Working Teil 3 Thomas Hartig
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Serie Working Equitation Teil 3

4 Übungen fürs Rückwärtsrichten

CAVALLO goes Working Equitation. Machen Sie mit! Denn die Trend-Disziplin ist ideal, um die Dressur zu verfeinern. Im letzten Teil der Serie: geschmeidiges Rückwärts.

Haben Sie schon mal jemandem blind vertraut? Genau das muss Ihr Pferd beim Rückwärtsrichten tun: Es sieht nicht, wohin es tritt und muss sich ganz auf Ihre Hilfengebung verlassen – und die muss dazu klar und verständlich sein. „Hier zeigt sich, ob das Pferd dem Reiter vertraut und wie gut es an den Hilfen steht“, sagt Mirjam Wittmann, amtierende Team-Weltmeisterin in der Working Equitation.

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Working Equitation Serie Teil 3 4 Übungen für ein besseres Rückwärtsrichten
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Drei Reiterinnen testen die Übungen für CAVALLO

Wittmann coacht unsere drei Test-Reiterinnen, die die Trend-Disziplin für CAVALLO ausprobieren (siehe Heft 11/2019 bis 1/2020). Mit dabei sind CAVALLO-Autorin Christiane Wehnert, 34, Dressurreiterin Maria Vetter, 20, und Profi-Pferdetrainerin Yvonne Gutsche, 38, die Lust auf etwas Neues hatten und neugierig auf Working Equitation sind. Im letzten Teil der Serie geht’s im Rückwärtsgang über den Reitplatz von Hof Czeschner in Hohenstadt bei Ulm. „Working-Pferde müssen rückwärts genauso gut beherrschen wie vorwärts“, sagt Mirjam Wittmann. „Im Trail wird das Rückwärts auf geraden sowie gebogenen Linien abgefragt und bei der Rinderarbeit müssen wir auch mal schnell zurück, um an der Herde dranzubleiben.“

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Mirjam Wittmann sattelte vor rund sechs Jahren von S-Dressur auf Working Equitation um.

Nicht nur deswegen trainiert sie regelmäßig diese Lektion. „Rückwärtsrichten ist eine tolle Gymnastik fürs Pferd“, weiß Wittmann, die ursprünglich aus der klassischen Dressur kommt. „Die Hinterbeine befinden sich abwechselnd unter dem Körper. Das dehnt und kräftigt Rücken- sowie Hinterhandmuskulatur. Außerdem senkt das Pferd die Kruppe ab und die Lendenwirbelsäule wird aufgewölbt. Alles in allem wird das Pferd viel beweglicher.“

Der Rückwärtsgang: ein großer Vertrauensbeweis!

Gleichzeitig ist das Rückwärtsrichten auch eine Herausforderung für den Kopf: Das Pferd muss sich besonders bei Rückwärtskurven koordiniert bewegen. Der Reiter kann zudem überprüfen, ob das Pferd seine Hilfen annimmt und willig sowie gleichmäßig zurück tritt. Um Pferd und Reiter das Rückwärts zu erleichtern, verwendet Mirjam Wittmann Pylonen, Slalomstangen und Springstangen. „Mit diesen optischen Anhaltspunkten verstehen die meisten Pferde sehr schnell meine Übungen“, berichtet sie. „Und der Reiter konzentriert sich mehr auf die Aufgabe, weil er das Ziel vor Augen hat.“ Wie genau das funktioniert, lesen Sie im Folgenden. Wir zeigen Ihnen Varianten für jedes Niveau, mit denen das Training viel Spaß macht.

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Mirjam Wittmann sattelte vor rund sechs Jahren von S-Dressur auf Working Equitation um.

Vorübung fürs Rückwärts: Halten und Stehenbleiben

„Bevor der Reiter den Rückwärtsgang einlegen kann, muss er sein Pferd exakt und fein stoppen können“, sagt Mirjam Wittmann. „Zudem sollte das Pferd lernen, danach ruhig stehenzubleiben, bis es zurück geht. Das braucht man etwa beim Rückwärtsslalom.“

Wozu ist das gut? Anhalten und Stehenbleiben schulen Geduld und Gehorsam des Pferds. Das ist nicht nur für Worker wichtig, sondern für jeden Reiter; etwa, wenn man beim Ausritt an einer vielbefahrenen Straße warten muss oder bei der Grußaufstellung in einer Dressurprüfung auf dem Turnier. Der Reiter lernt, seine Hilfen im Sattel fein zu dosieren.

Aufbau: Sie brauchen zwei Pylonen und zwei Slalomstangen, die Sie im Abstand von zirka 1,5 Metern aufstellen.

So geht's: Reiten Sie im Schritt und halten Sie das Pferd zwischen den Hütchen an. Dazu bereiten Sie das Pferd rechtzeitig vor, indem Sie ausatmen und den Nabel Richtung Wirbelsäule ziehen. So kippt das Becken leicht nach hinten ab. Das bremst das Pferd. Kombinieren Sie die Hilfe mit einer ganzen Parade zum Stand. Steht das Pferd, öffnen Sie die Hände wieder und entspannen im Sattel. „Stell dir vor, du willst eine WhatsApp auf deinem Handy tippen“, sagt Mirjam Wittmann zu Maria Vetter. „Wer daran denkt, macht automatisch oft alles richtig“, lacht die Trainerin und krümmt sich, um die Haltung zu verdeutlichen. Steht das Pferd nicht still, gehen Sie mit der Hand leicht vor und treiben nach, wenn es zurückgeht. Geht es nach vorne: Richten Sie das Pferd ruhig wieder zurück.

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Die Stangen geben Pferd und Reiter Orientierung.

2. Übung: Rein und Raus – zurück zwischen zwei Stangen

„Wir Worker nennen dieses Hindernis Glockengasse“, erklärt Mirjam Wittmann. „Auf dem Turnier hängt am Ende der Gasse eine Glocke, die der Reiter läuten muss, bevor er wieder rückwärts raus geht. Die lassen wir heute aber weg.“

Wozu ist das gut? Pferd und Reiter lernen gerade und gleichmäßig rückwärts zu gehen.

Aufbau: Legen Sie zwei Stangen parallel auf den Reitplatz (Abstand zirka 1,5 Meter).

So geht's: Das ist der Ablauf der Übung: Im Schritt mittig einreiten, am Ende der Gasse anhalten und kurz stehenbleiben in der WhatsApp-Haltung, dann Rückwärts raus. „Das Pferd soll ruhig und gerade zurück treten“, sagt die Trainerin. Die Möglichkeiten, wie der Reiter sein Pferd zum Rückwärtsgehen animieren kann, sind verschieden. Mirjam Wittmann empfiehlt diesen Weg: Um die Lektion einzuleiten, richten Sie sich auf und verlagern Ihr Gewicht etwas nach hinten, indem Sie das Becken leicht nach hinten kippen. Das aufmerksame Pferd folgt dieser Gleichgewichtsverlagerung. Mit leicht annehmenden Zügelhilfen und einem Schenkelimpuls fordern Sie das Pferd dann zum Zurücktreten auf. Reagiert das Pferd darauf, öffnet
sich die Reiterhand sofort. „So wird jeder Tritt einzeln gefordert“, sagt Wittmann.

Lust auf mehr? Traben oder galoppieren Sie in die Stangengasse, halten Sie am Ende an, richten Sie Ihr Pferd eine Pferdelänge rückwärts und traben oder galoppieren daraus erneut an. Eine weitere Variante: die L-Glockengasse.

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Man muss ganz genau reiten, sonst ist die Übung im Eimer.

3. Übung: Rückwärts um die Kurve – Das Stangen-L der Worker

Ob Ihr Pferd gut an den Hilfen steht, zeigt die Kombi von Rückwärts, Stellung und Biegung, die beim Stangen-L gefragt ist. „Auch diesen Aufbau findet man auf Worker-Tunieren sehr häufig mit einer Glocke am Ende der Gasse, die der Reiter läuten muss“, berichtet Mirjam Wittmann.

Aufbau: Vier Stangen bilden ein L. Der Abstand der Stangen beträgt zirka 1,5 Meter.

So geht's: Worker-Neulinge trainieren das Hindernis am besten in mehreren Etappen – und ohne Glocke: Reiten Sie im Schritt durchs L, halten Sie am Ende des Hindernisses an und bleiben Sie kurz stehen (in Whats- App-Haltung – siehe Übung 1). Richten Sie das Pferd anfangs nur bis zur Ecke gerade rückwärts – dann wieder vorwärts aus dem Hindernis reiten. Danach reiten Sie nur bis vor die Ecke und wieder rückwärts raus. Zum Schluss kommt die Kurve. „Nehmen Sie dazu erst die Hinterhand des Pferds rum, danach die Vorhand“, erklärt Mirjam Wittmann. Für letzteres ist exaktes Timing nötig: In
dem Moment, in dem das Vorderbein abfußt, weisen Sie mit dem rechten Zügel nach außen und verlagern Ihr Gewicht im Sattel in dieselbe Richtung. So setzt das Pferd das Vorderbein nicht gerade nach hinten, sondern seitlich-rückwärts ab. Klappt jeder Abschnitt, können Sie die drei Etappen miteinander verbinden. So geht’s leichter: „Die Kurve im Winkel nicht zu eng reiten, um den Fluss der Bewegung zu erhalten“, rät Wittmann.

Lust auf mehr? Reiten Sie im Schritt ins Stangen-L
und galoppieren Sie in der Ecke an. Dann stoppen Sie am Ende und es geht im Rückwärtsgang wieder aus. Noch schwieriger wird es, wenn Sie bereits vor der Ecke angaloppieren oder das Pferd flotter rückwärts treten soll. Eine weitere Steigerung: Positionieren Sie die Stangen enger, mit einem Abstand von 1,4 bis 1,2 Metern, oder legen Sie
die Stangen leicht erhöht.

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Volle Konzentration bei Pferd und Reiter: Yvonne Gutsche schlängelt sich mit Bailey durch den Rückwärts-Slalom.

4. Übung: Rückwärts-Slalom

Geht das Pferd flüssig um Links- und Rechtskurven rückwärts, können Sie das zu einem Rückwärts-Slalom à la Working Equitation kombinieren: Vorwärts in
 die Pylonengasse, Gegenstand von
der Stange nehmen, rückwärts rausschlängeln und den Gegenstand wieder auf einer Stange absetzen. Alles klar?

Aufbau: Stellen Sie sechs Pylonen so auf, dass sie eine Gasse bilden. Stecken Sie in jedes Hütchen eine Slalomstange. Auf der letzen rechten Stange platzieren Sie einen Gegenstand wie einen Filzhut oder Bierkrug mit Henkel, den Sie gut aus dem Sattel greifen und zu Pferd transportieren können.

So geht's: Reiten Sie im Schritt gerade in die Gasse und halten Sie zwischen den letzten beiden Hütchen an, so dass Sie den Gegenstand von der Stange gut greifen können. Worker-Neulinge reiten dann zunächst gerade rückwärts aus der Gasse, um sich an das Handling von Gegenstand und Zügeln zu gewöhnen (Zügel anfangs am besten in beide Hände nehmen). Klappt das, geht’s in einer Schlangenlinie um die Pylonen auf der rechten Seite rückwärts raus: Fädeln Sie zunächst zwischen den zwei nächstliegenden Hütchen durch. „Positionieren Sie die Hinterhand im Stand bereits leicht nach rechts“,
rät Wittmann. „Dann richten Sie ein paar Schritte gerade zurück, bis die mittlere Pylone sich auf Ihrer Kniehöhe befindet. Jetzt dirigieren Sie die Hinterhand nach links und dann wieder gerade zurück.“ Zwischen den ersten beiden Pylonen angekommen, halten Sie an und setzen den Gegenstand auf die rechte Stange. Mirjam Wittmanns Tipp: Schauen Sie immer über Ihre jeweils innere Schulter zur nächsten Pylone. Auf diese Weise verlagern Sie Ihr Gewicht im Sattel richtig, um rückwärts die Kurve zu kriegen.

Lust auf mehr? Üben Sie auch auf der linken Gassenseite den Rückwärts-Slalom. Und Sie können auch im Trab oder Galopp einreiten.

Wie war Working Equitation? Das Fazit der CAVALLO-Reiterinnen

Drei Anrufe, drei Zusagen. So schnell waren die Plätze für ein CAVALLO-Fotoshooting selten vergeben. Das Training mit der amtierenden Team-Weltmeisterin der Working Equitation wollte sich niemand entgehen lassen. Wie haben den Test-Reiterinnen die Übungen von Mirjam Wittmann gefallen? Welche positiven Effekte haben Sie bei ihren Pferden und sich selbst festgestellt?

Lob von Pferdephysio Christiane Wehnert: „Früher habe ich mich über Stallkollegen geärgert, die nach dem Training Stangen oder Pylonen mitten auf dem Reitplatz stehengelassen haben. Heute sehe ich das mit anderen Augen. Ich nutze sie, um Kringel drumherum
zu reiten. So muss ich schon mal nicht meine Pylonen und Stangen aufbauen. Mir macht Working Equitation richtig viel Spaß und ich baue die Übungen jetzt in jede Trainingseinheit ein. Das liegt nicht zuletzt an Mirjams guten Erklärungen, die wir in dieser CAVALLO-Serie natürlich nur gekürzt wiedergeben konnten. Sie erklärt sehr anschaulich und verhilft Pferd und Reiter durch sehr feine Hilfen schnell 
zu Trainingsfortschritten. Das motiviert unglaublich! Auch meiner Araberstute Shimounah tun die Übungen sehr gut. Die sonst etwas kantigere Araber-Kruppe ist zu einem richtig schönen runden Po herangewachsen. Das ihr das Training guttut, bestätigt auch meine Pferde-Physiotherapeutin. Sie hat Shimounah untersucht und gesagt: ‚Egal, was du gerade machst, mach weiter so.‘ Darüber freue ich mich natürlich sehr.“

Auf die Freundschaft! Yvonne Gutsche: „Ich kenne mehrere Worker schon seit vielen Jahren und schaue mir auch sehr gerne Turniere an. Allerdings habe ich die Disziplin selbst noch nie so richtig ausprobiert. Das Training mit Mirjam hat mich total geflasht und ich bin richtig süchtig nach ihren Tipps geworden. Working Equitation macht mir nicht nur sehr viel Spaß, sondern ich finde es faszinierend, wie viel rittiger meine Pferde durch die Übungen geworden sind. Selbst meine bereits gut ausgebildeten Pferde, wie mein Stuntpferd Bailey, machen dressurmäßig noch tolle Fortschritte. Aus diesem Grund bin ich dazu übergegangen, Mirjam ein Mal im Monat auf meine Anlage zu holen
 und mich von ihr coachen zu lassen. Das Training ist eine große Bereicherung und inspiriert mich immer wieder zu neuen Ideen. Mirjam und ich spinnen gedanklich bereits an gemeinsamen Show-Bildern rum. Und wer weiß, vielleicht starte ich irgendwann auch mal selbst auf einem Working-Equitation-Turnier.“

Mehr Training wäre gut – Maria Vetter: „Mir 
hat der Trainingstag mit Mirjam sehr viel Spaß gemacht. Vor allem das Ringstechen fand ich klasse. Beim Slalom hatte ich tolle Aha-Effekte, was meine eigene Haltung im Sattel betrifft. Seit dem Trainingstag habe ich mir öfter Stangen hingelegt, Pylonen eher seltener. Ich bin nicht so der Typ, der so etwas alleine ausprobiert. Mit einem Coach
wie Mirjam oder einer motivierten Reiter-Gruppe wäre ich auf jeden Fall dabei und würde Working Equitation gerne weiter ins Training einbauen.“

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