Tragkraft-Training Cara Dörpmund

Tragkraft-Training (3): Übungen für Rumpfmuskeln

Tragkraft-Training 3. Teil Übungen für mehr Rumpfmuskeln

Im dritten Teil des Tragkraft-Trainings aktiviert Wallach Bonaparte mit Handarbeit und engen Zirkeln seine Rumpfmuskeln. Diese Übungen können Sie zuhause nachmachen.

Die Expertin

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Cara Dörpmund
Jana Tumovec

Wir begleiten Jana Tumovec über ein halbes Jahr beim Training mit Bonaparte und zeigen, mit welchen Übungen sie aus ihm ein tragfähiges Reitpferd macht. Tumovec kommt aus Eisenach und ist seit 20 Jahren Pferdeosteopathin und Physiotherapeutin für Menschen und Pferde. Sie bildet Fachleute zu "konzeptionellen Reha-Trainern Equine" aus – und konzipiert maßgeschneiderte Trainingspläne für ihre tierischen Patienten.

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Tragkraft-Training Teil 3 Im Flug zu mehr Muskeln
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Das Pony

Bonaparte ist ein sechs Jahre altes Connemara-Pony. Er kommt vom Händler. Dieser wollte ihn aussortieren, da der Wallach als Springpferd nichts taugte. Das Pony war nicht gymnastiziert, es konnte nur gerade über einen Sprung laufen. Zirkel? Unmöglich. Seine neue Besitzerin möchte, dass er ein gesundes und fittes Freizeitpferd wird. Bonaparte hat einen lieben Charakter, ist aber unaufmerksam – und eher langsam in seinen Reaktionen.

Body-Check

Das Bild zeigt Bonaparte zum Trainingsbeginn,

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Bonaparte zu Trainingsbeginn.

und nach den ersten zwölf Wochen Training.

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Bonaparte nach zwölf Wochen Training.

Der Wallach ist umgezogen in einen neuen Stall. Durch die Umstellung hat er etwas Gewicht verloren. Das kontinuierliche Training hat vor allem seine Körperhaltung verändert: Sein Rücken ist hochgekommen, er steht nicht mehr so stark im Hohlkreuz und der Brustkorb hängt weniger. Auch mental hat sich einiges bei Bonaparte getan: Das Connemara-Pony zeigt mehr Bewegungsfreude, ist selbstbewusster und wacher. "Er zündet viel besser auf die Hilfen. Ich brauche deutlich weniger Energie, um durchzukommen", erzählt seine Trainerin.

Übung 1: Im Galopp übers Cavaletti

Jana Tumovec wärmt Bonaparte zunächst mit seinem bekannten Longenprogramm im Schritt auf (siehe auch Folge 1): Sie führt ihn im Schritt drei Runden ganze Bahn. In jeder Ecke und jeweils Mitte der kurzen und langen Seite baut sie eine Volte ein. Auf den langen Seiten Tempo zulegen zwischen den Volten. Danach das gleiche drei Runden auf der anderen Hand.

Nun geht’s an der Longe auf den Zirkel. Es folgen fünf Minuten Trab auf jeder Hand mit Schwerpunkt Takt und Losgelassenheit. Danach bauen Sie auf der Zirkellinie auf dem Hufschlag ein Cavaletti auf. Longieren Sie das Pferd erst im Schritt und Trab über das Cavaletti. Klappt der Ablauf, können Sie mit dem Galopptraining starten. Das Pferd soll fünf bis sechs Runden auf jeder Hand auf dem Zirkel galoppieren und dabei über das Cavaletti springen.

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Im Galopp übers Cavaletti.

Ihr Pferd fällt vorm Hindernis in den Trab? "Das ist okay. Bonaparte hat das anfangs auch gemacht. Ihm fehlte noch die Koordination", erzählt Jana Tumovec. Wichtig: Das Pferd nicht über das Cavaletti jagen. Lassen Sie es lieber im Trab über den Sprung gehen. "Die meisten Pferde galoppieren dann von selbst nach dem Sprung an. Das bestärke ich mit Lob."

Steigerung: Bauen Sie das Cavaletti zunächst auf niedrigster Stufe auf. Meistert das Pferd dies problemlos, können Sie die Stange nach ein paar Runden auch höher legen und die Anforderung somit erhöhen. Ab der dritten Trainingswoche bauen Sie noch ein zweites Cavaletti ungefähr gegenüberliegend auf der Zirkellinie auf.

Physio-Effekt: "Das Pferd macht über dem Sprung den Rücken auf. Das heißt: Es hebt den Rumpf an, die Dornfortsätze der Wirbelsäule gehen auseinander und die ganze Rückenlinie dehnt sich aktiv", sagt die Trainerin. Auch beim Reiten soll das Pferd später aktiv seinen Rumpf anheben, damit der Rücken nicht durchhängt. Bei der Übung lernt das Pferd bereits diesen Bewegungsablauf und trainiert die Rumpfhebemuskeln.

Auch auf die Psyche hat die Übung positive Effekte: Sie steigert die Freude an der Bewegung. Davon profitieren vor allem Pferde, die noch nicht so eine Idee von Vorwärts haben. "Bonaparte zieht vorm Sprung an und entwickelt während der Übung deutlich mehr Fleiß", so Tumovec.

Übung 2: Enges Zirkeln im Trab

Die Übung baut auf dem Zirkel verkleinern und vergrößern aus Folge 1 auf. Dabei hat das Pferd bereits gelernt, gebogene Linien gut zu meistern. "Das enge Zirkeln ist äußerst anspruchsvoll und das Pferd muss dafür gut aufgewärmt sein, damit die Gelenke nicht leiden", sagt die Trainerin. Das Pferd trabt in engen Kreisen mit zwei bis vier Metern Durchmesser um den Longenführer herum. Jana Tumovec startet die Übung mit Bonaparte im Schritt. "Das verringert die Schleudergefahr – also ein Wegdriften nach außen", meint sie. Sie stellt ihn am Kappzaum leicht nach innen, touchiert sein inneres Hinterbein und trabt ihn auf dem engen Kreis an.

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Das Pferd trabt in engen Kreisen mit zwei bis vier Metern Durchmesser um den Longenführer herum.

Verliert er den Takt oder zeigt Anzeichen von Verspannung, vergrößert die Trainerin den Kreis, entlässt das Pferd nach außen und pariert durch. "Ich entlasse das Pferd aus der Kraft in die Entspannung".

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Verliert er den Takt oder zeigt Anzeichen von Verspannung, vergrößert die Trainerin den Kreis, entlässt das Pferd nach außen und pariert durch.

Anfangs schaffen Pferde etwa zwei Runden im Trab auf dem engen Zirkel. Das Endziel sind fünf Runden auf jeder Hand. Zwischendurch Pausen auf gerader Linie im Schritt einbauen und Handwechsel.

Physio-Effekt: Die Übung kennen viele Reiter aus der Freiheitsdressur. "Da sieht es leicht aus. Aber das enge Zirkeln ist sehr anspruchsvoll für den Körper. Deshalb ist auch gutes Aufwärmen vorher wichtig." Die Übung schult die Balance über dem Körperschwerpunkt. Von der Seite betrachtet liegt dieser bei der achten Rippe, von unten betrachtet genau in der Mitte des Körpers. Es kommt bei der Übung nicht auf weites Übertreten an. Das Pferd soll vorwärts-diagonal mit dem inneren Hinterbein Richtung Schwerpunkt des Körpers treten.

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Das innere Hinterbein bewegt sich beim engen Zirkeln vorwärts-diagonal.

In Kombination mit Innenstellung im Genick aktiviert das aktive innere Hinterbein die Rumpftragemuskeln. "Die Muskeln sind beim Pferd zwischen Genick und Hinterbein so verkettet, dass es gar nicht ohne Rumpfaktivierung geht, wenn man die Übung korrekt ausführt", erklärt Jana Tumovec.

Trainings-Extra biomechanisches Taping: Biomechanisches Taping kommt aus dem menschlichen Leistungssport: Es ist etwa bei Läufern und Tennisspielern populär. "Dynamic Tape ist besonders zugfest in alle Richtungen und hat noch stärkere Effekte als normales Kinesiotape", meint Jana Tumovec. Eine Fünf-Meter-Rolle kostet im Handel etwa 15 Euro. Beim Pferd sollte man noch Sprühkleber mit einkalkulieren, damit es auf dem Fell hält. Die Pferdeosteopathin nutzt das Tape aus dem Humanbereich auch für Reha-Pferde und fürs Training. Das Tape klebt auf dem Fell des Pferds. "Die Pferde spüren den Zug des Bands. Der taktile Reiz aktiviert die Muskeln und verändert Bewegungsabläufe", erklärt die Trainerin.

Man kann gezielt Muskelgruppen des Pferds damit ansteuern und deren Leistungsfähigkeit erhöhen. Connemara-Wallach Bonaparte sollen die Tapes helfen, seine schrägen Bauchmuskeln zu aktivieren.

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Connemara-Wallach Bonaparte sollen die Tapes helfen, seine schrägen Bauchmuskeln zu aktivieren.

Jana Tumovec nutzt das Tape fürs Longentraining. Wer Biomechanical Tape® anwenden möchte, sollte vorher einen Kurs dazu belegen. Info: www.equinetherapy-school.de

Übung 3: Übergänge an der Hand

Für die Handarbeit trägt das Pferd eine Trense. Gehen Sie auf der Ganzen Bahn im Schritt. Das Pferd läuft an der Bande. So hat es eine äußere Begrenzung. Zum Antraben drehen Sie Ihre innere Schulter vom Pferd weg ins Bahninnere. Gleichzeitig geben Sie das Stimmkommando "Teerab". Nach zwei bis drei Pferdelängen parieren Sie durch zum Schritt. Wenden Sie dafür auf die Volte ab und geben Sie ein Stimmkommando wie "Scheeritt". "Ich bremse über die Wendung, Körpersprache und die Stimme – nicht mit dem Zügel. Die Verbindung zum Maul bleibt konstant", erklärt Jana Tumovec. Nach der Volte gehen Sie wieder Ganze Bahn und traben erneut an. Absolvieren Sie ungefähr sechs Übergänge pro Hand.

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Übergänge an der Hand.

Physio-Effekt: Übergänge sind Krafttraining für die geraden Bauchmuskeln und die Hinterhand. "Es ist wichtig, nicht über den Zügel zu bremsen. Sonst bremsen die Pferde über die Vorhand und fallen nach vorne", weiß die Trainerin. Übrigens: Wenn Ihr Pferd im Laufe der Übung schneller wird, hat das meistens nichts mit überschüssiger Energie zu tun – im Gegenteil. "Das ist meist ein Zeichen dafür, dass das Pferd müde wird und einen Weg aus der Anstrengung sucht. Dann ist Zeit für eine Schrittpause".

Übung 4: Trab-Schaukel an der Hand

Das Pferd sollte bereits die Schaukel im Schritt beherrschen. Klappt das, können Sie auch die Trab-Schaukel üben. Halten Sie an der Bande. Richten Sie das Pferd aus dem Halt eine Pferdelänge rückwärts.

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Halten Sie an der Bande. Richten Sie das Pferd aus dem Halt eine Pferdelänge rückwärts.

Dann traben Sie direkt an. Dafür drehen Sie Ihre Schulter auf (Richtung Bahnmitte), geben ein Stimmkommando und touchieren das Pferd an der Hinterhand – wenn nötig.

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Dann traben Sie direkt an. Dafür drehen Sie Ihre Schulter auf (Richtung Bahnmitte), geben ein Stimmkommando und touchieren das Pferd an der Hinterhand – wenn nötig.

Das Pferd soll den ersten Schritt machen, dann gehen Sie mit. Ziehen Sie es nicht hinter sich her. "Verkneifen Sie es sich, das Pferd anzufeuern. Das bringt Unruhe in die Übung", sagt Jana Tumovec. Erhöhen Sie Ihre Körperenergie, wenn das Pferd nicht antrabt und richten sich mehr auf. Das Pferd setzt das Hinterbein beim Wechsel vom Rückwärts ins Vorwärts nicht ab. Der Bewegungswechsel in der Luft ist anspruchsvoll. Die Trainerin plant etwa vier Wochen ein, bis Pferde das flüssig hinbekommen.

Physio-Effekt: Im Trab und Rückwärts zeigt das Pferd eine diagonale Trittfolge. "Das spricht zwei große muskuläre und fasziale Funktionslinien im Pferdekörper an, die diagonal durch den Rumpf verlaufen", erklärt die Physiotherapeutin. Diese Muskeln und Faszien geben dem Pferd Rumpfstabilität. Diese braucht es, um den Reiter zu tragen. Je stabiler das Pferd in der Mitte ist, desto losgelassener und freier kann sich der Rest des Körpers bewegen.

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