchtest mehr zum Training mit Balance-Pads erfahren und alle Übungen mit deinem Pferd ausprobieren? Hier kannst du den kompletten Artikel lesen: