Working Equitation Thomas Hartig & Lisa Rädlein
Working Equitation Schenkelweichen
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Working Equitation Serie Teil 2

Drei Übungen für Seitengänge

CAVALLO goes Working Equitation. Denn die Trend-Disziplin ist ideal, um Dressur zu verfeinern. In diesem Artikel: Seitengänge für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Working Equitation verbindet Spaß mit Dressur. Das bestätigen drei Reiterinnen, welche die Trend-Disziplin für CAVALLO ausprobieren. „Beim Training haben wir viel gelacht“, sagt CAVALLO-Autorin Christiane Wehnert, 34. „Und trotzdem haben wir viel gelernt“, ergänzt Dressurreiterin Maria Vetter, 20. „Ich finde es enorm, wie viel rittiger meine Pferde geworden sind, seitdem ich Working Equitation trainiere“, berichtet Yvonne Gutsche, 38, die als Profi-Pferdetrainerin im CAVALLO-Test-Team mitreitet.

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Working Equitation Serie Teil 2 Übungen für Seitengänge für Einsteiger und Fortgeschrittene
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Geschmeidig für den Trail und die tägliche Dressur

In dieser Folge stehen Seitengänge auf dem Übungsplan. „Jedes Worker-Pferd muss schön geschmeidig seitwärts gehen können“, sagt Mirjam Wittmann, die das CAVALLO-Team coacht. „Seitengänge brauchen wir vor allem bei Trail-Hindernissen wie dem Tor und bei der Rinderarbeit, um gut an die Herde ranzukommen.“ Doch nicht nur dafür ist Seitwärts unverzichtbare Basis. Die amtierende Team-Weltmeisterin schwört auf die gymnastizierende Wirkung von Seitengängen: „Seitwärts lockert und kräftigt das Pferd zugleich.“

Darüber hinaus bekämpft es die natürliche Schiefe. „Und der Reiter lernt, wie er Vor- sowie Hinterhand seines Pferds exakt über feine Hilfen steuert“, sagt die Trainerin aus Grafing bei München.

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CAVALLO-Autorin Christiane Wehnert testet mit Shimounah ein Schenkelweichen à la Working Equitation.

Pylonen und Stangen erleichtern das Lernen

Mirjam Wittmann trainiert das Seitwärts in einer bestimmten Reihenfolge: Schenkelweichen ist hier die Basis. Es folgt Schulterherein, bei dem das Pferd gegen die Bewegungsrichtung gestellt ist und sich um das innere Bein biegt. Dann kommen Travers, auch Kruppeherein genannt, und die Konterlektion dazu, Renvers. Dabei wird das Pferd in die Bewegungsrichtung gebogen und vorwärts-seitwärts geführt. Bei der Traversale verlegt der Reiter das Travers auf eine diagonale Linie.

Worker-Kür ist das Volltravers, bei dem das Pferd nicht mehr vorwärts, sondern nur noch seitlich tritt. Die CAVALLO-Testreiterinnen Maria Vetter und Christiane Wehnert sind mit ihren Pferden auf Schenkelweichen-Niveau; Yvonne Gutsche beherrscht bereits Travers. Mit Hilfe von Trail-Equipment wie Pylonen will Mirjam Wittmann die Paare individuell voranbringen. „Damit lernt man intuitiver zu reiten und Seitwärts-Lektionen auf eine spielerische Art zu erarbeiten“, erklärt die Trainerin, während sie die Hilfsmittel auf dem Reitplatz von Hof Czeschner in Hohenstadt bei Ulm aufstellt. Wie gut funktioniert das in der Praxis?

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Beim Schenkelweichen befindet sich das Pferd auf vier Hufschlagspuren.

1. Übung: Schenkelweichen – Erster Einstieg ins seitwärts

Streng genommen ist Schenkelweichen kein echter Seitengang. Denn dabei wird nur eine leichte Stellung im Genick verlangt, aber noch keine Biegung.

Wozu ist das gut? Das Pferd lernt das seitwärts einwirkende Reiterbein kennen. Weitere Vorteile: Übertreten im Schritt lockert. Es mobi­lisiert die Pferdehüfte und aktiviert die Hinterhand. Außerdem verbessert sich die Balance des Pferds. Und der Reiter bekommt ein Gefühl dafür, wann das innere Hinterbein unter den Bauch fußt.

Aufbau: Für die Übung brauchen Sie eine Pylone sowie eine Slalomstange. Stellen Sie die Pylone in die Zirkelmitte und stecken Sie die Slalomstange ins Hütchen.

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Das Pferd wird dazu animiert, mit dem inneren Hinterbein nicht direkt nach vorne, sondern vorwärts-seitwärts zu fußen.

So geht's: Reiten Sie im Schritt auf dem Zirkel. Die Pylone ist Ihr Kreismittelpunkt, den Sie nicht aus den Augen verlieren. Verkleinern Sie den Zirkel etwas und leiten Sie das seitliche Treten ein, indem Sie mit dem inneren Bein knapp hinterm Gurt einen Impuls geben und das Gewicht im Sattel leicht nach außen verlagern. Das animiert das Pferd dazu, mit dem inneren Hinterbein nicht direkt nach vorne zu fußen, sondern vorwärts­seitwärts. Das äußere Bein liegt verwahrend hinter dem Gurt. Es verhindert, dass die Hinterhand des Pferds zu weit nach außen schwenkt. Der innere Zügel sorgt für eine leichte Stellung nach innen, indem Sie die Hand leicht anheben. Der äußere Zügel lässt diese Stellung zu und begrenzt
das Pferd nach außen. Lösen Sie die Lektion nach mehreren Seitwärts­Tritten auf, denn Schenkelweichen ist nicht für den Dauereinsatz gedacht. Bei dieser Übung wird ein maximales Kreuzen der Beine abverlangt. Das belastet Bänder, Sehnen und Gelenke. Setzen Sie die Lektion lieber nur in kurzen Reprisen ein. „Reagiert das Pferd nicht auf den Impuls des inneren Schenkels, würde
ich absteigen und die Lektion vom Boden aus üben, bis das Pferd verstanden
 hat, was die richtige Lösung ist“, rät Wittmann. „Den Schenkeldruck kann man mit der Hand am Pferdebauch imitieren.“

Lust auf mehr? Reiten Sie Zickzack auf dem Zirkel: Ver­ größern Sie den Kreis um die Pylone mit ein paar seitlichen Tritten, dann richten Sie das Pferd wieder ganz normal auf
der Zirkellinie aus. Nach wenigen Metern verkleinern Sie den Zirkel erneut und vergrößern ihn wieder durch Übertreten. Oder Sie erhöhen den Schwierigkeitsgrad mit einer Stange, über die das Pferd seitlich treten muss.

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Nicht so viel mit dem inneren Zügel machen, lieber den Oberkörper mehr zur Pylone drehen - dann dreht auch das Pferd.

2. Übung: Schulterherein – gut zum Lösen und Versammeln

Bei dieser Lektion ist das Pferd nicht
 nur gestellt, sondern auch gebogen. „Wir Worker brauchen eine gute Schulterkontrolle, um schnell um Tonnen zu kreiseln oder durch den Slalom zu reiten“, sagt Mirjam Wittmann. „Schulterherein ist für uns von essentieller Bedeutung!“

Wozu ist das gut? Der portugiesische Reitmeister Nuno Oliveira soll das Schulterherein als Aspirin der Reiterei bezeichnet haben. Ein Mittel gegen alles. Denn wie das Medikament ist die Lektion vielseitig und effektiv: Zum einen fördert die Übung Tragkraft, Geraderichtung und Versammlungsfähigkeit, weil das innere Hinterbein des Pferds verstärkt unter den Schwerpunkt fußt. Zum anderen macht Schulterherein das Pferd beweglicher. Die äußeren Muskeln dehnen sich und die Pferdeschultern werden mobiler. Der Reiter lernt, das Pferd korrekt mit seinen Hilfen einzurahmen. Gelingt das nicht, weicht das Pferd von der Linie ab. Deshalb hilft die Lektion dem Reiter, Fehler schnell zu erkennen und zu beheben.

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Der innere Zügel sorgt für die korrekte Stellung nach innen, indem Sie die hand leicht anheben.

Aufbau: Wie Übung 1 – Schenkelweichen.

So geht's: Reiten Sie zunächst im Schritt auf dem Zirkel um die Pylone. Die Pylone ist Ihr Kreismittelpunkt, den Sie stets anschauen. Der innere Zügel sorgt für die korrekte Stellung nach innen, indem Sie die Hand leicht anheben. Drehen Sie den Oberkörper nach innen, als wollten Sie auf eine Volte abbiegen. Das Gewicht verlagern Sie dabei etwas mehr auf den inneren Gesäßknochen. Sobald die innere Pferdeschulter eine Hufspur nach innen versetzt ist, gibt der Reiter mit seinem inneren Bein knapp hinterm Gurt einen Impuls fürs Seitwärtstreten. „Achten Sie darauf, das Bein nicht zu weit zurückzulegen, sonst schiebt man die Kruppe nach außen“, erklärt Mirjam Wittmann. Der äußere Schenkel liegt leicht verwahrend hinterm Gurt. „Nicht so viel mit dem inneren Zügel machen“, sagt Mirjam Wittmann zu CAVALLO-Autorin Christiane Wehnert. „Dreh lieber den Oberkörper mehr zur Pylone, dann dreht auch das Pferd.“ Klappt das auf der großen, gebogenen Linie, verkleinern Sie allmählich den Kringel, bis Sie Schulterherein auf einer Volte reiten. Wichtig: Reiten Sie zwischendurch immer wieder einige Schritte geradeaus und üben Sie Schulterherein auf beiden Händen, um das Pferd auf beiden Körperseiten gleichmäßig zu gymnastizieren!

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Bei dieser Lektion ist das Pferd nicht nur gestellt, sondern auch gebogen.

Lust auf mehr? Klappt das, können Sie das Schulterherein auch im Trab und Galopp
üben. Fragen Sie die Lektion auch auf geraden Linien ab. Etwas anspruchsvoller sind auch Wechsel zwischen Schenkelweichen und Schulterherein.

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Können nicht nur Stunts, sondern auch Dressur: Yvonne Gutsche und Bailey im Seitengang über der Stange.

3. Übung: Seitwärts mit Stange – für mehr Geschicklichkeit

Seitwärts über eine Stange ist eine Trail-Aufgabe, die fast auf jedem Working-Equitation-Turnier abgefragt wird. „Im Speedtrail absolvieren wir das Hindernis sogar im Galopp“, berichtet Trainerin Mirjam Wittmann. Worker-Neulinge starten im Schritt und absolvieren das Hindernis zunächst im Schenkelweichen. Profis wie Team-Weltmeisterin Mirjam Wittmann reiten im sogenannten Sidepass, einem Volltravers, bei dem das Pferd in die Bewegungsrichtung gebogen ist und komplett seitwärtstritt.

Wozu ist das gut? Seitwärts über eine Stange hat die gleichen positiven gymnastischen Effekte wie das Seitwärts ohne Stange. „Mit der Stange zwischen den Hufen fördert man noch etwas mehr die Konzentration, den Gehorsam, das Vertrauen und die Geschicklichkeit des Pferds“, sagt
 die amtierende Team-Weltmeisterin. Stürmische Pferde lernen, Schritt für Schritt zu setzen. Dressurpferden hilft die Übung, Seitengänge präzise auf einer vorgegebenen Linie auszuführen. Und der Reiter? Der bekommt ein besseres Gefühl für Abstände und exaktes Reiten. AUFBAU:Für diese Übung brauchen Sie lediglich eine Hindernisstange, die Sie am besten in die Mitte der Reitbahn legen.

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Die Variante für Worker-Neulinge: Schenkelweichen mit Stange.

So geht's: Nutzen Sie die Stange als erstes nur als optische Orientierungslinie fürs Seitwärts. „Reiten Sie im Schritt auf die Stange zu, halten Sie davor an und lassen Sie das Pferd vor der Stange im Schenkelweichen seitlich treten“, erklärt Mirjam Wittmann. Klappt das, unterteilen Sie die Stange gedanklich in drei Teile, um das Pferd langsam an das Hindernis zu gewöhnen. Reiten Sie zuerst über das äußere Drittel. Halten Sie an, wenn die Vorderbeine Ihres Pferds die Stange überquert haben. Dann lassen Sie Ihr Pferd dem Schenkel weichen, und zwar zum nächstliegenden Stangenende nach außen. Im nächsten Schritt peilen Sie das mittlere Drittel der Stange an und weichen von dort aus nach außen. So erweitern Sie das Seitwärts Stück für Stück, bis Ihr Pferd gleichmäßig seitwärts über die gesamte Stange weichen kann. Der Teufel steckt bei dieser Übung im Detail: „Nicht den Kopf senken und nach unten zur Stange schauen“, sagt Mirjam Wittmann zu Christiane Wehnert. „Sonst sitzt du schief im Sattel. Schau lieber in die Richtung, in die du reiten möchtest.“ Und die Hufe sollten die Stange nicht berühren. „Das lässt sich vermeiden, indem man darauf achtet, dass die Steigbügel sich immer direkt über der Stange befinden“, verrät die Team-Weltmeisterin.

Pferde, die seitwärts eilen, dirigiert Mirjam Wittmann über der Stange hin und her: erst ein paar Schritte in die eine, dann ein paar Schritte in die andere Richtung und so weiter – ohne jedoch zwischendurch anzuhalten. Jetzt fehlt nur noch das Einfädeln. Dazu schicken Sie das Pferd bereits vor der Stange ins Seitwärts und fädeln ein. „Manche Pferde mögen das Einfädeln nicht so gern“, beobachtet Mirjam Witt­ mann. „Auch wenn sie die Stange bereits kennen, sind sie irritiert. Hier kann man mit Ruhe und Geduld dranbleiben oder absteigen und vom Boden aus üben, bis das Pferd damit keinen Stress mehr hat.“

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Die Variante für Fortgeschrittene: im Volltravers über die Stange.

Lust auf mehr? Klappt das Schenkelweichen vor der Stange entlang wie am Schnürchen, können Sie probieren, vor der Stange ein Schulterherein oder Travers zu reiten. Die Stange dient dabei nur als optische Orientierungslinie für Pferd und Reiter. Yvonne Gutsche probiert ein Travers. „Dabei ist das Pferd in Bewegungs­ richtung gestellt und gebogen“, erklärt Mirjam Wittmann. „Die Vorhand befindet sich direkt vor der Stange und die Hinter­hand kommt herein.“ Das klappt. „Jetzt probiert ihr ein Volltravers über der Stange“, sagt Mirjam Wittmann. Dabei tritt das Pferd nur noch seitlich. Nach zwei Versuchen klappt das bei Yvonne Gutsche und Bailey bereits im Schritt und ohne an die Stange anzu­ stoßen. „Super, bald sehen wir uns auf dem Turnier“, lacht Mirjam Wittmann.

Training Reiten Working Teil 3 Serie Working Equitation Teil 3 4 Übungen fürs Rückwärtsrichten

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